Weinheims Aufholjagd gestartet, Weil mit erstem Saisonsieg

Von Stephan Roscher|Januar 26, 2026|bundesliga

Verletzungspech bei Dachau und Weinheim

Nach dem packenden Bayern-Derby am Samstag, das mit 6:3 zugunsten des TSV Dachau endete, haben wir am Sonntag zwei Partien erlebt, die es in sich hatten und Ergebnisse brachten, mit denen nach dem bisherigen Saisonverlauf nicht zwingend zu rechnen war. Wer hätte zuvor darauf gewettet, dass sich der ESV Weil mit einem fulminanten 6:2 in Bingen die ersten Punkte der Saison schnappen würde? Oder dass Titelverteidiger Weinheim die angepeilte Aufholjagd gleich im ersten Rückrundenspiel mit einem 6:3-Erfolg über die Dachauerinnen beginnen würde?

TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – ESV Weil 2:6

Etwas mehr als 150 Zuschauer in Bingen erlebten eine Saisonpremiere, doch keine, die man sich beim Gastgeber erhofft hatte, nämlich die ersten Punkte für Tabellenschlusslicht ESV Weil. Und das mit einem 6:2-Erfolg nicht einmal knapp und zudem alles andere als unverdient. Tja, endlich wieder mit Anna Hursey und Lea Lachenmayer war in Bingen ein ganz anderes Weiler Team zu bestaunen als das der letzten Partien. Irgendwie schade, in der heutigen Besetzung hätte man den 1.600 Tischtennisfans in Berlin am letzten Sonntag gewiss ein sehenswerteres Match bieten können.

Mit einem 2:0 in den hart umkämpften Doppeln legte der ESV den Grundstein für den Sieg. Sehr konsequent trat die Truppe aus dem Dreiländereck bei den Pfäzern auf und nutzte ihre Chancen. Anna Hursey besiegte Shi Qi (3:0) und Lea Rakovac (3:2), Lea Lachenmayer Karolina Mynarova (3:0) sowie Ievgeniia Sozoniuk ihre zweite Gegnerin Shi Qi (3:0). Für Bingen, das diesmal ohne asiatische Verstärkung auskommen musste, konnten lediglich Lea Rakovac (3:1 gegen Ievgeniia Sozoniuk) und Elena Kuzmina (3:0 gegen Kornelija Riliskyte) punkten.

Volle Ausbeute: Anna Hursey (Archivfoto: Dr. Stephan Roscher).

Nachfolgend das sehr ausführliche Statement von Bingens Sportvorstand Joachim Lautebach, dass wir ungekürzt bringen: „Natürlich fehlte uns vorne jemand, klar, dass wir mit einer unserer Asiatinnen stärker sind. Trotzdem haben wir heute wieder einmal unsere Chancen nicht genutzt. Unsere neuformierten Doppel fingen gut an, das eine führte 2:0, das andere 2:1, leider wurde nicht konsequent durchgespielt, sodass wir beide verloren haben. Klar war auch weil gegen Ende der Doppel besser im Spiel, doch wenn man beide Doppel verliert, kann man in dieser ausgeglichenen Klasse kaum ein Spiel gewinnen, zumal bei Weil Anna Hursey dabei war, die ja erst zum fünften Mal in dieser Saison gespielt hat. Und mit ihr ist Weil eine sehr starke Mannschaft. Weil hat konsequent alle sich bietenden Chancen genutzt und hatte auch im hinteren Paarkreuz mit Lea Lachenmayer eine Spielerin dabei, die sehr stark gespielt hat, sodass wir keine Möglichkeit gefunden haben, unsere erhofften Punkte zu machen. Somit ging der Sieg letztlich verdient an Weil. Wir müssen sehen, dass wir wieder mehr Konstanz zeigen und unsere Spielerinnen wieder an ihre gewohnten Leistungen anknüpfen. Wir hatten ja auch im Pokalturnier gute Chancen gehabt und im Doppel gegen Langstadt klare Führungen nicht genutzt. Die Frage ist, wie es weitergeht, und ob wir überhaupt noch eine Chance auf die Play-offs haben. Auch wie es in der Liga weitergeht nach dem Ausstieg von Langstadt, Mit sechs Mannschaften, also nur fünf Heimspielen in der Saison, kann man die Liga kaum noch vermarkten. Auch wir müssten uns dann überlegen, ob es für uns noch Sinn macht. Ich hoffe, dass bald Lösungen gefunden werden, es müssen, nach dem, was zuletzt zwischen den Vereinen besprochen wurde, auch Taten folgen, sonst sehe ich für die Zukunft sehr, sehr schwarz.“

