Weinheim sensationell noch in den Play-offs, bitterer Sonntag für Kolbermoor

Von Stephan Roscher|April 12, 2026|Uncategorized

Langstadt beendet Punktrunde als Zweiter

Ein Sonntag, der es in sich hatte. Die einen durften ausgelassen jubeln, die anderen ließen traurig die Köpfe hängen nach den heutigen letzten Partien der regulären Punktrunde. Jubeln durften die Weinheimerinnen, die durch einen 6:0-Erfolg in Weil sensationell noch die Play-offs erreichten. In Kolbermoor wurde dagegen getrauert, da man ohne die verletzte Annett Kaufmann den Langstädterinnen mit 2:6 unterlag und am Ende aufgrund des schlechteren Spielverhältnisses ganz knapp die Halbfinals verfehlte. Die Hessinnen sicherten sich den zweiten Tabellenplatz. Bingen und der souveräne Punktrunden-Sieger Berlin trennten sich 5:5. In den Halbfinals kommt es bereits am nächsten Freitag und Sonntag zu den Duellen Berlin-Weinheim und Langstadt-Dachau.

ESV Weil – TTC 1946 Weinheim 0:6

In etwas überraschender Besetzung war das Team von der Bergstraße zum Baden-Württemberg-Derby gereist – doch es passte absolut. Anstelle der Taiwanerin Chien Tung-Chuan lief die bis dahin bei ihren vorherigen vier Einsätzen etwas glücklose Südkoreanerin Kim Seongjin auf der Spitzenposition auf, während Daria Trigolos im hinteren Paarkreuz zu ihrem ersten Saisonspiel kam. Beide rechtfertigten ihren Einsatz mit richtig guten Leistungen.

Am Anfang benötigte man aber schon eine Prise Glück. Beide Doppel waren nämlich eng und umkämpft, beide gingen erst im Entscheidungssatz an die Gäste – Kim/Wan besiegten Hursey/Riliskyte, Matiunina/Trigolos ihre Gegnerinnen Sozoniuk/Lachenmayer, die nach einem 4:9-Rückstand noch gefährlich herankamen. An diesem Punkt hätte die Partie vielleicht eine andere Richtung nehmen können, die 2:0-Führung jedoch gab dem Gästeteam erkennbar Auftrieb, das in den Einzeln dann wie aus einem Guss aufspielte. Yuan Wan besiegte Anna Hursey mit 3:0 (11:6, 13:11, 13:11), während Kim Seongjin bei ihrem glatten Sieg gegen Ievgeniia Sozoniuk wenig Mühe hatte. Und Weinheim blieb am Ball, auch im hinteren Paarkreuz. Daria Trigolos verlor zwar den ersten Satz gegen Degensiv-Ass Lea Lachenmayer, bekam danach das Spiel aber sehr gut in den Griff. Und ebenfalls mit 3:1 setzte sich Veronika Matiunina gegen Kornelija Riliskyte durch – auch hier ging lediglich der erste Durchgang an die Weilerin. 6:0 für den TTC 46, nun galt es noch aufregende 23 Minuten am Ticker/Stream zu überstehen, in Kolbermoor war die Partie ja noch nicht beendet, dann durfte gejubelt werden.

Das Spiel war aus Weiler Sicht das Spiegelbild einer verkorksten Saison, die man froh ist, nun endlich hinter sich zu haben. Selbst eine internationale Topspielerin wie die Weltranglisten-33. Anna Hursey konnte an diesem „gebrauchten“ Sonntagnachmittag keine Akzente setzen und blieb blass und glücklos wie alle ihre Teamkolleginnen.

Der Weinheimer Auswärtssieg, der das Team aus Nordbaden zum vierten Mal in Folge in die Play-offs katapultierte, war tatsächlich auch in dieser Höhe leistungsgerecht und kein Zufallsprodukt. Bei aller Tragik für das sozusagen Millimeter vor der Ziellinie gescheiterte Team aus Kolbermoor, kann man den Weinheimerinnen den Respekt für ihre von Erfolg gekrönte Aufholjagd in der Rückrunde nicht absprechen. Man darf gespannt sein, wie sich der Überraschungs-Halbfinalist nun gegen die Topmannschaft Berlin verkaufen wird.

