eastside nach Kantersieg gegen Bad Driburg der Meisterschaft ganz nah

Von Autor|Februar 24, 2020|bundesliga|0 Kommentare

Am Sonntag erlebten die Fans in der 1. Bundesliga Damen eine einseitige und eine umkämpfte Partie. Auch wenn der Gegner der Tabellenzweite Bad Driburg war, hatte berlin eastside überhaupt keine Mühe, im Rekordtempo mit 6:0 zu gewinnen. Der Hauptstadtklub ist damit seiner sechsten Deutschen Meisterschaft ganz nah. In Langstadt endete das Duell der Tabellennachbarn gegen Böblingen mit einem Remis, dennoch blieb den Zuschauern das „volle Programm“ versagt, da Yanhua Yang-Xu ihre Matches verletzungsbedingt abschenkte. Spannend ging es dort trotzdem zu.

Topspiel in Berlin: 6:0 – eastside macht kurzen Prozess

Der ttc berlin eastside ließ auch im Spitzenspiel gegen den TuS Bad Driburg nichts anbrennen und benötigte nur 90 Minuten für den Kantersieg. Der Leistungsunterschied zwischen beiden Teams war enorm. Nur zwei Sätze gingen an Bad Driburg.

Für den Ligaprimus punkteten Fu Yu (3:0 gegen Sophia Klee), Xiaona Shan (3:0 gegen Sarah de Nutte), Nina Mittelham (3:0 gegen Yuki Tsutsui) und Matilda Ekholm (3:1 gegen Nadine Bollmeier) sowie die Doppel Yu/Ekholm (3:0 gegen Bollmeier/Klee) und Shan/Mittelham (3:1 gegen de Nutte/Tsutsui). Auch mit ihrer nicht eingesetzten Spitzenspielerin Britt Eerland hätten die Ostwestfalen vermutlich keine Chance gehabt.

Mit nun 22:0 Punkten thront eastside einsam an der Spitze und dürfte keine Probleme bekommen, den sechsten nationalen Meistertitel der Vereinsgeschichte einzufahren. Bad Driburg bleibt mit 18:4 Zählern auf dem zweiten Platz und besitzt nach wie vor – bei drei Minuspunkten Vorsprung auf Kolbermoor, das auch noch gegen Berlin spielen muss (15.03.) – die besten Chancen auf die Vizemeisterschaft.

Shan Xiaona besiegte die an Position eins aufgerückte Sarah de Nutte mit 3:0.

eastside-Manager Andreas Hain hätte lieber gegen eine Bad Driburger Mannschaft in Bestbesetzung für klare Verhältnisse gesorgt, nicht zuletzt wegen der Fans, die in der Hauptstadt nur noch allzu selten komplette Gästeteams erleben. „Es ist schon schwer nachvollziehbar, dass man im absoluten Spitzenspiel auf seine Topspielerin verzichtet“, so Hain. „Ich weiß wirklich nicht, wie wir eine solche Bundesliga überhaupt noch verkaufen wollen. Letzte Woche trat Langstadt mit seiner 2. Mannschaft an und heute Bad Driburg ohne Nummer 1.“ Natürlich freut sich Hain aber, dass sein Team fast schon durch ist und die Meisterschaft zielstrebig ansteuert: „Am Ende zählt für uns nur der Titel und dem sollten wir mit dem heutigen Sieg ganz nahe sein. Und letztlich ein ganz großes Kompliment an unser Team, das im entscheidenden Moment, trotz hoher Belastung in Budapest bei den Hungarian Open, wieder geliefert hat.“

Bad Driburgs Manager Franz-Josef Lingens erklärt offen und ohne Umschweife das Fehlen von Britt Eerland: „Wir haben Britt extra freigegeben. Sie ist zuletzt von Termin zu Termin, von Turnier zu Turnier unterwegs gewesen. Sie brauchte mal eine Pause und wir brauchen eine frische Britt für die nächsten Spiele und die Verteidigung des 2.Platzes.“ Zum Spiel selbst bemerkte Lingens: „Im Prinzip das erwartete Ergebnis. Wir haben aber gut mitgespielt und ich war mit den Leistungen meiner Spielerinnen sehr zufrieden.“

Mühevolles Langstädter Remis gegen Böblinger Trio

Spielszene Cheng Hsien-Tzu vs. Qianhong Gotsch.

Im Duell der Tabellennachbarn trennten sich der TSV Langstadt und die SVB Böblingen mit einem leistungsgerechten Remis. Das war deshalb etwas überraschend, als Böblingens Nummer zwei, Yanhua Yang-Xu, aufgrund  ihrer Knieverletzung ihre Spiele abschenkte, sodass drei Matches kampflos an Solja und Co. gingen. Doch im Spiel selbst konnten lediglich Monika Pietkiewicz und Alena Lemmer – jeweils gegen Alexandra Kaufmann –etwas Zählbares für den TSV verbuchen. Bei Böblingen brillierte Qianhong Gotsch, die Cheng Hsien-Tzu und Petrissa Solja keine Chance ließ und auch im Doppel punktete. Im hinteren Paarkreuz gelang der Japanerin Mitsuki Yoshida die volle Ausbeute.

