Mit Spannung erwartete Titelentscheidung: Berlin und Dachau wollen Deutscher Meister werden
TV-Präsenz unterstreicht wachsende Bedeutung der 1. Bundesliga Damen
Am kommenden Freitag und Sonntag fällt die Entscheidung, wer die Saison 2025/26 als Deutscher Meister beendet und wer „nur“ Vizemeister wird. Der ttc berlin eastside mit seiner gigantischen Titelsammlung muss sich dem Herausforderer TSV Dachau 65 stellen. Das Hinspiel steigt am Freitagabend (18 Uhr) bei den Oberbayern vor ausverkauftem Haus, das Rückspiel am Sonntag (13 Uhr) in der Berliner „Heyse25“. Natürlich ist der Hauptstadtklub – wie in Finalsituationen eigentlich immer – Favorit, doch Winter und Co. waren in der gesamten Saison sowie besonders den Halbfinals so stark, dass fast alles möglich scheint.
Null Titel gegen Dutzende, doch das hat keine Bedeutung
Der TSV Dachau bietet zwar – wie der „Vorgänger“ TSV Schwabhausen – sehr gutes Tischtennis, hat aber noch keinen einzigen Titel verbuchen können. Wie auch, diese gingen ja fast alle nach Berlin – Ausnahmen: 2018 Kolbermoor, 2025 Weinheim. Nun könnte man Geschichte schreiben und zum allerersten Mal zuschlagen, was der erfolgsgewohnte Hauptstadtklub natürlich verhindern möchte.
Der ttc berlin eastside kann seine Titel und Erfolge kaum zählen. Zehnmal wurde man seit 2014 Deutscher Meister – zählt man die vielen Meistertitel des Vorgängerklubs in der DDR hinzu, übertrumpft man sogar locker den eigentlichen deutschen Rekordmeister DSC Kaiserberg, der zwischen 1962 und 1988 in der Bundesrepublik nicht weniger als 18 Mal nationaler Champion wurde. Zudem sollte man elf Berliner Pokalsiege seit 2014 sowie sechs Champions-League-Erfolge seit 2012 nicht unerwähnt lassen. Man ist und bleibt eben der „FC Bayern des Damentischtennis“. Einen Titel hat man sich bereits in der laufenden Saison geangelt, indem man im Januar das tolle Pokalturnier in Kolbermoor gewann. In der Königsklasse erreichte man souverän das vor einer Woche erstmals in Form eines Final 4 ausgetragene Endrundenturnier, verzichtete im polnischen Tarnobrzeg aber auf alle erfahrenen Spielerinnen, weil man das Format sowie die Zukunftspläne der ETTU nicht billigt. So kam man über das Halbfinale nicht hinaus. In Topbesetzung hätte man gewiss auch dort eine realistische Titelchance besessen.
Die Erfolgsbilanz der Hauptstädterinnen ist stattlich und imposant, sie verleiht dem ttc berlin eastside eine glanzvolle Aura, ist jedoch am Freitag und Sonntag nicht einmal zweitrangig, es zählt nicht die Tischtennisgeschichte, sondern ausschließlich, was sich an den beiden Tischen abspielt. Es beginnt jeweils bei 0:0 und beide Teams haben dieselbe faire Chance, den Endspielen ihren Stempel aufzudrücken.
Dachau nicht nur vorne gut besetzt
Auch der TSV Dachau 65, wenngleich diesen zunächst einmal nur wenige auf der Rechnung haben. Eines ist klar: Das Dachauer Spitzenpaarkreuz mit der Weltranglisten-Neunten Sabine Winter und der südkoreanischen Abwehrstrategin Seoyoung Byun ist vom Feinsten und stellt auch für die Berlinerinnen eine echte Herausforderung dar. Die beiden haben tolle Bilanzen in einer bärenstarken Bundesliga erspielt – Winter inklusive Play-offs 19:5, Byun 20:5 – und sind brandgefährlich.
Den Halbfinal-Einzug sicherte man sich in der Bundesliga-Punktrunde frühzeitig, wurde aber in der Endabrechnung „nur“ Dritter und musste dem TSV Langstadt den Vortritt lassen. Natürlich allesamt weit hinter Berlin, das die Runde mehr als souverän bestritt und einen einzigen Punkt einbüßte.
Besonders im Play-off-Rückspiel vor sechs Wochen in Langstadt drehten die Dachauerinnen aber richtig auf, machten eine knappe Hinspielniederlage mit einem gnadenlosen 6:2 wett und boten den Zuschauern anschließend ein fast makelloses Golden Match – das erste in der Damen-Bundesliga, das nicht wirklich spannend war, da die Oberbayern das Heft zu klar in der Hand hatten und beinahe Tischtennis vom anderen Stern zeigten. Und in Langstadt glänzte sogar gerade das hintere Paarkreuz mit einer bestechenden Sieger-Mentalität.
Mit der jungen Koharu Itagaki, Naomi Pranjkovic und besonders der Kroatin Dora Cosic, die im Lauf der Saison immer besser wurde und in Langstadt geradezu brillierte, kann man eben auch im hinteren Paarkreuz spielstarke Kräfte präsentieren. Zudem hat man mit dem Duo Byun/Itagaki ein Doppel vorzuweisen, das nur schwer zu schlagen ist. Folglich muss man sich auch in den Endspielen nicht verstecken, zumal man trotz aller Qualität den Vorteil genießt, mit deutlich weniger Druck auf den Schultern an die Tische gehen zu können.

Im Halbfinale sowie in der gesamten Punktrunde bärenstark: Dora Cosic (Foto: Dr. Stephan Roscher).
Berlin in der Punktrunde sowie den Halbfinals überragend
Der ttc berlin eastside, der in den letzten drei Meisterschafts-Endspielen immer dem TTC 46 Weinheim gegenüberstand, trat auch in den Halbfinals souverän auf. Diesmal traf man früher als sonst auf die Weinheimerinnen, die sich in einer furiosen Aufholjagd nach verpatzter Vorrunde auf der Zielgeraden noch das letzte Play-off-Ticket gesichert hatten.
In den Halbfinals verkauften sie sich teuer, mussten aber die Überlegenheit des Hauptstadtklubs anerkennen, der besonders im Rückspiel in der Besetzung Yuka Kaneyoshi, Nina Mittelham, Natalia Bajor, Josi Neumann glänzte. Im Hinspiel war Sabina Surjan auch im Einzel zum Einsatz gekommen, die in der Liga mit einer 14:3-Bilanz überzeugte und in den letzten Jahren immer dann besonders stark aufspielte, wenn es um richtig viel ging. Immer eine Option ist auch Mia Griesel, die besonders letzte Saison auftrumpfte und tolle Erfolge verbuchte, aber auch dieses Jahr die Punktrunde mit einer positiven Bilanz abschloss.

Auf eine so erfahrene Spielerin wie Natalia Bajor wird Berlin in den Finalspielen gewiss nicht verzichten (Foto: Dr. Stephan Roscher).
Das Team wird hochkarätig besetzt sein, wer auch immer am Freitag und Sonntag das Berliner Dress tragen wird.
„Nicht gesagt, wer am Ende gewinnen wird“: Stimmen vor dem Final-Showdown
In Dachau zeigt man sich wie immer sehr fokussiert und verliert nicht viele Worte, sondern möchte Taten sprechen lassen. „Wir freuen uns aufs Finale, wir werden es genießen und guten Sport bieten“, sagt Cheftrainer Alexander Yahmed. „Vorbereitet haben wir uns zusammen eine Woche lang, es war richtig gute Stimmung und die wollen wir mit ins Finale nehmen.“
Berlins Manager Andreas Hain weiß, dass eine herausfordernde Aufgabe auf sein Team wartet und der zweite Titel dieser Saison alles andere als ein Selbstläufer zu werden verspricht. „Wir werden alles versuchen, um am Wochenende den Deutschen Meistertitel wieder nach Berlin zu holen“, so Hain. „Bei uns stehen alle Spielerinnen zur Verfügung und wir werden dann im Laufe der Woche nach den Trainingseindrücken entscheiden, wer zum Einsatz kommt.“ Hain zeigt Respekt vor dem Gegner und erkennt dessen Leistungen an: „Grundsätzlich ist Dachau in dieser Saison schon das beste Team mit uns zusammen und steht verdient im Finale. Natürlich sind insbesondere Sabine Winter und Seoyoung Byun ein sehr starkes vorderes Paarkreuz, welches uns sicherlich alles abverlangen wird, aber im Halbfinale war letztlich das hintere Paarkreuz entscheidend und wir wissen, dass auch diese Spiele keine Selbstläufer sein werden. Sicherlich gehen wir als Favorit in das Finale, allerdings haben wir und Dachau in dieser Saison noch nie in Bestbesetzung gegeneinander gespielt, es ist also nicht gesagt, wer am Ende gewinnen wird.“
Alles ist angerichtet für zwei tolle, womöglich sehr spannende Endspiele. Wer es ermöglichen kann, sollte sich noch rasch Tickets sichern, wenigstens für das Rückspiel in Berlin – das Hinspiel in Dachau ist inzwischen ausverkauft. Live vor Ort dabei zu sein, ist grundsätzlich nicht zu toppen. Besonders wenn es um so viel geht und so starke Spielerinnen sich um den Meistertitel duellieren.

Man darf gespannt sein, ob die als Nummer 9 der Welt ranghöchste Finalteilnehmerin, Sabine Winter, den beiden Duellen in Dachau und Berlin ihren Stempel aufdrücken kann (Foto: Dr. Stephan Roscher).
Livestream / TV-Präsenz
Natürlich ist dies nicht jedem möglich, doch jeder kann „auf Ballhöhe“ sein, zumindest via Livestream. Und diesmal wird es übertragungstechnisch besonders professionell zugehen, denn das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat das nationale Highlight im Mannschaftstischtennis der Damen als sehenswertes Event entdeckt und die Übertragung übernommen. Wir freuen uns, dass der Bedeutung der 1. Bundesliga Damen mit ihren zahlreichen Weltklassespielerinnen nun auch medial Rechnung getragen wird. Umso mehr, als die Liga kommende Saison endlich wieder in voller Sollstärke mit acht Teams spielen wird. Mindestens zehn wären es geworden, hätte man allen Wünschen von ambitionierten Zweitligisten, die ins Oberhaus möchten, Rechnung tragen können.
Hin- und Rückspiel gibt es kostenlos im Livecenter von BR24Sport in der ARD-Mediathek zu sehen, außerdem in der BR24 App oder beim Smart-TV im HbbTV des BR Fernsehens.
Dort ist das Play-off-Finale direkt über den gelben Knopf auf der Fernbedienung ansteuerbar. Produziert werden die Livestreams mit freundlicher Unterstützung des ttc berlin eastside und seines TV-Teams um Dietmar Ripplinger.
Zum Livestream des Hinspiels in der ARD-Mediathek (Beginn der Übertragung des Hinspiels am Freitag: 17:55 Uhr).
Siehe hierzu auch: https://www.tischtennis.de/news/damen-finale-um-die-mannschaftsmeisterschaft-dachau-und-berlin-eroeffnen-titelduell-vor-ausverkauftem-haus.html
Beitragsbild ganz oben: Beim Pokal-Final-Four im Januar in Kolbermoor standen die Berlinerinnen am Ende ganz oben auf dem Treppchen. Der TSV Dachau möchte verhindern, dass Mittelham und Co. am Sonntag erneut triumphieren (Foto: ttc berlin eastside).
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