Doris Spiess, Abteilungsleiterin des ESV Weil, ist in dieser Saison Kummer gewöhnt. In ihrer Sicht ging es auch am Sonntag weiter wie gehabt: „Es wurde leider wieder nichts mit einem Erfolgserlebnis. Irgendwie war diese Saison der Wurm drin. Auch Anna Hursey konnte in ihrem letzten Spiel für den ESV Weil am Rhein nichts reißen. Und die Mannschaft von Weinheim wusste um ihre Chance, den Play-off-Platz noch zu erreichen und ging entsprechend fokussiert zugange. Zwar gab es, wie bisher auch, tolle Spiele zu sehen, doch zu einem Sieg reichte es wieder einmal nicht. Wir haken jetzt diese Saison ab und werden im nächsten Jahr neu angreifen. Hoffentlich mit mehr Glück.“

Aus Weil meldete sich aber auch Weinheims Trainer Rainer Schmidt zu Wort, der natürlich begeistert war. „Ja wir sind natürlich alle super glücklich und sehr stolz, dass es doch noch geklappt hat. Das 6:0 heute war so nicht zu erwarten, wir haben an unsere Chance geglaubt. Dass es am Ende aber reicht, ist Wahnsinn. Hervorheben möchte ich heute Yuan Wan, die mit einer Glanzleistung gegen die aktuelle Nummer 33 der Welt Anna Hursey 3:0 gewonnen hat, aber auch Daria Trigolos, die kurzfristig aus der zweiten Mannschaft eingesprungen ist und zwei Punkte beisteuern konnte. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft und wir freuen uns auf die beiden Halbfinals gegen die übermächtige Mannschaft aus Berlin. Aber man muss auch zugeben, dass der Ausfall von Annett Kaufmann in Kolbermoor uns in die Karten gespielt hat, weil sie schon eine Unterschiedsspielerin ist und ich ihr beste Genesungswünsche an dieser Stelle senden möchte. Trotzdem müssen wir auf unsere eigene Leistung schauen und sind stolz darauf, dass wir das noch geschafft haben heute.“

SV DJK Kolbermoor – TSV Langstadt 2:6

Eigentlich musste Kolbermoor „nur“ seine Hausaufgaben erledigen und den Langstädterinnen, die ja noch das schwere Spiel vom Vortag in Dachau in den Knochen hatten, ein Remis abtrotzen. Eine 4:6-Niederlage hätte auch schon ausgereicht. Doch das ist alles nicht so einfach, wenn mit Annett Kaufmann die absolute Spitzenkraft, mit 19 bereits unbestrittene Führungs- und Unterschiedsspielerin, die seit dem World Cup in Macao verletzt ist, fehlt.

Der Gastgeber stand also unter Druck, während die Hessinnen recht locker aufspielen konnten, für die die Frage, ob sie als Zweiter oder Dritter ins Ziel kommen würden, nicht so gravierend war. Kolbermoor, das vor der Partie Kristin Lang (Karriereende) und Lisa Wang (Vereinswechsel) offiziell verabschiedete, musste alles hineinwerfen und die Zuschauer spürten eine gewisse Nervosität. Man setzte auf die zuletzt gegen Weinheim starke Japanerin Manami Imaeda auf der Spitzenposition, Alina Zavarykina musste ins vordere Paarkreuz aufrücken. Hinten spielten Lisa Wang und Tijana Jokic. Im Doppel kam auch Kristin Lang zum Einsatz. Bei Langstadt gab es im Vergleich zum Dachau-Spiel eine Änderung, anstelle von Sophia Klee schlug diesmal Chantal Mantz im hineren Paarkreuz auf.

Nach den Doppeln war noch keine Tendenz abzusehen: Imaeda und Zavarykina besiegten Mantz/Morsch in vier Sätzen, während Lang an der Seite von Jokic mit 1:3 gegen Paranang/Lupulesku den Kürzeren zogen. Auch nach den ersten Durchgang im oberen Paarkreuz war noch alles offen. Manami Imaeda konnte Izabela Lupulesku in einem Fünf-Satz-Match auf Distanz halten, während Orawan Paranang gegen Alina Zavarykina zwar überraschend den zweiten Satz verlor, danach aber glasklar dominierte.

Danach wendete sich das Geschehen zu Ungunsten der Oberbayern. Lorena Morsch besiegte Lisa Wang, deren Spiel sie aus der Jugendnationalmannschaft gut kennt, überraschend deutlich mit 11:1, 11:5, 11:7 und Chantal Mantz, im Spitzenpaarkreuz oft glücklos, für hinten aber immer noch sehr stark, „lieferte“ mit einem fast ebenso glatten 3:0 über Tijana Jokic.

