Dachau ohne Winter und Byun ohne Chance: Berlin klarer Sieger im Spitzenspiel

Von Stephan Roscher|Januar 4, 2026|bundesliga

TSV Dachau 65 – ttc berlin eastside 1:6

Wir hatten auf ein packendes Duell der Bundesliga-Giganten ebenso gehofft wie circa 260 Zuschauer, die zur Sporthalle der Dachauer Montessori-Schule gekommen waren. Als jedoch verlautete, dass beim Tabellenzweiten Dachau das so starke Spitzenpaarkreuz mit Sabine Winter (verletzt) und Seoyoung Byun (krank) komplett ausfallen würde, war klar, dass es ein solches nicht geben konnte. Ein munteres Bundesligaspiel aber schon, das erste im Jahr 2026, das im verlustpunktfreien Spitzenreiter Berlin einen klaren Sieger fand.

Es sollte das „Highlight vor dem Highlight“ werden, doch das war aufgrund höherer Gewalt nicht möglich. Somit muss das tatsächliche Highlight noch einige Tage auf sich warten lassen, wenn in Kolbermoor, keine 100 Kilometer vom heutigen Schauplatz entfernt, das große Turnier um die Deutsche Pokalmeisterschaft über die Bühne geht (10./11.01.).

Dachau griff, der Not gehorchend, auf das Quartett Koharu Itagaki, Dora Cosic, Naomi Pranjkovic und Emine Ernst zurück, während der Hauptstadtklub mit Natalia Bajor, Mia Griesel, Sabina Surjan und Josi Neumann angereist war. Man verzichtete darauf, eine der Asiatinnen an die Tische zu schicken, und auch Nina Mittelham und Xiaona Shan wurden geschont, sodass nicht gerade „Waffengleichheit“, jedoch wenigstens ein kleines bisschen mehr Augenhöhe hergestellt war.

Koharu Itagaki konnte natürlich nicht mit ihrer Lieblingspartnerin Seoyoung Byun im Doppel antreten und ging gemeinsam mit Naomi Pranjkovic in die Box, wo ihnen die eingespielte Berliner Kombination Sabina Surjan/Josi Neumann gegenüberstand. Im ersten Satz wurden die Dachauerinnen förmlich überrollt, in den nachfolgenden beiden Durchgängen konnten sie recht gut mithalten, zu einem Satzgewinn reichte es beim 1:11, 9:11, 9:11 indes nicht. Einen Tick näher an einem Erfolg waren Dora Cosic und Ersatzspielerin Emine Ernst, die Natalia Bajor und Mia Griesel immerhin den zweiten Satz abknöpfen konnten.

Im ersten Paarkreuz musste Jugend 15-Weltmeisterin Koharu Itagaki zunächst gegen die ebenfalls aufgerückte Mia Griesel im Duell der Jugend-Asse – Griesel hatte gemeinsam mit Anna Hursey bei der WM in Cluj-Napoca Gold im Mädchen 19-Doppel gewonnen – ran. Es entwickelte sich ein spannendes, sehenswertes Duell mit dem besseren Ende für die 19-jährige Berlinerin (11:7, 8:11, 15:13, 9:11, 11:5). Am Nachbartisch hatte es Dora Cosic, gerade erst fest in die Mannschaft gekommen und sogleich im Spitzenpaarkreuz gefordert, mit der erfahrenen polnischen Nationalspielerin Natalia Bajor zu tun. Den zweiten Satz konnte sich Dachaus Kroatin angeln, ansonsten aber dominierte Bajor, deren Sieg letztlich ungefährdet war.

0:4 – würde irgendwer auf Seiten des Gastgebers die bis dahin reibungslose Performance des Rekordmeisters stoppen können. Wenn ja, dann musste ja nun im hinteren Paarkreuz etwas tun. Und tatsächlich gelang der 22-jährigen Niederländerin Emine Ernst, die eigentlich im Drittligateam des TSV 65 aufschlägt, ein Überaschungscoup. Gegen die hoch favorisierte Sabina Surjan lieferte Ernst das vielleicht bisher stärkste Match ihrer bisherigen Karriere ab und konnte zweimal nach Sätzen in Führung gehen. Ihre Champions-League-erfahrene Gegnerin behielt zunächst jedoch die Nerven und sicherte sich Durchgang vier nach 7:10-Rückstand noch in der Verlängerung. Wer nun dachte, dass Surjan im Entscheidungssatz ihre Gegnerin in Grund und Boden spielen würde, sah sich getäuscht: Enst legte los wie die Feuerwehr und ging mit 7:1 gegen ihre verdutzte Kontrahentin in Führung, Surjan kam zwar noch auf 5:7 heran, hatte aber kurz darauf bei 5:10 fünf Matchbälle gegen sich. Zwei wehrte sie noch ab, hatte am Ende aber mit 7:11 das Nachsehen und musste ihre zweite Punktspielnniederlage der Saison (Bilanz 7:2) quittieren. Berlins Serbin konnte mit ihrer Leistung nicht zufrieden sein, während ihre Gegnerin für den tollen Auftritt von den Fans bejubelt wurde.

