Spannende Halbfinal-Hinspiele am Freitagabend: Langstadt und Berlin legen vor

Von Stephan Roscher|April 17, 2026|bundesliga

Der erste Schritt ist getan. Die Halbfinal-Hinspiele hielten, was sie versprachen: Spannung und richtig guten Tischtennissport. Beide endeten mit Auswärtssiegen: Obwohl Orawan Paranang diesmal in den Einzeln leer ausging, langte es für ihr Team zu einem 6:4-Erfolg in Dachau. Meisterschafts-Topfavorit ttc berlin eastside verlor in Weinheim überraschend beide Doppel, berappelte sich aber rasch wieder und brachte noch einen letztlich leistungsgerechten 6:3-Sieg nach Hause. In den Rückspielen am Sonntagnachmittag kann noch einiges passieren, besonders in Langstadt könnte es ziemlich eng werden.

TSV Dachau 65 – TSV Langstadt 4:6

Dachau trat wie erwartet mit seinem superstarken Spitzenpaarkreuz Sabine Winter und Seoyoung Byun an, die weiteren Positionen nahmen Dora Cosic und Naomi Pranjkovic ein – Koharu Itagaki fehlte wegen eines internationalen Jugendturniers. Langstadt setzte fünf Spielerinnen ein: Orawan Paranang, Izabela Lupulesku, Franziska Schreiner, Chantal Mantz und Lorena Morsch, wobei letztere lediglich im Doppel zum Einsatz kam.

Ein 1:1 nach den Doppeln hatte irgendwie wohl fast jeder erwartet, das war alles andere als sensationell. Von den neuformierten Doppeln des Gastgebers konnten Cosic/Pranjkovic nichts reißen, die gegen Paranang/Lupulesku ohne Chance blieben. Anders die beiden nun zusammen spielenden Top-Dachauerinnen Winter/Byun, die gegen die Langstädterinnen Schreiner/Morsch keinen Satz abgaben, auch wenn sie im dritten Durchgang serienweise Satzbälle ihrer Gegnerinnen abwehren mussten.

Sensationelles tat sich dann aber im Spitzenpaarkreuz, nicht das 1:1 dort überraschte, sondern wer gegen wen punktete. Dies gelang nämlich völlig unerwartet Izabela Lupulesku gegen Sabine Winter – und das trotz eines 0:2-Satzrückstandes. Dafür konnte aber Orawan Paranang diesmal gegen Seoyoung Byun nichts holen, obwohl ihr das Spiel gegen Abwehr an sich liegt. Zwar legte die Thailändern zweimal Satzführungen vor, die Südkoreanerin hatte aber den längeren Atem und gewann die Sätze vier und fünf dann relativ deutlich.

Das hintere Paarkreuz war an der Reihe und hier deutete sich schon im ersten Durchgang ein gewisser Vorteil auf Seiten der Langstädterinnen an. Dora Cosic und Naomi Pranjkovic versuchten zwar alles, doch mit „Franzi“ Schreiner und Chantal Mantz waren die Gäste im zweiten Paarkreuz schon sehr gut besetzt. Mantz besiegte Cosic mit 3:1, Schreiner Pranjkovic in fünf Durchgängen, wobei es am Ende aber doch noch relativ klar für die Langstädterin lief, die anfänglich recht viel Mühe mit ihrer Gegnerin hatte.

4:2 für Langstadt – das hatten wir im Punktspiel vor fünf Tagen auch schon, damals kam es aber noch zu einem Remis. Das Dachauer Spitzenpaarkreuz musste nun aber punkten, damit das heimische Team in der „Verlosung“ blieb – und Winter sowie Byun lieferten. Sabine Winter hatte die Auftaktniederlage gegen Lupulesku gut weggesteckt und zeigte sich gegen Orawan Parang, der sie letzten Sonntag noch hatte gratulieren müssen, beim 3:1 (11:9, 11:3, 8:11, 11:7) hellwach. Und Seoyoung Byun hatte, wie bereits bei der „Generalprobe“, kaum Mühe beim 3:0 über Izabela Lupulesku.

4:4, nun kam es auf das hintere Paarkreuz an. Im Gegensatz zum ersten Durchgang musste da nun mindestens ein Sieg seitens der Dachauerinnen kommen. Dora Cosic gelang es nicht, Franziska Schreiner zeigte sich beim 3:0 überlegen, auch wenn Dachaus Kroatin im dritten Durchgang einen 2:8-Rückstand wettmachte, der Satz jedoch ging mit 11:9 an Schreiner. Naomi Pranjkovic legte alles in ihr Match gegen Chantal Mantz hinein und führte zwischenzeitlich mit 2:1 Sätzen, doch die Langstädterin – im vorderen Paarkreuz oft glücklos, hinten aber nur schwer zu bezwingen -, fokussierte sich nochmals und erhöhte die Schlagzahl. Die Sätze vier und fünf sicherte sich die 29-jährige Hessin dann sehr deutlich.

Ihr Team hatte vorgelegt, ein guter Auftakt für den TSV Langstadt, der sich ja auf seiner Abschiedstour aus dem Profi-Tischtennis befindet. Doch im Rückspiel ist alles möglich, entschieden ist überhaupt noch nichts. Allerdings muss der TSV Dachau nun um jeden Preis in Langstadt gewinnen, um ein Golden Match zu erzwingen.

„Wir haben ein super Spiel gemacht und hatten uns einiges vorgenommen, aber Langstadt war zu gut heute“, sagte Dachaus Cheftrainer Alexander Yahmed nach der hochklassigen Begegnung. „Wir hatten unsere Chancen, die aber kleiner als gedacht waren. Ich sehe auch im Rückspiel Langstadt wieder als Favorit, aber wir werden, wie auch heute schon, wieder alles versuchen, unsere Chance zu bekommen.“

Auf Langstädter Seite war man natürlich überaus zufrieden. „Ein Klassespiel heute von beiden Mannschaften“, so der Sportliche Leiter Manfred Kämmerer. „Die Play-off-Atmosphäre ist nochmal eine andere als bei einem normalen Bundesligaspiel. Wir sind sehr glücklich über den Sieg. Leider sind jetzt einige Spielerinnen angeschlagen. Sonntag wird nochmal eine große Aufgabe. Unsere Fans dürfen sich auf ein hochklassiges Match freuen.“

Auch Izabela Lupulesku nutzte die Gelegenheit zu einem Statement, das wir im Original wiedergeben möchten: „I’m really happy with both my performance and the team’s performance. We played very well and showed great team spirit throughout the matches. I’m especially glad that I managed to win my match against the world’s number nine — that means a lot to me. We just want to keep going like this, keep fighting for every point. On Sunday we have the rematch, I can’t wait to play in front of our fans and we’re hoping for the best.“

Sensationeller Sieg gegen Sabine Winter: Izabela Lupulesku (Foto: Dr. Stephan Roscher).

TTC 1946 Weinheim – ttc berlin eastside 3:6

In den letzten drei Jahren bestritten die beiden Rivalen stets das Finale um die Deutsche Meisterschaft, diesmal ist es „nur“ das Halbfinale – und auch lediglich deshalb, weil die Nordbaderinnen mit einer kaum für möglich gehaltenen Energieleistung in letzter Sekunde noch den SV DJK Kolbermoor abfingen und auf den undankbaren fünften Platz verwiesen.

Man sah sich im Vorfeld gegen den großen Meisterschaftsfavoriten als eindeutiger Außenseiter, wollte aber frei und unbeschwert aufspielen und den namhaften Gegner ein wenig ärgern. Der Hauptstadtklub erklärte dagegen klipp und klar, dass er auf dem Weg zum anvisierten Titel, aus dem am Ende das „Triple“ aus Meisterschaft, Pokal und Champions League werden soll, beide Spiele kompromisslos gewinnen wolle.

Dazu hatte man gleich sechs starke Spielerinnen an die Bergstraße geschickt, nämlich Yuka Kaneyoshi, Nina Mittelham, Natalia Bajor, Sabina Surjan, Mia Griesel und Josi Neumann, wobei die beiden letzteren nur im Doppel eingesetzt wurden. Bei Weinheim war noch doch wieder Chien Tung-Chuan für die Spitzenposition an Bord – letzten Sonntag hatte überraschend ja Kim Seonjin an eins gespielt. Wie erwartet waren Yuan Wan und Veronika Matiunina dabei und auf der Position vier wurde erneut Daria Trigolos aufgeboten, die in Weil überzeugt hatte.

Vor circa 160 Fans legten die Weinheimerinnen los wie die Feuerwehr und brachten gegen leicht verdutzte Berlinerinnen beide Doppel mit jeweils 3:0 nach Hause – Chien/Wan bezwangen Surjan/Neumann und Matiunina/Trigolos behielten gegen Kaneyoshi/Griesel die Oberhand.

Doch das schien die Hauptstädterinnen nicht wirklich zu verwirren, denn in den nachfolgenden beiden Matches des vorderen Paarkreuzes präsentierten sie sich schon wieder in Topform: Chien Tung-Chuan hatte beim 0:3 keine Chance gegen eine bärenstarke Nina Mittelham, ein Match, das man vorher eher bei 50:50 gesehen hätte. Yuka Kaneyoshis Drei-Satz-Sieg gegen Yuan Wan entsprach dagegen den Erwartungen.

Der Ausgleich war geschafft, doch die Weinheimerinnen blieben zunächst dran, denn mit Veronika Matiunina haben sie eine sehr starke Spielerin im hinteren Paarkreuz. Die Ukrainerin besiegte tatsächlich Sabina Surjan in einem heiß umkämpften Match mit 3:1 (12:10, 14:12, 6:11, 11:9), während Natalia Bajor beim 3:0 über Daria Trigolos fast gar keine Mühe hatte.

Würden es die Weinheimerinnen schaffen, weiter dranzubleiben? Dazu durften sie nun im zweiten Durchgang vorne nicht leer ausgehen, doch das war leichter gesagt als getan. Chien Chung-Tuan konnte gegen Yuka Kaneyoshi zwar den ersten Satz gewinnen, doch danach war Berlins Defensiv-Japanerin die eindeutig dominierende Spielerin. Also musste Yuan Wan etwas reißen, aber gegen die an diesem Tag so gut aufgelegte Nina Mittelham würde das kein leichtes Unterfangen werden, so viel war gewiss. Vier Sätze lang war nicht abzusehen, wer als Siegerin den Tisch verlassen würde. Wan gewann den ersten Satz, Mittelham die Durchgänge zwei und drei, doch die Weinheimerin konnte egalisieren. Im Entscheidungssatz war Berlins Nummer zwei aber hellwach und gab ihrer Nationalmannschaftskollegin mit 11:6 das Nachsehen.

3:5 – eine Vorentscheidung war das allemal. Veronika Matiunina stand nun unter Siegzwang gegen Natalia Bajor und es wurde ein hoch spannendes, enges Match mit der nervlich stabileren Polin auf Seiten des ttc eastside, die drei der vier umkämpften Sätze zu ihren Gunsten entschied und mit dem 8:11, 11:9, 14:12, 11:9 den Berliner Auswärtssieg in trockene Tücher packte.

„Wir sind trotz Niederlage mehr als zufrieden“, betonte Weinheims Manager Christian Säger nach der unterhaltsamen Partie. „Yuan Wan bei 2:2 gegen Mittelham und Veronika Matiunina, die knapp gegen Bajor verlor, hatten sogar ein 5:5 auf dem Schläger. Für uns kein Beinbruch und wir fahren am Sonntag nach Berlin und können wieder ganz locker aufspielen. Ein tolles Team hat den Zuschauern ein super Spiel geboten.“

„Es war schwerer als erwartet für uns“, räumte Berlins Manager Andreas Hain ein. „Wir haben beide Doppel verloren, ich kann mich gar nicht erinnern, wann uns das mal passiert ist. Weinheim hat alles reingeworfen und sich nie aufgegeben. Aber wir haben immer kühlen Kopf behalten und an uns geglaubt. Am Ende waren wir individuell etwas besser und haben auch verdient gewonnen. Jetzt müssen wir am Sonntag nochmal alles auspacken, damit wir das Finale klarmachen.“

RÜCKSPIELE AM SONNTAG

TSV Langstadt – TSV Dachau 65 (16 Uhr)

ttc berlin eastside – TTC 1946 Weinheim (13 Uhr)

WICHTIG: Livestream aus Berlin am Sonntag (featured by Dietmar Ripplinger):

Beitragsbild ganz oben: Nina Mittelham präsentierte sich am Freitagabend in Topform (Foto: Ronny Pabst).

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