Wochenendspiele in der 1. Bundesliga Damen: Weinheim auf Bayern-Tour
Nach dem Spitzenspiel zwischen Langstadt und Berlin am Freitagabend, stehen auch am Samstag und Sonntag in der 1. Bundesliga Damen interessante und vermutlich spannende Partien auf dem Programm. Dies gilt in jedem Fall für die beiden Spiele des Titelverteidigers aus Weinheim, der sich auf Bayern-Tour begibt und gegen starke Gegner punkten muss, um nicht den Anschluss an die Play-off-Plätze zu verlieren. In der Hauptstadt dagegen ist das Team aus Bingen klarer Außenseiter beim Rekordmeister.
Samstag, 14 Uhr: SV DJK Kolbermoor – TTC 1946 Weinheim
Beide Teams zählen zum Meisterschafts-Favoritenkreis, doch beide sind momentan im negativen Punktebereich notiert, stehen auf den Plätzen fünf und sechs und benötigen dringend Punkte, um den Anschluss nach oben herzustellen.
Kolbermoor (3:5 Punkte) musste Berlin und Langstadt gratulieren (jeweils 3:6), teilte sich – nach klarer Führung – die Punkte mit Bingen und besiegte zuletzt Weil mit 6:4, wobei erstmals das neue hintere Paarkreuz mit Lisa Wang und besonders Tijana Jokic richtig überzeugen konnte. Was Annett Kaufmann kann, weiß sowieso jeder – 7:1 lautet ihre aktuelle Bilanz. Neuzugang Yunji Lee aus Südkorea muss sich erst noch in der starken Liga akklimatisieren, ihr Einstand (0:2) verlief „suboptimal“, da ist noch reichlich Luft nach oben. Die Inderin Swastika Ghosh (3:3) hatte dagegen als Nummer zwei schon einige überzeugende Auftritte.
Der TTC 46 Weinheim hatte bisher erst drei Einsätze. Die 2:4 Punkte resultieren im Wesentlichen aus dem Umstand, dass mit Yuan Wan eine Leistungsträgerin zuletzt zweimal verletzungsbedingt ausfiel. Mit ihr konnten die Weilerinnen zum Auftakt klar bezwungen werden, ohne sie quittierte man gewiss zu deutlich ausgefallene 1:6-Heimniederlagen gegen Langstadt und Bingen. Das vordere Paarkreuz präsentierte sich bisher dennoch recht stabil, besonders wenn Chien Tung-Chuan die Spitzenposition einnimmt, während hinten erst ein Matchgewinn durch die junge Elisa Nguyen verbucht werden konnte.
„Weinheim hat ebenso wie wir bisher nicht die beste Saison erwischt, ebenfalls bedingt durch Ausfälle. Ich gehe davon aus, dass es deshalb ein enges Spiel werden wird“, so Kolbermoors Cheftrainer Dr. Michael Fuchs. „Ich vermute auch, dass Weinheim mit mindestens einer sehr jungen Spielerin im hinteren Paarkreuz spielen wird, ähnlich wie wir es in unseren bisherigen Spielen getan haben. Vorne kommt es etwas drauf an, ob/wie Yuan wieder fit ist und welche Asiatin bei Weinheim zum Einsatz kommt, wobei ich hoffe, dass wir hier leichte Vorteile haben werden.“
„Es klingt langsam schon nach einem Statement fürs Phrasenschwein, aber für mich wird es ein Spiel auf Messers Schneide, welches durch die Tagesform entschieden wird“, fährt Fuchs fort. „Wir haben zuletzt besser in den Doppeln gespielt, was aber auch dringend notwendig war, um Punkte holen zu können. Ein 0:2 in den Doppeln ist für alle eine so große Hypothek, die nur sehr schwer wettgemacht werden kann. Gegen Weil im letzten Spiel war in unserem hinteren Paarkreuz „der Knoten geplatzt”. Ich hoffe, dass wir dieses positive Momentum in das Spiel gegen Weinheim mitnehmen können.“
