eastside neuer Spitzenreiter, Paukenschlag in Kolbermoor, 400 Fans in Sinzheim

Von Autor|November 26, 2018|bundesliga|0 Kommentare

Die Wochenend-Partien in der 1. Bundesliga Damen hatten es wieder in sich. Eine Menge Spannung war in zwei von drei Begegnungen angesagt. Und es gab eine dicke Überraschung. Der TuS Bad Driburg versüßte sich nämlich am Sonntag seinen Marathon-Trip durch Süddeutschland mit einem 6:4-Sieg beim amtierenden Champion Kolbermoor. Am Vorabend hatten die Ostwestfälinnen einen Punkt gegen den TV Busenbach eingebüßt. 400 Zuschauer im badischen Sinzheim bedeuteten eine neue Saison-Rekordmarke in der Liga. Wenig Mühe hatte der ttc berlin eastside, sich in Anröchte durchzusetzen und erstmals die Tabellenführung zu übernehmen.

 

TTK Anröchte – ttc berlin eastside 2:6

Der ttc berlin eastside hat durch einen ungefährdeten 6:2-Sieg beim TTK Anröchte die Tabellenführung in der deutschen Eliteliga übernommen und steht nach fünf Partien erstmals dort, wo er bis zum Schluss stehen möchte – abgesehen davon, dass der erste Platz in der Liga nur ein Zwischenziel sein kann und es anschließend in den Play-offs erst richtig um die Wurst geht.

Der Hauptstadtklub hatte in Ostwestfalen das Heft eindeutig in der Hand, auch wenn sich der Gastgeber nach Kräften wehrte. Mit Shan Xiaona, Georgina Pota, Nina Mittelham und Kathrin Mühlbach lief eastside in starker Formation auf, auch wenn Matilda Ekholm für dieses Wochenende nicht eingeplant war. Der Gastgeber ließ dagegen mit Aimei Wang und Jing Tian-Zörner zwei starke Stammkräfte pausieren. Pota (jeweils 3:1 gegen Shi Qi und Yang Henrich), Shan (3:0 gegen Henrich), Mittelham (3:0 gegen die junge Ersatzspielerin Rosanna Levenig) und Mühlbach (3:1 gegen Marta Golota) sowie das Doppel Pota/Mühlbach (3:0 gegen Golota/Levenig) punkteten für Berlin. Auf Anröchtes Seite war positiv zu vermerken, dass Shi Qi überzeugte, die überraschend Shan Xiano schlagen konnte – mit 11:9, 11:8 und 11:2 sogar recht deutlich. Ferner war das Doppel Shi/Henrich (3:1 gegen Shan/Mittelham) für den TTK erfolgreich.

„Wir haben, wie schon am Vortag in der Champions League, wieder eine gute, geschlossene Mannschaftsleistung abgerufen und verdient gewonnen“, so eastside-Trainerin Irina Palina. „Natürlich freuen wir uns über die Tabellenführung, doch das ist nur eine Momentaufnahme. Noch viele wichtige Spiele liegen vor uns, doch ich sehe meine Mannschaft auf einem guten Weg.“

„Der Berliner Sieg war natürlich hoch verdient“, räumte Anröchtes Vereinsvorsitzender Manfred Vogel ein. „Wir haben uns trotzdem sehr gut verkauft und die Zuschauer haben einige tolle Ballwechsel gesehen. Wir haben besonders im oberen Paarkreuz mit Shi Qi und Yang Henrich sehr gut gespielt.“ Der Wermutstropfen: „Leider waren, wie befürchtet, nur 80 Zuschauer in der Halle. An Sonntagen haben wir viel mehr Zuschauerzuspruch.“

Bezwang Shan Xiaona: Shi Qi (TTK Anröchte).

 

TV Busenbach – TuS Bad Driburg 5:5

In einer prickelnden Dreieinhalb-Stunden-Partie kam der TV Busenbach am Samstagabend zu einem Unentschieden gegen die tags darauf für Furore sorgenden Bad Driburgerinnen. Die Vergabe der Partie nach Sinzheim im Landkreis Rastatt hatte sich gelohnt. 400 Zuschauer bedeuteten einen neuen Saisonrekord in der 1. Bundesliga Damen. Die alte Bestmarke hatte der TSV Langstadt mit 300 Fans im Heimspiel gegen Böblingen gehalten.

