eastside überlässt Bingen nur drei Sätze, Dachau mit lockerem Sieg gegen lädierte Weinheimerinnen
Klare Angelegenheiten in den Sonntagsspielen
Wer sich am Sonntag spannende Spiele in der 1. Bundesliga Damen erhofft hatte, sah sich getäuscht. Dem ttc berlin eastside behagte die am Freitag eroberte Tabellenführung sichtlich. Keine zwei Stunden benötigte der top motivierte Hauptstadtklub, um das Team aus Bingen mit 6:1 nach Hause zu schicken. 6:1 hieß es am Ende auch für die Dachauerinnen gegen Weinheim, doch das war auch dem Umstand geschuldet, dass die Gäste aus Verletzungs- und Krankheitsgründen gleich drei Einzel abschenken mussten.
ttc berlin eastside – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim 6:1
Wenn man schon ganz oben steht, möchte man auch wie ein Ligaprimus auftreten – und das taten die Berlinerinnen gegen Bingen in beeindruckender Manier.
Beim ttc eastside pausierte diesmal Mia Griesel, für die Josi Neumann ins Team rückte, die diesmal auch für die Einzel aufgeboten war. Yuka Kaneyoshi, Natalia Bajor und Sabina Surjan waren an den Positionen eins bis drei aufgeboten. Bingen war ohne seine Südkoreanerin Yelin Choi angereist. Lea Rakovac, Shi Qi, Elena Kuzmina und Karolina Mynarova gingen für die TTG an die Tische.
Gleich in den Doppeln setzten die Berlinerinnen eine Duftmarke, Surjan/Neumann (gegen Rakovac/Mynarova) und Kaneyoshi/Bajor (gegen Shi/Kuzmina) gewannen ihre Matches jeweils mit 3:0, auch wenn der eine oder andere enge Satz dabei war.
Yuka Kaneyoshi und Natalia Bajor, beide schon in Langstadt bärenstark, machten genau da weiter und ließen ihren Kontrahentinnen Shi Qi beziehungsweise Lea Rakovac keine Chance – beides wieder in drei Sätzen, wobei das 11:7, 11:2, 11:6 der japanischen Abwehrspielerin von besonderer Souveränität zeugte. Rakovac konnte in dem offensiven Schlagabtausch mit Bajor besser mitspielen und die Sätze enger gestalten, doch auch hier war ziemlich schnell klar, dass die Berlinerin gewinnen würde.
4:0 – was konnte das Heimteam in der „Heyse25“ noch bremsen? Die Tschechin Karolina Mynarova nicht, die gegen Sabina Surjan zwar einige schöne Ballwechsel hatte, doch ebenfalls keine realistische Chance besaß. Dann aber schlug Elena Kuzmina zu, die mit all ihrer Erfahrung Josi Neumann in fünf Sätzen bezwingen konnte. Yuka Kaneyoshi beendete nachfolgend das Spektakel ziemlich humorlos mit einem geradezu brutalen 11:3, 11:2, 11:4 über Lea Rakovac.

Verbuchte Bingens Ehrenpunkt und spielte eine sehr ordentliche Vorrunde: Elena Kuzmina (Archivfoto Roscher).
10:0 Punkte für die Hauptstädterinnen – klingt nach einer runden Sache und ist es auch. In dieser Verfassung ist es schwer vorstellbar, dass man am kommenden Sonntag im letzten Vorrundenspiel gegen Weinheim strauchelt, zumal die personellen Probleme des Gegners hinlänglich bekannt sind und sich vermutlich erst in der Rückrunde beheben lassen. Zudem ist berlin eastside derzeit richtig im „Flow“ und man hat das Gefühl, dass dieser von kaum jemandem zu stoppen ist.
Diesmal war sogar Berlins Manager Andreas Hain vollauf zufrieden, der am Freitagabend in Langstadt noch Kritik am in seiner Sicht einen Tick zu lockeren Auftreten seines Teams geübt hatte. „Heute sind wir endlich einmal voll konzentriert und fokussiert das Spiel angegangen und haben es auch gnadenlos durchgezogen“, so Hain. Herausragend die Leistung von Yuka Kaneyoshi, die ihre Gegnerinnen deklassierte und fassungslos nach Hause schickte. Letztlich musst sich nur Josi Neumann mit viel Pech 2:3 geschlagen geben. Alle anderen Matches endeten 3:0. Das war jetzt mal eine deutliche Ansage, so stelle ich mir das vor!“. Noch zweimal geht es im Jahr 2025 an die Tische, nämlich am kommenden Wochenende: „Jetzt müssen wir noch gegen Weinheim nachlegen und vor allem das Champions League-Spiel gegen Saint-Denis gewinnen, dann können wir erstmal entspannt diese beiden Wettbewerbe im neuen Jahr weiterspielen.“
Nicht ganz so rosig sieht es bei Bingen aus. Man hat die Vorrunde abgeschlossen und steht mit 5:7 Punkten auf dem vierten Tabellenplatz. Gut möglich, dass man diesen noch an Kolbermoor verliert, das eine Partie weniger ausgetragen hat. Gelingt nicht eine Leistungssteigerung in der Rückrunde, wird es sehr schwer werden, sich einen der vier begehrten Play-off-Plätze zu sichern. Immerhin konnten zwei Spielerinnen positive Bilanzen erspielen: Elena Kuzmina (6:2) und Shi Qi (5:3).
Bingens Sportvorstand Joachim Lautebach übermittelte uns das nachfolgende Statement: „Leider stand uns Yelin Choi diesmal nicht zur Verfügung, wie wir relativ kurzfristig erfahren hatten. Zudem konnte unser Sportlicher Leiter und Chefcoach Peter Engel krankheitsbedingt nicht nach Berlin kommen, sodass die Mannschaft auf sich alleine gestellt war und sich die Spielerinnen gegenseitig betreuen mussten. Allerdings hätte ich etwas mehr Gegenwehr in einigen Spielen erwartet. Erfreulich war aber, dass Elena Kuzmina ihr Spiel gegen Neumann erfolgreich gestaltete, sodass wir wenigstens einen Punkt machen konnten. Natürlich war Berlin in dieser Besetzung klar besser und hat auch in der Höhe verdient gewonnen. Wir sollten das Spiel schnell abhaken und uns auf die Rückrunde konzentrieren. Wenn man sich die Tabelle anschaut, sind die Plätze vier, fünf und sechs eng beieinander und hart umkämpft. Der Kampf um den vierten Play-off-Platz könnte noch sehr spannend werden.“
TSV Dachau 65 – TTC 46 Weinheim 6:1
Dachau in starker Besetzung mit Seoyoung Byun, Sabine Winter, Naomi Pranjkovic und Dora Cosic, während die Gäste mit demselben Quartett auflaufen mussten, das tags zuvor in Kolbermoor ein Remis erkämpft hatte. Mussten, weil damit zu rechnen war, dass Yuan Wan aufgrund ihrer Verletzung es nur im Doppel versuchen würde und Mateja Jeger-Majstorovic gesundheitlich angeschlagen in die Partie ging – folglich war an eine Wiederholung der Energieleistung von Kolbermoor nicht zu denken.
Anfangs sah es jedoch noch gar nicht nach einem ungleichen Duell aus. Zwar unterlagen Jeger/Nguyen den Dachauerinnen Byun/Pranjkovic mit 0:3, doch zwei der drei Durchgänge gingen erst in der Verlängerung verloren. Am anderen Tisch punkteten aber Wan/Kim nach starker Leistung gegen Winter/Cosic in fünf Sätzen. Doch es sollte der Weinheimer Ehrenpunkt sein.
In den Einzeln nahm das Schicksal seinen Lauf. Im fünften Satz brach Defensiv-Ass Seoyoung Byun im Südkorea-Duell den Widerstand ihrer Landsfrau Seongjin Kim, die bis dahin auf Augenhöhe war, dann aber nur noch einen Punkt machte. Sabine Winter erhöhte gegen Yuan Wan kampflos auf 3:1. Naomi Pranjovic behauptete sich in vier Sätzen gegen die junge Lisa Nguyen. Mateja Jeger spielte einen Satz gegen Dora Cosic und gab dann wegen gesundheitlicher Probleme auf, während Yuan Wan auch zu ihrem zweiten Einzel gar nicht erst antreten konnte, da der Schlagarm zu sehr schmerzte.

Seoyoung Byun blieb gegen Weinheim im Doppel und in den Einzeln ungeschlagen (Foto Roscher).
Schade natürlich für mehr als 170 Tischtennisfans in der Halle, die lediglich vier Matches zu sehen bekamen, doch dies war sozusagen höherer Gewalt geschuldet.
Dachau ist mit 6:2 Punkten dem Tabellenzweiten Langstadt auf den Fersen und könnte durch einen Sieg im direkten Vergleich am kommenden Samstag die Hessinnen noch überholen. Bereits am Freitag steht aber erst einmal das Bayern-Derby gegen Kolbermoor an. Weinheim ist kurz vor Ende einer wahrlich „gebrauchten“ Vorrunde, die von Ausfällen und Verletzungen geprägt war, mit 3:7 Punkten Tabellenvorletzter und könnte die Vorrunde sogar mit einem noch schlechteren Ergebnis abschließen, da man am kommenden Sonntag noch die schwere Partie in Berlin vor der Brust hat.
Dachaus Cheftrainer Alexander Yahmed war der hohe Sieg seines Teams unter diesen Umständen fast ein wenig peinlich: „Wir freuen uns über unsere zwei Punkte, aber uns ist klar, dass die Weinheimerinnen extrem angeschlagen waren. Wir wünschen ihnen alles Gute!“

Die 16-jährige Elisa Nguyen spielte nicht schlecht, konnte aber gegen Naomi Pranjkovic lediglich einen Satz gewinnen (Foto: Armin Schimkat).
Weinheims Manager Christian Säger gab zu Protokoll: „Nicht nur Yuan Wan musste wegen ihrer Verletzung schenken, auch Mateja Jeger hatte nach dem ersten Satz gesundheitliche Probleme und konnte gegen Cosic nicht mehr weiterspielen. Daher geht der Sieg von Dachau vollauf in Ordnung und wir sind froh, wenn diese Vorrunde vorbei ist. Aber auch das gehört dazu, letzte Saison Deutscher Meister und keine Probleme in der gesamten Saison und jetzt trifft es uns knüppelhart.“
Beitragsbild oben: Das eastside-Doppel Josi Neumann/Sabina Surjan ließ diesmal nichts anbrennen (Foto: Dr. Stephan Roscher).
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