Winter und Byun erneut überragend: Dachau gewinnt Duell um Platz 2

Von Stephan Roscher|Dezember 20, 2025|bundesliga

TSV Langstadt – TSV Dachau 65 2:6

Der TSV Dachau beendet die Vorrunde als Tabellenzweiter und hartnäckigster Verfolger von Ligaprimus Berlin. Zudem ist man eindeutig auf Play-off-Kurs, so viel kann man bereits nach der Hälfte der Partien sagen. Mit diesem nahezu unglaublichen vorderen Paarkreuz – Zwischenbilanz 20:1! – wäre es ziemlich schwierig, am Ende nicht unter den besten Vier zu landen. Am Samstagnachmittag konnte auch der TSV Langstadt, bis dahin Zweiter des Ligaklassements, den Oberbayern wenig entgegensetzen, die mit 6:2 die Oberhand behielten.

Natürlich wäre es vielleicht ein ganz anderes Spiel geworden, wenn die Hessen mit ihrer Top-Thailänderin Orawan Paranang aufgelaufen wären, die sicher auch einer Seoyoung Byun, vielleicht sogar einer Sabine Winter gefährlich werden könnte. Doch „Thip“, so der Spitzname der 28-jährigen Asiatin, war, wie im Vorfeld bereits vermutet, nicht am Start. Und Konjunktive zählen im Sport nicht, sondern nur die harten Fakten. Dachau hatte seine Spitzenkräfte eben dabei, und die waren für die Langstädterinnen nicht zu schlagen. Da hinten zudem Dora Cosic punktete und zu Beginn ein Doppel gewonnen worden war, geht der Gäste-Sieg absolut in Ordnung.

In den letzten beiden Partien, vor acht Tagen gegen berlin eastside und heute gegen Dachau, hat sich zweifelsfrei gezeigt, dass Langstadt ohne Paranang – mit ihr waren zuvor 8:0 Punkte eingefahren worden – keine Spitzenmannschaft ist, da man in dieser Liga mit ihrem gnadenlos starken Spitzenpaarkreuz ohne „Unterschiedsspielerin“ nicht auskommt, zumindest wenn man oben mitspielen will. Ein wenig kurios war die heutige „Dublette“ zum Berlin-Spiel. Auch da hieß es am Ende 2:6 und auch da konnten sich auf Langstädter Seite nur das Doppel Schreiner/Morsch und im Einzel Izabela Lupulesku in die Siegerliste eintragen. Die 150 Fans in der Eckehard-Colmar-Halle erfreuten sich dennoch an jedem guten Ballwechsel und besonders auch an der starken Leistung einer Franziska Schreiner, die gegen „Überspielerin“ Sabine Winter furios startete und eine 2:0-Satzführung hinlegte, am Ende aber doch ihrer Gegnerin, aktuelle Nummer 17 der Welt, gratulieren musste.

Der Gastgeber hätte dem 0:4 im Spitzenpaarkreuz ein 4:0 im hinteren Tableau entgegensetzen müssen, um mit einem Remis über die Runden zu kommen. Doch der Plan war schnell durchkreuzt, indem die Kroatin Dora Cosic schon im erste Durchgang die junge Lorena Morsch mit 3:1 auf Distanz hielt – nicht ein Break, sondern das Break, das der gesamten Partie eine eindeutige Richtung vorgab.

So konnte beim Sieger die in der gesamten Vorrunde ungeschlagene Sabine Winter ihre beiden Punkte gegen Chantal Mantz (3:1) und „Franzi“ Schreiner (3:2) einfahren. Zuvor hatte sie bereits im Doppel an der Seite von Seoyoung Byun (3:0 gegen Mantz/Lupulesku) gepunktet. Byun bekam auch nichts geschenkt, setzte sich aber mit ihrem auch strategisch cleveren Defensivspiel gegen beide Gegnerinnen jeweils in vier Sätzen durch.

Der Ehrenpunkt im Einzel gelang den Südhessinnen, wie bereits erwähnt, durch Izabela Lupulesku, die gegen die niederländische Ersatzspielerin Emine Ernst durchaus zu kämpfen hatte, bis ihr Fünfsatzsieg in trockenen Tüchern war.

Dachau ist Tabellenzweiter mit 9:3 Punkten – die Herbstmeisterschaft des ttc berlin eastside stand schon am Samstag nach dem Dachauer Punktverlust im Bayern-Derby auch rechnerisch fest. Genial die Bilanzen des Spitzenpaarkreuzes: Sabine Winter 11:0, Seoyoung Byun 9:1. Hinten spielt sich zunehmend Dora Cosic (3:0) in den Fokus, die in der Drittligatruppe des TSV 65 gemeldet ist und dort im Spitzenpaarkreuz 9:1 steht.