In Sinzheim führte das Gästeteam mit 3:1 und 5:3, konnte aber den Sack nicht zumachen. Und das lag am diesmal überragenden hinteren Paarkreuz der Busenbacherinnen, in dem Lisa Lung und Anastasia Bondareva mit vier Einzelsiegen glänzten. Dass es beiden gelang, die erfahrene ehemalige DTTB-Nationalspielerin Nadine Bollmeier zu schlagen, darf als kleine Sensation gewertet werden. Im vorderen Paarkreuz dominierten dagegen die Ostwestfälinnen eindeutig: Britt Eerland und Sarah de Nutte gaben sich keine Blöße gegen Tanja Krämer und Jessica Göbel. Da die extrem umkämpften Doppel – beide fanden erst in der Verlängerung des Entscheidungssatzes ihre Sieger – 1:1 endeten, ergab sich die letztlich gerechte Punkteteilung.

Jessica Göbel konnte mit dem Resultat gut leben und war begeistert vom Ambiente in Sinzheim. Ihre Kurzanalyse des Spiels: „Ausgeglichene Doppel am Anfang, Tanja (Krämer) und ich konnten wieder einmal nach 0:2 das Doppel zu unseren Gunsten entscheiden. Vorne 0:4 war fast einprogrammiert, da Tanja und ich mit Trainingsrückstand oben eigentlich nichts reißen können. Doch unser unteres Paarkreuz war bombig und komplett überragend!“ Zum „Drumherum“ gab die Mannschaftsführerin des TVB zu Protokoll: „Sensationelle Kulisse, optimale Organisation, eine Top-Veranstaltung!“ Danach wurde noch ein wenig gefeiert. „Jetzt lassen wir den Abend mit Driburg und dem Veranstalter ausklingen“, so Göbel direkt nach der Partie.

„Das Spiel in Sinzheim gegen Busenbach bot Spitzen-Tischtennis mit so vielen extrem tollen Ballwechseln, wie ich sie selten in dieser Anhäufung gesehen habe“, sagte TuS-Manager Franz-Josef Lingens. „Die über 400 Zuschauer waren davon und von der immer wiederkehrenden Spannung begeistert. Für uns war es schwer gegen das Heim-Publikum. Wir waren trotzdem mehrfach dem Sieg näher als der Gastgeber.“ Lingens präzisierte dies: „Schon nach den Doppeln hätten wir 2:0 führen können, aber Britt Eerland und Sarah de Nutte vergaben nach zwei ganz klaren Sätzen gegen die sich dann aber steigernden Tanja Krämer/Jesica Göbel am Ende noch mit 9:11 im 5.Satz den Sieg. Anschließend gewannen wir oben alle vier Einzel recht klar, während unten die vier Einzel umkämpft verlorengingen. Ein mögliches 6:3 für uns verhinderte dann der vergebene Matchball von Nadine Bollmeier gegen Lisa Lung.“ 

Rekordkulisse in Sinzheim.

 

SV DJK Kolbermoor – TuS Bad Driburg 4:6

Dass der ttc berlin eastside die am Samstag errungene Poleposition in der 1. Bundesliga Damen auch über das Wochenende hinaus behalten darf, haben die Hauptstädterinnen dem TuS Bad Driburg zu verdanken.

Die Ostwestfälinnen krönten ihre 2.000-Kilometer-Wochenend-Tour nämlich mit einem zuvor kaum für möglich gehaltenen 6:4-Sieg beim amtierenden Deutschen Meister SV DJK Kolbermoor. Doch Eerland und Co. wollten weniger dem Ligarivalen aus Berlin einen Gefallen tun, sondern in erster Linie sich selbst. Und das taten sie auch, da sie sich mit 8:4 Punkten auf Tabellenplatz zwei katapultierten. Hätten sie am Vorabend beim Herzschlag-Match in Busenbach eine 5:3-Führung ins Ziel gebracht, wären sie nun sogar Tabellenführer.

In Kolbermoor, eigentlich selbst für sein starkes Spitzenpaarkreuz bekannt, staunten 175 Tischtennisfans nicht schlecht, wie der Gast vorne brillierte. Besonders die Holländerin Britt Eerland, schon am Vortag in Sinzheim überragend, ließ Kristin Lang und später Sabine Winter so gut wie keine Chance – besonders bei Winter, die keinen guten Tag erwischt hatte und auch der wiedererstarkten Sarah de Nutte zu einem glatten Erfolg gratulieren musste, lief es überhaupt nicht rund. Allerdings spielten ihre Gegnerinnen auch richtig gut. 7:1 im vorderen Paarkreuz an einem Wochenende, das spricht für sich.

Doch das Spitzenpaarkreuz kann eine Partie nicht allein entscheiden – aus den Doppeln war man mit 1:1 herausgegangen. So war es im ersten Durchgang im unteren Tableau Nadine Bollmeier vorbehalten, für Bad Driburg zu punkten (3:1 gegen Katharina Michajlova). Und später, als Kolbermoor bedrohlich nahegekommen war und aus einem 2:5-Rückstand ein 4:5 gemacht hatte, war es das 15-jährige „Nesthäkchen“ Sophia Klee, am Vorabend noch glücklos, das – wiederum gegen Michajlova – die Nerven behielt und mit 11:8 im Entscheidungssatz triumphierte. Kurios: Klee hat bisher noch kein einziges Mal ihr erstes Match gegen die Nummer drei des Gegners gewinnen können, aber nun schon das vierte Mal die Nummer vier besiegt, war also fast immer, wenn es auf die Entscheidung zuging, voll da und zeigte sich nervenstark. Nach dramatischen drei Stunden und 15 Minuten war die Sensation perfekt.

„Ein Super-Wochenende für uns“, freute sich Franz-Josef Lingens. „Vor den beiden Spielen hatte ich festgestellt, dass wir theoretisch mit zwei Siegen die Tabellenführung übernehmen könnten. Dass wir dann um einen Ball „dran“ waren, hatte ich natürlich kaum für möglich gehalten. Aber unser Team spielte zwei Tage auf höchstem Niveau. Der Lohn: 2. Tabellenplatz. Der sensationelle Sieg am Sonntag wurde riesig gefeiert.“ Der TuS Manager lässt die Partie Revue passieren. „In Kolbermoor konnten wir nach dem 1:1 der Doppel plötzlich mit zwei hohen 3:0-Siegen im oberen Paarkreutz in Führung gehen und rochen Lunte. Nadine Bollmeier konnte nachlegen und dann schaffte Britt Eerland ihr drittes 3:0 am Wochenende, das 5;3 für uns. Aber es wurde nochmals schwer. Fast wäre es wieder ein 5:5 geworden, aber Sophia Klee behielt mit einem 11:8 im 5.Satz des letzten Einzels die Nerven.“ Die Jüngste hatte sich ein Sonderlob verdient: „Grosse Klasse von ihr. Damit schaffte sie es schon zum vierten Mal in der laufenden Saison, uns mit dem letzten Einzel einen Punkt zu sichern.“

Weniger begeistert zeigte sich Kolbermoors Trainer Michael Fuchs. „Ein für uns nicht zufriedenstellender und auch etwas überraschender Ausgang, wobei wir ja auch im Voraus ein durchaus knappes Spiel für möglich gehalten haben“, so Fuchs. „Mit der gezeigten mannschaftlichen Leistung bin ich insgesamt nicht zufrieden. Ein 1:3 im vorderen Paarkreuz ist für uns einfach zu wenig, was aber den starken Auftritt der Bad Driburger Spielerinnen nicht schmälern soll. Gleiches gilt für die Niederlage von Katharina (Michajlova) gegen Sophia Klee.“ Wenigstens mit seiner Nummer drei konnte der Trainer zufrieden sein: „Svetlana (Ganina) hat sowohl beim klaren Sieg gegen Sophia Klee als auch im knappen Match gegen Nadine Bollmeier eine gute kämpferische Leistung gezeigt.“ Dies ändert jedoch nichts an seiner Feststellung: „Wenn wir vorne mitspielen wollen, müssen wir uns im weiteren Verlauf der Saison auf jeden Fall wieder steigern und eine stabilere Leistung abrufen.“

Svetlana Ganina war hinten doppelt erfolgreich, für ihr Team reichte es jedoch nicht.

 

Beitragsbild oben: Sicherte Bad Driburg den Sieg in Kolbermoor: Sophia Klee.

Text & Fotos (3): Dr. Stephan Roscher

Foto Sinzheim: TV Busenbach

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