Vorrundenausklang mit zwei prickelnden Duellen der Tabellennachbarn

Von Autor|Dezember 14, 2018|bundesliga|0 Kommentare

Am Wochenende stehen zum Jahresabschluss in der 1. Bundesliga Damen noch zwei mit Spannung erwartete Duelle zwischen Tabellennachbarn an. Die Partien Busenbach vs. Langstadt und Bad Driburg vs. Bingen schließen zudem eine interessante Vorrunde ab. In Waldbronn geht es darum, ob der TV Busenbach aussichtsreich im Rennen um die Play-offs bleibt oder ob Langstadt einstweilen davonzieht. Auch in Bad Driburg geht es um die Play-offs. Dort möchte die junge Truppe aus Bingen/Münster-Sarmsheim ihren zweiten Platz verteidigen.

 

Jessica Göbel will mit dem TV Busenbach gegen Langstadt punkten, „egal wie“.

TV Busenbach – TSV Langstadt (Sa., 18.30 Uhr)

Das Duell der Tabellennachbarn zwischen Busenbach und Langstadt ist keine simple Bundesliga-Partie, sie ist richtungsweisend in Hinblick auf die Frage, wer sich für die Play-offs nach Abschluss der Punktrunde qualifizieren kann.

Böblingen ist mit 1:13 Punkten schon ziemlich abgeschlagen und kann sich nur minimale Chance ausrechnen, mit einer furiosen Rückrunde noch Rang sechs zu erreichen, der zu den Play-offs berechtigt. Mindestens vier, nach dem Wochenende vielleicht fünf oder sechs Punkte Rückstand in sieben Spielen wettzumachen, ist schon ein schwieriges Unterfangen, selbst wenn man die beste Spielerin der Liga in seinen Reihen hat.

Anders dagegen der TV Busenbach. Die Badener schicken eine gute Mannschaft in den Ring mit einer gesunden Mischung aus Erfahrung und jugendlicher Power. Bisher hat man sich ein wenig unter Wert verkauft und kann deshalb erst drei Punkte vorweisen. Nun, die Hessen haben deren fünf und könnten bei einem Sieg den Abstand auf relativ komfortable vier Zähler ausbauen – auf Böblingen wären es dann fast uneinholbare sechs Punkte Abstand. Doch am Samstag beim Deutschen Meister von 2005 zu gewinnen, dürfte nicht einfach werden.

Busenbach gilt als heimstark und verfügt mit Tanja Krämer und Jessica Göbel, die auch ein gutes gemeinsames Doppel bilden, über zwei routinierte deutsche Ex-Nationalspielerinnen im oberen Paarkreuz. Diese führen die drei Youngster in die Schlacht, nämlich die 19-jährige Belgierin Lisa Lung sowie die beiden erst 16 Jahre alten deutschen Toptalente Anastasia Bondareva und Franziska Schreiner. Besonders Lung (5:3) und Bondareva (4:4) konnten bisher überzeugen.

Der TSV hält sich in Sachen Aufstellung wie immer bedeckt, dennoch ist damit zu rechnen, dass er nicht in der Formation auflaufen wird, die gegen die Toptruppe aus Berlin unlängst zu gefallen wusste. Man darf vermuten, dass mindestens eine der beiden Starspielerinnen auflaufen wird, vielleicht sogar beide. Die Rede ist natürlich von Petrissa Solja, mit Platz 28 der Weltrangliste inzwischen wieder Deutschlands bestplatzierte Spielerin, und Cheng Hsien-Tzu – beide derzeit mit 6:2-Bilanzen im Spitzenpaarkreuz notiert.

Langstadt könnte die erste Halbserie in Europas Topliga mit ausgeglichenem Konto abschließen und punktgleich mit Titelverteidiger Kolbermoor und Anröchte in die Festtagspause gehen, was eine grandiose Halbzeitbilanz für den Aufsteiger wäre. Noch aber warten die Unentschieden-Königinnen des Oberhauses – drei von sechs Partien des TSV endeten mit einer Punkteteilung – auf den zweiten Saisonsieg. Bisher konnte man lediglich Böblingen schlagen.

In Busenbach weiß man sehr genau, wie wichtig die Partie für den weiteren Saisonverlauf ist. Verlieren verboten – so lautet die Devise. „Wir wollen am Wochenende punkten, egal wie“, so Jessica Göbel. „Wir wissen, dass wir dafür wieder auf allen Positionen hellwach sein müssen, können aber auch gerade vor heimischem Publikum immer ein paar Prozent mehr rauskitzeln.“ Die Mannschaftsführerin des TVB hofft, dass die jungen Talente wieder topfit sind: „Spannend wird auch sein, wie gut unsere Youngster die Reisestrapazen der letzten Tage weggesteckt haben, denn sie sind erst zu Beginn der Woche von der Jugend-WM aus Australien zurückgekommen.“

„Mit einem Sieg könnten wir uns sogar auf Rang vier vorschieben“, so TSV-Trainer Thomas Hauke. „In dieser Klasse ist dieses Jahr aber offensichtlich sehr viel möglich, in alle Richtungen.“ Team-Manager Manfred Kämmerer ergänzt: „Unsere Mädels haben sich gegen Berlin sehr gut aus der Affäre gezogen. Es gibt also gute Gründe, mit viel Selbstbewusstsein nach Busenbach zu fahren. Es wäre schön, unsere erste Bundesliga-Halbserie mit einem positiven Ergebnis abzuschließen.“

Noch unklar ist, ob Petrissa Solja am Samstag in Waldbronn zum Einsatz kommt.

 

TuS Bad Driburg – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim (So., 14 Uhr)

Nicht minder spannend könnte es tags darauf bei der letzten Vorrundenpartie zugehen. Zwei Teams treffen aufeinander, die bisher die Erwartungen sogar übererfüllt haben. Momentan finden wir die neuformierte, radikal verjüngte Bingener Mannschaft mit 9:3 Punkten auf dem zweiten Tabellenplatz, nur einen Zähler hinter Spitzenreiter Berlin. Und der TuS Bad Driburg hält als Dritter mit 8:4 Zählern ebenfalls Anschluss nach ganz oben. Beide stehen vor Titelverteidiger Kolbermoor – und das wird auch zumindest im alten Jahr so bleiben.

Natürlich brauchen beide Teams noch Punkte für die Play-offs, doch dass eines davon an dieser Hürde scheitern könnte, ist derzeit wenig wahrscheinlich. Eher geht es darum, sich die direkte Halbfinal-Teilnahme zu sichern, wozu Platz eins oder zwei nach Abschluss der Punktrunde erforderlich wären. Aber so weit denkt man derzeit in beiden Lagern noch nicht und möchte zunächst einmal das alte Jahr mit einem Erfolgserlebnis, zumindest aber nicht mit einer Niederlage beenden. Zuletzt konnten beide Erfolge verbuchen. Bad Driburg siegte vor drei Wochen überraschend in Kolbermoor mit 6:4, während sich die Rheinhessinnen eine Woche später mit demselben Ergebnis gegen Anröchte behaupteten.

„Der TuS Bad Drìburg freut sich sehr auf das Spiel gegen Bingen“, versichert Manager Franz-Josef Lingens. „Ein schönes neues Erlebnis für uns: Spitzenspiel Dritter gegen den Zweiten. Zusätzlich wird die Vize-Herbstmeisterschaft ausgespielt. Natürlich wollen wir versuchen, diese Chance zu nutzen. Bingen ist aber mit seiner jungen Mannschaft ein schwerer Gegner, der schon viele gute Spiele abgeliefert hat.“ Lingens ergänzt: „Beide Vereine sind wohl mit dem bisherigen Verlauf der Saison zufrieden und der 2. Platz wäre das i-Tüpfelchen. Ich erwarte vor hoffentlich vielen Zuschauern ein spannendes Spiel, sehe aber keinen Favoriten.“ Das „Vorprogramm“ spielt sich nicht nur in der Tischtennishalle ab: „Unser Team wird komplett schon am Samstag anreisen, um gemeinsam zu trainieren und vorher bei unserem Sponsor und Großbäcker Goeken Plätzchen zu backen, die dann sonntags an alle Zuschauer verteilt werden.“

„Das wird ein schweres Spiel. Ich sehe es als eine Art Zubrot für uns an nach den bisher so tollen Leistungen unserer jungen Mannschaft und den 9:3 Punkten“, sagt Bingens Vorsitzender Joachim Lautebach. „Wir haben bis jetzt wirklich gut gespielt, aber Bad Driburg ist ja auch nicht schlecht. Sie haben ein starkes vorderes Paarkreuz, besonders Britt Eerland, die ja auch schon für uns gespielt hat, konnte bisher überzeugen und kann sehr gute Ergebnisse vorweisen. Und hinten haben sie mit Nadine Bollmeier eine sehr routinierte Spielerin, die uns auch alles abverlangen wird.“ Lautebach zufolge muss es nicht um jeden Preis ein Sieg sein: „Mit einem Punkt wären wir sehr zufrieden. Ich sehe Bad Driburg wegen des Heimvorteils als leicht favorisiert an. Ob es der zweite oder dritte Platz nach der Vorrunde wird, ist nicht so entscheidend, auch wenn wir unsere derzeitige Position gerne halten würden. Wichtig ist, dass wir auf Play-off-Kurs bleiben, und dafür haben wir in den letzten Wochen einen Grundstein gelegt.“

Chantal Mantz präsentierte sich zuletzt gegen Anröchte in bestechender Form.

 

Beitragsbild oben: Nicht zuletzt vor Britt Eerland zeigt man in Bingen Respekt.

Text & Fotos: Dr. Stephan Roscher

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