Kolbermoor, Dachau und Weinheim im Vorwärtsgang – Deutliche Ergebnisse am Sonntag im Damen-Oberhaus

Von Stephan Roscher|September 27, 2026|bundesliga

Der SV DJK Kolbermoor gewinnt auch bei Aufsteiger TuS Fürstenfeldbruck mit 6:2 und baut die Tabellenführung aus. Wie schon tags zuvor in Kolbermoor, kann die TG Langenselbold auch bei Vizemeister TSV Dachau 65 wenig ausrichten und unterliegt mit 2:6. Gegen einen ersatzgeschwächten ESV Weil hat der TTC 46 Weinheim wenig Mühe und schickt den Gast mit einer 1:6-Niederlage nach Hause ins Dreiländereck.

TuS Fürstenfeldbruck – SV DJK Kolbermoor 2:6

Die Generalprobe am Freitagabend war positiv verlaufen. Gegen den bayerischen Herren- beziehungsweise Erwachsenen-Oberligisten SV Haiming konnte der frischgebackene Damen-Erstligist sein Testspiel mit 6:4 gewinnen. Franziska Schreiner überragte dabei mit zwei Einzelsiegen im vorderen Paarkreuz.

Nicht ganz so gut lief, zumindest ergebnistechnisch, dann die Saisonpremiere des TuS, auch wenn es weitaus enger zuging, als es das „nackte“ Ergebnis ausdrückt. Mit etwas mehr Glück seitens des Gastgebers wäre auch eine Punkteteilung nicht ausgeschlossen gewesen. Kolbermoor indes spielte es mit breiter Brust herunter – mit 4:0 Punkten im Rücken ist eben das Selbstvertrauen größer – und gewann natürlich verdient, wenn auch einen Tick zu hoch.

Die 120 Zuschauer – man hatte auf etwas mehr gehofft, doch die werden gewiss noch kommen, wenn sich erst richtig herumgesprochen hat, dass der TuS tollen Sport zu bieten hat -, erlebten sehenswertes, hochklassiges Tischtennis und kamen voll auf ihre Kosten. Auch wenn sie sich in der großen Mehrzahl ein anderes Ergebnis gewünscht hätten.

Dass Kolbermoor – eigentlich recht ungewöhnlich – mit einer 2:0-Führung aus den Doppeln ging (deutliche Siege von Kaufmann/Sadikovic und Chen/Jokic) war fast schon die halbe Miete für den Spitzenreiter. Die noch ungeschlagene Annett Kaufmann erwies sich erneut als Bank und bezwang Franziska Schreiner und ihre vormalige Teamkollegin Huang Yu-Chiao, beide jeweils in vier Sätzen. Gegen die keineswegs schwache Ex-Langstädterin Schreiner dominierte Kaufmann anfänglich klar, hatte am Ende aber mächtig zu kämpfen.

Alina Zavarykina, die 3:0 gegen Fürstenfeldbrucks Ersatzspielerin aus der 3. Liga Janine Hanslick siegte – Iryna Motsyk stand nicht zur Verfügung – und Chen Chi-Shiuan mit einem hauchdünnen 3:2 über „Franzi“ Schreiner sorgten für die weiteren Punkte der Gäste in diesem erstmals ausgetragenen Bayern-Derby.

Für den Aufsteiger waren Huang Yu-Chiao (3:1 im Taiwan-Duell gegen Chen Chi-Shiuan) sowie eine überzeugend aufspielende Chantal Mantz (3:0 gegen Enisa Sadikovic) erfolgreich.

