Vorrunden-Abschluss: Langstadt im direkten Duell mit Dachau um Platz zwei

Von Stephan Roscher|Dezember 19, 2025|bundesliga

Berlin klarer Favorit gegen ersatzgeschwächte Weinheimerinnen

Nach dem Bayern-Derby heute Abend in Dachau, stehen am Wochenende zwei weitere Partien in der 1. Bundesliga Damen auf der Agenda, die letzten beiden im alten Jahr und zugleich die letzten beiden der Vorrunde. Am Samstag empfängt Langstadt die Dachauerinnen zum direkten Duell um Platz zwei. Klangvoll das Sonntagsspiel in Berlin, wo Weinheim gastiert. Doch die Neuauflage des Meisterschaftsfinales der letzten drei Jahre könnte zu einer recht einseitigen Angelegenheit werden. Der Hauptstadtklub kann personell aus dem Vollen schöpfen, während die Gäste ihre angeschlagenen Spielerinnen gewiss pausieren lassen werden.

Samstag, 14 Uhr: TSV Langstadt – TSV Dachau 65

Nachdem Berlin inzwischen mit Siebenmeilenstiefeln und 10:0 Punkten an die Spitze der Damen-Tischtennisbundesliga gestürmt ist, haben sich die Langstädterinnen mit 8:2 Zählern erst einmal auf der unmittelbaren Verfolgerposition eingerichtet. Doch die könnte nun in Gefahr geraten, da am Samstag der nach Minuspunkten mit dem TSV gleichauf liegende Tabellendritte Dachau bei den Hessen gastiert – und der ist seit Wochen in Galaform und kann ein geradezu geniales vorderes Paarkreuz ins Rennen schicken. Langstadt geht in eigener Halle als Außenseiter an die Tische.

Außenseiter schon deshalb, weil es einer Orawan Paranang bedürfte, um im Spitzenpaarkreuz Akzente setzen zu können. Und gerade die spielstarke Thailänderin erwarten wir am Samstag nicht in der Halle, auch wenn sich der Verein, wie immer, im Vorfeld nicht zur Aufstellung äußert. Zählen wir eins und eins zusammen, drängt sich der Schluss auf, dass Paranang erst wieder im neuen Jahr zum Team stoßen wird, vielleicht schon zum Pokalturnier in Kolbermoor am 10./11. Januar, früher jedoch kaum. Sie fehlte bereits beim 2:6 gegen Berlin und dürfte so kurz vor Weihnachten nicht nochmals von Thailand einfliegen.

Es bleiben vier Spielerinnen aus dem Quintett Chantal Mantz, Franziska Schreiner, Izabela Lupulesku, Sophia Klee und Lorena Morsch, vielleicht sogar alle fünf, denn eine könnte ja auch lediglich im Doppel zum Einsatz kommen. Eine recht ausgeglichene Truppe, doch gegen die Spitzenmannschaften der Liga wird es ohne eine „Unterschiedsspielerin“ schwer. Die 1. Bundesliga Damen ist diese Saison im oberen Paarkreuz überragend bestückt. Die Frage stellt sich, ob Langstadt ohne Paranang da mithalten kann.

Doch es ist natürlich ein Mannschaftssport, sodass man bei einem optimalen Start in den Doppeln und sehr guter Ausbeute im hinteren Paarkreuz schon etwas Zählbares holen könnte, dazu müsste aber einfach alles passen. Vielleicht gelingt ja ein Vorweihnachts-Coup gegen Dachau wie letzte Saison – damals war man auch ohne Paranang als Außenseiter in die Partie gegen die Bayern gegangen, jedoch spielte man sich am 15.12.2024 dank einer fantastischen Teamleistung vor einer begeisterten Kulisse in einen kleinen Rausch und siegte am Ende mit 6:4. Voraussetzen darf man eine solche „Doublette“ jedoch nicht. Doch möglich ist natürlich alles.

Dachaus Leistungskurve zeigt deutlich nach oben, man steht mit 6:2 Punkten auf Platz drei und hat die letzten drei Partien klar gewonnen – 6:3 gegen Weil, 6:2 in Bingen, 6:1 gegen Weinheim. Lediglich im ersten Saisonspiel unterlag man in Berlin, doch da fehlte Seoyoung Byun. Am Freitagabend empfängt man noch in heimischer Halle das Team aus Kolbermoor zum Bayern-Derby und muss sich danach sputen, um rechtzeitig nach Südhessen zu gelangen.

