Weil mit guter Moral, Berlin jedoch zu stark – Langenselbold überzeugt gegen Bingen

Von Stephan Roscher|November 2, 2026|bundesliga

Sehenswerte Partien trotz eindeutiger Ergebnisse

Titelverteidiger ttc berlin eastside ließ beim 6:2 in Weil nichts anbrennen – man könnte erneut von einem Arbeitssieg des Serienmeisters, der in einigen Matches durchaus richtig gefordert war, sprechen. Insgesamt eine kurzweilige, unterhaltsame Partie. Dies gilt auch für die Begegnung in Hessen. Die TG Langenselbold besiegte die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim vor guter Kulisse mit 6:1, wobei die Gäste ihre Chancen auf ein knapperes Ergebnis nicht nutzen konnten.

ESV Weil – ttc berlin eastside 2:6

Am Ende das in etwa erwartete Ergebnis. Beim ESV fehlte – wie im Vorfeld angekündigt – mit Hoi Man Karen Lee die neue Spitzenspielerin aus Hongkong. Kornelija Riliskyte kam nur im Doppel zum Einsatz. Im Einzel debütierte stattdessen das 13-jährige Schweizer Toptalent Enya Hu, das seine Sache nicht schlecht machte, aber mit Sabina Surjan eine zumindest derzeit noch zu hohe Hürde vor der Brust hatte.  

Aber auch Berlin war nicht in Topbesetzung am Start. Ohne Ausnahmespielerin Nina Mittelham, trat man im schlappe 865 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Dreiländereck mit Natalia Bajor, Josi Neumann, Sabina Surjan und Mia Griesel an.

Der Start verlief optimal für die Hauptstädterinnen, die sich beide Doppel sicherten. Neumann/Surjan ließen Riliskyte/Hu keine Chance, Bajor/Griesel büßten gegen Sozoniuk/Pavlovic zwar den ersten Satz ein, hatten danach aber alles im Griff.

Die Heimfans, die durchaus auf ihre Kosten kamen, durften sich im weiteren Verlauf der Begegnung über zwei Weiler Fünfsatz-Erfolge in den Einzeln freuen: Ievgeniia Sozoniuk besiegte Josi Neumann, Lea Lachenmayer gewann gegen Mia Griesel. Packende Matches mit Happyend für das Team aus dem äußersten Südwesten Deutschlands.

Wusste gegen Berlin zu gefallen: Lea Lachenmayer (Foto: Dr. Stephan Roscher).

Mehr war nicht drin, denn besonders Doppel-Europameisterin Natalia Bajor spielte erneut sehr stark und ließ Andrea Pavlovic und Ievgeniia Sozoniuk keine Chance. Sabina Surjan schlug Enya Hu in drei Sätzen und Josi Neumann machte durch ein 3:1 gegen Andrea Pavlovic den Deckel drauf.

Doris Spiess war keineswegs unzufrieden mit ihrem Team. „Wie erwartet, gab es eine Niederlage. Allerdings waren die Spiele deutlich enger, als es das Endergebnis ausdrückt“, betonte Weils Abteilungsleiterin. „Positiv hervorzuheben ist Lea Lachenmayer, die sich gegen Mia Griesel durchsetzte und auch bei Sabina Surjan kurz vor einem Sieg stand, was dann aber nicht mehr in die Wertung kam. Und auch Ievgeniia Sozoniuk konnte endlich ihr Potenzial abrufen. Für unser Nachwuchstalent Enya Hu war es natürlich schwer, gegen eine routinierte Sabina Surjan anzutreten, aber sie hat ihre Sache recht gut gemeistert. Ihre Zeit kommt mit Sicherheit noch. Und Andrea Pavlovic, die auch dieses Mal wieder im vorderen Paarkreuz an den Start gehen musste, hatte zwar gute Moment und tolle Ballwechsel, aber es reichte wieder einmal nicht zum Sieg.“ Fazit und Ausblick: „Es bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft, wenn sie komplett antreten kann, dann auch das nötige Glück auf ihrer Seite hat. Dieses Mal war der ttc berlin eastside einfach einen Tick besser.“