Sandra Peter, Trainerin des TuS, war trotz des Ergebnisses keineswegs unzufrieden mit der Fürstenfeldbrucker Erstliga-Premiere. „Es war für uns ein sehr gelungener Einstand. Die Spielerinnen waren alle sehr motiviert und positiv und mit ein bisschen mehr Glück wäre es sogar möglich gewesen, das Spiel noch knapper zu gestalten“, sagte Peter nach der Partie. „Die Doppel waren noch nicht so eingespielt wie erhofft und bei einem 0:2-Rückstand gegen eine so starke Mannschaft wird es dann noch schwerer. Alle Spielerinnen haben aber mit Kampfgeist und tollen Ballwechseln und Spielen unsere Zuschauer begeistert. Initialzündung für alle war sicher der knappe  Sieg unserer Taiwanesin gegen die Nummer zwei der Gäste, ebenfalls Taiwanesin. Sie kennen sich bereits aus Taiwan, wo sie in einem Club spielen.“

Peter weiter: „Dann spielte sich auch Franzi Schreiner immer besser ins Spiel gegen die hoch favorisierte Annett Kaufmann und mit ein Quäntchen Glück hätte sie sie sogar in den fünften Satz zwingen können. Sehr überzeugt hat uns und die Zuschauer das powervolle Spiel von Chanti Mantz., die der Gegnerin keine Chance ließ. Auch unser Eigengewächs lieferte im Doppel und im Einzel eine gute Performance. Nur die Erfahrung bei so einem Niveau fehlt hier Janine Hanslick.“ Am Ende sei mehr drin gewesen: „Im zweiten Durchgang wäre sogar ein  Herankommen an ein 4:5 möglich gewesen. Franzi Schreiner beeindruckte erneut und konnte ihre tolle Leistung an diesem Tag leider nicht belohnen, während am anderen Tisch Chantal erneut auf der Siegerstraße war.“ Fazit und Ausblick der Tischtennislehrerin: „Schließlich machen uns die gezeigten Leistungen sehr viel Mut und Hoffnung für die nächsten Spiele. Mit 120 Zuschauern lagen wir etwas unter unserer Vermutung, aber durch die Nähe der Zuschauer zu den Boxen entstand eine tolle Stimmung. Wir freuen uns schon auf die nächsten Spiele!“.

Es läuft in diesen Tagen einfach perfekt für den SV DJK Kolbermoor (Foto: Verein).

Das Resümee von Dr. Michael Fuchs, Cheftrainer des SV DJK, lautete wie folgt: „Am Ende ein knapper Sieg gegen einen sympathischen und kämpfenden Liganeuling aus Fürstenfeldbruck. Ein perfekter Abschluss für unseren ersten Spielblock. drei Spiele, drei Siege – damit hatten wir wirklich nicht gerechnet. Großes Kompliment an alle meine Spielerinnen und das gesamte Team dahinter und ganz besonders auch an alle unsere Helfer und Unterstützer in Kolbermoor.“ Fuchs konkret zum Bayern-Derby: „Erneut wieder einige Spiele auf Messers Schneide. Das erste Break schafften wir im Doppel. 2:0 in den Doppeln zu führen, macht es natürlich wesentlich entspannter. Hier ein Sonderlob an Alice (Chi-Shiuan Chen) und Tijana, die das Top-Doppel der Fürstenfeldbrucker schlagen konnten und das obwohl Alice sogar kurzfristig den Schläger wechseln musste, weil ihre beiden Schläger durch die Kontrolle gefallen waren. Zu Annett muss ich nichts sagen…absolut überragend.

Alice konnte das enge Spiel gegen Franzi, was eigentlich keinen Verlierer verdient hatte, ganz knapp am Ende gewinnen, was unter den Voraussetzungen wirklich bemerkenswert war. Gegen Stacey (Huang Yu-Chiao) hatte sie davor knapp das Nachsehen. Die beiden kennen sich sehr gut aus Taiwan und es war einfach ein 50/50-Spiel. Alina hat ihre Aufgabe gegen eine gut spielende und kämpfende Janine letztendlich souverän gelöst. Gegen Chanti (Chantal Mantz) war es sowohl für Enisa als auch Alina schwer – da hat man auch einfach die Erfahrung von Chanti gesehen.“

TSV Dachau 65 – TG Langenselbold 6:2

Bis zum 2:2 hielt der Liganeuling aus Hessen gut mit, doch dann gab der Vizemeister der Saison 2025/26 richtig Gas und büßte in den nachfolgenden vier Einzeln lediglich noch einen Satz ein. Mit dieser eindrucksvollen Performance setzten die Oberbayern gleich in ihrem Auftaktspiel das Signal, dass man mit ihnen auch in dieser Saison rechnen muss.

