Berlin und Kolbermoor lösen die Endspiel-Tickets

Von Autor|Mai 3, 2019|bundesliga|0 Kommentare

Wie erwartet kommt es am 17. und 19. Mai zum Traumfinale um die Deutsche Meisterschaft zwischen dem ttc berlin eastside und Titelverteidiger SV DJK Kolbermoor. Die Hauptstädterinnen hatten vor heimischer Kulisse den TSV Langstadt besser im Griff als im Hinspiel am Dienstag und siegten – nicht zuletzt dank einer überragenden Shan Xiaona – mit 6:2. Kolbermoor in Topbesetzung war nicht ernsthaft gefordert gegen ersatzgeschwächte Bad Driburgerinnen, die auf ihre erkrankte Nummer eins Britt Eerland verzichten mussten, und zog durch ein 6:1 locker ins Finale ein.

ttc berlin eastside – TSV Langstadt 6:2

In Berlin hingen die Trauben zu hoch für den TSV Langstadt. Vor 150 Zuschauern in der Großen Spielhalle im Sportkomplex Paul-Heyse-Straße ging es deutlicher zu als beim Hinspiel in Langstadt (6:4), wo die Südhessinnen – gepuscht von den Fans – dem Topfavoriten mehr und länger zusetzten. Diesmal wurde es auch nichts aus der im Hinspiel noch vorhandenen Dominanz des vorderen Langstädter Paarkreuzes, da sich Berlins Spitzenspielerin Shan Xiaona in Galaform präsentierte und sich eindrucksvoll für die Hinspielniederlagen gegen Petrissa Solja und Cheng Hsien-Tzu revanchierte.

So konnten nur Solja (3:1 gegen Georgina Pota) und das Doppel Solja/Cheng (3:1 gegen Shan/Mittelham) für Langstadt punkten, das sich knapp zweieinhalb Stunden gegen den dreimaligen Triple-Sieger wehrte. Einen guten Eindruck hinterließ Monika Pietkiewicz, die diesmal beim TSV anstelle von Janina Kämmerer zum Einsatz kam. Die Polin zwang die schwedische Weltranglisten-28. Matilda Ekholm trotz Trainingsrückstands immerhin in den Entscheidungssatz. Bei eastside wusste neben Shan auch Georgina Pota zu gefallen, die den Hinspielsieg gegen Cheng Hsien-Tzu wiederholen konnte. Doppel-Europameisterin Nina Mittelham war gegen Alena Lemmer kaum gefordert.

Diesmal auch im Doppel erfolgreich: Matilda Ekholm und Georgina Pota.

Der Punktrunden-Gewinner agierte diesmal souverän und steht nun dort, wo er hin wollte und hingehört. Es kommt zum großen Showdown gegen Kolbermoor mit der Gelegenheit, sich für das verlorene Pokalfinale zu revanchieren. Prognosen sind schwierig, es wird beide Male – und vielleicht sogar ein drittes Mal – von der Tagesform abhängen, wer die Nase vorn hat.

Petrissa Solja und Kolleginnen verabschiedeten sich aus einer fantastischen Premierensaison im deutschen Oberhaus, in der man für Furore sorgen konnte, manchen Favoriten an die Wand spielte und erst in der Runde der besten Vier gegen die erfolgreichste deutsche Vereinsmannschaft der letzten Jahre den Kürzeren zog.

Nur Petrissa Solja konnte für Langstadt ein Einzel in Berlin gewinnen.

Hochzufrieden zeigte sich Berlins Manager Andreas Hain. „Wir haben Langstadt dominiert und insbesondere Shan hat deutlich gemacht, dass sie auf dem Weg zurück zur absoluten Weltspitze ist. 6:0 Sätze gegen Solja und Cheng sind einfach stark“, so Hain. „Wir sind in Play-off-Form und natürlich hoch motiviert für die Finals.“

„Berlin war heute klar besser und hatte sich gegenüber dem Dienstag nochmal deutlich gesteigert. Der Sieg war deshalb auch in der Höhe verdient“, so Langstadts Sportlicher Leiter Manfred Kämmerer. „Wir sind aber keineswegs enttäuscht. Die Premierensaison in der Eliteliga ist für den TSV hervorragend gelaufen. Wir sind sehr stolz auf unser Team.“ Auch Cheng Hsien-Tzu, die nicht alle Tage mit 0:6 Sätzen aus der Halle geht, würdigte den Gegner: „Shan war heute viel stärker als am Dienstag. Sie hat nahezu fehlerlos gespielt. Es war sehr schwer, überhaupt Punkte zu machen. Berlin hat eine sehr starke Mannschaft.“

eastside: Shan (2), Pota (1), Mittelham (1), Ekholm (1), Shan/Mittelham, Ekholm/Pota (1).