Auch emotional voll auf der Höhe: Qianhong „Hongi“ Gotsch.

205 Fans waren trotz des Faschingssonntags in die Eckehard-Colmar-Halle gekommen – und Spannung wurde ihnen reichlich geboten. Allerdings ohne Happy End für den TSV, der sich gegen drei Böblingerinnen schwer tat. Vielleicht gar nicht so überraschend. Böblingens Taktik mit jeweils einer überragenden Spielerin im vorderen und im hinteren Paarkreuz sowie ein wenig Glück im Doppel-Poker ist voll aufgegangen – wenn Langstadts Top-Fomation Solja/Cheng gegen Gotsch/Yoshida hätte spielen dürfen, worauf man beim TSV gehofft hatte, wäre die Partie womöglich anders gelaufen.

Das 51-jährige Abwehr-Ass Qianhong Gotsch, das seit Jahren Top-Bilanzen in der 1. Bundesliga verbucht, scheint mit jedem weiteren Jahr eher besser als schlechter zu werden – in der Liga schlägt sie serienweise World-Tour-Spielerinnen, sogar solche aus den TOP 20 der Welt, wie eben Petrissa Solja. Ex-Europameisterin Gotsch legte in Langstadt einen beeindruckenden Auftritt hin. Was sie alles an Topspins ihrer Gegnerinnen zurückbrachte, versetzte viele Zuschauer ins Staunen. Die Taiwanerin Cheng Hsien-Tzu blieb völlig chancenlos, während die vor der Partie für ihren Europe-Top16-Sieg geehrte Solja zwar einen Satz gewinnen „durfte“, in den übrigen Durchgängen aber weit vom Ziel entfernt blieb.

Nach der Partie wieder „best friends“, doch im Spiel erhielt Petrissa Solja von Qianhong Gotsch keine Geschenke.

„Ich war, trotz Nachfahrt von Budapest mit dem Wohnmobil, nicht müde und habe mich am Tisch gut gefühlt“, sagte Solja nach dem sehenswerten Match. „Dass ich verloren habe, hat nichts mit den Ungarn Open zu tun, sondern einfach damit, dass „Hongie“ heute superstark war. Das war schon Wahnsinn, was sie alles zurückgebracht hat!“ Nicht ganz so souverän agierte die Japanerin Mitsuki Yoshida, die durch den Aufstellungs-Schachzug der Schwaben im hinteren Paarkreuz aufschlagen konnte, doch auch sie brachte die volle Ausbeute ins Ziel. Ihr knapper Sieg gegen Monika Pietkiewicz in einem echten Fünfsatz-Krimi führte dann letztlich zum Remis, da die 17-jährige Alexandra Kaufmann zwar recht gut mitspielte, jedoch noch keinen Punkt beisteuern konnte und am Ende gegen Alena Lemmer verlor.

Neben Qianhong Gotsch gewann auch Mitsuki Yoshida in Langstadt alles, was zu gewinnen war.

„Dieses 5:5 ist wirklich unerwartet, so ein Ergebnis kommt nur, wenn wirklich alles für uns optimal läuft, angefangen bei den passenden Doppeln“, so die Analyse von SVB-Coach Volker Ziegler. „Hongi hat heute phänomenal verteidigt, die Länge hat gestimmt und die Abwehr war dicht. Petrissa Solja musste da richtig viel arbeiten.“ Auf die Frage, ob er nun voller Freude die Heimreise antrete, antwortete Ziegler: „Natürlich, aber das würde ich auch tun, wenn wir kein Remis geschafft hätten. Diese tolle Mannschaft zu coachen, macht immer Freude.“

Nach der Begegnung gab das Management des TSV Langstadt bekannt, dass die 39-jährige Tanja Krämer, die derzeit noch für den TV Busenbach aufschlägt, und die 18-jährige Franziska Schreiner, die in der vorigen Saison bereits 1. Bundesliga in Busenbach gespielt hat, den Verein kommende Saison verstärken werden. Die Hessen verlassen wird Monika Pietkiewicz, die inzwischen als Verbandstrainerin in Niedersachsen tätig ist. „Diesen tollen Fans, die heute sogar ein Unentschieden wie einen Sieg gefeiert haben, sind wir es einfach schuldig, die Qualität der Mannschaft Schritt für Schritt zu erhöhen“, so TSV-Marketingleiter Rainer Kegelmann.

Einer ihrer letzten Auftritte im TSV-Dress: Monika Pietkiewicz.

1. Bundesliga Damen auf click-TT

Beitragsbild oben: Der ttc berlin eastside ist der Titelverteidigung nach dem klaren Sieg über Bad Driburg schon jetzt ganz nahe.

Text & Fotos (6): Dr. Stephan Roscher

Foto ttc berlin eastside: Verein

Diesen Beitrag teilen: