Play-offs beginnen mit Heimsiegen: Langstadt und Bad Driburg legen vor

Von Autor|April 13, 2019|bundesliga|

Rund 250 Fans erlebten in Langstadt einen echten Tischtennis-Thriller mit Happyend für die Hessinnen – die Stimmung in der Halle, besonders während des letzten Matchs des Abends zwischen Janina Kämmerer und Giorgia Piccolin, war gigantisch. Unerwartet deutlich setzte sich dagegen der Liga-Dritte TuS Bad Driburg im Ostwestfalen-Derby durch. Vor 210 Zuschauern wurde der TTK Anröchte mit 6:1 abgefertigt.

TSV Langstadt – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim 6:4

In einem Dreieinhalb-Stunden-Spiel, das wirklich nichts für schwache Nerven war, standen sich zwei eigentlich gleichstarke Teams gegenüber. Langstadt dominierte im vorderen Paarkreuz. Petrissa Solja (3:0 gegen Chantal Mantz, 3:1 gegen Lily Zhang) und Cheng Hsien-Tzu (jeweils 3:1 gegen Zhang und Mantz) präsentierten sich unter den Augen von Jie Schöpp, Jörg Roßkopf und Patrick Franziska in Galaform.

Auch wenn Yuan Wan wegen Problemen mit der Rückenmuskulatur nur Doppel spielte, schien der Gast im hinteren Paarkreuz klare Vorteile zu haben – die extrem stark spielende Marie Migot ließ Janina Kämmerer und Alena Lemmer keine Chance, Giorgia Piccolin besiegte Alena Lemmer. Im Bewusstsein dieser Konstellation hatten viele im Vorfeld auf eine Punkteteilung getippt. Und sie schienen Recht zu behalten. Nach ausgeglichenen Doppeln legte Langstadt oben vor (3:1), Bingen egalisierte (3:3), Langstadt war wieder am Zug (5:3) und Migot verkürzte gegen Lemmer auf 4:5. Doch am Ende durchbrach Kämmerer mit ihrem 3:2 gegen Piccolin die Reihe und versetzte die Fans in einen wahren Freudentaumel.

Nicht ihr Tag: Lily Zhang.

Kurz vor Beginn der Partie hatte Langstadts Sportlicher Leiter Manfred Kämmerer die Vertragsverlängerung mit sämtlichen Spielerinnen unter dem Jubel des Publikums bekannt gegeben. Bis dahin hatte der Verein lediglich vermeldet, dass Petrissa Solja bleibt. Der TSV wird also kommende Saison mit Solja, Cheng, Pietkiewicz, Lemmer, Kämmerer und Bundesmann sowie eventuell einer weiteren Spielerin an den Start gehen.

Stimmen zum Spiel

Janina Kämmerer: „Ich bin sehr froh, dass ich Piccolin das zweite Mal in dieser Saison schlagen konnte – und heute war dieser Sieg natürlich besonders wichtig. Anfangs hatte ich große Probleme, auch weil ich auf ihren Aufschlag gleich Druck machen wollte. Später habe ich mich dann etwas zurückgenommen und versucht, ihre Aufschläge erst einmal sicher zurückzuspielen. Das hat sich ausgezahlt. Die Zuschauer haben für eine unglaubliche Stimmung gesorgt. Ich bin optimistisch für das Rückspiel in Bingen. Wir brauchen nur noch ein 5:5 und haben so ein starkes vorderes Paarkreuz. Das müssten wir eigentlich schaffen.“

Cheng Hsien-Tzu: „Ich freue mich sehr, dass wir dieses wichtige Spiel gewonnen haben und dass ich etwas dazu beitragen konnte. Der Grund für unseren Sieg ist ganz einfach: Es war super Teamwork!“

Thomas Hauke (Coach Langstadt): „Ein tolles Spiel! Die Zuschauer waren heute eindeutig unser fünfter Mann beziehungsweise unsere fünfte Frau. Wie die uns angefeuert und nach vorne getrieben haben, war gewaltig. Über unsere Aufstellung und Taktik im Rückspiel mache ich mir heute keine Gedanken mehr. Im Moment bin ich einfach nur glücklich und zufrieden.“

Marie Migot: „Ich bin schon traurig, auch wenn ich selbst heute sicher nicht schlecht gespielt habe. Was zählt ist die Mannschaft und die war so nah dran und hätte eigentlich ein Unentschieden verdient gehabt. Ich glaube aber trotzdem an unsere Chance und bin optimistisch für das Rückspiel. Am Sonntag spielen wir zu Hause und haben bis dahin das heutige Spiel genau analysiert, um dieselben Fehler nicht noch einmal zu machen.“

