Berlins Siegeszug auch von Weinheim nicht zu stoppen
Nur drei Siege bringen den Titelverteidiger eventuell noch in die Play-offs
TTC 1946 Weinheim – ttc berlin eastside 3:6
Nach der 3:6-Heimniederlage des TTC 46 Weinheim gegen den verlustpunktfreien Spitzenreiter ttc berlin eastside am Sonntag in einer sehenswerten, hochklassigen Partie, spitzt sich die Situation im Kampf um Platz vier für Yuan Wan und ihre Teamkolleginnen zu. Nun noch drei Siege in den letzten drei Punktspielen könnten helfen, doch selbst dafür gibt es keine Gewähr, da der SV DJK Kolbermoor es aus eigener Kraft schaffen kann, der im Augenblick eindeutig die besseren Karten zu haben scheint im Ringen um den letzten freien Halbfinalplatz.
Entgegen den Vorankündigungen, in denen von personellen Problemen die Rede war, schickte der Ligaprimus ein durchaus starkes Quartett an die Bergstraße und vertraute auf Xiaona Shan, Natalia Bajor, Mia Griesel und Sabina Surjan. Weinheim schickte dieselben vier Spielerinnen ins Rennen, die am Vortag unglücklich mit 4:6 in Langstadt verloren hatten, also Chien Tung-Chuan, Yuan Wan, Veronika Matiunina und Elisa Nguyen.
Vor circa 150 Zuschauern gelang den Hauptstädterinnen bereits in den Doppeln eine Vorentscheidung. Beide wurden gewonnen, eines souverän (Griesel/Surjan 3:0 gegen Chien/Wan), das andere mit Glück – hier setzten sich Bajor/Surjan mit 11:9 im Entscheidungssatz gegen Matiunina/Nguyen, die sehr gut spielten, durch. Insofern ein wenig überraschend, da man im Vorfeld das Duo Chien/Wan für die klar stärkere der beiden Weinheimer Formationen gehalten hätte.
Jedenfalls mussten die Gastgeberinnen somit ständig einem Rückstand hinterherlaufen, was die Aufgabe gewiss nicht einfacher machte. Chien Tung-Chuan brachte mit einem 3:1 über Natalia Bajor – die ersten drei Sätze waren sehr eng und umkämpft – den ersten Weinheimer Punkt ins Ziel, doch stellte am Nachbartisch Xiaona Shan, die bei ihrem ersten Punktrundeneinsatz der Saison zu gefallen wusste, den alten Abstand wieder her. Ihre Gegnerin Yuan Wan schlug sich tapfer, musste aber nach fünf Sätzen dem Berliner Penholder-Ass gratulieren.
Dass auf Sabina Surjan gerade gegen starke Gegnerinnen immer Verlass ist, zeigte die Serbin bei ihrem letztlich ungefährdeten 3:1 über Veronika Matiunina. Doch Weinheim blieb dran, da die junge Elisa Nguyen sich nach einem Top-Auftritt überraschend gegen Mia Griesel in vier spannenden Sätzen behaupten konnte. Den ersten Durchgang gewann die 16-jährige Weinheimerin sogar nach einem scheinbar aussichtslosen 5:10-Rückstand.
Im Spitzeneinzel baute der ttc eastside die Führung aus. Shan behielt auch gegen Chien die Oberhand (12:10, 9:11, 11:4, 11:7). Was konnte der Gastgeber noch bewirken? Da wäre Yuan Wan zu nennen, nach ihrer Verletzung wieder ganz die Alte. Gegen Natalia Bajor, die gewiss nicht ihren allerbesten Tag erwischt hatte, setzte sich die 28-Jährige mit 11:8, 11:6 und 11:8 deutlich durch. Doch den Schlussakkord zum 6:3-Erfolg setzte Berlin: Mia Griesel zeigte sich auch mental gut erholt von ihrer Niederlage gegen Elisa Nguyen und ließ beim heftig umkämpften 3:1 über Veronika Matiunina nichts mehr anbrennen.

Der jungen Elisa Nguyen gelang mit ihrem Sieg gegen Mia Griesel ein echter Überraschungs-Coup (Foto: Armin Schimkat).
Christian Säger, Weinheims Macher und Manager, konnte der Partie durchaus Positives abgewinnen: „Das erste Mal nach einer Niederlage, dass wir alle in Weinheim trotzdem nicht unzufrieden sind. Tolle Stimmung, tolle Spiele und unser Youngster Elisa Nguyen gewinnt gegen Griesel. Es war sogar ein Unentschieden mit etwas mehr Glück möglich. Wir werden weiter kämpfen und unseren treuen Zuschauern weiterhin super Tischtennis bieten.“
eastside-Manager Andreas Hain verblüffte zunächst mit folgender Aussage: „Leider konnten wir heute nicht in Bestbesetzung antreten und so wurde es etwas knapper als erwartet.“ Dass sein Team in schwacher Aufstellung angetreten wäre, kann man ja nun wirklich nicht behaupten – wobei der Berliner Kader ja auch gar keine schwachen Spielerinnen umfasst. Mit der heutigen Aufstellung kann man an einem guten Tag die Champions League gewinnen.
Dennoch hat Hain insofern Recht, als die absolute Nummer eins, Yuka Kaneyoshi, fehlte. Die 19-jährige Defensivstrategin ist mittlerweile so gut, dass ihr kaum einer in der Bundesliga das Wasser reichen kann. Vielleicht allenfalls eine Sabine Winter an einem Toptag. Kaneyoshi hat gerade, als Qualifikantin – wie stark sie tatsächlich ist, muss sich außerhalb der Liga wohl erst noch herumsprechen -, das WTT Feeder in Düsseldorf gewonnen. Im Endspiel schlug sie die topgesetzte Anna Hursey. Ergebnis: 11:3, 11:3, 11:2 – das muss man wohl nicht weiter kommentieren. Also weiter mit Hains Statement: „Shan hat hervorragend gespielt und deutlich gemacht, dass sie immer noch über eine Topqualität verfügt. Wir sind in diesem Jahr einfach breit aufgestellt und haben aus dem Fehler im letzten Jahr gelernt, als wir zu oft eben nicht optimal aufstellen konnten, da bei uns einige Spielerinnen ausgefallen sind. Das können wir in diesem Jahr sicher besser kompensieren. Wir freuen uns über den letztlich klaren Sieg und freuen uns zudem auf die Play-offs.“
Ein Spiel hat der ttc berlin eastside noch in der Punktrunde auszutragen, nämlich am 12.04. in Bingen. Wenn man bis hierhin mit 22:0 Punkten gekommen ist, will man die Runde natürlich mit 24:0 abschließen.
Bei Weinheim stellt sich die Situation ungleich komplizierter dar: Berlin, Dachau und Langstadt haben ihre Play-off-Tickets bereits gelöst, somit ist nur noch der vierte Platz vakant – und um diesen duellieren sich der Titelverteidiger und Kolbermoor, wobei die Bayern momentan gewiss die besseren Karten haben. Die Lage stellt sich wie folgt dar: Kolbermoor ist aktuell Tabellenvierter mit 9:11 Punkten, Weinheim Fünfter mit 5:13. Kolbermoor spielt am kommenden Sonntag in Weinheim und braucht einen Punkt, um Platz vier sicher zu haben. Gewinnen aber die Weinheimerinnen, könnten sie noch auf 11:13 Punkte kommen, vorausgesetzt sie haben sich am Vortag in Bingen durchgesetzt und schlagen auswärts auch den ESV Weil am 12.04. Kolbermoor müsste in diesem Fall zwingend sein letztes Spiel gegen Langstadt gewinnen (12.04.) und wäre dann mit Weinheim punktgleich, sodass das Spielverhältnis entscheiden würde, wo es derzeit besser für die Bayern aussieht. So oder so, alles andere als drei Siege in den letzten drei Spielen würde für den TTC 46 Platz fünf und damit das Saison-Aus bedeuten.
Die Endphase der Punktrunde verspricht also durchaus nochmals Spannung, besonders die Partie am Sonntag in Weinheim dürfte als eine Art kleines Endspiel im Fokus stehen, und die Play-offs als Saison-Highlights dann sowieso.
Beitragsbild oben: Mia Griesel musste zwar Lisa Nguyen gratulieren, trumpfte aber gegen Veronika Matiunina sowie im Doppel auf (Foto: Dr. Stephan Roscher).
Links
- 1. Bundesliga Damen auf click-TT: Spielplan, Infos und Tabelle
- Liveticker
- Halbfinal-Ticket gelöst: Langstadt besiegt Weinheim und die Deutsche Bahn
- Herausforderndes Wochenende für Weinheim: In Langstadt und gegen Berlin unter Erfolgsdruck
- berlin eastside schlägt auch Kolbermoor und steht vorzeitig als Punktrunden-Sieger fest
- Ein Punkt noch: Berlin schlägt Langstadt
- Berlin will Platz eins festzurren
- Langstadt mit souveränem Heimsieg gegen Weil
- In der Erfolgsspur bleiben: Langstadt will gegen Schlusslicht Weil nichts anbrennen lassen
- Langstadt startet Abschiedstour mit Heimsieg
- Von Langstadt nach Langenselbold: Neuer Bundesliga-Schauplatz in Hessen
- Langstadts Abschiedstour beginnt am Sonntag
- Guter Sonntag für bayerische Bundesligisten: Dachau und Kolbermoor mit wichtigen Siegen
- Nerven wie Drahtseile: Dachau schnappt sich alle fünften Sätze und siegt in Weil
- 6:4 gegen Bingen: Kolbermoor gewinnt Schlüsselspiel
- Vierfacher Doppelpack: Dachau, Kolbermoor, Bingen und Weil am Wochenende im Dauereinsatz
- Weinheims Aufholjagd gestartet, Weil mit erstem Saisonsieg
- Dachau gewinnt spannendes Derby
- Schwierige Prüfung für Winter und Co.: Dachau gastiert in Kolbermoor und Weinheim
- 1.600 Zuschauer im Sportforum: Berlin ohne Mühe gegen ersatzgeschwächte Weilerinnen
- Kein Spiel wie jedes andere: Champions-Doppelpack am Sonntag im Sportforum Berlin
- Dachau ohne Winter und Byun ohne Chance: Berlin klarer Sieger im Spitzenspiel
- Highlight vor dem Highlight: Bundesliga-Topspiel am Sonntag in Dachau
- ttc berlin eastside verlustpunktfreier Herbstmeister