Packendes Bayernderby endet mit Punkteteilung

Von Stephan Roscher|Dezember 20, 2025|bundesliga

Dachau vorne Extraklasse, Kolbermoor lässt hinten nichts anbrennen – Annett Kaufmann mit Verletzungspech

TSV Dachau 65 – SV DJK Kolbermoor 5:5

Circa 260 Zuschauer bereuten ihr Kommen nicht, erlebten sie doch ein bis zum Ende spannendes Bayernderby und fast 200 Minuten sehenswertes Tischtennis. Bei 20:20 Sätzen in der Endabrechnung kann man sicher auch von einer gerechten Punkteteilung sprechen. In ihrem zweiten Einzel verletzte sich Annett Kaufmann. Bleibt zu hoffen, dass es nichts allzu Gravierendes ist und die 19-jährige Ausnahmespielerin bald wieder am Tisch stehen kann.

Das vordere Paarkreuz des Gastgebers mit Seoyoung Byun und Sabine Winter bot Tischtennis vom Feinsten, gewann sämtliche Matches und schraubte seine Bilanz auf 16:1. Doch von hinten kam gar nichts, Naomi Pranjkovic und Ersatzspielerin Emine Ernst – Dora Cosic kam nur im Doppel zum Einsatz – gingen komplett leer aus.

In den Doppeln trennte man sich 1:1: Seoyoung Byun und Naomi Pranjkovic besiegten Huang Yu-Chiao/Lisa Wang (3:2), während am anderen Tisch Annett Kaufmann/Tijana Jokic in vier Sätzen gegen Sabine Winter/Dora Cosic die Oberhand behielten.

Im ersten Durchgang des vorderen Paarkreuzes bestätigten Seoyoung Byun und Sabine Winter ihre überragende Form der letzten Wochen. Defensivstrategin Byun hatte schon zu kämpfen, um Kolbermoors 29-jährige Taiwanerin Huang Yu-Chiao, eine bedingungslos angreifende Linkshänderin, mit 3:2 auf Distanz zu halten. Huang zeigt schon gute Ansätze, kann sich aber in der deutschen Topliga noch nicht entscheidend in Szene setzen. Das Potenzial dafür besitzt sie allemal. Am anderen Tisch das mit Spannung erwartete Duell zwischen Sabine Winter und Annett Kaufmann, die sich den ersten Satz sicherte. Am Ende hieß es aber 3:1 (9:11, 11:6, 11:6, 11:7) zugunsten der Weltranglisten-17 im Dress des TSV Dachau, die ab dem zweiten Durchgang das Geschehen gut im Griff hatte.

Hinten konnte Kolbermoor egalisieren, wobei es müßig ist zu spekulieren, ob Dachau mit Koharu Itagaki und Dora Cosic eventuell besser ausgesehen hätte. Halten wir uns an die Fakten: Naomi Pranjkovic schien gegen Tijana Jokic nach dem Gewinn der beiden ersten Sätze zunächst einem Sieg entgegenzusteuern, doch die 25-jährige Serbin fand mit zunehmender Matchdauer immer besser zu ihrem Spiel und konnte die Partie noch drehen. Keine Chance besaß Ersatzspielerin Emine Ernst gegen den Abwehrriegel der 16-jährigen Lisa Wang, die sich immer besser in der ersten Liga akklimatisiert. Zwischenstand 3:3 – alles blieb vollkommen offen.

Zweiter Durchgang im Spitzenpaarkreuz: Dachau erneut überragend. Seoyoung Byun gewann gegen Annett Kaufmann, die allerdings – nach klar verlorenem erstem Durchgang – im zweiten Satz umknickte und das Match nicht zu Ende bringen konnte. Hoffentlich kann sie beim Pokalturnier in Kolbermoor am 10./11. Januar wieder topfit am Tisch stehen. Mehr dazu unten in der Schilderung von Dr. Michael Fuchs. Sabine Winter präsentierte sich ein weiteres Mal in Galaform und überließ einer gewiss nicht schwachen Huang Yu-Chiao keinen Satz (11:5, 11:9, 11:7). 5:3 für den Gastgeber, doch würde es diesmal gelingen, hinten ein Match erfolgreich zu gestalten? Naomi Pranjkovic schaffte es nicht. Gegen Lisa Wang war sie in den ersten beiden Sätzen auf Augenhöhe, doch zu mehr reichte es beim 10:12, 9:11, 6:11 nicht. Somit ruhten alle Hoffnungen der TSV-Fans auf der 22-jährigen Niederländerin Emine Ernst. Doch auch Tijana Jokic ist, nach anfänglichen Schwierigkeiten, inzwischen gut in der Liga angekommen. Ernst zeigte sich kämpferisch und wollte unbedingt den Sieg, der – nach zuletzt drei klaren Erfolgen – zwei weitere Punkte für ihr Team bedeutet hätte. Zweimal konnte sie Jokics Satzführungen egalisieren, doch im fünften Durchgang war sie mit ihrem Latein am Ende und ihre Gegnerin durfte ihren fünften Saisonsieg und das Kolbermoorer Remis bejubeln.

