Play-off-Halbfinale: Hinspielsiege für Langstadt und Berlin

Von Stephan Roscher|April 17, 2022|bundesliga

Zum Auftakt der Play-off-Halbfinals erlebten die Fans am Samstag ein prickelndes Duell auf Augenhöhe, das der TSV Langstadt mit 6:4 beim SV DJK Kolbermoor gewann, sowie eine etwas einseitigere Partie in Weil, das sich dennoch beim 2:6 gegen den Titelfavoriten ttc berlin eastside recht teuer verkaufte. Eine Entscheidung ist natürlich noch nicht gefallen, da die beiden unterlegenen Teams mit Siegen in den Rückspielen am Ostermontag noch Entscheidungsspiele erzwingen könnten.

ESV Weil – ttc berlin eastside 2:6

Standesgemäß setzte sich Titelverteidiger ttc berlin eastside in Südbaden beim ESV Weil durch und ist damit der Mission Titelverteidigung wieder einen Schritt nähergekommen. Beim 6:2 über den Vierten der Bundesliga-Abschlusstabelle wartete der Gast mit einer taktischen Aufstellungsvariante auf. Shan Xiaona kam nur im Doppel an der Seite Nina Mittelhams zum Einsatz, während im Einzel Defensiv-Ass Ding Yaping an den Tisch ging.

Für Berlin punkteten die Doppel Shan/Mittelham (3:2 gegen Lupulesku/Scholz) und Eerland/Surjan (3:1 gegen Trifonova/Sozoniuk) sowie in den Einzeln Nina Mittelham (3:0 gegen Polina Trifonova), Britt Eerland (3:1 gegen Izabela Lupulesku), Ding Yaping (3:0 gegen Hana Arapovic) und Sabina Surjan (3:1 gegen Ievgeniia Sozoniuk).

Die Weilerinnen, die ebenfalls zu fünft antraten und bei denen Vivien Scholz diesmal in den Einzeln pausierte, präsentierten sich keineswegs als Opferlamm und hielten phasenweise recht gut mit. Durch zwei nicht wirklich erwartete Siege im vorderen Paarkreuz konnte man sogar zwischenzeitlich zum 2:2 ausgleichen – eine hellwache Polina Trifonova hatte Britt Eerland mit 3:2 und eine bärenstarke Izabela Lupulesku Nina Mittelham sogar ohne Satzverlust besiegt.

Präsentierte sich in Topform: Izabela Lupulesku (Foto Roscher).

Am Ende war der hohe Favorit aber doch deutlich vorne, dennoch konnte der Gastgeber mit elf gewonnenen Sätzen aufwarten – 20 gingen an den ttc eastside – und hielt exakt drei Stunden dagegen. Wie sagt man so schön: Der Außenseiter konnte die Halle erhobenen Hauptes verlassen.

Weils Abteilungsleiterin Doris Spiess war alles in allem gar nicht so unzufrieden. „Es war ein spannendes Spiel, bei dem sich der Favorit durchgesetzt hat“, so Spiess. „Wir haben zwar dagegen gehalten, aber es hat nur zu zwei Punkten gereicht. Bereits im Doppel haben Izabela Lupulesku und Vivien Scholz das Berliner Doppel Shan/Mittelham gefordert und in den Entscheidungssatz gezwungen. Und dass vorne zwei Punkte kommen, damit hatten wir nicht unbedingt gerechnet. Alles in allem hat Berlin verdient gewonnen, aber wir haben uns gut verkauft.“

Der erste Schritt in Richtung Finaleinzug und Titelverteidigung sei getan, wie wir seitens des ttc eastside erfahren. „Nach exakt drei Stunden Spielzeit behielt eastside mit 6:2 über den Viertplatzierten der Abschlusstabelle die Oberhand. Die Südbadenerinnnen machten den Hauptstädterinnen das Leben allerdings schwerer als erwartet“, lesen wir auf der Webseite des Titelverteidigers. „Im Rückspiel müssen wir mit voller Konzentration zur Sache gehen. Die Weiler Spielerinnen sind stärker, als es das heutige Ergebnis glauben macht. Wir dürfen uns keine Nachlässigkeit leisten“, mahnt Berlins Trainerin Irina Palina.

In Hinblick auf das Rückspiel am Montag um 13 Uhr, das auch im Livestream auf Sportdeutschland.tv zu sehen sein wird, kündigt der ttc berlin eastside an: „Die Fans dürfen sich auf jeden Fall auf ein interessantes Match und eine kleine Oster-Überraschung freuen, die unsere Spielerinnen vorbereitet haben.“

SV DJK Kolbermoor – TSV Langstadt 4:6

Der TSV Langstadt ist dem Finale um die Deutsche Meisterschaft einen Schritt näher gekommen, entschieden ist aber noch lange nichts. In einer packenden Partie zweier Teams auf Augenhöhe vor rund 100 Zuschauern setzten sich die Südhessen mit 6:4 bei Pokalsieger SV DJK Kolbermoor durch und hoffen nun natürlich darauf, am Ostermontag beim Rückspiel in eigener Halle mit 200 Fans im Rücken den Sack mit mindestens einem Remis zumachen zu können.

Die heutige Partie hätte auch Unentschieden oder mit einem knappen Sieg für die Oberbayern enden können. Beim Stand von 4:4 gingen die letzten beiden Matches des hinteren Paarkreuzes in den Entscheidungssatz. Beide Male erwies sich der Gast als einen Tick nervenstärker: Tanja Krämer, als „Abwehrkillerin“ bekannt, bezwang Svetlana Ganina und Franziska Schreiner die toll kämpfende Naomi Pranjkovic. Allerdings ging es in den beiden fünften Sätzen nicht wirklich knapp zu. Krämer hatte, nachdem Ganina zuvor einen 0:2-Satzrückstand egalisieren konnte, plötzlich wieder ihren Lauf und feuerte aus allen Rohren (11:3), Schreiner zog über 4:1 auf 8:5 davon und gewann schließlich mit 11:7 – hier waren die ersten beiden Sätze an ihre Gegnerin gegangen, die ihr extrem hohes Anfangslevel aber nicht halten konnte.

Überragende Spielerin bei Langstadt war Petrissa Solja, die sowohl Yuan Wan als auch Kristin Lang jeweils mit 3:1 schlagen konnte. Bei den Hessinnen ging nur Chantal Mantz leer aus. Tanja Krämer, die auch Pranjkovic das Nachsehen gab (3:1), steuerte ebenso zwei Siege bei wie Solja. Franziska Schreiner verbuchte den erwähnten Erfolg im Einzel sowie einen Punkt im Doppel – an der Seite von Krämer wurden Ganina/Pranjkovic mit 3:0 geschlagen. Das andere Doppel gegen Langstadts Paradeformation Solja/Mantz ging indes in fünf Sätzen hauchdünn an Lang/Wan (13:11 im 5. Satz). Einzelsiege verbuchten Kristin Lang (3:2 gegen Mantz, 12:10 im 5. Satz), Yuan Wan (3:1 gegen Mantz) und Svetlana Ganina (3:0 gegen Schreiner). 

Es fehlte nur ein kleiner Tick: Naomi Pranjkovic (Foto: Erik Thomas).

„Eigentlich ist es bis zum 4:4 heute für uns ganz gut gelaufen“, stellte Kolbermoors Trainer und Abteilungsleiter Michael Fuchs fest. „Wir haben wie erhofft ein Doppel gewonnen, haben vorne zwei Punkte gegen „Chanti“ gemacht und Svetlana hat klar ihr Spiel gegen „Franzi“ Schreiner gewonnen. Und dann haben wir eben am Schluss zwei knappe Fünf-Satz-Spiele, die wir nicht gewinnen. So entscheidet sich dann halt die Partie. Zwischen einem 6:4 und einem 4:6 war alles drin. Ich hatte fast schon die Befürchtung gehabt, dass wir nur noch Unentschieden können, was ich mir am Schluss dann fast schon wieder erhofft hätte.“ Auf „Nesthäkchen“ Naomi Pranjkovic ging Fuchs gesondert ein: „Leider konnte auch Naomi ihren 2:0-Vorsprung gegen „Franzi“ Schreiner nicht über die Ziellinie retten. Sie hat aber sowohl gegen sie als auch gegen Tanja Krämer gut gespielt und wir sehen die positive Entwicklung bei ihr. Es fehlt bei ihr im Moment noch ein kleines Quäntchen, um sich selbst zu belohnen.“ Im Rückspiel will man nochmals alles versuchen: „Heute war alles drin, leider haben wir etwas unglücklich verloren. Es ist noch alles offen. Wir hoffen jetzt natürlich auf den Montag, dass wir ähnlich gut spielen und dann vielleicht auch die knappen und entscheidenden Spiele gewinnen können.“

„Ein klasse Spiel mit guten Ausgang für uns“, sagte Manfred Kämmerer, Langstadts Sportlicher Leiter, nach den aufwühlenden 225 Minuten. „Kolbermoor war sehr stark, doch unsere Mädels haben super dagegen gehalten und letztlich verdient gewonnen. Jetzt wollen wir mit den eigenen Fans im Rücken den Finaleinzug  klar machen.“ „Ein ganz wichtiger Auswärtssieg mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung“, meinte Petrissa Solja. „Jetzt heißt es, zwei Tage Kraft zu sammeln, um dann vor den tollen heimischen Fans den Finaleinzug klar zu machen.“ Auch von Franziska Schreiner liegt uns ein Statement vor. „Uns war bewusst, dass es ein sehr schweres Spiel werden würde. Wir hatten uns in den letzten Jahren gegen Kolbermoor immer schwergetan“, so die 20-jährige DTTB-Nationalspielerin. „Und im Viertelfinale gegen Schwabhausen hatten sie ja ihre gute Form bewiesen. Es war von Anfang an sehr eng und ist bis zum allerletzten Spiel richtig spannend geblieben. Unsere Einstellung war heute sehr wichtig. Wir sind mit vollem Kampfgeist in das Spiel gegangen und haben den Gegner auf Augenhöhe gesehen, obwohl wir ja Zweiter der Punktrunde und von daher zumindest auf dem Papier leichter Favorit waren. Ich hoffe, dass wir die heutige Form auch im Rückspiel abrufen und am Montag mit dem Heimvorteil im Rücken den Einzug ins Finale klarmachen können.“

Tanja Krämer konnte gegen Kolbermoor ihre ganze Routine in die Waagschale werfen (Foto Roscher).

Das Rückspiel findet am Ostermontag um 14 Uhr in der Langstädter Eckehard-Colmar-Halle statt. Der gastgebende TSV wird erneut eine Topleistung abliefern müssen, um zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Finalserie um die Deutsche Meisterschaft einziehen zu können, die zwischen dem 22. und 30. April steigen wird – die exakten Termine werden erst festgelegt, wenn beide Endspielteilnehmer feststehen. Kristin Lang und ihre Kolleginnen haben das Ding jedenfalls längst noch nicht abgehakt.

Vielleicht entscheidet sich tatsächlich bereits in zwei Tagen, wer in die Endspiele um die Deutsche Meisterschaft einzieht, doch fest steht noch gar nichts und besonders in Langstadt könnte es nochmals richtig eng werden.

Beitragsbild oben: Hochkonzentriert beim Aufschlag: Britt Eerland (ttc berlin eastside, Archivfoto Verein).

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