Langstadt beendet die erste Halbrunde als Tabellendritter mit 8:4 Zählern. Da die Hessinnen, wie man hört, auch in der Rückrunde mehrfach auf Orawan Paranang zurückgreifen werden, ist ihnen ohne Weiteres zuzutrauen, auf einem Play-off-Platz ins Ziel zu kommen. Drei Punkte Vorsprung auf Kolbermoor und Bingen, die gegenwärtig mit jeweils 5:7 Zählern die Plätze vier und fünf belegen, sind zwar keine Lebensversicherung, jedoch ein ordentliches Polster. Beste Vorrunden-Bilanzen beim TSV Langstadt: Orawan Paranang 7:1, Izabela Lupulesku 5:0, Sophia Klee 4:1. Im Doppel wussten besonders Franziska Schreiner/Lorena Morsch mit drei Siegen in drei Einsätzen zu gefallen.

Langstadts Trainerin Anna Rauch sagte nach der Partie: „Es war wie befürchtet ein schwieriges Spiel. Wir sind eigentlich recht gut ins Spiel gekommen mit ausgeglichenen Doppeln. So hatten wir das auch eingeplant. Wir wussten natürlich, dass es im vorderen Paarkreuz sehr schwer wird, das kam auch wie erwartet. Leider haben wir dann in der ersten Runde im hinteren Paarkreuz nur einen Punkt geholt. Das war bei diesem Spielverlauf zu wenig. Dann hat Franzi gegen Sabine Winter ein supergutes Spiel gemacht und hatte fast schon den Sieg vor Augen, das muss man heute schon mal etwas hervorheben. Doch dann geht dieses Spiel leider weg und der Dachauer Sieg geht damit auch in Ordnung. Wir werden nun versuchen, uns im neuen Jahr wieder die positiven Momente der Vorrunde in den Kopf zu rufen und an diese anzuknüpfen. Ich bin guter Dinge für die Rückrunde. Wir wissen, dass wir definitiv eine bessere Ausgangsposition haben, wenn „Thip“ wieder mit im Team ist.“

Franziska Schreiner erkannte neidlos die starke Leistung der Gäste an: „Unsere Gegner haben heute von Eins bis Vier sehr stabil gespielt und daher auch verdient gewonnen. Dachau ist natürlich im vorderen Paarkreuz besonders stark, trotzdem war das eine oder andere Spiel von Chantal und mir knapp. In meinem Match gegen Sabine war ich nicht chancenlos, konnte es aber nach 2:0 Sätzen leider nicht nach Hause bringen.“

Wie schon gegen Berlin, konnte bei Langstadt nur Izabela Lupulesku im Einzel punkten (Foto: Dr. Stephan Roscher).

Sehr zufrieden zeigte sich natürlich Dachaus Trainer Alexander Yahmed: „Wir freuen uns über die beiden Punkte und uns ist bewusst, dass Langstadt heute ohne die Nummer eins gespielt hat. Trotzdem mussten wir gut aufpassen und sehr fokussiert sein, um zum Erfolg zu kommen. Die Stimmung in Langstadt ist immer toll und sehr herzlich, die Zuschauer honorieren gute Leistungen auch vom Gegner, so macht es Spaß.“ Yahmed zog eine kurze Vorrundenbilanz: „Die Vorrunde verlief schon etwas komisch, wir mussten leider bis auf zwei Spiele auf Koharu [Itagaki] verzichten, aber es ging den anderen Vereinen auch nicht besser. Grund ist der volle Terminkalender, und da muss man mitunter auch etwas zurückstecken. Trotzdem haben wir uns in eine hervorragende Position geschoben, was uns Selbstvertrauen für die Rückrunde geben wird. Es wird aber sicher noch sehr eng um die vier Play-off-Plätze hergehen.“

Beide Teams werden wir natürlich am 10. Januar beim großen Pokalturnier in Kolbermoor sehen, beide rechnen sich dort auch Chancen aus, weit zu kommen. Wenn Winter und Byun spielen sollten, ist das gerade bei dem Pokalmodus mit Dreier-Mannschaften eine echte Ansage, während Langstadt mindestens noch seine Thailänderin bräuchte, um aussichtsreich um den Titel mitzuspielen. In der Liga treffen wir indes die Dachauerinnen bereits am 4. Januar wieder, wenn sie keinen Geringeren als den ttc berlin eastside zum absoluten Topspiel empfangen. Die Langstädterinnen haben wesentlich länger Zeit zum „Seelebaumelnlassen“ und gehen erst am 8. Februar gegen das Team aus Bingen an die Tische.

Am morgigen Sonntag spielen:

ttc berlin eastside – TTC 1946 Weinheim (13 Uhr)

Beitragsbild oben: Seoyoung Byun glänzte im Spitzenpaarkreuz des TSV Dachau mit einer 9:1-Bilanz, nur Sabine Winter war mit 11:0 noch erfolgreicher (Foto: Dr. Stephan Roscher).

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