Bei Dachau, das letzte Saison in den Play-off-Halbfinals gegen Berlin den Kürzeren zog, fällt einem natürlich immer wieder Sabine Winter ein. Und ja, die Weltranglisten-17., die seit einem guten Jahr mit einem Antitop-Belag auf der Rückhand spielt und diesen so clever einsetzt wie kaum eine andere Spielerin auf der Welt, ist wesentlicher Teil der Dachauer Erfolgsstory.

Doch Dachau ist eben nicht nur Sabine Winter. Im vorderen Paarkreuz assistiert ihr die starke und sehr konstant spielende südkoreanische Defensivspielerin Seoyoung Byun (Bilanz 5:1) – ein solches Spitzenduo muss man erst einmal an die Tische schicken können. 12:1 die Bilanz der Dachauerinnen vorne, Winter ist noch ungeschlagen (7:0). Auch vom unteren Paarkreuz kommen bei Dachau regelmäßig Punkte, selbst wenn es da ein zäheres Geschäft ist. Koharu Itagaki, Naomi Pranjkovic und Dora Cosic darf man jedenfalls nicht unterschätzen.

In Langstadt hat man eine hohe Meinung vom Gegner: „Mit dem TSV Dachau stellt sich innerhalb von einer Woche neben Berlin der zweite Favorit der diesjährigen Bundesligasaison in Langstadt vor“, meint der Sportliche Leiter Manfred Kämmerer. „Nicht zuletzt dank Sabine Winter, die nach ihrer Materialumstellung eine steile Formkurve nach oben zu verzeichnen hat, ist Dachau in dieser Saison ganz oben in der Liga anzusiedeln. So ist es fast schon logisch, dass Dachau bislang lediglich gegen Berlin einen Niederlage einstecken musste.“ „Mit Dachau stellt sich nach Berlin das zweite Topteam der Liga innerhalb einer Woche in Langstadt vor“, betont auch TSV-Trainerin Anna Rauch. „Die Vorzeichen sehe ich genauso wie gegen Berlin. Dachau ist der Favorit. Wir müssen eine Topleistung abrufen und vielleicht auch das Spielglück mehr als gegen Berlin erzwingen, um eine Chance zu haben.“

Für die Dachauerinnen wird es zweifellos ein herausforderndes Wochenende. Erst das bayerische Derby heute Abend, dann einen halben Tag später die Partie im knapp 400 Kilometer entfernten Langstadt. Doch das ist nun einmal das Los von Tischtennisprofis und damit wissen Winter, Byun und Co. umzugehen.

„Die letzten beiden Spiele haben es in sich, das werden sicher zwei Highlights“, sagt Dachaus Trainer Alexander Yahmed. „Es sind beides Mannschaften, die Deutscher Meister werden können. Und in Langstadt ist immer volles Haus und gute Stimmung. Umso mehr freuen wir uns auf die Duelle.”

Sonntag, 13 Uhr: ttc berlin eastside – TTC 1946 Weinheim

Allzu viel Spannung darf man sich von der vom Namen her überaus attraktiven Partie diesmal sicher nicht versprechen, auch wenn es in den letzten drei Jahren stets die Finalpaarung um die Deutsche Meisterschaft war.

Beim ttc eastside läuft alles wie am Schnürchen, man wird die Vorrunde wohl als inoffizieller Herbstmeister beenden und vermutlich verlustpunktfrei bleiben. Da fast der gesamte, fantastisch besetzte Kader wegen des Champions-League-Spiels am Vortag gegen Saint-Denis anwesend ist, kann man personell aus dem Vollen schöpfen. Doch all zu ausgeklügelter Aufstellungs-Finessen wird es diesmal vermutlich gar nicht bedürfen, da Weinheim auf Leistungsträgerinnen wie Yuan Wan und Mateja Jeger-Majstorovic wird verzichten müssen.

