In der Erfolgsspur bleiben: Langstadt will gegen Schlusslicht Weil nichts anbrennen lassen
Samstag, 15 Uhr: TSV Langstadt – ESV Weil
Der Tabellendritte mit hoch positivem Punktekonto empfängt das Schlusslicht, das mit 2:18 Zählern notiert ist – das müsste doch eigentlich eine ganz klare Sache werden. So sicher ist das jedoch gar nicht. Zum einen ist der ESV Weil besser, als es die Tabelle erscheinen lässt, oft war man ersatzgeschwächt und hat viele knappe, unglückliche Niederlagen kassiert. Zum anderen haben sich die Langstädterinnen bisweilen ziemlich schwergetan mit der Truppe aus dem Dreiländereck, letzte Saison musste man sogar das Play-off-Aus gegen die Weilerinnen hinnehmen. Doch die haben am Samstag einmal mehr personelle Probleme, die Hessen können aber auch nicht in Bestbesetzung an die Tische gehen.
Man kann nicht davon ausgehen, dass die Gastgeber in ihrem vorletzten Heimspiel der Punktrunde ihren Gegner aus der Halle schießen werden. Vielmehr könnte es eine enge, umkämpfte Angelegenheit werden. So wie im Hinspiel am 9. November 2025, das Langstadt auch mit seiner Top-Thailänderin Orawan Paranan gerade so mit 6:4 gewinnen konnte. Damals überragte die 17-jährige Lorena Morsch bei Langstadt mit zwei Einzelsiegen. 21:19 Sätze in der Gesamtabrechnung zugunsten des TSV illustrieren indes, wie eng es zuging.
Schon gegen Bingen am letzten Sonntag hatte Langstadt mächtig zu kämpfen, bis der 6:4-Erfolg in trockenen Tüchern war – und Bingen liegt den Hessinnen eigentlich besser als Weil. Normalerweise würde der TSV im zweiten Spiel seiner Abschiedstour in derselben Aufstellung an die Tische gehen wie am Sonntag, also mit den deutschen Spielerinnen Franziska Schreiner, Chantal Mantz, Sophia Klee und Lorena Morsch. Ein Quartett ohne internationale Topspielerin, das in der Ausgeglichenheit von Position eins bis vier seine besondere Stärke hat und mit dem Duo Schreiner/Morsch ein sehr gut harmonierendes Doppel stellt. Doch mit „Franzi“ Schreiner, gegen Bingen in Galaform, dürfte es diesmal nichts werden, da die 24-Jährige ab Donnerstag im Hauptfeld des WTT Star Contender im indischen Chennai aufschlägt. Somit müsste man sich entweder mit einer Ersatzspielerin aus dem Zweitliga-Team behelfen oder aber die Serbin Izabela Lupulesku einsetzen. Dass man eigens für diese Partie Orawan Paranang einfliegen lässt, halten wir für unwahrscheinlich, auch wenn der Verein, wie immer, im Vorfeld keine Angaben zur Aufstellung macht.
Der ESV Weil hatte nach dem 6:2-Erfolg in Bingen am 25. Januar gehofft, in der Erfolgsspur bleiben zu können, doch das zerschlug sich eine Woche später schon wieder mit den Heimniederlagen gegen Dachau (3:6) und Kolbermoor (2:6) – gegen Dachau gingen alle fünf Fünfsatzspiele verloren, gegen Kolbermoor alle vier. Anna Hursey agierte nicht in Topform und performte nicht so eindrucksvoll wie gewohnt, während die Bayern-Teams sehr stark und hoch fokussiert auftraten. Nun hat man theoretisch noch zwei Chancen, in dieser Saison nochmals das angenehme Gefühl zu genießen, auf der Siegerseite zu stehen – die erste davon wäre am Samstag in Langstadt.
Doch da wird Anna Hursey nicht helfen können – die 19-jährige Waliserin ist nämlich, genauso wie Franziska Schreiner, beim Star Contender in Indien gefordert. Ohne Hursey ist die Mannschaft schon einmal ein ganzes Stück schwächer. Zwar hat man fünf Spielerinnen im Kader, doch die verbleibenden vier haben eben nicht Hurseys Niveau. Und leider sind es nicht einmal vier, die in Frage kommen. Ganz aktuell haben wir aus Weil erfahren, dass die Norwegerin Martine Toftaker, letzte Saison noch beim TTC Langen in der 2. Liga am Ball, aufgrund einer Handgelenksverletzung, an der sie seit Wochen laboriert, ausfällt. Man überlegt noch, ob sie pro forma aufgestellt wird und abschenkt oder ob eine Ersatzspielerin aus der Oberliga zum Einsatz kommt. Fix sind nur die 34-jährige Kurznoppenspielerin Ievgeniia Sozoniuk, die 21-jährige deutsche Defensivspielerin Lea Lachenmayer und die 22-jährige Litauerin Kornelija Riliskyte. Somit wird es sehr schwer werden für die Südbadenerinnen, in Langstadt zu bestehen.
Abteilungsleiterin Doris Spiess sagt vor der Partie in Hessen: „Es wird sicher schwierig, den zweiten Saisonsieg in Langstadt einzufahren. Anna Hursey ist in Sachen WTT unterwegs und Martine Toftaker immer noch verletzt. Ob sie ihre Spiele abgibt oder ob wir mit Ersatz antreten, wird sich kurzfristig entscheiden. Es sind also keine optimalen Voraussetzungen für das Spiel. Aber wir werden die bisher verkorkste Saison hinter uns bringen und dann neu starten.“
Die Langstädterinnen möchten jedenfalls gerne den Erfolg aus der Vorrunde wiederholen, um geradlinig auf Play-off-Kurs zu bleiben. „Für unseren Rhythmus ist es gut, dass wir jetzt bereits das nächste wichtige Spiel haben“, ist Langstadts Trainerin Anna Rauch überzeugt. „Weil ist zwar Tabellenletzter, hat jedoch sehr viele Spiele nur ganz knapp verloren, unter anderem mit 4:6 gegen uns in der Vorrunde. Wir stellen uns daher wieder auf eine schwierige Aufgabe ein, die wir mit unseren Fans im Rücken aber unbedingt bewältigen wollen.“
Beitragsbild oben: Die Weilerinnen Ievgeniia Sozoniuk und Lea Lachenmayer spielen ein gutes, erfolgreiches Doppel, das vermutlich auch am Samstag in Langstadt zu bewundern sein wird (Archivfoto: Dr. Stephan Roscher).
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