POKAL FINAL FOUR: Berlin Favorit, Kolbermoor lauert auf seine Chance

Von Autor|Januar 3, 2020|Pokal|0 Kommentare

Alle wollen nur das eine – na ja, eigentlich sind es nur zwei, die klipp und klar erklären, Pokalsieger 2019/20 werden zu wollen. Die anderen beiden „Bewerber“ möchten eigentlich nur einen guten Eindruck hinterlassen, wohl wissend, dass Berlin und Kolbermoor nochmal eine Klasse für sich darstellen. Allerdings wurde der Modus in einem Punkt geändert, der durchaus auch einem der Außenseiter in die Karten spielen könnte.

Am späten Sonntagnachmittag wissen wir, wer die Deutsche Pokalmeisterschaft der Damen gewonnen hat. In der Pforzheimer Bertha-Benz-Halle (Kiehnlestrasse 25, 75172 Pforzheim) steigt nämlich am 5. Januar das erste große nationale Event des neuen Jahres – und gleich geht es um einen bedeutsamen Titel. Veranstaltet wird das mit Spannung erwartete Topturnier vom Deutschen Tischtennis-Bund, Durchführer ist der TTC Stein.

Am Start sind Titelverteidiger SV DJK Kolbermoor, der amtierende Deutsche Meister ttc berlin eastside, der derzeitige Bundesliga-Sechste TSV Langstadt sowie als absoluter Außenseiter und „Platzhirsch“ der TV Busenbach, der in der Liga um den Klassenerhalt kämpft. Alle vier haben am 15. September 2019 beim Qualifikationsturnier in Berlin ihre Vorrundengruppen gewonnen – Busenbach konnte dabei mit Bingen und Anröchte sogar zwei Ligarivalen ausschalten.

Das erfolgreiche Busenbacher Team nach geschaffter Qualifikation für das Final Four (v.l. Tanja Krämer, Jessica Göbel, Lea Grohmann).

Geänderter Modus, Auslosung erst am Vorabend

Zunächst zur Änderung des Spielmodus: Im Gegensatz zu den bisherigen Final-Four-Turnieren wird ab Pforzheim das TTBL-System Anwendung finden, das heißt, dass bei einem Spielstand von 2:2 ein Doppel die Entscheidung herbeiführen muss. Die Nummer eins darf im Doppel nicht aufgestellt werden, sodass es neue taktische Varianten und Überlegungen geben wird. Das Turnier könnte somit interessanter und für die „Großen“ einen Tick weniger kalkulierbar werden.

Die Spannung im Vorfeld bleibt ohnehin recht lange erhalten, da die Auslosung der Halbfinal-Partien diesmal erst am Samstagabend vor Ort stattfinden wird. Alle Teams werden in einem Lostopf sein, sodass jede denkbare Paarung möglich ist.

SV DJK Kolbermoor: Der Titelverteidiger will die Chance beim Schopf packen

„Unser Ziel bleibt natürlich ein Titel“, lässt Kolbermoors Trainer Michael Fuchs keinen Zweifel aufkommen. Der Pokalverteidiger will – wie in der Vorsaison – auch 2019/20 einmal ganz oben auf dem Treppchen stehen. Und in Pforzheim soll es gelingen.

Zwar äußert sich der ambitionierte Klub aus Oberbayern, in der Liga derzeit bloß die Nummer drei, nicht konkret zu der Frage, ob „Wunderwaffe“ Liu Jia zum Einsatz kommen wird, doch darf man getrost davon ausgehen. Ein Einsatz von Ex-Europameisterin „Susi“, die auch mit ihren 37 Jahren noch exzellentes Tischtennis spielt, würde die Chancen jedenfalls signifikant erhöhen. Aus Kolbermoor selbst erfährt man zur Aufstellung lediglich: „Wir werden mit fünf Spielerinnen vor Ort sein, wer in den Partien spielen wird, wird je nach Auslosung und Aufstellung der Gegner vor Ort entschieden“ (Michael Fuchs).

Liu Jia soll auch in Pforzheim den Unterschied machen – so jedenfalls hofft man beim amtierenden Pokalsieger.

Natürlich hat der letztjährige Cupgewinner nicht nur eine Liu Jia anzubieten, sondern mit Leistungsträgerinnen wie Kristin Lang und Lily Zhang sowie den Defensivspezialistinnen Ding Yaping und Svetlana Ganina auch weitere Spielerinnen im Kader, die man erst einmal schlagen muss – und dies gilt auch für Berlin.

ttc berlin eastside: Favorisierte Topstars aus der Hauptstadt vor dennoch hoher Hürde

Der ttc berlin eastside will nach 2014, 2015, 2016, 2017 und 2018 den sechsten nationalen Pokalsieg der Vereinsgeschichte, so dass das Jahr 2019, als Dauerrivale Kolbermoor die Trophäe jubelnd gen Himmel recken konnte – und das auch noch in der Hauptstadt – als einmaliger Ausrutscher betrachtet werden kann.

Shan Xiaona, Nina Mittelham, Yu Fu, Georgina Pota, Matilda Ekholm zählen zur internationalen Crème de la Crème und gehen als Favoritinnen ins Turnier – und müssen dennoch auf der Hut sein. Gerade Kolbermoor, zumal wenn Liu Jia zum Einsatz kommt, muss man erst einmal schlagen. Auch wenn man bereits eindeutig auf Meisterschaftskurs ist und auch in Europas Königsklasse gute Chancen auf den ganz großen Wurf besitzt, könnte das Cup-Turnier für die Schützlinge von Trainerin Irina Palina eine harte Nuss werden.

Shan Xiaona hat mit dem ttc eastside nur ein Ziel vor Augen: Den Pokalsieg.

„Wir werden alles versuchen, den Pokal zurück nach Berlin zu holen, allerdings wird das keine leichte Aufgabe“, sagt eastside-Präsident Alexander Teichmann. „Es ist ein top besetztes Pokalturnier. Durch die Dreier-Mannschaft und gegebenenfalls das Doppel am Ende sind alle Teams sehr gefährlich und schwer ausrechenbar. Jede Mannschaft hat mindestens eine Spielerin, die zwei Punkte machen kann. Wir werden mit der bestmöglichen Mannschaft anreisen, unser Bestes geben und hoffen, dass es am Ende für den Sieg reicht.“

TSV Langstadt: Mit Solja und Meshref die „Großen“ ärgern

Zum zweiten Mal nach 2018 – damals noch als erster Zweitligist der Tischtennisgeschichte – hat sich der südhessische Bundesligist TSV Langstadt für das Final Four qualifiziert. Man will sehen, was möglich ist, auch wenn die Favoriten eindeutig Berlin und Kolbermoor heißen.

„Es ist sicher wieder ein tolles Erlebnis, bei solch einem prestigeträchtigen Event dabei zu sein“, blickt TSV-Coach Thomas Hauke freudig dem Wochenende entgegen. „Natürlich sind Berlin und Kolbermoor die beiden großen Favoriten beim Finale, doch wir wollen uns gut präsentieren und vielleicht können wir ja einen der beiden Großen ein bisschen ärgern“, fügt der Sportliche Leiter Manfred Kämmerer hinzu. „Egal gegen wen wir kommen, solche Events machen immer Spaß. Das war vor zwei Jahren in Hannover auch schon eine tolle Sache“, erinnert sich Janina Kämmerer, die auch diesmal zum Team gehören wird.

Starke Nummer eins des TSV Langstadt: Petrissa Solja, aktuelle Nummer 20 der Weltrangliste.

Im Gegensatz zu den Ligaspielen gibt Langstadt auf Nachfrage den kompletten Pokal-Kader preis. „Da es ja ohnehin jeder am Samstag beim gemeinsamen Training sieht, können wir verraten, dass neben Janina auch Petrissa Solja, Dina Meshref und Alena Lemmer nach Pforzheim reisen werden“, so Manfred Kämmerer. Da sich bereits Langstädter Fans zu dem Event angekündigt haben, rechnet das Vereinsmanagement mit lautstarker Unterstützung von den Rängen.

TV Busenbach: Klarer Außenseiter aber Local Hero

Der TV Busenbach hat andere Sorgen, als von einem zumindest ja theoretisch möglichen Pokalsieg zu träumen. Man kämpft in der ausgeglichen besetzen Liga um den Klassenerhalt und benötigt eine gute Rückrunde, um dieses Ziel zu erreichen. Man hat diesmal lediglich vier Spielerinnen zur Verfügung, sodass sich keine verletzen darf, wenn man am Ende erfolgreich sein will.

Dennoch ist auch der TVB gerade im nur 20 Kilometer vom heimischen Waldbronn entfernten Pforzheim nicht zu unterschätzen. Ihm werden sicher die Sympathien der meisten Fans aus der Region gehören. Und mit Jesica Göbel und der ehemaligen Deutschen Einzelmeisterin Tanja Krämer hat man zwei erfahrene Ex-Nationalspielerinnen im Team, die alles schon erlebt haben und sicher ohne Nervosität am Tisch agieren werden. Allerdings können sie ihr bewährtes gemeinsames Doppel nur dann spielen, wenn aus taktischen Gründen eine andere Spielerin, etwa Lisa Lung, an Position eins aufgestellt würde.

Jessica Göbel will mit ihrem Team in Pforzheim einen guten Eindruck hinterlassen.

„Wir sind in allen Partien klarer Außenseiter“, glaubt jedenfalls Busenbachs Mannschaftsführerin Jessica Göbel. „Unser Ziel war das Erreichen des Final Four im nahezu heimischen Pforzheim. Jetzt kommt lediglich die Kür.“

Zeitplan: Am Sonntag ab 11 Uhr wird es ernst

Noch etwas zum Zeitplan: Am Samstag ab 17 Uhr werden die vier Teams erstmals in der Bertha-Benz-Halle trainieren, ab 19.45 Uhr findet dort auch das gemeinsame Abendessen statt. Zudem werden die Halbfinal-Begegnungen ausgelost. Am Sonntag ist es dann endgültig vorbei mit dem geselligen Miteinander. Dann geht es um alles oder nichts. Um 11 Uhr wird das Final Four eröffnet, anschließend werden die Halbfinals ausgetragen. Das Finale wird eine Stunde nach Ende des länger dauernden Halbfinals beginnen, jedoch nicht vor 14.30 Uhr.

Alles ist angerichtet für ein tolles, spannendes Pokalturnier in Pforzheim, bei dem sich keiner wirklich sicher sein darf, das selbst gesetzte Ziel auch tatsächlich zu erreichen.

Beitragsbild oben: So freute sich Cupgewinner Kolbermoor vor einem Jahr in Berlin (noch mit Sabine Winter und Katharina Michajlova).

Text & Fotos (6): Dr. Stephan Roscher

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