Überrascht alle gegen Sabina Surjan: Emine Ernst (Archivfoto Roscher).

Dennoch konnte Berlin ungefähr zeitgleich den Zähler auf fünf stellen, da sich Josi Neumann im packendsten Match des Tages knapp mit 3:2 gegen Naomi Pranjkovic, die in den Sätzen vier und fünf jeweils einen Matchball vergab, durchsetzte. Das Ergebnis aus Sicht der Siegerin lässt erahnen, wie eng es zuging: 9:11, 11:8, 11:13, 16:14, 13:11.

Natalia Bajor, die inzwischen richtig gut in der Liga angekommen ist, ließ es sich nicht nehmen, gegen Koharu Itagaki den Sack zuzumachen. Die 15-jährige Dachauerin spielte zwar phasenweise gut mit, musste sich aber in vier Sätzen ihrer starken Gegnerin beugen.

Nach zwei Stunden und 47 Minuten sowie 20:10 teilweise recht spannenden Sätzen hatte der ttc berlin eastside auch sein siebtes Saisonspiel in der 1. Bundesliga Damen leistungsgerecht gewonnen. Naomi Pranjkovic hatte es in der Hand, das Ergebnis noch etwas knapper zu gestalten, konnte ihre Chance jedoch nicht nutzen. So oder so gebührt auch den Dachauerinnen ein Lob für ihren couragierten Auftritt, durch den sie dem Favoriten das Leben schwerer machten, als es in Anbetracht der besonderen Umstände eigentlich zu erwarten war.

berlin eastside bleibt natürlich einsam an der Spitze mit nunmehr 14:0 Punkten, Dachau (9:5) ist weiterhin Tabellenzweiter, hat aber nun bereits fünf Punkte Rückstand auf die Hauptstädterinnen. Nach Minuspunkten musste man somit Langstadt (8:4) erst einmal vorbeiziehen lassen. Am 18.01. empfängt der Ligaprimus den ESV Weil – ein ganz besonderes Spiel im Berliner Sportforum, gekoppelt mit der Herren-TTBL-Partie Düsseldorf vs. Fulda-Maberzell -, während Dachau sechs Tage später zum zweiten Bayernderby der Saison nach Kolbermoor reisen muss. 

„Das Spiel war teilweise wirklich spannend, leider haben wir es in entscheidenden Situationen nicht geschafft, den Sack zuzumachen“, so TSV-Trainer Alexander Yahmed. „Naomi hatte Matchball, Koharu 1:1 und 10:6, vielleicht wäre es noch spannender geworden, wenn sie gewonnen hätten.“ Yahmed räumte jedoch ein: „Mehr hätten wir aber auch nicht erreichen können, als noch ein wenig mehr Spannung reinzubringen, dafür war Berlin einfach zu gut, das natürlich verdient gewonnen hat.“

„Es war eine große Kulisse vor Ort und deshalb schade, dass es so lief“, konstatierte eastside-Manager Andreas Hain. „Trotzdem hat Dachau einen großen Kampf geliefert und eigentlich in allen Matches besser performt als gedacht. Kompliment!“. Dennoch gab es am klaren Sieg seines Quartetts nicht zu rütteln: „Unsere Spielerinnen haben kühlen Kopf bewahrt und letztlich erneut einen souveränen Sieg eingefahren. Man darf auch nicht vergessen, dass bei uns die stärksten vier Spielerinnen nicht eingesetzt wurden, umso mehr freuen wir uns über dieses Resultat. Mit dem heutigen Sieg sind wir unserem Ziel, den Einzug in die Play-offs so schnell wie möglich unter Dach und Fach zu bekommen, einen großen Schritt näher gekommen.“ Hain schloss sein Statement mit der Feststellung ab: „Außer Weil hat bisher kein Team komplett gegen uns gespielt, das ist leider etwas unerfreulich, so ist es halt schwer, die Liga besser zu vermarkten. Auch wenn man die Gründe der Vereine verstehen kann.“

Beitragsbild oben: Natalia Bajor hatte mit drei Erfolgen, zwei im Einzel und einem im Doppel, maßgeblichen Anteil am Berliner Sieg in Dachau (Foto: Dr. Stephan Roscher).

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