2:4, jetzt war der Druck wirklich immens. Doch die an diesem Wochenende überragende Orawan Paranang war auch von Manami Imaeda nicht zu schlagen, die sich lediglich den dritten Satz schnappen konnte, nachdem sie zuvor im zweiten Durchgang einige Satzbälle nicht verwerten konnte. Die Durchgänge eins und vier verliefen deutlich zugunsten der nach Weinheim wechselnden Thailänderin. Was konnte Kolbermoor noch dagegensetzen? Man hatte ja registriert, dass es in Weil perfekt für den Rivalen Weinheim gelaufen war. Alina Zavarykina versuchte wirklich alles gegen Izabela Lupulesku, traf anfänglich gut mit ihrer gefährlichen Rückhand und gewann die ersten beiden Sätze. Doch die Russin konnte das hohe Niveau nicht bis zum Ende durchhalten und musste zur Kenntnis nehmen, dass sich die Serbin in Langstädter Diensten steigerte und mit drei gewonnenen Sätzen in Folge den Sieg der Hessinnen in trockene Tücher packte. Die Spielerinnen des Gastgebers konnten es nicht fassen und waren sichtlich deprimiert, gratulierten aber fair ihren Gegnerinnen, an deren verdientem Sieg es nichts zu rütteln gab.

Die Hessinnen sicherten sich damit den zweiten Platz in der Endabrechnung und dürfen folglich das Rückspiel gegen Dachau am Sonntag vor heimischer Kulisse austragen, während man am Freitag bei den Oberbayern gastiert, wo man im gestrigen Punktspiel immerhin ein Remis verbuchte.

Obwohl natürlich nicht in heiterer Stimmung, übermittelte uns Kolbermoors Abteilungsleiter und Cheftrainer Dr. Michael Fuchs ein ausführliches, in die Tiefe gehendes sowie nach vorne blickendes Statement:

„Für uns maximal „unglücklich“, wenn man es so sagen kann. Natürlich sind wir jetzt der Verlierer des Spieltags und das müssen wir akzeptieren. Wie das Ganze zustande gekommen ist, würde ich – ohne Ausreden suchen zu wollen – als sehr unglücklich bezeichnen. Annett verletzt, Weil kann trotz der Anwesenheit von Anna Hursey kein Spiel gewinnen. Hinzu kommt, dass wir im unteren Paarkreuz überraschend blass bleiben, was ich auch nicht so erwartet habe. Insgesamt ein gebrauchtes Wochenende für uns, aber wir können jetzt nicht zu lange rumjammern, sondern der Blick muss jetzt Richtung Saison 26/27 gehen.

Wir sind froh, dass wir mit vielen unserer Partner wie der Sparkasse, HAGOS und der Innergie unsere Verträge verlängern konnten, denn ohne diese verlässlichen, regionalen Partner würde das Projekt Bundesliga nicht funktionieren, vorallem da vieles immer komplizierter wird – Organisation, Logistik, Finanzen und auch Dinge wie die Suche nach Spielerinnen. Dass eine weitere Mannschaft in die 1. Bundesliga will, ist ein Lichtblick! Wir werden wieder alles versuchen, kommende Saison eine wettbewerbsfähige Mannschaft mit Identifikationspotential auf die Beine zu stellen und hoffen, dass die Liga mit neuem Schwung auch wieder an Attraktivität und Professionalität gewinnt, denn das Potenzial und auch das sportliche Niveau dazu hat sie für mich.

Zum Abschluss möchte ich mich bei allen Sponsoren, Partnern, Fans und der Stadt Kolbermoor für ihre Unterstützung in dieser Saison bedanken und wünsche allen qualifizierten Vereinen interessante Play-off-Spiele.“

Sehr zufrieden zeigte sich natürlich der TSV Langstadt, der auf eine rundum gelungene Bayern-Tour zurückblicken kann. „Durch das verletzungsbedingte Fehlen von Annett waren wir uns unserer heutigen Favoritenrolle bewusst“, unterstrich Trainerin Anna Rauch. „Die Mädels zeigten durchweg eine gute Leistung und bestätigten nochmals die Leistungen und die Form vom Vortag. Wir gehen durch die positiven Spiele am Wochenende mit gestärktem Rücken Richtung Play-offs und hoffen, dass wir nächste Woche daran anknüpfen können.“ “Ein sehr erfolgreiches Wochenende für uns“, bekräftigte der Sportliche Leiter Manfred Kämmerer. „Wir haben den Sieg heute gebraucht und die Mannschaft hat geliefert. Zum Feiern bleibt jedoch keine Zeit, denn jetzt gilt bereits die volle Konzentration dem Play-off-Halbfinale nächstes Wochenende.“

TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – ttc berlin eastside 5:5

Mit einem Achtungserfolg verabschiedete sich der Tabellensechste Bingen aus der Saison, der den unangefochtenen Ligaprimus Berlin tatsächlich beim 5:5 den ersten und einzigen Punktverlust der gesamten Saison abluchsen konnte.

