„Goldige“ Nina Mittelham mit Gala-Vorstellung in Wetzlar

Von Autor|März 4, 2019|bundesliga, Spielerinnen|0 Kommentare

Nina Mittelham heißt die Deutsche Meisterin 2019. Die 22-Jährige, die in den letzten Monaten einen weiteren Sprung nach vorne gemacht hat, krönte ihr aktuelles Leistungshoch mit einem 4:1 über die favorisierte Petrissa Solja in einem umkämpften Damen-Endspiel bei den 87. Nationalen Deutschen Meisterschaften. Im Halbfinale hatte sie die an zwei gesetzte Kristin Lang ausgeschaltet. Und damit nicht genug: Auch im Doppel stand die Leistungsträgerin des ttc berlin eastside gemeinsam mit Partnerin Franziska Schreiner vom TV Busenbach am Ende ganz oben auf dem Treppchen. Mittelham avancierte somit zur erfolgreichsten Spielerin der NDM 2019.

Auch Solja ist nicht unschlagbar

Auch für Petrissa Solja wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Die 24-jährige Ausnahmespielerin vom Bundesliga-Fünften TSV Langstadt gewann zwar vor vier Wochen das europäische Ranglistenturnier Europe Top 16 und ist in der März-Weltrangliste als Nummer 24 wieder zwei Plätze nach oben geklettert. Die Deutschen Meisterschaften im mittelhessischen Wetzlar wurden jedoch nicht zur Solja-Gala. Drei Titel schienen greifbar, doch am Ende gab es „nur“ einmal Gold, einmal Silber und einmal Bronze.

Im Damen-Einzel – und das wäre natürlich für die Pfälzerin der wichtigste Titel gewesen –, blieb ihr der zweite Triumph nach Chemnitz 2015 versagt. Im Finale musste sich Solja ihrer zweieinhalb Jahre jüngeren Rivalin Nina Mittelham beugen. Dass Mittelham zurzeit sehr stark ist, wusste man, doch beim 11:7, 6:11, 16:14, 11:8 und 12:10 fiel auf, wie abgeklärt sie agierte und wie sie gerade in den entscheidenden Situationen die besseren Lösungen fand.

Nina Mittelham überzeugte in der Rittal Arena auf ganzer Linie.

Die am Finaltag bärenstarke Nina Mittelham, die tags zuvor phasenweise noch unzufrieden mit sich selbst gewesen war, sicherte sich die ersten beiden nationalen Meistertitel ihrer Karriere – man muss keine hellseherischen Fähigkeiten besitzen, um zu prophezeien, dass es nicht die letzten gewesen sein dürften.

„Ich hatte nichts zu verlieren und ging ohne Druck in das Spiel“, so Mittelham. „Ich fühlte mich gut und in den engen Situationen hatte ich auch ein wenig Glück. Von Beginn an habe ich die Konzentration komplett auf mich gerichtet.“ Der Knackpunkt war für die Siegerin der mit 16:14 gewonnene dritte Satz: „Anschließend habe ich gemerkt, dass in dem Spiel was geht. Jetzt bin ich einfach nur überglücklich.“

Die Sieger von Wetzlar: Timo Boll und Nina Mittelham (Foto: F. Haubner).

Petrissa Solja trug die erste Niederlage gegen Mittelham in ihrer Karriere mit Fassung. „Ich fahre mit drei Pokalen nach Hause und bin extra mit dem Wohnmobil angereist, damit ich auch alles mitbekomme“, meinte die Linkshänderin zwinkernd nach Turnierende. Ihre Analyse des Finales: „Im Vergleich zu den vorherigen Spielen konnte ich meine Leistung nicht abrufen. Hinzu kam, dass Nina stark agierte.“

Drei Medaillen nahm Petrissa Solja mit ins Wohnmobil.

Solja: Freude über Gold im Mixed

Für Solja blieb es somit bei Gold im Mixed. Zwei Stunden vor dem Damen-Finale hatte sich die Langstädterin („für die Fans bin ich eine kleine „Hessin“, deswegen feuern sie mich hier in Wetzlar so toll an“) nämlich im erstmals seit 2006 wieder ausgetragenen Mixed-Wettbewerb schadlos gehalten und an der Seite des waschechten Hessen Patrick Franziska Gold gewonnen. Im Endspiel waren Shan Xiaona (eastside) und Ricardo Walther (Grünwettersbach) allerdings in vier von fünf Sätzen auf Augenhöhe. Am Ende behielten Solja/Franziska mit 11:9, 2:11, 11:8, 9:11 und 11:1 die Oberhand.

Deutsche Meister 2019 im Mixed: Petrissa Solja und Patrick Franziska.

Im Doppel hingegen war Pech dabei. Mit Partnerin Sabine Winter, die am Samstag noch ganz stark spielte, tags darauf jedoch aufgrund einer Verletzung ihre Halbfinals absagen musste, war sie eigentlich auf Goldkurs und favorisiert in Sachen Titelvergabe.

Damen-Tischtennis auf Topniveau

In der mit jeweils 3.300 Fans am zweiten und dritten Turniertag fast ausverkauften Wetzlarer Rittal Arena wurde tolles Damen-Tischtennis auf ganz hohem Niveau geboten. Dass Titelverteidigerin Han Ying verletzt passen musste, war zwar schade, tat der Qualität des Wettbewerbs aber keinen Abbruch. Überhaupt war es ein bemerkenswertes Turnier aus Sicht der 1. Bundesliga Damen. Schon im Achtelfinale standen 14 Bundesligaspielerinnen sowie eine Akteurin, Yuki Tsutsui, die kommende Saison im Oberhaus aufschlagen wird. Man war gewissermaßen unter sich und trug inoffizielle Liga-Meisterschaften im Einzel und Doppel aus.

Mittelham/Schreiner im Doppel-Finale souverän

Allerdings schaffte es im Doppel mit den „Underdogs“ Luisa Säger/Caroline Hajok immerhin ein Nicht-Erstliga-Duo ins Finale. Die Weinheimerin Säger (2. Liga) und die Hannoveranerin Hajok (3. Liga) hatten in der Vorschlussrunde sensationell die topgesetzten Shan Xiaona/Kristin Lang ausgeschaltet. Im Finale waren dann aber die Favoritinnen Mittelham/Schreiner dominant, die nach verlorenem erstem Satz erst richtig aufdrehten und mit 11:13, 11:1, 11:6 und 11:4 gewannen. „Ich war am Anfang sehr nervös“, gestand Schreiner – immerhin war es ihr erstes NDM-Finale. „Zum Glück ist Nina ruhig geblieben.“

Blick in die Rittal Arena (Foto: F. Haubner).

Klee und Wan lieferten sich Tischtennis-Thriller

Ein Wahnsinnsspiel erlebten die Zuschauer im Achtelfinale, wo sich die 15-jährige Sophia Klee vom TuS Bad Driburg und die sechs Jahre ältere Yuan Wan von der TTG Bingen/Münster-Sarmsheim ein atemberaubendes Duell lieferten. Es war das spannendste Spiel des gesamten Turniers, das insgesamt 75 Minuten die Fans in seinen Bann zog und in dem beide Spielerinnen bis an ihre physischen Grenzen gingen. Sechs der sieben Sätze endeten mit zwei Punkten Differenz, der sechste Durchgang gar mit einem 23:21 zugunsten der Rheinhessin. Wan führte auch im Entscheidungsdurchgang lange, doch am Ende des Tischtennis-Thrillers hatte Klee knapp die Nase vorn (9:11, 11:5, 10:12, 11:9, 11:9, 21:23, 11:9), umjubelt von den Fans, die in der Mehrzahl das Bundesliga-Nesthäkchen aus Nordhessen ins Herz geschlossen hatten. So spannend, jedoch auch so gnadenlos kann Tischtennis sein, letzteres natürlich nur aus Sicht der Verliererin.

Nach der Niederlage im Thriller gegen Sophia Klee: Yuan Wan fix und fertig.

Dem parallel dazu einen lockeren Achtelfinalsieg einfahrenden Timo Boll stahlen die beiden Bundesligaspielerinnen unbeabsichtigt die Show, denn als der spätere Turniersieger seinen Matchball verwandelte, war der Applaus im Gegensatz zu sonst eher mäßig – einfach weil das Publikum vollkommen auf das Match Klee vs. Wan konzentriert war.

Pechvogel Sabine Winter

Großes Pech hatte Sabine Winter (SV DJK Kolbermoor). Nachdem es in der Bundesliga bisher nicht wie geschmiert läuft, schien sich die 26-Jährige am Samstag allen Frust von der Seele zu spielen und lieferte großartige Leistungen ab. Ihr 4:3-Viertelfinal-Sieg gegen Mitfavoritin Shan Xiaona war vom Allerfeinsten und wohl ihre beste bisherige Saisonleistung – eine perfekte Mischung aus spielerischem Können und Kampfgeist. Somit standen die Vorzeichen für den Sonntag gut, auch wenn sie im Einzel ihre Doppelpartnerin Solja hätte schlagen müssen, um ins Finale vorzudringen. Nach dem Megaspiel gegen Shan trauten ihr das manche sogar zu. Doch dann ging nichts mehr am Entscheidungstag. Eine Nackenverletzung hatte sich so stark bemerkbar gemacht, dass an Spielen nicht zu denken war. Folglich musste eine tieftraurige Sabine Winter ihre Halbfinals im Einzel und Doppel abschenken.

Sabine Winter zeigte besonders gegen Shan Xiaona Top-Tischtennis, doch am Sonntag machte ihr der Nacken einen Strich durch die Rechnung.

 

Alle Ergebnisse der NDM 2019

Text & Fotos (5): Dr. Stephan Roscher

Fotos Siegerehrung (2) u. Hallenperspektive: Friedrich Haubner

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