ttc berlin eastside schlägt Dachau auch im Rückspiel und wird Deutscher Meister 2026
ttc berlin eastside – TSV Dachau 65 5:1
Exakt um 15 Uhr war es vollbracht: Durch einen 5:1-Erfolg im Rückspiel gegen den TSV Dachau 65 – durch das 6:3 im Hinspiel stand damit der Gesamtsieger fest, sodass nicht weitergespielt werden musste – sicherte sich der ttc berlin eastside am Sonntagnachmittag in der restlos ausverkauften „Heyse25“ zum elften Mal seit 2014 den Titel des Deutschen Mannschaftsmeisters der Damen. Ein toller Abschluss einer nahezu makellosen Saison für die Hauptstädterinnen. Herzlichen Glückwunsch! Auch an Vizemeister Dachau, der eine tolle Saison gespielt hat und ein würdiger Finalist war.
Von Titeln und Rekorden
Somit gelang dem Hauptstadtklub das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg – im Januar hatte man bekanntlich das tolle, spannende Pokalturnier in Kolbermoor gewonnen, der elfte Pokalsieg des „FC Bayern des Damentischtennis“ seit 2014. Nun steht also die Doppel-Elf. Vor acht Tagen hatte man dagegen das mühelos erreichte Final 4 in der Champions League insofern „sausen“ lassen, als man eine Juniorinnen-Truppe nach Polen schickte und auf alle erfahrenen Spielerinnen verzichtete, da man gegen den gegenwärtigen und noch mehr den zukünftigen Modus der Königsklasse Bedenken hat.
Als Deutscher Rekordmeister gilt vielen der DSC Kaiserberg, der zwischen 1962 und 1988 in der Bundesrepublik nicht weniger als 18 Mal nationaler Champion wurde. Fraglos eine sagenhafte Bilanz des Vereins um die unvergessene Ursula Hirschmüller, spätere Ursula Kamizuru. Nach unseren Informationen werden aber auch die Erfolge in der DDR mitgerechnet – und demzufolge hätte Berlin die Nase vorne, da seine drei Vorgängerklubs SC Einheit Berlin, TSC Berlin und BSG Außenhandel Berlin dort auf zusammen 20 Mannschaftsmeistertitel kamen. So gerechnet, stünde der ttc berlin eastside mit dem heutigen Erfolg bei sagenhaften 31 nationalen Meistertiteln.
Nach den Doppeln war noch alles offen
Doch das ist nur für die Statistik, wir wenden uns wieder dem heutigen Rückspiel um die Deutsche Meisterschaft 2026 zu. Mit einem 1:1 ging man aus den Doppeln – Dachau hatte diese gegenüber dem Hinspiel komplett umgestellt. Sabine Winter und Seoyoung Byun punkteten für den Gast ungefährdet mit 3:0 gegen Yuka Kaneyoshi/Mia Griesel, während Nina Mittelham und Sabina Surjan wenig Mühe mit Dora Cosic/Naomi Pranjkovic hatten.
Danach erwies sich das Berliner Spitzenpaarkreuz mit einer erneut überragenden Nina Mittelham abermals als der große Pluspunkt des Ausnahmeklubs von der Spree. Was Dachau über die gesamte Saison neben dem starken Teamgeist ausgezeichnet hatte, nämlich ein extrem erfolgreiches vorderes Paarkreuz, stach diesmal nicht. Im Gegenteil, Berlin drehte in den Finalspielen den Spieß um und verbuchte insgesamt 5:1 Siege vorne – eine derart eindeutige Bilanz hatte man im Vorfeld nicht erwarten können.
Wahnsinns-Match Mittelham vs. Winter bringt Vorentscheidung
Auch im Rückspiel verlief das Match zwischen Nina Mittelham und der Weltranglisten-Neunten Sabine Winter absolut auf Augenhöhe – zwei Tage zuvor hatte die Dachauerin mit 10:12 im „Fünften“ verloren. Es war auch diesmal eng, umkämpft und überaus spannend. Und erneut hatte die Berlinerin im Entscheidungssatz knapp die Nase vorne. Zunächst zeigte Mittelham anderthalb Sätze begeisterndes Tischtennis und lieferte eine Demonstration ab, wie man gegen Winters Antitopspiel agieren muss, um eine Siegchance zu haben. Doch dann kippte das Match – vorerst. Mit einem Mal war Winter auf dem Vormarsch, brachte ihre fulminanten Vorhandzieher immer besser durch und zwang ihre Gegnerin zunehmend zu Fehlern. Als die Dachauerin mit 2:1 Sätzen vorne lag, sahen sie fast alle in der rappelvollen Halle eindeutig auf der Siegerstraße. Doch ihre Berliner Nationalmannschaftskollegin resignierte keine Sekunde und war zu Beginn des vierten Satzes wieder voll da, diktierte wieder den Rhythmus und brachte ihre Gegnerin schier zum Verzweifeln. Im Entscheidungsdurchgang ging es bis zum 6:1 und kurz darauf 8:4 so weiter, Mittelham brachte ihr Spiel durch und ihre Kontrahentin konnte fast nur noch reagieren. Doch Winter wäre nicht Winter, wenn sie gegen Ende nicht doch noch einmal Gas gegeben hätte. Plötzlich stand es aus ihrer Sicht nur noch 9:10 und sie hatte mit einem starken, platzierten Vorhandtopspin eigentlich den Punkt zum Ausgleich auf dem Schläger. Aber nur eigentlich, denn Mittelham spielte in der Bedrängnis ihren besten Ball des ganzen Matchs und antworte mit einem unerwarteten parallelen Gegenzieher in die lange Rückhand ihrer Gegnerin, der die Entscheidung brachte. Wahnsinn! Ein vorentscheidendes Duell mit sehr unterschiedlichen Phasen, jedoch von Anfang bis Ende auf spielerischem und kämpferischem Topniveau.

Auch kämpferisch voll auf der Höhe: Nina Mittelham (Foto: Ronny Pabst).
Bajor und Surjan machen den Sack zu
Da Seoyoung Byun am Nachbartisch im Defensivduell gegen Yuka Kaneyoshi, mit deren Spiel sie überhaupt nicht zurecht kommt, ein weiteres Mal nichts ausrichten konnte, stand es zur Pause 3:1 für den Gastgeber. Und der legte nach und ließ nichts mehr anbrennen. Natalia Bajor revanchierte sich für ihre Hinspielniederlage durch ein glattes 3:0 über Dora Cosic und Sabina Surjan überließ der jungen Koharu Itagaki ebenfalls keinen einzigen Satz. Der Deutsche Meister 2026 stand damit fest und durfte sich verdientermaßen feiern lassen.
„Überzeugend performt und herausragend gespielt“
„Wir freuen uns alle sehr, wieder Deutscher Meister zu sein und auch den zweiten Pokal des DTTB hier in Berlin zu haben“, beginnt Andreas Hain, Manager des ttc berlin eastside, sein Statement. „Letztlich haben wir die ganz Runde klar dominiert und sowohl im Halbfinale gegen Weinheim als auch im Finale gegen Dachau sehr deutlich gewonnen. Unser Kader war hervorragend besetzt und wir haben gegen alle Spielsysteme gute Lösungen gehabt. Heute haben wirklich alle Spielerinnen mehr als überzeugend performt und herausragend gespielt.“ Natürlich erhielt Nina Mittelham ein Sonderlob: „Herausragend war Nina, die in den Play-offs kein Spiel verloren hat.“ Die jüngste Spielerin im Berliner Kader fand in Hains Kommentar aber auch Erwähnung: „Gerne hätten wir Josi Neumann die Chance gegeben, sich für ihre Niederlage vom Freitag zu rehabilitieren, aber krankheitsbedingt musste sie dann während des Einspielens auf ihren Einsatz verzichten.“
Livestream / TV-Präsenz
Wer sich das gesamte Hinspiel nochmals anschauen möchte, wird u.a. hier fündig: https://www.youtube.com/watch?v=Yk4D2kMXD3o.
Auch beim Rückspiel konnte jeder „auf Ballhöhe“ sein, selbst wenn er es nicht nach Berlin geschafft hat. Erneut gab es einen Livestream in bester Qualität, der kostenlos im Livecenter von BR24Sport in der ARD-Mediathek zu sehen war, außerdem in der BR24 App oder beim Smart-TV im HbbTV des BR Fernsehens. Produziert wurde auch dieser Livestream wieder mit Unterstützung des ttc berlin eastside und seines TV-Teams um Dietmar Ripplinger. Eine tolle Präsenz des Meisterschaftsfinales im medialen Bereich, die unterstreicht, dass Damen-Tischtennis auf höchstem Niveau nicht nur für eingefleischte Fans, sondern für die gesamte Sport-affine Community von Interesse ist.
Das Rückspiel in der Übersicht
Kaneyoshi/Griesel – Winter/Byun 0:3 (8:11, 7:11, 7:11)
Mittelham/Surjan – Cosic/Pranjkovic 3:0 (11:4, 11:9, 11:4)
Yuka Kaneyoshi – Seoyoung Byun 3:0 (11:5, 11:2, 11:2)
Nina Mittelham – Sabine Winter 3:2 (11:7, 8:11, 4:11, 11:3, 11:9)
Natalia Bajor – Dora Cosic 3:0 (11:6, 11:7, 11:9)
Sabina Surjan – Koharu Itagaki 3:0 (11:2, 11:5, 11:8)
Beitragsbild ganz oben: Das Siegerteam im Goldkonfetti-Regen (Foto: Ronny Pabst).
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