Tischtennis-Thriller in Weinheim endet mit Punkteteilung

Von Stephan Roscher|März 15, 2026|bundesliga

Kolbermoor braucht noch einen Punkt für Platz 4

TTC 1946 Weinheim – SV DJK Kolbermoor 5:5

Das war wahrlich nichts für schwache Nerven. Aufgrund seines überragenden Spitzenpaarkreuzes sicherte sich der SV DJK Kolbermoor ein Remis beim TTC 46 Weinheim, das bis zum letzten Ballwechsel auf der Kippe stand, da Weinheim im hinteren Paarkreuz sowie in den Doppeln besser war. Fast 300 Zuschauer wurden Zeugen eines Damen-Bundesligaspiels mit einem nahezu unglaublichen Spannungsfaktor. Nun ist Kolbermoor dem vierten Play-off-Platz sehr nahe und benötigt am 12.04. dazu noch einen Punkt im Heimspiel gegen Langstadt.

Weinheims 2:0-Führung aus den Doppeln durch Veronika Matiunina/Enisa Sadikovic und Chien Tung-Chuan/Yuan Wan hatte nicht allzu lange Bestand. Im ersten Durchgang des vorderen Paarkreuzes konnten die Oberbayern bereits ausgleichen: Eine extrem starke Annett Kaufmann ließ ihrer Nationalmannschaftskollegin Yuan Wan beim 3:0 keine Chance und die Japanerin Manami Imaeda – heute weit weniger nervös als bei ihrem Debüt gegen Berlin – münzte einen 1:2-Satzrückstand gegen Chien Tung-Chuan in ein 3:2 um, wobei Chien beim 11:13 im Entscheidungssatz zwei Matchbälle vergab.

Doch hinten war der Gastgeber sehr präsent: Veronika Matiunina siegte locker gegen Tijana Jokic und die – wie schon am Vorabend in Bingen – an Position vier aufgebotene Enisa Sadikovic konnte auch Kolbermoors Russin Alina Zavarykina in einem überaus spannenden Match bezwingen. Den Entscheidungssatz schnappte sich die 18-jährige Luxemburgerin mit 14:12.

4:2 für Weinheim, die Chancen auf einen Sieg, der den Kampf um den vierten Play-off-Platz total offen gehalten hätte, schienen nicht schlecht zu stehen. Doch dann schlug Kolbermoor erneut im Spitzenpaarkreuz zu. Annett Kaufmann ließ auch Chien Tung-Chuan kaum einen Stich und Manami Imaeda erwies sich abermals als nervenstark und bezwang auch Yuan Wan – im vierten Durchgang wehrte die Japanerin zwei Satzbälle der Deutschen ab, die diesmal in den Einzeln keine Akzente setzen konnte.

Spielte gewissermaßen in einer eigenen Liga und war von keiner ihrer Gegnerinnen in Gefahr zu bringen: Annett Kaufmann (Archivfoto Roscher).

Würde der Gastgeber nun im hinteren Paarkreuz die Sache klarmachen können? Fast, aber auch nur fast. Zwar hatte Veronika Matiunina auch mit Alina Zavarykina wenig Probleme – beim 3:0 wurde es nur im dritten Satz richtig eng, in den Weinheims Ukrainerin vier Satzbälle abwehren musste –, doch Enisa Sadikovic gelang es nicht, ihrer tollen Leistung an diesem Wochenende das i-Tüpfelchen hinzuzufügen. Einen 0:2-Satzrückstand konnte sie zwar gegen Tijana Jokic egalisieren, doch im Entscheidungsdurchgang war das entscheidende Quäntchen Glück nicht auf ihrer Seite, auch wenn sie einen 6:9-Rückstand wettmachen konnte, kurz darauf den ersten Matchball ihrer Gegnerin noch abwehren konnte, beim zweiten zum 10:12 aber das Nachsehen hatte.

Eine der interessantesten Partien der Punktrunde 2025/26 hatte damit mit einer letztlich wohl leistungsgerechten Punkteteilung ihr Ende gefunden, eine Punkteteilung, die Kolbermoor weitaus mehr nützt als Weinheim, das mit zwei Punkten Rückstand sowie einer um acht Spiele schlechteren, theoretisch aber noch aufzuholenden Spieledifferenz in den letzten Spieltag gehen muss.

In Weinheim trug man den vermutlich entscheidenden Punktverlust mit Fassung und gewann der Partie durchaus positive Seiten ab. „Ein Wahnsinns-Spiel, natürlich hätten wir lieber gewonnen. Aber fast 300 Zuschauer waren begeistert und wir standen auch knapp vor einem 6:4“, so Manager Christian Säger. „Das vordere Paarkreuz von Kolbermoor überragend. Bei Annett weiß man es, die Japanerin war aber auch super. Leider konnte Yuan gegen sie bei 1:2 eine 10:8-Führung nicht nutzen. Veronika Matiunina Extraklasse, und sie gewann zweimal deutlich. Bei 5:4 kam es dann zum letzten Spiel Sadikovic gegen Jokic. 2:0 für Jokic, aber Enisa kam unter dem frenetischen Jubel der Fans zum 2:2. Im fünften Satz dann der absolute Krimi. 10:10, alles war möglich. Leider aus unserer Sicht dann doch eine knappe Niederlage von Enisa.“ Sägers Fazit: „Nach der ersten Enttäuschung überwiegt aber die Freude über eine tolle Leistung und eine volle Halle.“

Zufriedenheit natürlich erst recht in Kolbermoor. „Wir sind über das 5:5 sehr froh, vor allem nach wieder einmal einem Fehlstart. Die Doppel sind diese Saison wirklich ein Problem bei uns“, sagte Cheftrainer und Abteilungsleiter Dr. Michael Fuchs. „Dafür hat heute Manami überragend im Einzel gespielt. Das Spiel von Alina gegen Enisa wäre eigentlich einer der Punkte gewesen, die wir uns erhofft hatten. Zum Glück gab es am Schluss doch noch ein “Happy End” für uns, als Tijana gegen Enisa gewinnen konnte. Annett wieder einmal überragend.“ Fazit und Ausblick von Dr. Fuchs: „Insgesamt ein wichtiger Punkt für uns in einem absoluten Krimi, aber ich denke, wir haben den Punkt verdient gehabt. Jetzt haben wir es selbst in der Hand und können gegen Langstadt die Play-offs selber klar machen.“

TTC 46 Weinheim, Saison 2026/27

Wie zuvor angekündigt, wurde am Rande des Spiels Weinheims Bundesligakader für die Saison 2026/27 bekannt gegeben – und der kann sich wahrlich sehen lassen:

  1. Orawan Paranang (Neuzugang TSV Langstadt)
  2. Chien Tung-Chuan
  3. Yuan Wan
  4. Veronika Matiunina
  5. Shi Qi (Neuzugang TTG Bingen/Münster-Sarmsheim)
  6. Solomya Brateyko
  7. Elisa Nguyen

Wie wir auf Nachfrage erfahren haben, stehen die Chancen nicht schlecht, dass auch Enisa Sadikovic, die ja eigentlich im Weinheimer Drittliga-Team aufschlägt, an der Bergstraße bleibt.

Beitragsbild oben: Zwei Bälle fehlten Enisa Sadikovic am Ende, um sich mit gerade einmal 18 Jahren in Weinheim unsterblich zu machen (Foto: Armin Schimkat).

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