Zu Anfang der Woche stand offenbar noch nicht endgültig fest, welche Weinheimerinnen auf Bayern-Tour gehen werden. „Nach vier Wochen Pause stehen zwei sehr schwere Auswärtsspiele an“, so TTC-Chef Christian Säger. „Wir müssen schauen, welche Spielerinnen fit und gesund sind für die Bayern-Reise. Danach richtet sich dann auch, ob wir in der Lage sein werden, Punkte mit nach Hause nehmen zu können.“
Livestream auf dem Youtube-Kanal des SV DJK Kolbermoor: https://youtube.com/live/tUiJTFqNKFI
Sonntag, 13 Uhr: ttc berlin eastside – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim
Der Rekordmeister, zugleich amtierender Champions-League-Gewinner und Pokalsieger, hofft, auch nach dem Langstadt-Spiel am Freitagabend noch verlustpunktfrei zu sein und bis dahin sein Punktekonto auf 8:0 aufgestockt zu haben. Gegen den derzeitigen Tabellendritten Bingen, der allerdings bereits fünf Minuspunkte auf dem Konto hat, will man nachlegen und zwei weitere Zähler auf dem Weg in die Play-offs verbuchen. Klingt einfach und plausibel, jedoch muss die Partie natürlich erst einmal gespielt werden und selbst die Hauptstädterinnen, die bisher sehr stabil und konstant agieren, sind vor Überraschungen nicht gefeit – wie es eben immer im Spitzensport der Fall ist. Deshalb will man das Spiel ganz seriös und hoch fokussiert sowie in starker Aufstellung angehen.
Die Bingener Vorrunde, die mit dem Berlin-Spiel ihren Abschluss findet, gleicht einer Achterbahnfahrt: 1:6 gegen Langstadt, 5:5 gegen Kolbermoor, 6:1 in Weinheim, 2:6 gegen Dachau und 6:3 in Weil. Die Berlinerinnen zeigen dagegen Konstanz und Nervenstärke, wenn es mal etwas enger zugeht: 6:2 gegen Dachau, 6:3 in Kolbermoor, 6:4 in Weil. Alle zeigen gute Leistungen, wie letzte Saison glänzen bisher Yuka Kaneyoshi, Sabina Surjan und Mia Griesel. Nur bei Natalia Bajor (1:5) scheint der Knoten noch nicht geplatzt. Allerdings musste die 28-jährige Polin bisher jedes Mal im Spitzenpaarkreuz aufschlagen, hinten sähe ihre Zwischenbilanz gewiss ganz anders aus.
eastside-Manager Andreas Hain ist natürlich nicht verborgen geblieben, dass die Rheinhessinnen – auch wenn sie vom Kader her nicht annähernd die Möglichkeiten seines Klubs haben – bisher recht unberechenbar auftreten. Eher durchwachsenen Spielen folgten überzeugende Auftritte, sodass man nicht so recht einschätzen kann, welches Gesicht sie in der Hauptstadt zeigen werden. Besonders das hintere Paarkreuz mit Shi Qi und Elena Kuzmina, beide stehen 5:2, ist stark, zudem sind die Doppel gefährlich. Deshalb äußert sich Hain eher zurückhaltend und rechnet nicht damit, dass der Gegner mal eben so aus der Halle „geprügelt“ wird: „Bingen ist eine brandgefährliche Mannschaft, die man nicht einfach im Vorbeigehen schlagen wird“, erklärt Hain. „Wir fahren deshalb noch am Freitag in der Nacht von unserem Spiel in Langstadt zurück nach Berlin, damit die Spielerinnen ausschlafen und wir noch eine weitere Trainingseinheit einplanen können. Zudem werden wir sicherlich einige Spielerinnen aus dem Langstadt-Match schonen, um dann mit frischem Elan auch gegen Bingen zu gewinnen.“