Für die Nordbadener war es eine gebrauchte Vorrunde. Man wird die Hinrunde voraussichtlich auf einem, gemessen an den Ansprüchen des Vereins, niederschmetternden vorletzten Tabellenplatz beenden. Und muss in der Rückrunde mit dann hoffentlich wieder topfitten Spielerinnen und Neuzugang Veronika Matiunina eine furiose Aufholjagd hinlegen, um noch eine Chance auf einen Play-off-Platz zu besitzen. Bisher hatte man in Bezug auf die Personalien reichlich Pech, zu viel, um oben mitspielen zu können. Für das hintere Paarkreuz hatte man die gerade verpflichtete Ukrainerin Solomiya Brateyko fest eingeplant, doch die stand wegen Schwangerschaft dann doch nicht zur Verfügung. Die 16-jährige Elisa Nguyen – fraglos eines der größten deutschen Tischtennis-Talente – konnte nicht, wie ursprünglich geplant, behutsam aufgebaut werden, sondern wurde, der Personalsituation geschuldet, faktisch zur Stammspielerin und absolvierte sämtliche Partien bisher. Klar, dass ihr noch die Erfahrung fehlt, die engen Matches nach Hause zu bringen, so ging sie erst einmal als Siegerin vom Tisch. Mateja Jeger, die diese Erfahrung besitzt, litt unter gesundheitlichen Problemen und musste deshalb zuletzt auch ihr Einzel in Dachau abschenken.

Das Hauptproblem aber bestand beziehungsweise besteht in der Verletzung von Yuan Wan am Schlagarm, die sich die Weinheimer Leistungsträgerin im Oktober bei der Mannschafts-EM in Kroatien zuzog und ihr bis heute böse zu schaffen macht. Zwar versuchte sie mehrfach ihr Glück, weil sie ihrem Team helfen wollte, musste dann jedoch immer wieder Spiele schenken, weil die Schmerzen zu heftig wurden. So musste sie etwa ihre letzten drei Einzel alle kampflos abgeben. In den letzten Jahren hatte man oft bewundernd den Fokus auf Weinheims ausländische Spitzenspielerin gelegt – verständlich bei Ausnahmekönnerinnen wie Bruna Takahashi oder aktuell Chien Tung-Chuan –, doch dabei ein wenig übersehen, wie wichtig eine Yuan Wan stets gewesen ist. Nämlich als zuverlässige Punktesammlerin im Einzel und Doppel sowie als Stabilitätsanker des Teams. Dies bekam man in der nun fast abgelaufenen Vorrunde schmerzlich vor Augen geführt.

Um den Heilungs- beziehungsweise Genesungsprozess nicht zu gefährden, wird man in Berlin gewiss kein Risiko eingehen und eventuell auch die eine oder andere Spielerin aus der Drittliga-Truppe einsetzen, aktuell Tabellenvierter der Südstaffel – schließlich hat man in der Rückrunde noch einiges vor und benötigt dazu voll einsatzfähiges, belastbares Personal.

Natalia Bajor ist inzwischen richtig gut in der Liga angekommen und erweist sich zunehmend als echte Verstärkung für den ttc berlin eastside (Foto Roscher).

Nachfolgend die Statements der beiden Manager vor der Begegnung.

Andreas Hain (ttc berlin eastside): „Wir haben am Wochenende unseren gesamten Kader vor Ort und können gegen Weinheim aus dem Vollen schöpfen. Sicher wird Nina Mittelham ihren dritten Vorrundeneinsatz bekommen und sich so die Teilnahmeberechtigung für die Play-offs sichern. Leider hat Weinheim eine Spielverlegung im Interesse unserer Team-Europameisterinnen abgelehnt, da diese den DTTB gerne bei der Sportlergala ‚Deutschlands Sportler des Jahres‘ in Baden-Baden vertreten hätten. Gerade deshalb sind wir aber voll motiviert und wollen gegen den Tabellenvorletzten nichts anbrennen lassen und die Vorrunde mit 12:0 Punkten abschließen.“

Christian Säger (TTC 46 Weinheim): „Für uns ist das zum Glück das letzte Spiel der Vorrunde. Wir werden vier Spielerinnen in Berlin am Start haben, die fit sind, und freuen uns danach auf ein paar ruhige Tage. Das Jahr 2025 war mit dem Deutschen Meister-Titel das erfolgreichste der Vereinsgeschichte und bleibt unvergessen für uns als kleinen Verein und die gesamte Stadt Weinheim.“

Beitragsbild oben: Franziska Schreiner will mit dem TSV Langstadt zum Jahresabschluss alles versuchen, gegen das starke Team aus Dachau zu bestehen (Foto: Dr. Stephan Roscher).

Links

Diesen Beitrag teilen: