Weinheim will Anschluss an die Spitzengruppe herstellen, Dachau strebt ersten Saisonsieg an

Von Stephan Roscher|November 14, 2025|bundesliga

Nach der Freitagspartie in Kolbermoor, wo der ESV Weil seine Visitenkarte abgibt, dürfen sich die Fans der 1. Bundesliga Damen auf zwei interessante Sonntagsspiele freuen. Weinheim empfängt das Team aus Bingen und hofft, Yuan Wan wieder einsetzen zu können. Weil steht in Dachau, das acht Wochen auf seinen zweiten Saisoneinsatz warten musste, vor einer weiteren hohen Hürde, wobei man mit einer Anna Hursey im Team grundsätzlich nirgendwo ganz chancenlos ist.

Sonntag, 14 Uhr: TTC 46 Weinheim – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim

So richtig einschätzen kann man den amtierenden Deutschen Meister nach zwei Partien in dieser Saison noch nicht. Ein Sieg und eine Niederlage stehen zu Buche. Beide Begegnungen sind schwer zu vergleichen. Beim 6:2-Sieg über Weil war Weinheim in starker Besetzung aufgelaufen und der Gegner musste auf seine Topspielerin Anna Hursey verzichten. Beim 1:6 gegen Langstadt war man personell geschwächt, Yuan Wan war verletzt ausgefallen und auch die unumstrittene Nummer eins, Chien Tung-Chuan, hatte nicht zur Verfügung gestanden. An ihrer Stelle kam erstmals die Südkoreanerin Seongjin Kim zum Einsatz, die gute Ansätze zeigte und um ein Haar gegen Langstadts Ass Orawan Paranang gewonnen hätte, jedoch noch ohne Sieg blieb.

Der Kader selbst ist von gewohnt guter Qualität, zudem machte Neuzugang Bao Chau Elisa Nguyen, ganze 16 Jahre alt, bisher einen vielversprechenden Eindruck. Wie stark Seongjin Kim tatsächlich ist, wird sich noch zeigen, die Asiatin könnte sich durchaus als guter Griff für das vordere Paarkreuz erweisen. Nicht zur Verfügung steht die für das hintere Paarkreuz verpflichtete Solomiya Brateyko aufgrund ihrer Schwangerschaft.

Bingen hatte ebenfalls bisher zwei Einsätze – eine klare Niederlage musste quittiert werden und ein ehrenhaftes Remis wurde erkämpft. Im Heimspiel gegen Langstadt setzte es eine unerwartet deutliche 1:6-Niederlage, bei der nur Shi Qi ein Match gewinnen konnte. Vor zwei Wochen gegen Kolbermoor bot sich aber bereits ein anderes Bild, die Fans sahen ein spannendes Match zweier guter, hoch motivierter Teams, bei dem die Rheinhessinnen einen zwischenzeitlichen 2:5-Rückstand in einem furiosen Schlussspurt noch in ein leistungsgerechtes 5:5 ummünzen konnten.

Die südkoreanische Abwehrspielerin Yelin Choi scheint inzwischen gut in Bingen akklimatisiert zu sein, sie besiegte Swastika Ghosh und zwang Annett Kaufmann in den Entscheidungssatz. Das Team der TTG scheint an Qualität gewonnen zu haben und besitzt an guten Tagen gewiss gegen viele Gegner Siegchancen.

Yelin Choi (Foto: Petra Steyer).

Christian Säger hofft, dass Yuan Wan am Sonntag wieder einsatzfähig ist und hält Bingen für einen gefährlichen Gegner: „Unsere Aufstellung wird sich kurzfristig entscheiden. Natürlich hoffen wir alle, dass Yuan wieder fit wird. Ohne sie wird es wie gegen Langstadt sehr schwer werden. Bingen ist sehr kompakt besetzt und daher benötigen wir schon einen guten Tag, um einen Sieg einzufahren.“

Bingens Sportvorstand Joachim Lautebach sagt: „Nach dem hartumkämpften 5:5 vor 14 Tagen gegen Kolbermoor erwartet uns jetzt mit Weinheim der nächste starke Gegner. Ich denke schon, dass Weinheim Favorit ist, wenn sie im Gegensatz zum letzten Spiel wieder in Bestbesetzung spielen. Trotzdem wollen wir uns so gut wie möglich verkaufen. Wir erwarten ein schweres aber spannendes Spiel und hoffen, dass wir uns gut aus der Affäre ziehen.“ Lautebach geht davon aus, dass sein Team noch einen Tick zulegen kann: „Wir haben noch ein bisschen Luft nach oben. Gerade bei Lea Rakovac hoffe ich, dass der Knoten platzt und sie wieder die gewohnte Stärke an den Tisch bringen kann. Dass dies bis jetzt noch nicht so funktioniert hat, liegt auch an den stressigen WTT-Turnieren, bei denen sie teilweise wieder mitspielt. Mit unserer Abwehrspielerin aus Südkorea haben wir einen sehr guten Griff gemacht. Sie hat in den ersten Spielen schon gezeigt, dass sie eine wesentliche Verstärkung für uns ist und im vorderen Paarkreuz gut zurechtkommt. Auch sie kann sich gewiss noch steigern.“

Sonntag, 15 Uhr: TSV Dachau 65 – ESV Weil

Erst ein einziges Mal stand das Team des TSV Dachau in dieser Saison in der Box. Und das ist bereits acht Wochen her. Man scharrt mit den Hufen und will nun endlich wieder loslegen. Übermorgen ist es so weit.

Am 21. September musste man das Auftaktspiel in der Höhle des Löwen, nämlich bei Rekordmeister berlin eastside, bestreiten. Bei der klaren 2:6-Niederlage wurde die südkoreanische Defensivkünstlerin Byun Seoyoung schmerzlich vermisst, sodass nur Sabine Winter, die ihre beiden Einzel gewann, für die Oberbayern punkten konnte. Apropos Winter: Mit ihr verfügt der TSV über eine Weltklassespielerin, die mit ihrem Antiotop-Belag auf der Rückhand inzwischen so stark spielt wie nie zuvor in ihrer Karriere.

Sabine Winter will am Sonntag auch Anna Hursey schlagen (Foto Roscher).

Sollte Byun wieder zur Verfügung stehen, könnte die junge Koharu Itagaki im hinteren Paarkreuz aufschlagen, gemeinsam mit Naomi Pranjkovic. Mit diesem Quartett ist Dachau gegen keinen Ligakonkurrenten chancenlos, ohne Byun wäre das schon ein gutes Stück schwieriger, wobei man auch im Drittliga-Team einige ambitionierte junge Spielerinnen hat, wie etwa die 20-jährige Kroatin Dora Ćosić.

Der Gegner aus dem südbadischen Dreiländereck wird in Bestbesetzung an die Tische gehen. Aktuell steht man mit 0:6 Punkten etwas bescheiden da und sehnt sich nach den ersten Punkten. Zunächst hatte man Unterschiedsspielerin Anna Hursey nicht zur Verfügung und verlor in Weinheim letztlich chancenlos mit 2:6. Es folgten zwei knappe 4:6-Heimniederlagen gegen Berlin und Langstadt, die beiden führenden Teams in der Tabelle. Hursey besiegte sogar Langstadts Thailänderin Orawan Paranang.

Einiges wird gewiss auch vom Auftritt der Weilerinnen am Freitag in Kolbermoor abhängen. Gelingt dort ein Coup, zumindest ein Teilerfolg, wird man gewiss in Dachau selbstbewusster an die Tische gehen, als wenn man mit 0:8 Punkten anreist.

Ievgeniia Sozoniuk, Nummer zwei des ESV Weil (Foto Roscher).

TSV-Trainer Alexander Yahmed äußert sich vor der Begegnung wie folgt: „Das ist jetzt unser erstes Heimspiel und wir sind alle gespannt, welche Form wir zu Tage bringen. Das Highlight wird wahrscheinlich das Spiel von Anna gegen Sabine sein, da Anna sehr gut gegen Sabine spielt, wird es sicher ein knappes Match. Insgesamt wird es wohl auch sehr spannend werden, aber genau das wollen wir unseren Zuschauern bieten, nämlich guten Sport mit viel Nervenkitzel.“

Weils Abteilungsleiterin Doris Spiess beschreibt die aktuelle Situation realistisch: „Wir sind natürlich so langsam im Zugzwang und warten auf die ersten Punkte. Ob das in Bayern gelingt? Wir sind auf jeden Fall optimistisch und bereit, uns so teuer wie möglich zu verkaufen.“ Der Umstand, „dass Anna Hursey in beiden Spielen mit dabei ist“, erhöhe die Chancen auf etwas Zählbares deutlich.

Beitragsbild ganz oben: Weinheims Youngster Bao Chau Elisa Nguyen könnte auch gegen Bingen zum Einsatz kommen (Foto: Armin Schimkat).

Links

Diesen Beitrag teilen: