Champions League: Yuka Kaneyoshi führt Berlin zum Sieg im Viertelfinal-Hinspiel

Von Stephan Roscher|Februar 12, 2026|champions league

PGE Fibrain Ku AZS Politechnika Rzeszów – ttc berlin eastside 1:3

Der Titelverteidiger hat vorgelegt – und das in überzeugender Manier. Am Donnerstagabend gewann der ttc berlin eastside das Viertelfinal-Hinspiel der europäischen Königsklasse im ponischen Rzeszów mit 3:1 und verschaffte sich damit eine überaus günstige Ausgangsposition für das Rückspiel am Samstag (18 Uhr) im Berliner Tischtennis-Tempel „Heyse25“. Man steht damit mindestens mit einem Bein, eher mit anderthalb Beinen, im Final Four, das im polnischen Tarnobrzeg stattfinden wird. Bei eastside überragte die junge japanische Abwehrspielerin Yuka Kaneyoshi, die ihre beiden Einzel gewann. Nina Mittelham steuerte einen weiteren Punkt bei.

Die ersten beide Matches waren fraglos die spannendsten, die letzten beiden dagegen ziemlich einseitig. Doch fangen wir am Anfang an: Berlin hatte mit Yuka Kaneyoshi, Xiaona Shan und Nina Mittelham ein spielstarkes und – zumindest was Shan und Mittelham betrifft – international erfahrenes Trio aufgeboten. Mitgereist in ihre polnische Heimat war für alle Fälle auch Natalia Bajor, die aber nicht zum Einsatz kam.

Überraschungs-Viertelfinalist Rzeszów konnte nicht auf seine starke Taiwanerin Yeh Yi Tian zurückgreifen und formierte ein Team um die erfahrene Li Fen, Einzel-Europameisterin im Jahr 2013. Die inzwischen 49 Jahre alte, in China geborene Schwedin mit dem tollen Ballgefühl ist in der deutschen Bundesliga noch bestens bekannt, wo sie von 2007 bis 2013 die Spitzenspielerin des TTSV Saarlouis-Fraulautern war. Ihr zur Seite standen die Polinnen Zuzanna Wielgos und Ilona Sztwiertnia, die keineswegs einen schwachen Eindruck hinterließen.

Die 20-jährige Wielgos zu Anfang sogar einen ganz starken, schaffte sie doch tatsächlich das Kunststück, eine Xiaona Shan zu besiegen. Zweimal ging Berlins Penholder-Ass nach Sätzen in Führung, zweimal konnte ihre Gegnerin ausgleichen, der dann im Entscheidungsdurchgang, der als Kurzsatz gespielt wird, nahezu alles glückte. Das Publikum war voll da und witterte eine Sensation.

Würde den Polen, die sich in der Gruppenphase als Zweiter in Gruppe B hinter Metz für das Viertelfinale qualifiziert hatten, auch noch das 2:0 gelingen, das war jetzt die Frage. Zwar schickte Berlin sein in der Bundesliga bereits überragendes Abwehr-Ass Yuka Kaneyoshi in den Ring, doch ihre Gegnerin war keine Geringere als Li Fen – und die kann richtig gut gegen Abwehr, weil sie einen höllischen Vorhandzieher mit viel Spin hat, der Defensivspielerinnen normalerweise arg zu schaffen macht. So gesehen, hatten die Polen eigentlich die Aufstellung des Hauptstadtklubs optimal getroffen. Tatsächlich entwickelte sich ein tolles, sehenswertes Match zwischen den beiden. Der erste Satz ging klar an Kaneyoshi, dann hatte sich Li gut auf deren Spiel eingestellt und egalisierte. Doch die junge eastside-Spielerin legte noch eine Schippe drauf und präsentierte sich im dritten Satz, den sie widerum klar für sich entschied, noch sicherer. Der vierte Durchgang war dann wiederum hoch spannend und die Schwedin in Diensten der Polen holte alles aus sich heraus. Kaneyoshi hatte am Ende jedoch die besseren Lösungen parat und gewann den wahrlich sehenswerten Satz mit 15:13 und damit das Match zum erlösenden Ausgleich des ttc eastside.

Wir erhofft, sorgte anschließend Nina Mittelham erstmals für eine Berliner Führung. Gegen Ilona Sztwiertnia legte sie zwei klar gewonnene Sätze vor. Im dritten Durchgang ging es enger zu, doch die Polin konnte ihre anfängliche Führung nicht ins Ziel bringen. Mittelham war am Ende wieder gut im Rhythmus und gewann mit 11:5, 11:3, 11:9).

Am Ziel war man jedoch noch nicht. Dazu musste nämlich erst noch Yuka Kaneyoshi gegen Zuzanna Wielgos punkten. Die Frage war, ob die junge Polin gegen Abwehr genau so gut spielen kann wie gegen Shans schnelles, vorhandbetontes Penholder-Spiel. Klare Frage, klare Antwort: Nein, kann sie nicht. Kaneyoshis 3:0 geriet nie ernsthaft in Gefahr, auch wenn sich ihre Gegnerin phasenweise gut herankämpfte. Wenn die Berlinerin aber dringend Punkte brauchte, dann machte sie diese auch. Erneut eine beeindruckende Leistung der japanischen Abwehrstrategin. Der Auswärtssieg war damit in trockenen Tüchern – und das hochverdient.

Nun darf man sich auf ein Tischtennis-Fest in der Hauptstadt freuen. Vieles sieht danach aus, dass der ttc eatside am Samstag im Rückspiel den Sack zumachen und das Final Four eintüten kann – bei aller Vorsicht, denn Rzeszów hat im Hinspiel gezeigt, dass es eine gute Truppe beisammen hat, die man nicht einfach so aus der Halle schießen kann.

„Unsere Mannschaft hat ihr Champions-League-Gesicht gezeigt und souverän in Rzeszów gewonnen. Selbst der Rückstand hat uns nicht aus dem Konzept gebracht und Yuka Kaneyoshi hat wieder einmal unglaublich konzentriert und selbstbewusst ihre Spiele gewonnen“, freute sich Berlins Manager Andreas Hain. „Wir wollen jetzt am Samstag natürlich genauso konzentriert spielen und den Einzug ins Final 4 perfekt machen. Kompliment auch an unsere junge Trainerin Mika Kaneyoshi, Yukas Schwester, die jetzt erstmals alleine die Verantwortung für das Team hatte und das hervorragend gemacht hat.“

PGE Fibrain KU AZS Politechnika Rzeszów – ttc berlin eastside 1:3

  • Zuzanna WIELGOS – Xiaona SHAN 3:2 (4:11, 11:7, 4:11, 11:9, 6:2)
  • Fen LI – Yuka KANEYOSHI 1:3 (6:11, 11:7, 5:11, 13:15)
  • Ilona SZTWIERTNIA – Nina MITTELHAM 0:3 (5:11, 3:11, 9:11)
  • Zuzanna WIELGOS – Yuka KANEYOSHI 0:3 (6:11, 8:11, 9:11)

Siegerselfie ttc berlin eastside (v.l. Nina Mittelham, Yuka Kaneyoshi, Natalia Bajor, Mika Kaneyoshi, Xiaona Shan).

Beitragsbild ganz oben: Eine Klasse für sich: Yuka Kaneyoshi (Foto: Dr. Stephan Roscher).

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