Joachim Lautebach (Vorsitzender Bingen/Münster-Sarmsheim): „Schade, mit einem Unentschieden hätten wir gut leben können. So wird es am Sonntag schon ein ganzes Stück schwerer für uns, weil wir gewinnen müssen. Aber ich traue es der Mannschaft zu, es ist ein tolles Team, das prima harmoniert. Die Zuschauer haben heute für eine unglaubliche Stimmung gesorgt. Davon hat sich auch Giorgia Piccolin am Ende beeindrucken lassen. Im fünften Satz lief nichts mehr bei ihr zusammen.“

TuS Bad Driburg – TTK Anröchte 6:1

Nachdem der TTK das Punktspiel in Bad Driburg noch mit 6:2 gewonnen hatte, allerdings im Rückspiel dann ersatzgeschwächt Prügel bezogen hatte, rechneten viele mit einem engen, umkämpften ersten Play-off. Doch es kam anders. Bollmeier und Co. spielten in Galaform, während Shi Qi und Kolleginnen unter ihren Möglichkeiten blieben und insgesamt nur acht Sätze für sich entscheiden konnten.

Vielleicht wäre manches anders gelaufen, wenn Shi Qi/Yang Henrich nach 2:1-Satzführung und 8:7 im fünften Satz ihr Doppel gegen Nadine Bollmeier und Sophia Klee ins Ziel gebracht hätten. Doch sie unterlagen noch knapp im einzigen wirklich engen Match des Abends. Am Nachbartisch gewannen Britt Eerland/Sarah de Nutte ihr Doppel gegen das Defensiv-Duo Aimei Wang/Jing Tian-Zörner (3:0).

Der TuS zog durch drei gewonnene Einzel in Folge auf 5:0 davon – Britt Eerland besiegte Aimei Wang (3:1), die überragende Sarah de Nutte schlug Shi Qi (3:0) und Nadine Bollmeier punktete gegen Yang Henrich (3:1).

Nadine Bollmeier ließ gegen Anröchte nichts anbrennen.

Gegen die 15-jährige Sophia Klee sorgte Abwehr-Ass Jing Tian-Zörner, annähernd viermal so alt wie ihre Gegnerin, ohne Satzverlust endlich für einen Gästepunkt. Es sollte der einzige bleiben. Eerland hatte nämlich auch Shi beim 3:1 gut im Griff und machte nach einer Gesamtspieldauer von zweieinhalb Stunden den Heimsieg perfekt. Die Messe war gelesen – zumindest für den Freitag.

„Das war für uns ein überragender Sieg“, freute sich TuS-Manager Franz-Josef Lingens. „Vorentscheidend war das 2:0 nach den Doppeln. Über 200 Zuschauer waren begeistert von der tollen Leistung unserer Mannschaft, die sich danach noch zu steigern wusste.“ Doch Lingens weiß, dass sein Team zwar eine starke Ansage gemacht aber noch nichts erreicht hat. Am Sonntag in Erwitte könnte sie Nägeln mit Köpfen machen und das Halbfinale eintüten. Anröchte hat es aber immer noch in der Hand, ein drittes Spiel zu erzwingen. Auch Lingens kann sich vorstellen, dass es eine enge, umkämpfte Partie wird. „Wir müssen beim Rückspiel auf der Hut sein. Der Vorteil wird vielleicht für uns, wie schon beim letzten Punktspiel in Bingen, sein, dass uns ein Unentschieden reicht. Wir wollen ins Halbfinale.“

Manfred Vogel übte Kritik am Auftritt seines Quartetts in Bad Driburg. „Man sollte nicht immer alles schön reden. Wir haben verdient verloren“, so der Vorsitzende des TTK Anröchte. „Die Mannschaft hat unter ihrem Niveau gespielt. Und das kann nicht nur an dem vielleicht etwas unglücklich verlorenen Doppel gelegen haben. Wir müssen am Sonntag kämpfen und ich bin sicher, die Zuschauer werden dann eine andere Mannschaft sehen.“

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Am Sonntag geht es also bereits in die zweite Runde. Bingen empfängt Langstadt (14.00 Uhr) und Anröchte im nahen Erwitte Bad Driburg (14.30 Uhr). Allzu viel ist noch nicht passiert. Bingen und Anröchte werden alles versuchen, ein drittes Spiel, das am Gründonnerstag stattfände, zu erzwingen. Auch Anröchte kann mehr als es am Freitag gezeigt hat. Es bleibt spannend.

Beitragsbild oben: Janina Kämmerer bejubelt ihren verwandelten Matchball gegen Giorgia Piccolin.

Text & Fotos: Dr. Stephan Roscher

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