Für Kolbermoor ist die Vorrunde beendet. Mit 5:7 Punkten schloss man die erste Halbrunde punktgleich mit Bingen auf Rang vier ab und hat damit weiterhin alle Chancen auf den vierten Play-off-Platz. Theoretisch könnte Weinheim am Sonntag noch vorbeiziehen, doch dann müsste der amtierende Meister deutlich in Berlin gewinnen, was wenig wahrscheinlich ist, zumal man ersatzgeschwächt in die Hauptstadt reist. Klar im positiven Punktebereich (7:3) steht der TSV Dachau. Ob es Platz zwei oder drei wird, entscheidet sich heute in Langstadt. Gewinnen Winter und Co., beenden sie das Jahr 2025 als Tabellenzweiter.

„Es war ein heißes Spiel mit einer super Stimmung“, so Dachaus Trainer Alexander Yahmed, der nach der Partie natürlich in Eile war, da die Fahrt ins hessische Langstadt, wo man am heutigen Samstag um 14 Uhr an den Tischen zu stehen hat, unmittelbar bevorstand. „Final geht das 5:5 in Ordnung, ich denke, beide hatten Chancen auf mehr und deswegen ist das Unentschieden absolut okay für uns.“

Wesentlich detaillierter ging Dr. Michael Fuchs auf die Partie ein. „Ein toller Kampf heute der gesamten Mannschaft. Diesmal haben wir eher einen Punkt gewonnen als einen Punkt verloren und können sehr glücklich darüber sein. Ich denke aber insgesamt ist es ein leistungsgerechtes Unentschieden“, unterstreicht der Cheftrainer und Abteilungsleiter Tischtennis des SV DJK Kolbermoor. Fuchs weiter: „Dass Dachau ein gutes vorderes Paarkreuz hat, war uns natürlich bewusst, und man muss auch damit rechnen, dass hier alles passieren kann, also auch ein 0:4. Annett und Yu-Chiao haben keineswegs schlecht gespielt, aber Sabine und Seoyoung waren heute einfach den Tick besser. Das muss man dann auch akzeptieren. Die Zuschauer haben auf jeden Fall klasse Tischtennis geboten bekommen. Wie allerdings unser unteres Paarkreuz heute darauf reagiert hat, war absolut top – ein besonderes Lob an Lisa und Tijana, die uns heute den Punkt gerettet haben!“.

Der Wermutstropfen: „Leider wurde das tolle Spiel überschattet von der Verletzung, die sich Annett im zweiten Spiel in Satz zwei zugezogen hat. Sie ist in einem langen Ballwechsel umgeknickt und konnte das Spiel leider nicht fortsetzen. Den Wert, den Annett für uns hat, speziell im Hinblick auf die Pokalmeisterschaften, die Anfang Januar bei uns stattfinden, dürfte klar sein, weshalb ihre Gesundheit für uns natürlich oberste Priorität hat. Wir hoffen, dass es nichts Ernstes ist, sondern „nur“ eine Bänderdehnung oder ähnliches und sie im Januar wieder fit ist.“

Fuchs zog abschließend Bilanz: „Insgesamt ein versöhnlicher Abschluss der Vorrunde für uns, die zugegebenermaßen nicht so verlaufen ist, wie wir es uns erhofft hatten. Aber durch den Ausfall von Hongi war wohl einfach auch nicht mehr drin. Wir werden die Vorrunde als Vierter beenden und haben unsere Chance auf die Play-offs am Leben gehalten. Wir hoffen, dass wir in der Rückrunde den ein oder anderen Punkt mehr holen können, um den vierten Tabellenplatz abzusichern.“

Versöhnlicher Vorrundenabschluss: Team des SV DJK Kolbermoor 2025/26, hier noch mit Qianhong Gotsch (Foto: Verein).

Sehenswert: Highlights des Matchs Sabine Winter vs. Annett Kaufmann

Beitragsbild oben: Sabine Winter war auch von Kolbermoor nicht zu stoppen und schraubte ihre Einzelbilanz vor der heutigen Partie in Langstadt auf 9:0 (Foto: Dr. Stephan Roscher).

Links

Diesen Beitrag teilen: