ttc berlin eastside verlustpunktfreier Herbstmeister

Von Stephan Roscher|Dezember 21, 2025|bundesliga

Klarer Heimsieg gegen Weinheim

ttc berlin eastside – TTC 1946 Weinheim 6:1

Am Sonntag beendete die Partie zwischen Rekordmeister ttc berlin eastside und dem amtierenden Titelträger TTC 46 Weinheim die Vorrunde der Saison 2025/26 in der deutschen Damen-Topliga.Wie zu erwarten war, setzte sich der Hauptstadtklub, der sich tags zuvor die Viertelfinalteilnahme in der Champions League gesichert hatte, klar durch und bewahrte durch den 6:1-Erfolg seine weiße Weste – mit 12:0 Punkten hat man schon jetzt drei Punkte Vorsprung auf Verfolger Dachau sowie sieben Zähler Abstand zu den Nicht-Play-off-Plätzen.

Weinheim musste zwar, auch dies war allgemein erwartet worden, auf die verletzte Yuan Wan verzichten, schickte aber alles andere als eine „Trümmertruppe“ in die Hauptststadt. Die Südkoreanerin Kim Seongjin spielte auf der Spitzenposition, gefolgt von der wiedergenesenen Mateja Jeger-Majstorovic, der jungen Elisa Nguyen sowie der 18-jährigen, ambitionierten Luxemburgerin Enisa Sadikovic aus dem Weinheimer Drittligateam. Berlin, das das fünfte Triple der Vereinsgeschichte anstrebt, entschied sich für die Aufstellung Nina Mittelham, Sabina Surjan, Mia Griesel und Josi Neumann.

Von Anfang an zeigte sich, dass im Augenblick nichts und niemand die Berlinerinnen stoppen kann, egal in welcher Aufstellung sie spielen. Der Kader ist eben durchweg Spitzenklasse. Beide Doppel gingen an die Hauptstädterinnen. Josi Neumann und Partnerin – diesmal nicht Sabina Surjan, sondern Mia Griesel – besiegten Elisa Nguyen/Enisa Sadikovic in vier Sätzen, von denen nur die ersten beiden umkämpft waren. Am Nachbartisch hatten Surjan und Nina Mittelham wenig Mühe mit Kim Seongjin/Mateja Jeger (11:9, 11:7, 11:3).

Ein ziemlich glattes 3:0 ließ auch die gestern in der Königsklasse schon recht gute Nina Mittelham gegen die nach vorne aufgerückte Mateja Jeger folgen. Sabina Surjan hatte Kim Seongjin beim 11:7, 11:5, 11:8 besser im Griff als gedacht – schließlich ist die Südkoreanerin im aktuellen Weltranking die Nummer 67, während Berlins Serbin nur an Position 131 geführt wird. Kim ist noch nicht richtig in der Bundesliga angekommen, anders ist ihre 1:6-Bilanz im vorderen Paarkreuz nicht zu erklären. 4:0 der Zwischenstand, manche rechneten nun sogar mit einem glatten 6:0 für den ttc eastside.

Doch es folgte etwas Unerwartetes. Mia Griesel, Jugendweltmeisterin im Doppel, brachte nicht die gewohnte Leistung und wirkte eigenartig gehemmt und stellenweise auch hektisch. Ihre Gegnerin Enisa Sadikovic, die ihr Bundesliga-Debüt bereits im November in der Partie gegen Bingen gegeben hatte, spielte dagegen vollkommen frei und gelöst auf, weil sie nichts zu verlieren hatte. Die junge Luxemburgerin legte zur Überraschung der etwas mehr als 100 Berliner Fans in der „Heyse25“ eine 2:0-Satzführung vor – sie gewann die ersten beiden Durchgänge mit 12:10 und 11:8. Griesel pustete durch und fand besser ins Match, das sie drehen zu können schien. Mit 11:9 und 11:8 verbuchte sie die folgenden beiden Durchgänge auf der Habenseite, doch ihre ungewohnte Nervosität legte sich nicht, nicht einmal, als sie im Entscheidungssatz zunächst wie am Fließband punktete und auf 9:2 davonzog. Denn plötzlich gelang ihr fast nichts mehr, während ihre Gegnerin nur auf diesen Moment gewartet zu haben schien und sich Punkt für Punkt heran arbeitete. Bei 9:7 war dann endlich wieder einmal Griesel an der Reihe, die sich mit dem 10:7 drei Matchbälle verschaffte. Verwerten konnte sie keinen davon und bei 10:11 hatte sie plötzlich einen gegen sich. Jedoch auch dieser blieb ungenutzt. Auch ihre Matchbälle beim Stand von 12:11 und 13:12 konnte Weinheims Luxemburgerin nicht verwandeln. Im Gegenteil, bei 14:13 war plötzlich wieder Griesel nur einen Ball vom Happyend entfernt. Pustekuchen, Sadikovic blieb vollkommen cool, sicherte sich die nachfolgenden drei Punkte und gewann diesen irrsinnigen Satz in einem irrsinnigen Match schließlich mit 16:14. Natürlich nur der Ehrenpunkt für Weinheim und lediglich ein Sieg von kosmetischem Wert, doch der Sensationssiegerin wird er in den nächsten Wochen und Monaten mächtig Auftrieb geben.

Die 18-jährige Luxemburgerin Enisa Sadikovic sorgte für das einzige Highlight des TTC 46 Weinheim in Berlin. Ihren 3:2-Sieg über Mia Griesel hatte keiner erwartet (Foto: Armin Schimkat).

Josi Neumann ließ nachfolgend im Duell der deutschen Schülerinnen-/Jugendnationalspielerinnen gegen Elisa Nguyen nichts anbrennen und behauptete sich mit 3:1 (11:5, 9:11, 11:5, 11:9) relativ deutlich. Die 15-Jährige Hessin in Diensten des ttc eastside scheint auf dem bestem Weg zu alter Form zu sein, mindestens, nachdem eine heftige Mandelvereiterung mit anschließender OP sie wochenlang zurückgeworfen hatte.

Nina Mittelham blieb es vorbehalten, gegen Kim Seongjin den sprichwörtlichen Sack zuzumachen. Beim 3:1-Erfolg der 29-jährigen Deutschen verliefen die Sätze insofern etwas kurios, als der erste sehr knapp war (14:12), die anderen beiden, die Mittelham für sich verbuchte, mit 11:5 und 11:7 recht deutlich verliefen und dazwischen der dritte Durchgang mit 11:2 haushoch an die Koreanerin ging. Am Sieg der DTTB-Nationalspielerin und dem 6:1-Siegpunkt für Berlin gab es aber nichts zu rütteln.

Ein kurzer Blick auf die Halbzeitbilanzen zeigt uns auf Berliner Seite mit Yuka Kaneyoshi (6:0) und Sabina Surjan (7:1) zwei ganz besonders erfolgreiche Spielerinnen. Bärenstark ist aber auch die Doppelbilanz von 10:2 – und das, obwohl insgesamt sechs verschiedene Kombinationen zum Einsatz kamen.

Bei Weinheim sieht es natürlich nicht so günstig aus, sonst wären ja auch die – trotz des Verletzungspechs – eigentlich unfassbaren 3:9 Punkte nicht zu erklären. Dabei war ausschlaggebend, dass die beiden eindeutig besten Spielerinnen, Chien Tung-Chuan und Yuan Wan, lediglich auf zwei beziehungsweise drei Einsätze kamen. Ein positives Ergebnis verbuchte lediglich Chien (3:1). Recht ordentlich harmonierten die Doppel Kim Seongjin/Yuan Wan und Mateja Jeger/Elisa Nguyen.

berlin eastside steigt bereits am 4. Januar mit dem Spitzenspiel in Dachau in die Rückrunde ein. Weinheim empfängt eben jene Dachauerinnen am 25.01. – und von da an zählen für die Nordbadenerinnen eigentlich nur noch Siege, egal wie stark die Gegner sind. Schließlich will man noch in die Play-offs, der Zwei-Punkte-Rückstand auf die Teams aus Kolbermoor und Bingen, die derzeit die Plätze vier und fünf belegen, dürfte bei positivem Rückrundenverlauf durchaus noch aufzuholen sein. Dazu beitragen soll die 19-jährige ukrainische Nationalspielerin Veronika Matiunina, die vom Zweitligisten Langweid kommt und dort auf der Spitzenposition eine imponierende 16:1-Bilanz erspielen konnte.

STATEMENTS DER BEIDEN VEREINE

Andreas Hain (Manager ttc berlin eastside):

„Ein famoser Abschluss der Vorrunde. Wir haben alle Bundesliga Spiele gewonnen, haben die Champions League-Gruppenphase vorzeitig als Erster beendet. Wir können uns nicht beschweren. Bei Mia war nach dem Gewinn des Weltmeisterschaftstitel die Luft ein bisschen draußen, deshalb hatten wir sie bereits letzte Woche gegen Bingen pausieren lassen, aber sie wird sich wieder fangen und in der Rückrunde sicher wieder top aufspielen. Letztlich haben wir Weinheim dominiert und mit 6:1 deutlich nach Hause geschickt. Das war heute ein Klassenunterschied!“.

Christian Säger und Rainer Schmidt (Manager und Trainer TTC 46 Weinheim):

„Ein Spiel in Bestbesetzung konnten wir in der Vorrunde bestreiten, danach immer eine oder zwei Spielerinnen krank oder verletzt. Aber: Der komplette Club, das ganze Umfeld und unsere Stadt sind überglücklich über den Deutschen Meistertitel 2025. Das überwiegt ganz klar und daher gehen wir mit positiver Einstellung in die Rückrunde. Der Stachel bei Berlin über unseren Titel muss noch ziemlich tief sitzen, wenn immer wieder Kommentare über uns geschrieben werden. Von unserer Seite Glückwünsche nach Berlin zur Vorrundenmeisterschaft!“.

Beitragsbild oben: Sabina Surjan glänzte beim ttc berlin eastside mit einer 7:1-Vorrundenbilanz (Foto: Dr. Stephan Roscher).

Links

Diesen Beitrag teilen: