Berlin legt vor und gewinnt Final-Hinspiel in Dachau mit 6:3

Von Stephan Roscher|Mai 29, 2026|bundesliga

TSV Dachau 65 – ttc berlin eastside 3:6

Titelfavorit ttc berlin eastside hat das Final-Hinspiel um die Deutsche Meisterschaft 2026 am Freitagabend in Dachau mit 6:3 gewonnen und sich damit eine günstige Ausgangsposition für das Rückspiel am Sonntag in Berlin (13 Uhr, „Heyse25“) verschafft. Entschieden ist aber noch nichts. Den Hauptstädterinnen würde vor eigener Kulisse ein Remis zum elften Meistertitel seit 2014 genügen, Dachau muss gewinnen, um ein Golden Match zu erzwingen.

Zuzutrauen ist dem Team um die Weltranglisten-Neunte Sabine Winter noch einiges. Nach ungünstigem Start – relativ schnell geriet man mit 0:4 in Rückstand, mancher dachte schon, es würde eine langweilige, einseitige Angelegenheit werden – gaben die Oberbayern in der ausverkauften Sporthalle Augustenfeld nämlich richtig Gas und kamen durch drei Siege in Folge aus Berliner Sicht bedohlich heran. Auf einmal schien wieder alles möglich, zumal die Gastgeberinnen die Scheu vor dem großen Namen erkennbar abgelegt hatten.

Die vom Bayerischen Rundfunk mit Unterstützung des Berliner TV-Teams um Dietmar Ripplinger in Topqualität live gestreamte Partie war hochklassig und spannend, spätestens seit der Gastgeber „Blut geleckt“ und sich herangekämpft hatte.

Allerdings gelang es Winter und Co., obwohl dann auf Augenhöhe, nicht, sich noch ein Remis zu erkämpfen, was durchaus im Bereich des Möglichen lag, da man in den Einzeln gleichwertig war. Man darf es sich eben nicht erlauben, gegen ein Team von der Klasse des ttc eastside beide Doppel zu verlieren.

Beim Hauptstadtklub überragte, wenige Tage nach ihrer Hochzeit, Nina Mittelham, die drei Punkte beisteuerte und sowohl ihre beiden Einzel (3:2 gegen Sabine Winter nach Abwehr eines Matchballs, 3:1 gegen Seoyoung Byun) als auch ihr Doppel an der Seite von Sabina Surjan (3:1 gegen Sabine Winter/Dora Cosic) gewann. Für die restlichen Punkte der Gäste sorgten, neben den Doppeln, Yuka Kaneyoshi, die Byun im Defensivduell recht eindeutig auf Distanz hielt, und Natalia Bajor, die am Ende ihr Einzel gegen die 16-jährige Koharu Itagaki in vier Sätzen über die Ziellinie brachte.

Für Dachau punkteten Sabine Winter (3:1 gegen Kaneyoshi), Koharu Itagaki (3:0 gegen Josi Neumann) und Dora Cosic (3:1 gegen Bajor). Etwas enttäuschend verliefen die Auftritte der in der Punktrunde sowie in den Halbfinals so starken Defensivspielerin Seoyoung Byun, die diesmal keine Akzente setzen konnte und sowohl Kaneyoshi als auch Mittelham gratulieren musste – auch im Doppel mit Lieblingspartnerin Itagaki (0:3 gegen Kaneyoshi/Mia Griesel) ging die sonst so erfolgreiche Südkoreanerin leer aus.

Die Fans erlebten bei sommerlichen Temperaturen eine sehenswerte, umkämpfte Partie von vier Stunden, die vom sportlichen Niveau kaum Wünsche offen ließ. Ein würdiges erstes Endspiel um den Titel, bestritten von den beiden ohne jeden Zweifel besten Mannschaften der Saison 2026/27. Trotz der Niederlage des Heimteams bereuten die zahlreichen Fans ihr Erscheinen nicht. Sollten beide dieses hohe Level auch am Sonntag in Berlin abrufen können, steht den Zuschauern ein weiteres Saison-Highlight der Extraklasse bevor.

Aus Dachauer Perspektive vollkommen ungewohnt: Koharu Itagaki und Seoyoung Byun verloren ihr Doppel, was den verpatzten Start mit 0:2 zum Ergebnis hatte (Foto: Dr. Stephan Roscher).

„Alles abverlangt“: Stimmen zum Spiel

Dachaus Cheftrainer Alexander Yahmed zollte seinem Team großen Respekt: „Wir haben einen Sahnetag erwischt und wirklich gut gespielt. Nach dem 0:4 auf 3:4 zu kommen zeigt, was fúr ein tolles Team wir in Dachau haben.“ Er ließ es sich in diesem Zusammenhang nicht nehmen, auch das gesamte Umfeld zu loben: „Das geht aber nur, weil sich wirklich alle einbringen im Verein und voll hinter uns stehen.“ Yahmed, der generell mit Prognosen eher zurückhaltend ist, äußert sich nicht zu den Chancen seines Teams im Rückspiel. Er weiß, dass dies von so vielen Faktoren abhängt, die teilweise nicht kalkulierbar sind. Natürlich erinnert er sich noch an die sehr ähnliche Konstellation im Halbfinale, als man mit einer Heimniederlage im Gepäck nach Langstadt fuhr und dort eine geradezu grandiose Leistung abrufen konnte. Doch in der Hauptstadt zu bestehen, ist nochmal eine andere Herausforderung, ein anderes Kaliber. Yahmed weiß, dass für einen Überraschungscoup am Sonntag gerade im vorderen Paarkreuz mehr Punkte kommen müssen, kritisiert aber seine beiden Topspielerinnen nicht, sonderern lobt den Gegner: „Was Berlin vorne gespielt hat, war bärenstark. Auch deshalb haben sie das Spiel bei uns verdient gewonnen.“

„Es war letztlich ein umkämpfter Sieg, der uns alles abverlangt hat“, sagte ein erleichterter Andreas Hain nach der nervenaufreibenden Partie. „Überragend bei uns natürlich Nina Mittelham, die gegen die Nummer neun der Welt gewonnen hat und auch gegen Byun eine konzentrierte Leistung zeigte.“ Der Manager des ttc berlin eastside fügte hinzu: „Unsere Doppel haben gut gespielt, aber gerade im hinteren Paarkreuz müssen wir noch zulegen. Das Rückspiel am Sonntag wird nicht einfach werden und wir sind gewarnt. Auch in Langstadt drehte Dachau das Match und das wollen wir zu Hause vermeiden.“

Livestream / TV-Präsenz

Wer sich das gesamte Hinspiel nochmals anschauen möchte, wird u.a. hier fündig: https://www.youtube.com/watch?v=Yk4D2kMXD3o.

Auch beim Rückspiel (Beginn: Sonntag, 13 Uhr) kann jeder „auf Ballhöhe“ sein, selbst wenn er es nicht nach Berlin schafft. Auch dann wird es wieder einen Livestream in bester Qualität geben, der kostenlos im Livecenter von BR24Sport in der ARD-Mediathek zu sehen ist, außerdem in der BR24 App oder beim Smart-TV im HbbTV des BR Fernsehens. Dort ist das Play-off-Finale direkt über den gelben Knopf auf der Fernbedienung ansteuerbar. Produziert wird der Livestream selbstverständlich wieder mit Unterstützung des ttc berlin eastside und seines TV-Teams.

Für das Rückspiel in Berlin gibt es noch Eintrittskarten im Ticket-Shop des ttc berlin eastside (Normalpreis 10 Euro, ermäßigt: 8 Euro). 

Sonntag, 31. Mai, 13 Uhr
Final-Rückspiel ttc berlin eastside – TSV Dachau


Beitragsbild ganz oben: Nina Mittelham präsentierte sich in Dachau in mitreißender Form und drückte der Partie ihren Stempel auf (Foto: Ronny Pabst).

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