Langstadt: Solja (1), Cheng, Pietkiewicz, Lemmer, Solja/Cheng (1), Pietkiewicz/Lemmer.

SV DJK Kolbermoor – TuS Bad Driburg 6:1

Da der Gast ohne die an einem Magen-Darm-Infekt erkrankte Spitzenspielerin Britt Eerland, die im Hinspiel immerhin Liu Jia bezwungen hatte, antreten musste, wurde das zweite Match in Kolbermoor zu einer ziemlich leichten Übung für den Meister und Pokalsieger.

„Susi“ und Co. hatten vor knapp 200 Fans das Geschehen jederzeit im Griff. Lediglich die luxemburgische Nationalspielerin Sarah de Nutte, die auf die Spitzenposition gerückt war, konnte Akzente setzen und etwas überraschend Kristin Lang in fünf Sätzen bezwingen.

Nadine Bollmeier coacht Sarah de Nutte, die für Bad Driburgs Ehrenpunkt sorgte.

Bad Driburg bot anstelle von Britt Eerland, die schon in der Nacht nach dem Hinspiel erkrankt und noch nicht wieder einsatzfähig war, die 14-Jährige Alexandra Eirich auf, die normalerweise in der Bezirksklassemannschaft spielt. Das Talent stieg gegen Sabine Winter in die Box und musste gegen die deutsche Nationalspielerin mit wenigen Punkten Vorlieb nehmen. Eirich bot aber an der Seite von Sarah de Nutte eine ansprechende Doppel-Leistung gegen Liu Jia/Katharina Michajlova.

Wie schon am Dienstag, hatte der Favorit erneut einen optimalen Start in den Doppeln und legte ein 2:0 vor. Die auf Position zwei vorgerückte Nadine Bollmeier konnte trotz aller Routine gegen Liu Jia überhaupt nichts ausrichten. In ihrem zweiten Match machte „Susi“ dann mit einem 3:1 über Sarah de Nutte den Sack zu. Zuvor hatte die erfahrene Defensivspielerin Svetlana Ganina der 15-jährigen Sophia Klee keine Chance gelassen.

„Ohne Eerland war Bad Driburg natürlich deutlich geschwächt. Dennoch wollten wir kein Risiko eingehen und sind mit der geplanten Aufstellung in das Spiel gegangen, zumal sich auch unsere Zuschauer und Fans schon speziell auf den Auftritt von Susi im Vorfeld gefreut haben“, gab Kolbermoors Trainer Michael Fuchs zu Protokoll. „Insgesamt war es ein souveräner Auftritt meiner Mannschaft, womit wir uns auch den Einzug ins Finale verdient haben.“

Fuchs blickt nach vorne: „Jetzt gilt unser Fokus der Vorbereitung aufs Finale. Natürlich ist der ttc berlin eastside nochmal ein anderes Kaliber und als Erster der Hauptrunde auch der vermeintliche Favorit. Dennoch wissen wir, dass wir Berlin dieses Jahr auch in voller Aufstellung im Pokal geschlagen haben und wir glauben an unsere Chancen.“ Er ist der Meinung, dass sein Team lockerer aufspielen kann als der ttc eastside: „Die Bundesliga ist Berlins letzte Chance auf einen Titel, das heißt der Druck liegt wohl eher bei ihnen – wir gehen entspannt in das Finale und versuchen unseren Titel zu verteidigen.“

Auf Svetlana Ganina war auch im Play-off-Halbfinale Verlass.

Kolbermoor: Liu (2), Lang, Winter (1), Ganina (1), Liu/Michajlova (1), Lang/Winter (1).

Bad Driburg: de Nutte (1), Bollmeier, Klee, Eirich, de Nutte/Eirich, Bollmeier/Klee.

Text & Fotos (5): Dr. Stephan Roscher

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