Kolbermoor spielt sich den Frust von der Seele, Bad Driburg startet bärenstark ins neue Jahr

Von Autor|Januar 13, 2020|bundesliga|0 Kommentare

Nach dem wackligen Remis des Vizemeisters vom Vorabend gegen Busenbach hatte man den Böblingerinnen durchaus etwas Zählbares gegen Kolbermoor zugetraut. Doch die Oberbayern bekamen das Match nach durchwachsenem Beginn noch klar in den Griff und siegten mit 6:3. Der TuS Bad Driburg macht da weiter, wo er 2019 aufgehört hatte. Man ließ sich auch von Langstadt nicht beeindrucken und festigte durch den 6:2-Erfolg den zweiten Tabellenplatz.

SV Böblingen – SV DJK Kolbermoor 3:6

Vor dem Spieltag hätte man auf einen klaren Auswärtserfolg der Oberbayern gegen Busenbach und eine ganz enge Partie in Böblingen gesetzt. Doch es kam anders: Am Samstagabend in Waldbronn durfte man froh sein, dass es überhaupt noch zum Unentschieden reichte, während man gegen Gotsch und Co. eine überragende Teamleistung zeigte und – nach 0:3-Rückstand – nichts mehr anbrennen ließ und letztlich deutlich gewann.

Immerhin 200 Zuschauer waren gekommen, darunter viele Jugendliche, die mächtig Stimmung machten, und füllten die Tribüne bis auf den letzten Platz. Die SVB spielte ohne Xu Yanhua, die Gäste ohne Ding Yaping. Mitsuki Yoshida/Annett Kaufmann boten gegen Ganina/Bondareva über weite Stecken ein Angriffs-Feuerwerk. 7:3 führten die Böblingerinnen im fünften Satz, mussten den Gegnerinnen bei 10:11 aber doch einen Matchball überlassen. Am Ende stand jedoch ein nervenstarkes 13:11 für Yoshida/Kaufmann zu Buche. Gotsch/Behringer gewannen gegen Lang/Zhang sogar in vier Sätzen, wobei die frischvermählte Rosalia Behringer im Angriff beeindruckte.

Nach einem Satz Anlaufschwierigkeiten zog Qianhong Gotsch gegen Lily Zhang erwartungsgemäß ihr Ding durch zum 3:0 für Böblingen. Auch als Mitsuki Yoshida gegen Kristin Lang verloren hatte (1:3), rechneten die meisten Fans noch mit etwas Zählbarem und hätten nicht für möglich gehalten, dass der Gast von da an die Partie souverän beherrschen würde. Nur noch ein enges Match bekamen sie zu sehen, nämlich das von Rosalia Behringer gegen ihre Angstgegnerin Anastasia Bondareva. Es kam zum fünften Satz, der auf des Messers Schneide stand. Die Böblingerin vergab bei 10:8 zwei Matchbälle und Bondareva hatte mit 12:10 das bessere Ende für sich.

Das 13-jährige Böblinger Toptalent Annett Kaufmann stand gegen Defensiv-Ass Svetlana Ganina auf verlorenem Posten.

Danach wollte den Schwäbinnen gar nichts mehr gelingen und Kolbermoor wurde immer stärker. Vier Partien in Serie gingen mit 3:0 Sätzen an das Gästeteam. Zuerst war es die 13-jährige Annett Kaufmann, die gegen Svetlana Ganina überfordert war. Dann das Spitzeneinzel Qianhong Gotsch gegen Kristin Lang, das erneut mit einem 3:0 für Lang endete, wie schon vor Jahresfrist an gleicher Stelle. Mitsuki Yoshida machte es gegen Lily Zhang nicht besser. Rosalia Behringer und Svetlana Ganina legten es offensichtlich auf ein Zeitspiel an. Bereits nach sechs gespielten Bällen war die 10-Minuten-Grenze erreicht. Im nachfolgenden „Spiel nach der Wechselmethode“ agierte Ganina cleverer und machte letztlich ungefährdet für ihr Team den Sack zu.

„Für uns war das Endergebnis etwas enttäuschend nach dem guten Auftakt. Aber so ist der Sport. Wir müssen unsere Punkte gegen den Abstieg gegen andere Teams holen“, kommentierte SVB-Manager Frank Tartsch die Partie. „Schade. Das 2:0 in den Doppeln war tierisch gut. Da sah es gegen den Favoriten nach einer Überraschung aus“, fügte Co-Trainerin Evelyn Simon hinzu.

„Wieder einmal können wir die knappen Doppel nicht gewinnen und laufen einem 0:2 hinterher“, ließ Michael Fuchs den Spielverlauf Revue passieren. „Das entscheidende Spiel für die Wende war das von Anastasia, die nach abgewehrten Matchbällen noch Rosalia Behringer schlägt. Kristin super stark gegen Gotsch und Svetlana dann auch in Zeitspiel gegen Behringer.“ Das Fazit von Kolbermoors Trainer: „Insgesamt eine gute kämpferische Leistung von allen meinen Spielerinnen, nach so einem Rückstand und dem Spiel von gestern sicher noch im Hinterkopf noch zurückzukommen.“

Kristin Lang präsentierte sich in Topform und besiegte sogar Qianhong Gotsch
– und das nicht zum ersten Mal.

TuS Bad Driburg – TSV Langstadt 6:2

Der Traum des TuS Bad Driburg scheint sich auch im neuen Jahr fortzusetzen. Vor der Partie gegen den letztjährigen Play-off-Halbfinalisten TSV Langstadt wäre man sogar schon mit einem Remis zufrieden gewesen, doch es wurde ein beeindruckender 6:2-Erfolg, mit dem die Ostwestfalen mit nun 16:2 Punkten ihren zweiten Tabellenplatz festigten.

Für die Südhessinnen geht es dagegen so bescheiden weiter, wie die Vorrunde geendet hatte. Man spielt phasenweise ganz gut mit, lässt jedoch die Bigpoints liegen und geht immer wieder leer aus. Vor allem vom hinteren Paarkreuz kommt so gut wie gar nichts. Man blieb auch in Bad Driburg ein gutes Stück von der Leistung entfernt, die das Team in der Premierensaison im Oberhaus ausgezeichnet hatte.

Die Langstädter Aufstellung mit Solja, Meshref, Lemmer und Kämmerer war nicht so schlecht, dass man chancenlos in den Ring gestiegen wäre, obwohl im Vorfeld diesbezüglich von „einigen Fragezeichen“ die Rede war. Anfänglich schienen sich auch tatsächlich beide Mannschaften absolut auf Augenhöhe zu begegnen. Die Doppel verliefen überraschend, die vermeintlichen Favoritinnen unterlagen jeweils. Zum Erstaunen der 125 Zuschauer verlor Driburgs Paradedoppel Eerland/de Nutte gegen Lemmer/Kämmerer mit 1:3. Doch am Nebentisch kamen Solja/Meshref mit Bollmeier/Klee nicht zurecht und holten nicht einmal einen Satz.

Petrissa Solja siegte im Spitzenpaarkreuz erwartungsgemäß gegen die Luxemburgerin Sarah de Nutte mit 3:0, dass dies jedoch schon der letzte Langstädter Punkt an diesem Nachmittag sein würde, hätte zu dem Zeitpunkt kaum jemand gedacht. Dina Meshref hatte gegen Britt Eerland nach 2:0-Satzführung doch noch im fünften Durchgang das Nachsehen. Dabei hatte die Ägypterin gute Chancen besessen, für das 3:1 der Gäste zu sorgen, da sie mit 5:1 im vierten und mit 6:2 im fünften Satz vorne lag und jeweils noch vor der Ziellinie abgefangen wurde.  

Dina Meshref konnte ihre Siegchancen gegen Britt Eerland nicht nutzen.

Hinten konnte Janina Kämmerer gegen das 16-jährige DTTB-Talent Sophia Klee nichts ausrichten, auch wenn beim 0:3 zwei Sätze umkämpft waren. Alena Lemmer, der man die lange Verletzungspause noch anmerkte, zog gegen die 18-jährige Yuki Tsutsui den Kürzeren (1:3). Im zweiten Durchgang lief dann beim TSV auch vorne nicht mehr allzu viel zusammen, während die Gastgeberinnen immer stärker wurden. Petrissa Solja ging gegen Eerland nach fünf Sätzen als Verliererin vom Tisch – die vierte Einzel-Niederlage der Weltranglisten-20. in dieser Saison – und Dina Meshref musste de Nutte nach einem 1:3 gratulieren. Somit war nach knapp drei Stunden die sechste Saisonniederlage des TSV besiegelt, während man beim TuS den achten Saisonsieg bejubeln durfte.

„Es ist langsam schwer zu fassen, wieder ein stolzer Sieg“, freute sich Franz-Josef Lingens. „Wieder haben wir anfangs gewackelt. Eigentlich lagen wir schon 1:3 zurück, aber Britt drehte noch das Spiel gegen Meshref. Beide Anfangsdoppel gingen überraschend zum 1:1 aus. Nach dem 2:2 konnten wir uns wieder steigern.“ Bad Driburgs Manager ergänzte: „Herauszuheben ist dabei der Sieg von Yuki Tsutsui mal wieder und dann tatsächlich beide Spiele „oben“, wobei sich Britt am Ende gegen Petrissa in einen Rausch spielte. Nun haben wir tatsächlich drei Punkte Vorsprung vor Kolbermoor.“

„Die Niederlage ist sicher etwas zu hoch ausgefallen, doch letztlich war es ein verdienter Erfolg von Bad Driburg“, räumte Langstadts Sportlicher Leiter Manfred Kämmerer ein. „Die knappe Spiele sind heute leider nicht zu unseren Gunsten ausgegangen, sonst wäre mehr drin gewesen“, ergänzte Coach Thomas Hauke. Und Janina Kämmerer gab zu Protokoll: „Wir wussten, dass es im hinteren Paarkreuz schwer werden würde, das hat sich leider bewahrheitet.“

Beitragsbild oben: Der 18-jährigen Yuki Tsutsui glückte gegen Langstadt der wichtige Sieg gegen Alena Lemmer.

Text & Fotos (4): Dr. Stephan Roscher

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