Endstation Halbfinale: Berlins Junioren-Team gegen Tarnobrzeg ohne Chance

Von Stephan Roscher|Mai 23, 2026|champions league

KTS Enea Siarkopol Tarnobrzeg – ttc berlin eastside 3:0

Der Titelverteidiger und sechsmalige Champions-League-Sieger ttc berlin eastside hat den Finaleinzug im diejährigen Wettbewerb verfehlt. Im Halbfinale der erstmals als Final 4 ausgetragenen Endrunde musste das Team ein glattes 0:3 gegen Gastgeber Tarnobrzeg hinnehmen. Die Polen waren in internationaler Topbesetzung an die Tische gegangen, Berlin dagegen, wie im Vorfeld angekündigt, mit seiner Juniorentruppe, Altersdurchschnitt circa 18 Jahre.

Aufgrund von Bedenken gegen den momentanen sowie den künftigen Champions-League-Modus hatte sich der Rekordtitelträger entschlossen, das Turnier in Tarnobrzeg nicht zu supporten und auf seine erfahrenen Spielerinnen zu verzichten.

Alle Berlinerinnen zeigten nicht ihr bestes Tischtennis, wirkten ein wenig wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange und zeigten zu viel Ehrfurcht vor den großen Namen in Reihen des Gegners. So gingen die Matches zu schnell vorüber. Tarnobrzeg war zwar extrem stark aufgestellt und bestritt die Partie ausschließlich mit internationalen Ausnahmespielerinnen, doch dass dem ttc eastside kein einziger Satzgewinn gelang, war auf jeden Fall unter Wert.

Zunächst war die 16-jährige Josi Neumann mit einer kaum lösbaren Aufgabe konfrontiert. Die 27-jährige chinesische Weltklassespielerin He Zhuojia, letzte Saison in der Königsklasse noch für Berlin spielberechtigt, ist nach wie vor unbeschreiblich gut. Entsprechend deutlich fiel das Ergebnis aus.

Anschließend musste die bis dahin in dieser Saison noch ungeschlagene junge Defensivstrategin Yuka Kaneyoshi gegen die äußerst erfahrene, in Peking geborene 38-jährige Monegassin Yang Xiaoxin in die Box. Und Berlins Japanerin tat sich sehr schwer mit dem Materialspiel ihrer Gegnerin. Zwar schien Kaneyoshi, nach zwei deutlich verlorenen Sätzen, Yangs Spielsystem gegen Ende des Matchs begriffen zu haben, doch da war es bereits zu spät, da der dritte Durchgang mit 9:11 wegging.

Würde Mia Griesel, letzte Saison gerade in der Champions League nervlich sehr stabil, ausgerechnet gegen Han Ying, Abwehr-Ass der deutschen Nationalmannschaft, die Wende einleiten und ihr Team im Spiel halten können? Nein, auch das misslang, dazu war Han an jenem Samstagabend einfach zu dicht und fischte zu viele Bälle. Auch hier musste ein nicht allzu überraschendes 0:3 quittiert werden.

„Es war ein stressiger Ausflug und vor Ort war alles wie erwartet“, sagte Berlins Manager Andreas Hain. „Das erste Halbfinale fand vor ungefähr 20 Zuschauern und das Halbfinale der Heimmannschaft gegen uns vor etwa 300 statt. Völlig sinnlos, dieses Format dort zu spielen, das schadet extrem dem Damen-Tischtennis.“ Hains Zukunftsprognose fällt noch düsterer aus: „Und wenn dann auch noch jeweils zwei Asiatinnen pro Team antreten dürfen, dann können wir die Champions League komplett begraben. Dann gibt es gar keine Local Player mehr beim Final 4 und nur wenige in der CL. Wie soll man dann dem Nachwuchs noch vermitteln, warum er trainieren soll!“.

Nun kann der ttc berlin eastside seinen vollen Fokus auf die beiden Endspiele um die Deutsche Meisterschaft am kommenden Freitag in Dachau sowie am Sonntag in der Hauptstadt legen und wird gewiss in beiden Partien in Topbesetzung an die Tische gehen.

Im anderen Halbfinale setzte sich Metz TT gegen UCAM Cartagena mit 3:1 durch und fordert am Sonntag den favorisierten Gastgeber Tarnobrzeg im Finale heraus.

Ergebnisse Tarnobrzeg – Berlin

He Zuojia – Josi Neumann 3:0 (11:3, 11:3, 11:4)

Yang Xiaoxin – Yuka Kaneyoshi 3:0 (11:1, 11:6, 11:9)

Han Ying – Mia Griesel 3:0 (11:2, 11:6, 11:7)

Women’s Champions League, Final 4

Halbfinale am Samstag, 23. Mai
KTS Enea Siarkopol Tarnobrzeg – ttc berlin eastside 3:0
UCAM Cartagena TM – Metz TT 1:3

Finale am Sonntag um 15 Uhr

Metz TT – KTS Enea Siarkopol Tarnobrzeg

Die Entscheidung in der Champions League der Damen auf ETTU.tv

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Beitragsbild oben: Mia Griesel musste die starke Leistung ihrer Gegnerin Han Ying anerkennen (Foto: Dr. Stephan Roscher).

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