Remis in Dachau: Entscheidung um Platz zwei vertagt

Von Stephan Roscher|April 11, 2026|bundesliga

TSV Dachau 65 – TSV Langstadt 5:5

Circa 200 Tischtennisfans in Dachau bekamen ein äußerst spannendes, hochklassiges „Spiel um Platz zwei“ zu sehen, das fast dreieinhalb Stunden dauerte. Die Gäste aus Hessen hatten, nicht zuletzt dank einer überragenden Orawan Paranang, lange vorne gelegen, der Gastgeber schaffte in einem furiosen Schlussspurt aber noch den Ausgleich. Somit wurde die Entscheidung um den zweiten Rang auf morgen vertagt. Am Freitag und Sonntag kommender Woche stehen sich beide Teams in den Play-off-Halbfinals erneut gegenüber. Ein Duell, das gerade nach dem heutigen Aufeinandertreffen einiges verspricht.

Verliert Langstadt am morgigen Sonntag in Kolbermoor, ist Dachau, das mit 16:8 Zählern die Punktrunde abgeschlossen hat, Zweiter der Abschlusstabelle. Dies gilt auch im Fall eines Unentschiedens, dann nämlich wären beide punktgleich und Dachau wäre mit seinem minimal besseren Spielverhältnis (+13 / +12) vorne. Gewinnt Langstadt indes in Kolbermoor, schließt es die Runde als zweitbestes Team ab und kann wählen, ob es in den Halbfinals zuerst in der Fremde oder vor heimischer Kulisse antritt. Es kann als sicher gelten, dass der Zweite sich für das Auswärtsspiel am Freitag entscheiden wird, um zwei Tage später in einem möglichen „Golden Match“ die eigenen Fans im Rücken zu haben.

Dachau ging in absoluter Topbesetzung mit der World-Cup-Dritten Sabine Winter, Seoyoung Byun, Koharu Itagaki und Dora Cosic in die Partie, Langstadt stellte Orawan Paranang, Izabela Lupulesku, Sophie Klee und Lorena Morsch dagegen – Chantal Mantz und Franziska Schreiner pausierten.

In den Doppeln trennte man sich 1:1. Byun/Itagaki hatten wenig Mühe gegen Klee/Morsch (3:0), während sich Paranang und Lupulesku ebenso glatt in drei Sätzen gegen Winter/Cosic behaupteten. Im vorderen Paarkreuz ebenfalls ein Unentschieden: Sabine Winter schlug Izabela Lupulesku mit 3:0, während Defensiv-Ass Seoyoung Byun gegen die gut aufgelegte Orawan Paranang mit 1:3 den Kürzeren zog.

Starkes Dachauer Doppel: Koharu Itagaki/Seoyoung Byun (Foto Roscher).

Hinten gelang den Gästen im ersten Durchgang ein Überraschungscoup: Lorena Morsch wehrte gegen Koharu Itagaki im Entscheidungssatz zwei Matchbälle ab und siegte mit 14:12, während Sophia Klee in vier Durchgängen die bisher in dieser Saison so erfolgreiche Dora Cosic bezwang. 4:2-Vorsprung für Langstadt, es sah sehr gut aus für die Langstädterinnen, die sich bekanntlich nach der Saison aus dem Profitischtennis zurückziehen werden.

Keine Chance besaß erwartungsgemäß Izabela Lupulesku gegen Seoyoung Byun, so stark spielt die Serbin nicht gegen Abwehr, um eine Spielerin vom Kaliber Byuns ernstlich in Gefahr bringen zu können. Doch Orawan Paranang stellte in einem tollen Match gegen Sabine Winter, die nur im ersten Satz (11:4) dominierte, danach aber gleich dreimal mit 10:12 unterlag, den alten Abstand wieder her. Der TTC 46 Weinheim darf sich auf die Linkshänderin aus Thailand freuen, die das Team von der Bergstraße kommende Saison verstärken wird.

Dachau steckte aber nicht auf, zudem passte die Konstellation im zweiten Durchgang des hinteren Paarkreuzes besser für die Oberbayern. Dora Cosic hatte beim 3:0 gegen Lorena Morsch das Heft klar in der Hand, Koharu Itagaki musste für ihren 3:1-Erfolg gegen Sophia Klee etwas härtere Arbeit verrichten – doch am Ende stand mit dem Remis ein letztlich leistungsgerechtes Endergebnis auf dem Bogen.

„Es war ein megaspannendes Spiel“, so Dachaus Cheftrainer Aexander Yahmed. „Ich denke, beide Mannschaften können mit dem 5:5 zufrieden sein. Obwohl wir beide Punkte wollten, kann ich meinem Team keinen Vorwurf machen.“ Yahmed lobte den Gegner: „Obwohl Langstadt ohne Franzi und Chanti gespielt hat, haben sie ein Topteam mit ihrer überragenden Nummer eins, die drei Punkte macht. Es macht viel Freude, ihr zuzuschauen, sie hatte Spaß, spielt richtig gut und hat auch unsere Zuschauer mitgerissen. Ich denke, das Schlüsselspiel war ihr Spiel gegen unserer Abwehrspielerin. Das Spiel war auf Messers Schneide, aber sie hatte einen ruhigen Kopf und extrem gute Beine gepaart mit viel Kontrolle.“

Zudem liegen uns zwei Langstädter Stimmen vor. „Die Entscheidung ist auf morgen vertagt“, konstatiert der Sportliche Leiter Manfred Kämmerer. „Ein richtig starkes Spiel heute von beiden Mannschaften. Dazu eine Weltklasseleistung von Orawan sowohl gegen Byun, aber im Besonderen gegen Sabine Winter. Dieses Spiel alleine war das Eintrittsgeld wert.“ Trainerin Anna Rauch gibt zu Protokoll: “Das war ein sehr intensives Spiel heute. Beide Mannschaften wollten unbedingt gewinnen und so entwickelte sich ein sehr hochklassiges Match. Auf jeden Fall hat man gesehen, dass das Play-off-Duell nächste Woche extrem spannend werden wird.“

Am Sonntag spielen:
TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – ttc berlin eastside
ESV Weil – TTC 1946 Weinheim
SV DJK Kolbermoor – TSV Langstadt (alle 14 Uhr)

Beitragsbild oben: In Galaform: Orawan Paranang (Foto: Dr. Stephan Roscher).

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