1.600 Zuschauer im Sportforum: Berlin ohne Mühe gegen ersatzgeschwächte Weilerinnen
ttc berlin eastside – ESV Weil 6:0
Der ‚Champions Doppelpack‘ war schon etwas Besonders, der Rahmen war außergewöhnlich, die Resonanz hervorragend. Wann darf man sich schon einmal über 1.600 Zuschauer bei einem Damen-Bundesligaspiel freuen! Sportlich gesehen, war die Partie des verlustpunktfreien Ligaprimus gegen das punktlose Tabellenschlusslicht allerdings eher ein Langweiler, zu deutlich war die Überlegenheit des Gastgebers gegen das ersatzgeschwächte Team aus dem südbadischen Dreiländereck, „schlappe“ 860 Kilometer von der Hauptstadt entfernt.
Hätten die Gäste in Bestbesetzung antreten können, hätte es bestimmt einige spannende Matches gegeben, auch wenn am Berliner Sieg kaum zu rütteln gewesen wäre. jedoch verfügten sie nicht einmal über vier einsatzfähige Spielerinnen, was ihnen angesichts der besonderen Umstände dieses Spiels selbst unangenehm war. Doch sie konnten es nicht ändern. Der Kader besteht eben nur auf fünf Bundesliga-tauglichen Spielerinnen, und wenn die mit Abstand beste von ihnen, Anna Hursey, auf WTT-Turnieren ran muss, hat der Verein, wie vertraglich geregelt, eben keinen Zugriff auf sie. Eine schöne Aufstellungsvariante wäre es auch gewesen, wenn Weil die junge deutsche Defensivspielerin Lea Lachenmayer eingesetzt hätte, da die Fans Duelle Angriff vs. Abwehr lieben, doch auch das war nicht möglich. Lachenmayer musste bei den TTBW-Landesmeisterschaften an die Tische, um sich für die TT-Finals im Juni in Erfurt zu qualifizieren. Ein Umstand, der Berlins Manager Andreas Hain sehr missfiel, was er denn auch sehr deutlich äußerte. Seine Kritik bezog sich nicht auf den Verein aus Südbaden, sondern allem Anschein nach auf den Verband, der eine Spielerin von der Qualität Lachenmayers nicht für die Deutschen Meisterschaften freistellte.
Doch das Problem ging noch weiter, nur drei der erschienen vier Spielerinnen waren spielfähig, während die Norwegerin Martine Toftaker verletzt war und ihre Matches kampflos abgeben musste. „Nach ihrem Einsatz im Pokal ist Martines Verletzung im Handgelenk wieder schlimmer geworden, so dass sie keine Möglichkeit hatte, ein Spiel zu bestreiten“, erläuterte Weils Abteilungsleiterin Doris Spiess. Somit fielen ein Doppel und ein Einzel weg. Mit Mariia Osypenko hatten Weil zudem eine Ersatzspielerin dabei, die natürlich gerade gegen ein Team von der Klasse Berlins überfordert war. Somit waren mit der Ukrainerin Ievgeniia Sozoniuk und der Litauerin Kornelija Riliskyte letztlich nur zwei vollwertige Kräfte an Bord, die es aber naturgemäß mit sehr starken Berliner Gegenspielerinnen zu tun bekamen. Riliskyte mit der in der Champions League erprobten Polin Natalia Bajor und Sozoniuk mit Mia Griesel – das waren dann die beiden Matches, in denen die Fans recht interessantes Tischtennis auf gute Niveau zu sehen bekamen, ohne dass eine ernsthafte Gefahr für die beiden eastside-Spielerinnen bestanden hätte, den Gegnerinnen gratulieren zu müssen. Den einzigen Weiler Satz konnte sich Sozoniuk zu Anfang gegen Griesel schnappen, die das Spiel gegen die Kurznoppen-Spezialistin danach aber gut in den Griff bekam.
Andreas Hain freute sich zunächst über die Resonanz des ungewöhnlichen Events: “Es waren tatsächlich 1.600 Zuschauer bei unserem Spiel. Bei Düsseldorf später waren es auch nicht viel mehr. Wir waren total überrascht, dass es so viele schon am Morgen waren. Insgesamt ein tolles Projekt und die Zuschauer waren trotz der schwachen Mannschaft aus Weil sehr positiv gestimmt. Das Rahmenprogramm wurde toll angenommen und die diversen Mitmachaktionen waren stark frequentiert.“ Zum Spiel selbst und den etwas unglücklichen Umständen bemerkte Hain: „Sportlich haben wir natürlich klar dominiert und insbesondere Mia Griesel hat stark gespielt. Es war halt schade, dass letztendlich bei Weil nur drei Spielerinnen einsatzfähig waren und wir so kampflos Spiele gewonnen haben. Schade für die Zuschauer.“ Und dann noch eine deftige Kritik des Berliner Managers, die gewiss bei manchem Leser Widerspruch auslösen, von manchem vielleicht auch geteilt werden wird. Unsere Aufgabe ist es nur, dies als Hains Meinungsäußerung korrekt wiederzugeben: „Und wenn man dann hört, dass sich eine Lea Lachenmeier zeitgleich bei den Landesmeisterschaften für die Deutsche Meisterschaften qualifizieren muss, da weiß man, wie ahnungslos viele Verantwortliche im deutschen Tischtennis sind.“
Doris Spiess sagte nach der Partie: „Es war nicht mehr zu erwarten. Vielleicht wäre es uns möglich gewesen, ein Spiel zu gewinnen, aber viel mehr auch nicht.“ Die Weiler Abteilungschefin bekräftigte: „Es war natürlich sehr schade, bei dieser Kulisse nicht mit einer schlagkräftigen Truppe anzutreten.“ Der Blick ist dennoch nach vorne gerichtet: „Wir hoffen jetzt, den Rest der Rückrunde in normaler Besetzung einigermaßen zufriedenstellend zu absolvieren.“

Ievgeniia Sozoniuk zeigte gegen Mia Griesel, dass sie nicht einfach zu schlagen ist, doch Griesel bekam ihre Gegnerin letztlich doch recht gut in den Griff (Foto Roscher).
Der „Rest der Rückrunde“ beginnt für den ESV Weil am kommenden Sonntag mit dem Auswärtsspiel in Bingen, wo man zu gerne die ersten Punkte einfahren würde, während der ttc berlin eastside nun eine sechswöchige Pause hat einlegt und erst am 28.02. mit dem Heimspiel gegen den TSV Langstadt wieder in den Ligabetrieb einsteigt.
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Die zweite Partie des Events, das TTBL-Spiel Borussia Düsseldorf vs. TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell, zu dem 1.800 Besucher erschienen, war von ähnlichen Personalproblemen des Gästeteams überschattet. Fulda musste auf Galionsfigur Dimitrij Ovtcharov verzichten – der deutsche Nationalspieler war beim WTT-Star Contender in Doha bis ins Halbfinale vorgestoßen. Zudem stand der Däne Jonathan Groth verletzungsbedingt nicht zur Verfügung, sodass Fulda mit Ruwen Filus, Fan Bo Meng und dessen Vater Qing Yu Meng, der das Team trainiert und selbst nur noch in der Oberliga aufschlägt, an die Tische musste.
Doch anders als beim Damen-Spiel entwickelte sich hier eine muntere, abwechslungsreiche Partie, die Rekordmeister Düsseldorf schließlich mit 3:1 gewann. Familie Meng präsentierte sich in Topform, Fan Bo besiegte überraschend Dang Qiu in fünf packenden Sätzen und der Vater mit seinem unberechenbaren Penholder-Spiel zog gegen Kanak Jha erst im Entscheidungsdurchgang den Kürzeren. Sportlich kamen die Fans hier also mehr auf ihre Kosten, auch beim Match zwischen Defensivstratege Ruwen Filus und Yongyin Li, auch wenn mehr als ein Satzgewinn für Filus nicht drin war. Richtig deutlich ging es nur im abschließenden Match zwischen Jha und Fan Bo Meng zu, das der US-Amerikaner mit 3:0 gewann.
Wir heben das TTBL-Spiel ausdrücklich an dieser Stelle hervor, weil es nach dem einseitigen ersten Spiel gut für das Gesamtevent war, dass die Zuschauer in dieser Partie doch noch einiges an Spannung und zahlreiche sehenswerte Ballwechsel geboten bekamen.
Beitragsbild oben: Mia Griesel lieferte sich mit Ievgeniia Sozoniuk eines der interessanteren Duelle in einer alles in allem doch recht einseitigen Partie (Foto: Dr. Stephan Roscher).
Unbedingt sehenswert: Das Re-Live der kompletten Partie eastside vs. Weil in Topqualität vom Berliner TV-Team um Bernd Guder und Dietmar Ripplinger. Zwar keine „Waffengleichheit“, immense Leistungsunterschiede zwischen den beiden Teams, wie im Bericht erläutert, jedoch ein toller Rahmen, wie man ihn sonst in der 1. Bundesliga Damen nicht kennt. Es wäre ein Traum, unter solchen Bedingungen demnächst vielleicht einmal ein Topspiel ablaufen zu lassen, etwa eine der Play-off-Partien, egal ob Halbfinale oder Finale, die ja in einigen Monaten anstehen.
https://youtube.com/live/c3BAHwAFpk4?feature=share
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