Doch das können die Hauptstädterinnen verschmerzen, die nicht in der allerstärksten Besetzung angereist waren und deren voller Fokus nun auf den Play-offs liegt. Mit am Ende 23:1 Punkten dominierte der Hauptstadtklub die Liga nach Belieben und lief mit sechs Zählern Vorsprung auf den Tabellenzweiten Langstadt ins Ziel ein.

Für die Rheinhessinnen war es am Ende einer „gebrauchten“ Saison doch noch ein schöner, versöhnlicher Abschluss, den sie sich durch eine tolle kämpferische Leistung auch verdient hatten. Insgesamt waren 6:18 Punkte viel zu wenig bei der Qualität der Mannschaft, doch der letzte Eindruck bleibt auch bei den Fans in Erinnerung, die sich auf die neue Saison mit einem dann auf der einen oder anderen Position veränderten Team freuen werden.

Für den Gastgeber punkteten in den Einzeln Lea Rakovac und Shi Qi (beide jeweils 3:0 gegen Mia Griesel), Elena Kuzmina (3:0 gegen Kathrin Mühlbach) sowie Karolina Mynarova, die im letzten Match der Partie Mühlbach nach 0:2-Satzrückstand und Abwehr eines Matchballs noch mit 15:13 im Entscheidungsdurchgang bezwingen konnte. Ferner punktete das Doppel Shi/Kuzmina (3:2 gegen Griesel/Mühlbach).

Für den ttc eastside trugen sich Natalia Bajor (3:2 gegen Shi, 3:0 gegen Rakovac) und Sabina Surjan (jeweils 3:1 gegen Mynarova und Kuzmina) in die Siegerliste ein. Dieses Duo war gemeinsam auch im Doppel erfolgreich (3:0 gegen Rakovac/Mynarova) – zwei Spielerinnen sorgten somit für sämtliche Punkte des Meisterschafts-Topfavoriten. Die anderen beiden haben alles versucht, ihnen ist kein Vorwurf zu machen. Mia Griesel läuft ihrer grandiosen Form der letzten Saison gegenwärtig etwas hinterher, hat aber die Punktrunde dennoch mit einer positiven Bilanz abgeschlossen. Und Kathrin Mühlbach hatte bei ihrem einzigen Saisoneinsatz den Siegpunkt gegen Karolina Mynarova auf dem Schläger, doch es fehlte das Glück. In den Play-offs wird man gewiss in starker Besetzung auflaufen – und der Kader ist dicht besetzt mit Topspielerinnen.

„Es war ein versöhnlicher Saisonabschluss für uns und eine schöne Gesamtleistung des kompletten Teams gegen eine bestimmt nicht schwache Berliner Mannschaft“, so ein zufriedener Joachim Lautebach. „Dieses Unentschieden hat sich die Mannschaft letztendlich auch redlich verdient. Die Zuschauer waren natürlich sehr zufrieden und es war eine gute Stimmung in der Halle.“ Bingens Sportvorstand ergänzte: „Jede Spielerin war an dem Erfolg beteiligt und ich bin froh, dass Karolina Mynarova endlich einmal ein enges Spiel nach Hause gebracht hat – und das nach 0:2 Sätzen. Wobei sie es aber nach ihrer 9:5-Führung im fünften Satz nochmal richtig spannend gemacht hat.“

„Es war ein interessantes Spiel in Bingen mit einem gerechten Unentschieden, obwohl Kathrin Mühlbach den Sieg für uns klarmachen konnte, ihren Matchball jedoch leider nicht nutzen konnte“, so das Fazit von Berlins Manager Andreas Hain. „Unser Blick geht zum Halbfinale nächste Woche gegen Weinheim, da haben wir ja noch eine Rechnung offen.“

Beitragsbild oben: Ließ in Weil nichts anbrennen: Kim Seongjin, die erstmals in der Rückrunde bei Weinheim zum Einsatz kam (Foto: Armin Schimkat).

Links

Diesen Beitrag teilen: