1. Spieltag am Sonntag: Bundesligapremieren in Dachau und Jena – Meister Berlin empfängt Bingen

Von Stephan Roscher|September 23, 2023|bundesliga

Mit drei Partien beginnt die Bundesliga-Punktrunde 2023/24 am Sonntag – nicht irgendwelche Partien, sondern alle drei mit Highlight-Charakter. Wenn der amtierende Meister vor heimischer Kulisse die Saison eröffnet – von der Uhrzeit haut das allerdings nicht ganz hin –, ist das immer etwas besonderes. Und dann hätten wir zwei Bundesligapremieren zu bieten. Zum ersten Mal betritt der TSV Dachau mit den Spielerinnen aus Schwabhausen die Bühne in der Beletage des deutschen Tischtennis. Mit der SV Böblingen gastiert ein schwer auszurechnender Gegner in Oberbayern. Und im fernen Thüringen tritt Aufsteiger SV SCHOTT Jena erstmals ins Rampenlicht und hat mit Vizemeister TTC 46 Weinheim gleich einen Hochkaräter zum Gegner.

Sonntag, 12.30 Uhr: TSV Dachau 65 – SV Böblingen

Bundesligapremiere in Dachau. Dass der nominelle Bundesliganeuling, legt man die Uhrzeit zugrunde, sogar die Saison eröffnet – Champion Berlin begrüßt erst eine halbe Stunde später das Team aus Bingen – sei den Oberbayern gegönnt. Somit genießen sie gleich zu Beginn ein besonderes Privilieg, etwas von Symbolcharakter, eine Fußnote für die Tischtennisannalen,mit dem ersten Spiel unter dem neuen Dach sogleich die Saison einzuläuten. Etwas nüchterner und rein sportlich betrachtet, bedeutet dies natürlich ganz zu Beginn einer langen und schweren Saison nicht allzu viel.

Die nach Dachau gewechselten Bundesliga-Asse aus Schwabhausen haben den Viertelfinalgegner vom Mai, die SV Böblingen mit ihrem starken Spitzenpaarkreuz aus Qianhong Gotsch und Annett Kaufmann, zu Gast. Aber die beiden Topkräfte des TSV, Sabine Winter und Liu Yangzi, sind natürlich auch keine Durchschnittsspielerinnen. Schwabhausen gegen Böblingen gab es in der vergangenen Saison gleich viermal. Dreimal endeten die Partien 5:5, die vierte um den Einzug ins Play-off-Halbfinale gewann die SVB nach dramatischem Spielverlauf mit 6:4.

Auch diesmal dürfte man sich wieder auf Augenhöhe begegnen, auch wenn die Mannschaften personell leicht verändert wurden. Durchaus möglich, dass die Fans aus Dachau und Umgebung gleich mit einem Tischtenniskrimi auf die neue Saison eingestimmt werden. Für die aus dem nahen Schwabhausen anreisenden TSV-Anhänger ist das dagegen nichts außergewöhnlich. Die wissen längst, dass es eng zu werden verspricht, wenn beide Mannschaften die Klingen kreuzen. Prognosen scheinen hier nahezu unmöglich.

Auch Dachaus Trainer Alexander Yahmed sieht sich außerstande, den Fans auf Anhieb einen Sieg zu versprechen. “Wir freuen uns, unser erstes Spiel gerade gegen Böblingen zu haben, denn das waren immer packende Spiele mit viel Feuer und trotzdem fair”, so Yahmed. “Ganz schwer aber, eine Prognose zu geben, da nicht klar ist. in welcher Aufstellung sie kommen.“

Wir können für Klarheit sorgen, wer im SVB-Dress auflaufen wird, nämlich Qianhong Gotsch, die frischgebackene Mannschafts-Europameisterin Annett Kaufmann, Mitsuki Yoshida und Alexandra Kaufmann, wie man aus Böblingen hört. Ob beim Gastgeber indes die beiden Zugänge Tin-Tin Ho und Tatsiana Bahr am Tisch stehen werden, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.

Qianhong Gotsch: Auch mit 55 noch eine Spielerin der Extraklasse. Gegen Sabine Winter, die das Spiel gegen Abwehr gut beherrscht, dürfte die SVB-Ikone jedoch keinen leichten Stand haben (Foto Roscher).

