Schicksalsspiele für Weinheim

Von Stephan Roscher|März 13, 2026|bundesliga

Unter Siegzwang in Bingen und gegen Kolbermoor

Eigentlich steht in der regulären Punktrunde der 1. Bundesliga Damen nur noch eine wichtige Entscheidung aus – sieht man einmal von der Frage ab, ob Dachau oder Langstadt Zweiter wird. Es geht um den vierten und letzten Play-off-Platz, für den es zwei Bewerber gibt, die Teams aus Kolbermoor und Weinheim. Diese Entscheidung könnte bereits am kommenden Wochenende fallen, falls nicht, müssen wir uns bis zum 12.04. gedulden. Die Weinheimerinnen müssen zunächst am Samstag in Bingen ran und am Sonntag steigt das „kleine Finale“ gegen Kolbermoor. Nur Siege helfen dem Titelverteidiger von der Bergstraße weiter.

Samstag, 18 Uhr: TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – TTC 1946 Weinheim

Es war keine sonderlich gute Saison für die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim, die zwar einige recht ansprechende Partien gezeigt hat, sich aber allzuoft nicht belohnen konnte. Zu Beginn der Rückrunde schien bei 5:7 Punkten durchaus ein Play-off-Platz möglich zu sein, doch dann folgte zunächst ein überraschendes 2:6 in heimischer Halle gegen Schlusslicht Weil. Die Mannschaft berappelte sich zwar wieder, blieb aber bis dato ohne Punkte in der zweiten Saisonhälfte, da sich drei Auswärtsniederlagen, alle mit 4:6 denkbar knapp, anschlossen. Die Auftritte in Kolbermoor, Dachau und Langstadt waren durchaus sehenswert, doch es fehlte jeweils jener berühmt-berüchtigte winzige Tick, den es braucht, um solche Spiele auch einmal zu gewinnen oder wenigstens mit einem Punkt im Rucksack zu beenden.

Auch wirkte sich der Umstand aus, dass man die südkoreanische Defensivspielerin Yelin Choi, die gerade begonnen hatte, sich gut im Team zu akklimatisieren, im neuen Jahr bisher nicht einmal einsetzen konnte. Ebensowenig kam es zum Bundesligadebüt der zur Rückrunde verpflichteten Chinesin Huang Yingqi, die vermutlich zu einer richtig starken Nummer eins avanciert wäre. Zwar spielten Shi Qi und vor allem Elena Kuzmina richtig gut, doch bei Lea Rakovac lief es zumindest ergebnistechnisch nicht rund und Karolina Mynarova konnte hinten lediglich ein Match gewinnen. Und schließlich ist die Doppelbilanz von 7:13 alles andere als vorzeigenswert bei einem Team, das traditionell immer starke Doppel ins Rennen schicken konnte.

Nun stehen noch zwei Heimspiele auf dem Programm – gegen Klubs mit großen Namen, am Samstag Weinheim, am 12.04. Berlin. Egal, ob Punkte herausspringen, gerade gegen den einsamen Spitzenreiter eher unwahrscheinlich, möchte man frei aufspielen und sich von den Fans würdig verabschieden, die man mit Vorfreude auf eine bessere Saison 2026/27 in die Spielpause entlassen möchte.

Die Weinheimerinnen hätten das Feld in der Rückrunde noch gut von hinten aufrollen können, doch das letzte Wochenende mit den Niederlagen in Langstadt, wo man lange auf der Siegerstraße schien, und gegen Berlin, gegen das man sich beim 3:6 aber nicht schlecht verkaufte, haben diesen Plan durchkreuzt.

In der Vorrunde immenses Verletzungspech, in der Rückrunde nicht minder mit Mateja Jeger, die sich im Spiel gegen Dachau einen Kreuzbandriss zuzog, das waren keine günstigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison. Immerhin konnte zur Rückrunde mit der 19-jährigen Ukrainerin Veronika Matiunina eine Spielerin mit großem Potenzial an Bord geholt werden, doch auch sie muss sich erst an die raue Luft im Oberhaus gewöhnen – drei Matches hat sie bisher gewonnen, drei verloren. Neben ihr sollten Chien Tung-Chuan und Yuan Wan am Wochenende gesetzt sein. Von eins bis drei eine sehr starke Formation. Auf der Vierer-Position ist man durch Mateja Jegers Missgeschick natürlich eingeschränkt, jedoch konnte sich die DTTB-Jugendnationalspielerin Elisa Nguyen zuletzt durch einen überraschenden Erfolg über Mia Griesel für weitere Einsätze in der Beletage des deutschen Tischtennis empfehlen. Jedoch ist die 16-Jährige am Wochenende beim WTT Youth Contender in Berlin gefordert.

Es könnte noch klappen mit Platz vier – doch man steht nun mächtig unter Druck beziehungsweise absolutem Siegzwang in den Partien in Bingen, am Sonntag gegen Kolbermoor sowie am 12.04. in Weil. Geht eines dieser Spiele daneben, war es das endgültig für diese Saison.

Bingens Sportvorstand Joachim Lautebach zeigt Respekt vor dem Gegner: „Obwohl das Team aus Weinheim aufgrund von Verletzungen zurzeit mit fünf Pluspunkten nur auf dem fünften Tabellenplatz steht, kann die Mannschaft durch Siege in den drei ausstehenden Begegnungen noch einen Play-off-Platz erreichen und wird dementsprechend hochmotiviert agieren.“ Doch am Mäuseturm ist man heiß auf das Spiel und will nicht leer ausgehen: „Nach den drei knappen 4:6-Niederlagen hintereinander, werden unsere Spielerinnen jedoch alles versuchen, sich durch mannschaftliche Geschlossenheit und entsprechenden Einsatz vor den eigenen Anhängern gut zu präsentieren, um vielleicht eine Überraschung zu schaffen. Spannende und hochklassige Partien sind somit wieder zu erwarten.“

„Wir werden wie immer alles geben und unsere Möglichkeiten versuchen zu nutzen“, so Weinheims Manager Christian Säger vor der Partie. „In Bingen ist es immer schwer zu spielen. Unsere Personaldecke ist auch sehr ausgereizt und daher müssen wir schauen, was machbar ist. Falls wir gewinnen sollten, kommt es dann am Sonntag im Heimspiel gegen Kolbermoor zu einem echten Showdown.“

Sonntag, 14 Uhr: TTC 1946 Weinheim – SV DJK Kolbermoor

Es könnte ein großer, dramatischer Showdown um den letzten zu vergebenden Play-off-Platz werden, wenn die beiden Bewerber Weinheim und Kolbermoor am Sonntagnachmittag in der Sporthalle des Werner-Heisenberg-Gymnasiums aufeinandertreffen. Vorausgesetzt, die Nordbadenerinnen haben am Vorabend in Bingen ihre Hausaufgaben erledigt und zwei Punkte mitgebracht. Misslingt dies, ist Kolbermoor so gut wie am Ziel. Ja und wenn Annett Kaufmann und ihre Kolleginnen sich tatsächlich in Weinheim durchsetzen, ist ohnehin alles entschieden. Der Gastgeber steht mit dem Rücken zur Wand, will aber alles Menschenmögliche versuchen.

„Vor großer Zuschauerkulisse und den Heimfans müssen wir auch gegen dieses Team alles abrufen, um die Punkte in Weinheim behalten zu können“, ist Christian Säger überzeugt. „Wenn es mit den Play-offs nicht klappen sollte, ist das überhaupt kein Problem für uns. Wir können sehr gut einschätzen, wie die Saison von Anfang an für uns gelaufen ist.“ Die Weinheimer Fans dürfen sich in jedem Fall auf den Sonntag freuen, da eine wichtige Bekanntgabe erfolgen wird. Säger: „Wir freuen uns jetzt schon auf die neue Saison 26/27. Am Sonntag werden wir bekannt geben, wie da unser Team aussehen wird. Wir werden stärker und breiter aufgestellt sein, so viel vorweg.“

Dr. Michael Fuchs geht davon aus, dass Weinheim die vier möglichen Punkte gegen Bingen und Weil holen wird und es somit tatsächlich zu einer Entscheidung im direkten Aufeinandertreffen kommen könnte: „Wenn wir das Spiel am Sonntag verlieren sollten, müssten wir gegen Langstadt gewinnen und dann würde das Spielverhältnis zum Tragen kommen.“ Doch das wird sich alles erweisen, zunächst geht es einmal um die brisante Partie in Weinheim, bei der sich vieles auf Augenhöhe abspielen und die dramatisch verlaufen könnte.

Fuchs spielt das mögliche Geschehen im Gedanken durch: „Beim Spiel am Sonntag wird es ein paar entscheidende Spiele geben, die ausschlaggebend sein werden, ob wir einen Punkt holen können oder nicht. Ein Doppel wird leider Pflicht sein, was für uns in der aktuellen Saison immer noch eine Schwierigkeit darstellt, da wir leider noch keine wirklich perfekt harmonierende Paarung gefunden haben. Wenn Weinheim in gleicher Aufstellung spielt wie zuletzt, müssen wir im hinteren Paarkreuz eigentlich zwei Punkte holen, um im Spiel zu bleiben. Als Elisa zuletzt Mia geschlagen hat, hat man gesehen, was sie theoretisch spielen kann – das macht es für meine Spielerinnen nicht einfacher. Das vordere Paarkreuz ist schwer für mich einzuschätzen und auf dem Niveau ist kein Sieg garantiert. Annett hat zuletzt sehr überzeugend gespielt, aber man darf ihre Siege nicht als selbstverständlich ansehen. Ich hoffe, dass Manami [Imaeda] diesmal etwas weniger nervös ist und ihre Chancen besser nutzen kann.“ Fuchs bringt seine Erwartungen auf folgenden Nenner: „Ich hoffe, dass wir das Spiel von Anfang an knapp gestalten können und keinem Rückstand nach den Doppeln hinterherlaufen müssen. Wenn wir das schaffen, liegt der Druck auch etwas mehr bei Weinheim, was uns sicher zugute kommen kann.“

Beitragsbild oben: Yuan Wan und Chien Tung-Chuan könnten im Doppel gesetzt sein (Foto: Armin Schimkat).

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