Doris Spiess war natürlich überglücklich: „Es fühlt sich richtig gut an, nach einer bisher glücklosen, von Verletzungssorgen und personellen Problemen geprägten Saison endlich wieder auf der Siegerstraße zu stehen.“ Die Weiler Abteilungsleiterin fügt hinzu: „Dabei war das Spiel alles andere als ein Selbstläufer. Besonders die Doppel zu Beginn hatten es in sich. Sie waren wohl mitentscheidend für den weiteren Spielverlauf. Sowohl Hursey/Riliskyte als auch Sozoniuk/Lachenmayer haben sich aus scheinbar aussichtslosen Rückständen immer wieder zurückgekämpft, um den ESV in Führung zu bringen. Ein Riesenkompliment an die Spielerinnen, die sich da richtig reingebissen haben. Dazu eine starke Anna Hursey, die zwar gegen Lea Rakovac alles zeigen musste, aber auch dieses Spiel knapp gewann. Mit den Siegen von Ievgeniia Sozoniuk und Lea Lachenmayer war es dann endlich geschafft und der erste Saisonsieg war in trockenen Tüchern.“ Das Fazit von Doris Spiess: „Wir sind alle sehr happy, dass die Mannschaft endlich zeigen konnte, was in ihr steckt.“

Die TTG, mit jetzt 5:9 Punkten auf Platz fünf abgerutscht, hat nun drei Auswärtsspiele vor sich, am kommenden Wochenende steigt zunächst die Bayern-Tour in Kolbermoor (Freitag) und Dachau (Sonntag). Man könnte, gerade beim direkten Rivalen Kolbermoor einiges ausbügeln, doch gilt dort für Rakovac und Co. die Devise ‚Verlieren verboten!‘, will man das große Ziel nicht vorzeitig abschreiben müssen.

Lea Rakovac besiegte Ievgeniia Sozoniuk und zwang Anna Hursey in den fünften Satz, doch ihr Team blieb ein ganzes Stück von einem Erfolg entfernt (Foto: Dr. Stephan Roscher).

Weil hat nun direkt zwei Heimspiele gegen dieselben Teams zu absolvieren, am Samstag gegen Dachau, am Sonntag gegen Kolbermoor, also ein oberbayrisches Wochenende im Dreiländereck – ob es ein oberbayrisches Festival wird, werden wir sehen. Der ESV kann locker aufspielen, auch mit jetzt 2:14 Punkten geht nichts mehr in Sachen Play-offs, während die beiden Gästeteams, insbesondere Kolbermoor, unter Druck stehen und punkten müssen. Wenn Hursey erneut spielt, dürfte das gar nicht so einfach werden.

TTC 1946 Weinheim – TSV Dachau 65 6:3

Ein gelungener Rückrunden-Auftakt für den Titelverteidiger, auch wenn es erst der zweite Sieg in sieben Partien für den TTC 46 war.

Zunächst aber der beziehungsweise die Wermutstropfen: Beide Mannschaften hatten einen personellen Ausfall zu beklagen: Sabine Winter war zwar mitgereist, musste aber aufgrund ihrer am Vortag im Match gegen Annett Kaufmann erlittenen Verletzung passen und ihre beiden Einzel sowie das Doppel kampflos abgeben, womit drei Spiele schon einmal weg waren – schade für die rund 160 Zuschauer, die natürlich die aktuell beste deutsche Spielerin viel lieber in Action gesehen hätten: Winter gegen Yuan Wan und Chien Tung-Chuan, da wäre ohne Frage Tischtennis der Spitzenklasse zu erwarten gewesen. Doch auch Weinheims Nummer vier, Mateja Jeger-Mastorovic, blieb vom Verletzungspech nicht verschont. Sie lag in ihrem ersten Einzel gegen Dora Cosic nach drei Herzschlag-Durchgängen, die alle in der Verlängerung entschieden wurden, mit 1:2 Sätzen zurück, hatte sich im Match verletzt und konnte zum vierten Satz gar nicht mehr antreten. Nach der ersten Einschätzung von Manager Christian Säger sieht es bei ihr nicht allzu gut aus, doch im Lauf des Montags wird man mehr erfahren. Somit wurden von insgesamt neun Matches, die in die Wertung kamen, nur fünf gespielt beziehungsweise regulär zu Ende gespielt.

Bis zum Ende ausgespielt wurden folgende Duelle: Chien Tung-Chuan/Yuan Wan durften sich über einen 3:1-Erfolg im Doppel über Seoyoung Byun und Naomi Pranjkovic freuen, dem im Ostasien-Duell ein Viersatz-Sieg von Defensivstrategin Byun über Chien folgte, bei dem eigentlich kein Satz knapp warf: 11:4, 4:11, 11:4, 11:6. Veronika Matiuninas Erstliga-Debüt verlief, beinahe schon erwartet, positiv, wobei die 19-jährige Ukrainerin in den ersten beiden Sätzen gegen Naomi Pranjkovic aber ganz schön zu kämpfen hatte. Yuan Wan lieferte Seoyoung Byun ein absolut sehenswertes Match, in dem sie auch taktisch clever agierte. Am Ende hatte Dachaus Koreanerin, die im Spitzenpaarkreuz immerhin 13:1 steht, erst im Entscheidungssatz knapp die Nase vorn (11:5, 11:9, 7:11, 7:11, 11:8). Den Siegpunkt für das Team von der nordbadischen Bergstraße tütete wiederum Veronika Matiunina ein, die Dora Cosic in drei Sätzen auf Distanz hielt.

Ein nahezu perfekter Einstieg der Weinheimerinnen in die zweite Saisonhälfte, die – im Gegensatz zur ersten, die von Verletzungen und sonstigen Ausfällen geprägt war – zu einer Erfolgsstory ohne Personalprobleme werden soll. Natürlich muss man nun abwarten, was mit Mateja Jeger los ist. Jetzt wieder ein Ausfall, womöglich über einen längeren Zeitraum, wäre fatal. Gerade wo man die Play-offs wieder klar im Visier hat, auch wenn die direkten Konkurrenten Kolbermoor und Bingen das verhindern möchten. Es könnte im Kampf um den vierten Play-off-Platz noch ungemein spannend werden. Sofern wir davon ausgehen, dass die ersten drei an Berlin, Dachau und Langstadt gehen, was in Bezug auf die letzteren beiden noch längst nicht in Stein gemeißelt ist.

Christian Säger äußerte sich zunächst zu Mateja Jeger: „Sie wird am Montag ein MRT machen – es sieht aber nicht gut aus. Alles weitere danach.“ Die Partie gegen Dachau kommentierte Weinheims Sportchef wie folgt: „Das Spiel hatte viele Facetten und die Umstände waren ein wenig kurios. Sabine Winter auch verletzt und wir das erste Mal mit Veronika Matiunina. Sie war dann auch noch unserer Matchwinnerin, zwei klare 3:0-Erfolge und somit die erhoffte Verstärkung. Yuan Wan spielte gegen die Südkoreanerin bis zum 8:7 im fünften Satz eines ihrer besten Spiele, um dann trotzdem ihrer Gegnerin zum Sieg gratulieren zu müssen. Ansonsten war unsere 2:0-Führung nach den Doppeln sehr wichtig für den Mannschaftssieg, der uns nach der verseuchten Vorrunde wieder näher an die Play-off-Plätze gebracht hat. Abzuwarten bleibt jetzt, wie es bei Mateja Jeger weitergehen wird.“

Gästetrainer Alexander Yahmed erklärte kurz und bündig nach der Partie: „Weinheim war heute besser und hat verdient gewonnnen.“ Auf die Frage, was es mit Sabine Winters Verletzung auf sich hat und woran sie laboriert, erklärte Yahmed: „Was sie genau hat, ist schwer zu sagen, es schmerzt an einigen Stellen. Sie wird sich so schnell wie möglich untersuchen lassen und dann schauen wir weiter.“

Spielte nicht schlecht, konnte jedoch keinen Punkt beisteuern: Naomi Pranjkovic vom TSV Dachau 65 (Foto: Armin Schimkat).

Der TSV Dachau bleibt Tabellenzweiter mit nun 11:7 Punkten, mit drei Partien aber auch drei Minuspunkten mehr als der Dritte Langstadt. Am kommenden Samstag gastiert der TSV beim mit frischem Selbstbewusstsein ausgestatteten ESV Weil an, tags darauf empfängt man Bingen. Einiges wird davon abhängen, ob Sabine Winter dann wieder einsatzfähig ist.

Zwar ist Weinheim noch Tabellenvorletzter mit jetzt 5:9 Zählern, hat aber mit dem heutigen Sieg bereits mit den Rivalen aus Kolbermoor und Bingen nach Punkten gleichgezogen, sodass der vierte Play-off-Platz wieder absolut in Sichtweite ist. Man muss sich jedoch wochenlang gedulden und geht erst am 7. März wieder an die Tische – und zwar im nicht allzu weit entfernten südhessischen Langstadt. Gewiss ein 50:50-Spiel, bei dem alles möglich sein dürfte.

Beitragsfoto oben: Einstand nach Maß: Veronika Matiunina (Foto: Armin Schimkat).

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