Alexander Yahmed sagt auch: „Unser erstes Spiel soll ein Highlight sein.“ Für würdige Rahmenbedingungen, die einem solchen Premierenspiel angemessen sind, sorgt der Dachauer Abteilungsleiter Winfried Höser mit seinem Team. „Neben der üblichen Ankündigung des ersten Spiels in den Medien, haben wir Einladungen mit Freikarten an Oberbürgermeister, Landrat etc. sowie an alle Sponsoren verschickt“, erläutert Höser. „Alle Mitglieder der Tischtennisabteilung haben Freikarten erhalten und wir werden ab 11.30 Uhr den Grill anwerfen und den Zuschauern auch Würstchen und Grillfleisch anbieten. Darüber hinaus werden wir unser brandneues Saisonheft verteilen.“

Bei den Gästen wäre man mit einer Punkteteilung durchaus zufrieden. Pressewart Manfred Schneider schreibt: „Sönke Geil wird auf Böblinger Seite betreuen, er wird mit einem 5:5 zum Saisonauftakt sicher gut leben können.“ Das große Ziel umreißt dagegen Manager Frank Tartsch: „Wir wollen auch 2024/25 in der 1. Liga spielen und würden auch gerne die Play-off-Runde erreichen.“ Sein Quartett könnte am Sonntag einen ersten kleinen Schritt in diese Richtung machen und eine erste Duftmarke setzen.

Sonntag, 13.00 Uhr: ttc berlin eastside – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim

Eine halbe Stunde nach Dachau folgt dann auch die Saisoneröffnung des Titelverteidigers. Es könnte aber durchaus sein, dass die Berlinerinnen am ersten Spieltag als erste fertig sind – vorausgesetzt, sie können ihre Favoritenrolle gegen den Siebten der Vorsaison aus Bingen mit Leben erfüllen.

Natürlich hängt immer sehr viel von den Aufstellungen ab. Wer das Dress der Rheinhessen tragen wird, ist uns bekannt. Es dürften die vier Spielerinnen sein, die in der Saison 2022/23 die Stammbesetzung verkörperten. Die Neuzugänge werden noch nicht zur Verfügung stehen und Diya Chitale ist auch noch nicht in Sicht. Über die Aufstellung des ttc eastside war im Vorfeld nichts in Erfahrung zu bringen. Auch nicht, ob Rückkehrerin Britt Eerland am Tisch stehen wird. Der Verfasser hat zwar just in diesem Moment ein Quartett des Hauptstadtklubs vor Augen, das in die Box gehen könnte, doch dies hier zu äußern, wäre allzu spekulativ.

So oder so darf der Meister vor seinen eigenen Fans in der Sporthalle am Anton-Saefkow-Platz als eindeutiger Favorit gelten, während es für Rakovac und Co. eher darum gehen dürfte, gut in die Saison zu kommen und sich für die nächsten Aufgaben – es folgen Heimspiele gegen Langstadt und Weinheim – “warmzuspielen”.

In diesem Sinne meint denn auch Bingens Vorsitzender Joachim Lautebach: “Es wäre zu vermessen, wenn wir erwarten würden, aus Berlin Punkte mitzunehmen. Für uns ist es aber wichtig, gut in der Runde anzukommen und kämpferisch alles zu geben. Wir wollen dazu beitragen, dass die Zuschauer ein gutes Spiel sehen.” Die Pläne der TTG in der neuen Spielzeit beschreibt Lautebach wie folgt: “Unser Ziel ist der Klassenerhalt. Vielleicht haben wir ja auch eine Chance, mal wieder in die Play-offs zu kommen.”

Sabina Surjan wird in dieser Saison ein weiterer Sprung zugetraut (Foto Roscher).

Für den Rekordmeister zählt nichts anderes als die Titelverteidigung, auch wenn mit Weinheim ein starker Rivale am Start ist. Man will am Sonntag gegen Bingen eine erste Duftmarke setzen. Auch wenn sich Manager Andreas Hain recht moderat äußert, sind die Saisonziele sonnenklar: “Wir werden auf Fälle versuchen, unsere Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen”, so Hain, der aber auch vor allzu viel Überschwang warnt: “Es sieht so aus, als wären die Mannschaften relativ ausgeglichen besetzt, und wer nicht in Bestbesetzung antritt, kann dann schnell auch einmal ein Spiel verlieren, in welches man als Favorit gegangen ist.“

Wer abseits der Hauptstadt live miterleben möchte, ob der Titelverteidiger und Meisterschaftsfavorit ttc eastside gut in die Saison startet und die ersten beiden Punkte verbuchen kann, darf sich auf einen Livestream von beiden Tischen in vorzüglicher Qualität freuen. Letzteres gilt natürlich ebenso für alle, die mit den Gästen aus Rheinhessen sympathisieren.

Livestream Berlin vs. Bingen, Tisch 1

Livestream Berlin vs. Bingen, Tisch 2

Sonntag, 14.00 Uhr: SV SCHOTT Jena – TTC 1946 Weinheim

Am Sonntag um 14.00 Uhr beginnt für den SV SCHOTT Jena in der Turnhalle Rudolf-Breitscheid-Straße das Abenteuer 1. Bundesliga mit einem Heimspiel gegen Vizemeister TTC 46 Weinheim.

Dass die Nordbadener, sollten sie mit ihren Top-Assen Bruna Takahashi und Yuan Wan anreisen, als Favorit in Thüringen beim letztlich souveränen Zweitliga-Meister gelten können, ist klar. Doch ein guter Name – und den hat der TTC spätestens nach den tollen Leistungen der Vorsaison allemal – gewinnt alleine noch keine Spiele. Jena wird mit der Euphorie des Aufsteigers dagegenhalten und versuchen, jede kleine Chance zu nutzen.

Weiterhin an Bord beim SV SCHOTT sind Haruna Sugita, Ece Harac, Valerija Mühlbach sowie das dreizehnjährige Toptalent Koharu Itagaki, die alle der Zweitliga-Meistermannschaft angehörten. Neu hinzugekommen sind Vivien Scholz, Martine Toftaker und Qi Shi, die allerdings während der Vorrunde noch in Elternzeit ist. Und natürlich die drei Japanerinnen Yuka Minagawa, Misaki Morizono und Misuzu Takeya, von denen aber jeweils nur eine pro Spiel eingesetzt werden darf. Besonders Misaki Morizono genießt allgemein einen hohen Bekanntheitsgrad, doch auch ihre beiden Landsfrauen werden gewiss die Liga bereichern.

Zum TTC Weinheim müssen wir nicht viel schreiben, die Truppe um Bruna Takahashi hat letzte Saison die Fans begeistert und das Rennen um den Titel bis zum letzten Augenblick offen gehalten. Spielerinnen wie Takahasi und Wan, aber auch Mateja Jeger, Sophia Klee und Daria Trigolos bürgen für hohe Qualität.

Sophia Klee könnte am Sonntag im hinteren Paarkreuz des TTC 46 Weinheim aufschlagen (Foto: Maria Wohllaib).

Daher sieht der Abteilungsleiter Tischtennis des Aufsteigers, Andreas Amend, sein Team in der Außenseiterrolle: „Wir hoffen am Sonntag auf tolle Spiele und eine gute Zuschauerresonanz. Wir freuen uns auf viele Ehrengäste und wünschen uns, dass organisatorisch alles klappt. Sportlich wollen wir in der ein oder anderen Partie gut gegenhalten, auch wenn Weinheim natürlich klarer Favorit ist.“

Christian Säger, Macher und Manager des TTC 46, hält sich bedeckt, was die Aufstellung seines Teams betrifft: „Wir müssen schauen ob wir alle Spielerinnen zur Verfügung haben werden. Davon wird auch abhängen, was für ein Resultat erzielt werden kann.“ Man will äußerst konzentriert und fokussiert zu Werke gehen und keinesfalls den Fehler begehen, den Auftaktgegner zu unterschätzen. „Für Jena ein Highlight – erstes Spiel in der ersten Bundesliga – und wir sind sehr gespannt, was für ein Team dort an den Start gehen wird“, sagt Säger. „Wir hoffen natürlich auf einen guten Start und freuen uns auf die neue Saison.“

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Drei Wochen bis zum Rundenstart: Acht Teams in den Startlöchern

Beitragsbild oben: Ece Harac, Spitzenspielerin des letztjährigen Jenaer Meisterteams der 2. Bundesliga (Foto: Simon Stützer).

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