Natürlich sind die Rollen klar verteilt, der ttc eastside ist eindeutiger Favorit, die TTG reist als Außenseiter an. Das ist selbstverständlich auch Bingens Sportvorstand Joachim Lautebach klar. „Betrachtet man sich die Aufstellung von Berlin, so lässt sich unschwer erkennen, dass es für unsere Mannschaft trotz der zuletzt gezeigten Leistungen sehr schwer wird, dieses Spiel erfolgreich zu gestalten“, sagt Lautebach. „Das Team aus Berlin ist klarer Favorit und für uns geht es darum, sich in dieser Begegnung achtbar zu präsentieren. Die guten Leistungen in den letzten Spielen sollten unserer Mannschaft genug Selbstvertrauen geben, dass dies auch gelingt.“
Für den Livestream zeichnet einmal mehr das bewährte TV-Team des ttc eastside mit Bernd Guder und Dietmar Ripplinger verantwortlich:
Sonntag, 14 Uhr: TSV Dachau 65 – TTC 1946 Weinheim
Der TSV Dachau hat bisher zwei Siege und eine Niederlage – 2:6 in Berlin, 6:2 gegen Weil, 6:2 in Bingen – verbucht, die Tendenz zeigte zuletzt klar nach oben. Seit Defensiv-Ass Seoyoung Byun wieder dabei ist, gab es nur klare Erfolge. Mit der 22-jährigen Südkoreanerin erhält Sabine Winter, die ohnehin seit Monaten so stark ist wie nie zuvor in ihrer Karriere und schon wieder 6:0 steht, vorne eine adäquate Verstärkung. Im ersten Paarkreuz sind die Oberbayern eine Macht, da muss sich jede Gegnerin warm anziehen, wobei natürlich Weinheimer Spitzenkräfte wie Chien Tung-Chuan oder eine Yuan Wan in Topform mithalten können.
Hinten läuft es bei den Oberbayern noch nicht so rund, die Stammkräfte Koharu Itagaki und Naomi Pranjkovic konnten erst einen Matchgewinn verbuchen. Allerdings zeigte Ersatzspielerin Dora Cosic – man sträubt sich beinahe, hier das Wort „Ersatz“ zu verwenden – zuletzt eine Klasseleistung in Bingen und war im Einzel und Doppel nicht zu bewingen.
Alles in allem eine hohe Hürde für den Titelverteidiger, zumal viele Fans erwartet werden, die die Sporthalle der Montessori Schule womöglich zu einem kleinen Hexenkessel machen werden.
Bei den Nordbadenern, die tags zuvor in Kolbermoor ihre Visitenkarte abgeben, war zuletzt noch nicht klar, welche Spielerinnen zur Verfügung stehen und ob die zweimal verletzt ausgefallene Yuan Wan wieder einsatzfähig ist. Deshalb äußert sich Weinheims Macher und Manager Christian Säger im Vorfeld eher zurückhaltend: „Wir müssen schauen, welche Spielerinnen fit und gesund sind für die Bayern-Reise. Danach richtet sich dann auch, ob wir in der Lage sein werden, Punkte mit nach Hause nehmen zu können.“ Kann Weinheim aber in starker Besetzung antreten und vielleicht aus Kolbermoor etwas Zählbares mitbringen, was natürlich gut für die Psyche der Spielerinnen wäre, könnte es ein enger Schlagabtausch werden.
Doch selbst dann müssen sich die Dachauerinnen nicht verstecken, die den dritten Sieg in Folge anstreben und zeigen wollen, dass mit ihnen in dieser Saison unbedingt zu rechnen ist. Deren Trainer Alexander Yahmed freut sich auf die Herausforderung, sieht den Gegner aber in der Favoritenrolle: „Wir freuen uns, den amtierenden Deutschen Meister bei uns zu begrüßen. Unser Ziel ist, unseren „Run“ mit ins Heimspiel zu bringen. Sollten wir das schaffen, werden wir bestimmt unsere Chance bekommen, auch gegen diesen Favoriten.“
Beitragsbild oben: Wenn Seoyoung Byun zur Verfügung steht, verfügt der TSV Dachau über ein unglaublich starkes Spitzenpaarkreuz (Foto: Dr. Stephan Roscher).
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