Berlins Manager Andreas Hain kommentierte das Spiel wie folgt: „Das sind immer so unangenehme Spiele, du siehst die gegnerische Mannschaft und weißt, da können wir eigentlich nicht verlieren. Und dann ist schon ein bisschen die Konzentration nicht mehr bei 100 Prozent. Dann verlässt sich jede auf die andere und letztendlich gewinnen wir dann zwar auch. Aber überzeugend ist das alles nicht. So muss man sagen, ein klarer Sieg und alles ist gut.“ 

Die Hauptstädterinnen, die sich mit nun 4:2 Punkten auf Platz drei vorgearbeitet haben, stehen am kommenden Sonntag in Weinheim vor einer kniffligen Aufgabe, während die noch punktlosen Weilerinnen am 21./22. November einen schwierigen Doppelspieltag in Bayern mit den Partien in Dachau und Kolbermoor vor sich haben.

TG Langenselbold – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim 6:1

Der Liganeuling aus dem hessischen Main-Kinzig-Kreis war vor 230 Tischtennisfans gewiss das stärkere Team an diesem Sonntagnachmittag, das Ergebnis hätte aber durchaus knapper ausfallen können, da die Gäste keineswegs schwach spielten, jedoch ihre Chancen nicht nutzen konnten. Dies fing schon in den Doppeln an, die beide eng und umkämpft waren, und setzte sich in den meisten Einzeln fort.

Beste Spielerin der TTG war überraschend die 20-jährige Weißrussin Ulyana Miashchanskaya, die ihrem Team in vier Sätzen den Ehrenpunkt gegen Lorena Morsch sicherte und besonders mit ihrer bärenstarken Rückhand glänzte. Ein neues Gesicht in der Liga und eine vielversprechende Entdeckung.

Kam, sah und siegte: Ulyana Miashchanskaya (Foto: Dr. Stephan Roscher).

Für den Gastgeber punkteten – neben den umgestellten Doppeln Klee/Morsch und Mukherjee/Roggenhofer – die Inderin Ayhika Mukherjee (3:0 gegen Liza Wang, 3:1 gegen Elena Kuzmina) sowie Sophia Klee (3:1 gegen Kuzmina) und Sonja Roggenhofer (3:2 gegen Karolina Mynarova). Für Spielertrainerin Roggenhofer, die einmal mehr eine tolle kämpferische Moral zeigte, war es sowohl der erste Einzelsieg als auch der erste Doppelerfolg im fünften Anlauf.

„Ein klasse Spiel von uns und ein tolles Ergebnis“, freute sich der Langenselbolder Vorstandsvorsitzende Matthias Leißner. „Das war schon ein sehr wichtiger Sieg für uns. Ganz besonders gefreut hat mich, dass sich Sonja Roggenhofer heute erstmals belohnen konnte und ihr Einzel und das Doppel gewonnen hat. Somit hat sich das viele Training, dass sie trotz ihres Berufs durchgezogen hat, auf jeden Fall gelohnt.“ Sonja Roggenhofer selbst, die als Einzige kein Tischtennisprofi, sondern „im richtigen Leben“ Schulrektorin ist, brachte es auf einen ganz kurzen Nenner: „Ich bin sprachlos und glücklich zugleich!“. Was Matthias Leißner ebenfalls freut ist, wie gut die Zuschauer das neue „Produkt“ Bundesliga-Tischtennis in Langenselbold annehmen – circa 800 Fans haben die bisherigen drei Heimspiele besucht: „Das ist einfach super und übertrifft unsere kühnsten Erwartungen.“ Über das ganze Gesicht strahlte auch Ayhika Mukherjee: „Heute bin ich sehr zufrieden, es lief viel besser bei mir als beim ersten Spiel vor einer Woche. Im Gegensatz zu diesem Spiel war ich heute überhaupt nicht mehr nervös. Und die Stimmung in der Halle war wieder top – ich liebe es, wenn die Menschen mich und das Team so anfeuern.“

Ebenso erfreulich aus Sicht der Hessen: Matilda Hansson, die aufgrund einer Rückenverletzung noch kein Spiel bestreiten konnte, war erstmals in der Halle, lief auch mit der Mannschaft ein, saß auf der Bank und coachte ihre künftigen Teamkolleginnen sogar schon ein bisschen. Ein Einsatz wäre aber – trotz zweier guter Trainingseinheiten in Langenselbold am Freitag und Samstag – noch zu früh gekommen, zumindest aber zu riskant gewesen. Die 23-jährige Schwedin sagte nach der Partie: „O ja, das hat Spaß gemacht hier in Langenselbold, ein tolles Spiel und ein super Publikum! Das hat richtig gekribbelt, da hätte ich am liebsten auch am Tisch gestanden. Ich hoffe, dass ich sehr bald für dieses sympathische Team spielen kann.“

„Leider konnten wir unsere Chancen heute nicht nutzen“, so Bingens Sportvorstand Joachim Lautebach. „Und wir hatten zahlreiche Chancen auf ein deutlich besseres Ergebnis, das fing schon in den Doppeln an und setzte sich bei Elena Kuzmina fort, die, besonders im Spiel gegen Sophia Klee, zahlreiche Führungen nicht durchbringen konnte.“ Positiv vermerkte Lautebach die Leistung der Nummer vier, die fast wie eine Nummer eins aufspielte: „Was Ulyana heute gezeigt hat, hat mich beeindruckt. Wir hatten zwar beim Training schon einen guten Eindruck von ihr, doch muss man natürlich immer erst mal den Wettkampf abwarten. Aber das war stark heute, besonders wenn man bedenkt, dass sie nur circa 2.000 Q-TTR-Punkte hat. Ich denke, wir werden an ihr noch viel Freude haben.“ Und man hat ja erst zwei Partien gespielt, also kein Grund für die Rheinhessinnen, die Flinte ins Korn zu werfen, die das große Pech hatten, dass der chinesische Verband kurz vor Toreschluss den beiden für die Spitzenposition verpflichteten Spielerinnen den Wechsel nicht gestattete: „Wir wollen alles versuchen, dass der Abstand auf das rettende Ufer in der Vorrunde nicht zu groß wird. In der Rückrunde werden wir vermutlich stärker aufgestellt sein, wir sind derzeit in guten Gesprächen diesbezüglich, und wollen dann den Klassenerhalt noch irgendwie schaffen.“

Weiter geht es für die TTG am 14.11. mit dem attraktiven Heimspiel gegen den ttc berlin eastside. Tags darauf folgt – ebenfalls vor heimischer Kulisse – die Partie gegen Vizemeister TSV Dachau. Sportlich schwieriger geht es nicht, doch zu verlieren hat man an jenem Wochenende nichts und kann locker aufspielen. Eine Woche länger Pause haben die Langenselbolderinnen, die bereits fünf Partien absolviert haben – so viele wie keine andere Mannschaft. Mit den bisher erzielten 4:6 Punkten ist man absolut zufrieden und hofft darauf, vielleicht auch am 22. November in Fürstenfeldbruck etwas Zählbares mitzunehmen. Mathias Leißner: „Natürlich hat auch Fürstenfeldbruck eine gute Mannschaft, wir fahren aber nicht nach Bayern, um zu verlieren.“

Beitragsbild oben: Langenselbold macht die Welle mit den Fans, v.l. Ayhika Mukherjee, Matilda Hansson, Sophia Klee, Lorena Morsch, Sonja Roggenhofer (Foto: Dr. Stephan Roscher).

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