Pokal-Qualifikationsturnier: Favoritensiege bei gutem Niveau

Von at|September 3, 2018|Pokal|0 Kommentare

Insgesamt 250 Tischtennisfans erlebten in der Sporthalle der Seligenstädter Merianschule ein tolles Pokal-Qualifikationsturnier mit zwölf hoch motivierten Mannschaften. Wer allerdings auf Favoritenstürze spekuliert hatte, wurde diesmal enttäuscht. Zu gut vorbereitet präsentierten sich die Spitzenteams, die vom ersten Ballwechsel an keinen Zweifel aufkommen ließen, dass sie unbedingt beim Final Four im Januar in Berlin dabei sein wollten. Überdies hatten sie – wie die anderen Klubs auch – ganz überwiegend ihre Topspielerinnen aufgeboten, so dass es vor Tischtennis-Prominenz in der Halle nur so wimmelte.

Andreas Hain, auch Vorsitzender des Turnier-Ausrichters TTC Seligenstadt, war rundum zufrieden: „Eine gelungene Veranstaltung mit gutem Zuschauerzuspruch, vielen Topspielerinnen und zahlreichen hochklassigen Spielen.“

So verwundert es nicht, dass sich der dreimalige Triple-Sieger ttc berlin eastside, der amtierende Deutsche Meister SV DJK Kolbermoor sowie der auch in neuer Besetzung überzeugende Meisterschaftsfinalist der Vorsaison, TTG Bingen/Münster-Sarmsheim, ihre Final-Four-Tickets souverän sichern konnten. Richtig spannend wurde es nur in Gruppe B, wo sich der letztjährige Pokalfinalist TuS Bad Driburg erst nach einem 195-Minuten-Krimi gegen den SV Böblingen durchsetzen konnte.

In Gruppe A dominierte die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim, die Zweitliga-Vizemeister TSV Schwabhausen (3:1) und im „Gruppenfinale“ den Bundesliga-Konkurrenten TTK Anröchte glatt mit 3:0 bezwingen konnte. Einzig Neuzugang Georgia Piccolin musste ein Match abgeben – die Italienerin unterlag der Kroatin Meteja Jeger. Schwabhausen, bei dem gegen Anröchte (1:3) Defensivspielerin Alina Nikitchanka mit einem 3:0-Sieg gegen Marta Golota glänzte, wurde trotz der beiden Niederlagen von den mitgereisten Fans gefeiert.

„Ich war optimistisch, dass unser neuformiertes Team gut harmonieren würde“, sagte Yuan Wan. „Und das hat sich heute ja auch mit dieser guten Leistung aller Spielerinnen bestätigt. Wir sind alle junge Spielerinnen und ziehen an einem Strang. Wir wollen uns kontinuierlich verbessern und mit der Mannschaft etwas erreichen.“ Beim Final Four will man sich teuer verkaufen. „Natürlich werden wir in Berlin Außenseiter sein, ich glaube aber, dass wir bei günstiger Auslosung durchaus das Finale erreichen können“, ist die 21-jährige DTTB-Nationalspielerin überzeugt,

In Gruppe B bezwangen der TuS Bad Driburg und der SV Böblingen den Zweitligisten TTK Großburgwedel, für den Polina Trifonova beide Male erfolgreich war, jeweils mit 3:1. Somit kam es zum packenden Endspiel der beiden Bundesliga-Klub, bei dem die Bad Driburgerinnen das bessere Ende für sich hatten, obwohl nach Rosalia Stährs 3:2 über Nadine Bollmaier die Württembergerinnen die besseren Karten zu haben schienen. Sarah de Nutte sorgte für die Wende mit einem unerwarteten 3:0 (11:8, 11:9, 12:10) über Böblingens Defensiv-Ikone Qianhong Gotsch. Neuzugang Britt Eerland machte mit einem 3:1 gegen Yanhua Yang-Xu den Sack zu.

„Ich bin sehr froh, dass wir das geschafft haben“, sagte TuS-Manager Franz-Josef Lingens nach der aufwühlenden Partie. „Es war ein 50:50-Spiel und wir haben alles gegeben. Unser Bigpoint war der tolle Sieg von Sarah gegen Gotsch. Mit unserer neuen Spielerin Britt Eerland sind wir auch sehr zufrieden. Beim Final Four rechnen wir uns wieder Chancen auf das Finale aus, wenn wir kein Pech mit der Auslosung haben.“ „Schade, dass wir es nicht geschafft haben, aber so ist Tischtennis“, meinte Qianhong Gotsch. „Deswegen sind wir jetzt auch nicht traurig, da wir alles versucht haben.“ Zu ihrem zweiten Match sagte die fast 50-jährige Defensivstrategin: „Sarah hat gegen mich sehr stark gespielt, ich konnte meine Höchstleistung leider nicht abrufen und habe nicht in meinen Rhythmus gefunden. Aber diese Niederlage motiviert mich, das nächste Mal noch besser zu spielen und noch etwas draufzupacken.“

Gruppe C stand im Fokus besonders vieler Fans, da Aufsteiger und „Lokalmatador“ TSV Langstadt, der Petrissa Solja aufgeboten hatte, dort das Unmögliche möglich machen und den Pokal-Coup vom Vorjahr wiederholen wollte. Um das zu vermeiden, was der Deutsche Meister SV DJK Kolbermoor in absoluter Topbesetzung, also mit Liu Jia, Sabine Winter und Kristin Lang angereist. Gegen den durchaus überzeugenden Zweitligisten ESV Weil, bei dem besonders Vivien Scholz überzeugte, die Lang über die volle Distanz zwang, siegte der Favorit standesgemäß mit 3:0. Langstadt tat sich etwas schwerer, hier musste nämlich Alena Lemmer Scholz zum Sieg gratulieren. Dennoch geriet das 3:1 der Südhessinnen aufgrund des überzeugenden Petrissa-Solja-Debüts nie in Gefahr.

So kam es zum „Gruppen-Finale“ gegen den Deutschen Meister. Der Traum von einer Pokalsensation währte nur kurz. Jeder wusste, dass Petrissa Solja dazu im ersten Match ihre Nationalmannschaftskollegin und Lieblings-Doppelpartnerin Sabine Winter schlagen musste. Und das missglückte – allerdings in einem tollen Spiel, das die Zuschauer immer wieder zu Ovationen veranlasste. Das Glück war nicht auf der Seite der Linkshänderin, die ihre Siegchancen nicht nutzen konnte und mit 7:11, 11:4, 12:10, 11:13 und 8:11 unterlag. Danach blieben Alena Lemmer (0:3 gegen Liu Jia) und Monika Pietkiewicz (0:3 gegen Kristin Lang) chancenlos. Doch die Langstädter Fans feierten ihr Team, als wäre es gerade Pokalsieger geworden.

„Ich denke, dass mein Debüt für den TSV ganz in Ordnung war, auch wenn ich gerne gegen Sabine gewonnen hätte“, so Petrissa Solja. „Wir wussten, dass wir gegen Kolbermoor Außenseiter waren, doch wir hatten uns vorgenommen, alles zu versuchen. Es war einfach spitze, wie uns die Fans angefeuert haben. Selbst nach meiner Niederlage haben sie mich noch gefeiert. Ich freue mich total auf mein erstes Bundesliga-Heimspiel in Langstadt.“ „Wir sind voll konzentriert in unsere Spiele gegangen und haben nicht damit gerechnet, dass es hier ein Selbstläufer wird“, sagte eine rundum zufriedene Sabine Winter. „Wir wussten, dass Langstadt eine starke Mannschaft hat. Es war sehr wichtig für uns, dass ich zu Beginn gegen Petrissa gewinnen konnte. Ich denke, das war ein tolles Match von beiden, das auch Peti mit etwas mehr Glück hätte gewinnen können. Man hat auch gespürt, dass dieses Spiel den Zuschauern viel Freude gemacht hat.“ Für Berlin hat man sich ein klares Ziel gesetzt: „Wir wollen Pokalsieger werden!“

In Gruppe D schließlich war das von den anderen Klubs propagierte Motto „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ insofern obsolet, als die souveränen Gewinner ohnehin bereits dort sind. Der ttc berlin eastside verbuchte zwei lockere 3:0-Siege und 18:1 Sätze. Mit Matilda Ekholm und Nina Mittelham waren zwei Neuzugänge im Einsatz, die sich auf Anhieb gut akklimatisiert zeigten. Anerkennung verdient die extrem junge Truppe des Zweitliga-Aufsteigers TTC G.-W. Staffel, die sich tapfer schlug und gegen den TV Busenbach sogar ein Match gewann – das 18-jährige HTTV-Talent Lea Grohman konnte überraschend die ehemalige Deutsche Meisterin Tanja Krämer bezwingen.

„Ich war vorher schon ein kleines bisschen nervös, weil ich in meinem ersten Spiel für den ttc berlin eastside natürlich eine gute Leistung bringen wollte“, sagte die Weltranglisten-29. Matilda Ekholm nach ihrer gelungenen Debüt-Vorstellung. „Aber beim Spielen hat sich die Nervosität schnell gelegt. Ich bin zufrieden und denke, wir haben das als Team heute richtig gut gemacht. 18:1 Sätze – besser geht es kaum.“ Das sah auch eastside-Manager Andreas Hain so. „Ein rundum überzeugender Auftritt unserer Mannschaft. Wir unterschätzen keinen Gegner und freuen uns immer, wenn es uns gelingt so deutlich zu gewinnen.“ Natürlich will man sich diese Saison erneut den Pokal schnappen. Hain: „Wir wissen aber, dass wir beim Final Four hochkonzentriert sein müssen, weil jede der qualifizierten Mannschaften gut ist und uns gefährlich werden kann, wenn wir nicht aufpassen. Kolbermoor ist in der Aufstellung, in der sie hier gespielt haben, natürlich besonders stark.“

 

Text & Fotos: Dr. Stephan Roscher

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