Dementsprechend zeigte sich Dachaus Trainer Alexander Yahmed rundum zufrieden: „Wir haben einen Sahne-Tag erwischt und, wie ich denke, verdient gewonnen. Unsere Spielerinnen waren alle wirklich auf den Punkt da und es hat Spaß gemacht mit dem tollen Publikum im Rücken.“

Eine Sabine Winter in toller Frühform (jeweils ganz glatte 3:0-Erfolge gegen Sophia Klee und Sally Moyland) sowie ein starkes hinteres Paarkreuz, in dem Dora Cosic hervorstach, die Lorena Morsch in vier Durchgängen schlug, waren die Eckpfeiler des Sieges. Für Dachau punkteten vor 110 Fans ferner die junge Koharu Itagaki (3:0 gegen Sonja Roggenhofer), Defensivstrategin Seoyoung Byun (3:0 gegen Sophia Klee) sowie das Doppel Winter/Cosic (3:1 gegen Morsch/Roggenhofer).

Starker Auftritt gegen Lorena Morsch: Dora Cosic (Archivfoto: Dr. Stephan Roscher).

An beiden Langenselbolder Punkten war US-Girl Sally Moyland beteiligt. An der Seite von Sophia Klee – eine grandios funktionierende Kombination – gewann die 19-Jährige nun bereits ihr drittes Doppel in dieser Saison (3:2 gegen Byun/Itagaki). Im Einzel konnte Moyland mit Seoyoung Byun immerhin die wohl ligabeste Abwehrspielerin schlagen – aus einem 0:2-Satzrückstand machte die Spitzenspielerin der Hessen noch einen 3:2-Sieg. Insgesamt blieb „Selbold“ bei 8:22 Sätzen aber ein ganzes Stück weiter von einem Erfolg entfernt als am Vortag in Kolbermoor.

Ohne ihnen zu nahe zu treten, kann man schon sagen, dass die Gäste alles in allem bei den bärenstarken Dachauerinnen ein kleines bisschen Lehrgeld zahlen mussten. Dass die Oberbayern-Tour kein Zuckerschlecken werden würde, war ihnen aber auch vorher schon bekannt gewesen, wenngleich man auf etwas „freundlichere“ Ergebnisse, vielleicht sogar auf einen Punkt gehofft hatte.

Harmonieren im Doppel prächtig: Sally Moyland und Sophia Klee (Foto: Dr. Stephan Roscher).

Langenselbolds Vorstandsvorsitzender Matthias Leißner, der mit einem kleinem Tross das Team auf seinem Bayern-Trip begleitete, sagte knapp und bündig: „Dachau war heute die bessere Mannschaft, auch wenn gerade Sally ein super Spiel  gemacht hat. In Kolbermoor waren wir trotz desselben Ergebnisses näher dran. Insgesamt waren das aber nicht die Clubs, gegen die wir im Kampf gegen den Abstieg punkten müssen. Deswegen Mund abputzen und in vier Wochen geht’s weiter.“

TTC 1946 Weinheim – ESV Weil 6:1

Erfolgreicher Saisoneinstieg auch für den TTC 46 Weinheim. Es lief letztlich wie erwartet, da Weil ja im Vorfeld bereits angekündigt hatte, nicht nur auf die neue Spitzenspielerin Hoi Man Karen Lee, die in diesen Tagen für Hongkong bei den Asienspielen am Start ist, sondern auch auf Kornelija Riliskyte verzichten zu müssen – die Litauerin wurde von ihrem Verband zu den Nordeuropäischen Meisterschaften beordert.

Somit wurde es, wie im Vorfeld vermutet, schon eine recht einseitige Partie, wenngleich die 110 Zuschauer keineswegs gelangweilt waren, da sie schon das eine oder andere gute und umkämpfte Match zu sehen bekamen. Besonders das Duell der jungen Elisa Nguyen mit Weils Defensivkünstlerin Lea Lachenmayer hatte Spannung und Klasse. Lachenmayer gewann mit 13:11 im Entscheidungsdurchgang und sorgte damit für den Weiler Ehrenpunkt.

Für den TTC 46 waren dagegen Chien Tung-Chuan (3:1 gegen Andrea Pavlovic, 3:0 gegen Ievgeniia Sozoniuk), die für die nicht eingesetzte Yuan Wan an Position zwei vorgerückte Veronika Matiunina (3:1 gegen Sozoniuk) und die aus Bingen gekommene Shi Qi, die mit Weils Ersatzspielerin Emilia Träris kaum Mühe hatte. Zudem punkteten die Weinheimer Doppel Chien/Wan und Matiunina/Shi, wobei letztere sich gegen Sozoniuk/Pavlovic hauchdünn in der Verlängerung des fünften Satzes behaupten konnten.

Weinheims Manager Christian Säger freute sich über die ersten beiden Punkte, ansonsten war ihm natürlich klar, dass es relativ einfach war, diese gegen den dezimierten Gegner einzufahren. „Wir hatten am Samstag Teamvorstellung und fünf Spielerinnen an Bord“, berichtet Säger. „Orawan Paranang stand uns leider nicht zur Verfügung. Aber auch Weil hatte Ausfälle zu beklagen. Nach 2:0 im Doppel hat unser Trainer Rainer Schmidt entschieden, krankheitsbedingt Yuan Wan aus den Einzeln zu nehmen. Chien Tung-Chuan und vor allem Veronika Matiunina stellten mit deutlichen Siegen schnell auf 4:0. Unser Neuzugang Shi Qi hatte gegen Weils Ersatz überhaupt keine Probleme und damit stand es 5:0. Ein super Spiel lieferte die erst 17-jährige Elisa Nguyen gegen die Abwehrstrategin Lachenmayer ab, das sie knapp mit 11:13 im fünften Satz verlor. Chien Tung-Chuan hatte am Nachbartisch aber locker schon mit 3:0 gewonnen.“ Sägers Fazit: „Ein toller Auftritt des Teams, den wir aber einzuschätzen wissen.“

Weils Abteilungschefin Doris Spiess sagte nach dem Baden-Württemberg-Derby: „Die Niederlage war aufgrund der personellen Situation erwartet. Wir hatten aber gehofft, dass sie nicht ganz so deutlich ausfällt.  Die Chancen dazu waren da, aber wir haben es wieder nicht geschafft, uns bis zum Schluss zu fokussieren. Die Weinheimer Spielerinnen haben sich am Ende durchgesetzt. Einzig Lea Lachenmayer vermochte das zu durchbrechen. Aber auch erst im fünften Satz. Wir hoffen jetzt, dass wir die kommenden Spiele mit einem  bundesligatauglichen Kader  bestreiten können.“ 

Weils kroatischer Neuzugang Andrea Pavlovic spielt bisher keineswegs schlecht, aber noch glücklos (Foto: Dr. Stephan Roscher).

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Weiter geht es in der 1. Bundesliga Damen am kommenden Sonntag mit dem Heimspiel der TTG Bingen/Münster-Sarmsheim, die somit als letztes Team in die laufende Runde einsteigt, gegen den TuS Fürstenfeldbruck. Eine Woche später, am 11.10., folgt die Partie ESV Weil vs. TTG Bingen/Münster-Sarmsheim. Am 25.10., also in vier Wochen, stehen die Begegnungen ttc berlin eastside – TSV Dachau 65 (Neuauflage des Meisterschaftsfinales der Saison 2025/26) und TG Langenselbold – TTC 1946 Weinheim auf dem Programm.

Beitragsbild oben: Erfolgreich in die Saison gestartet: TTC 46 Weinheim, aufgenommen am Samstag bei der Teampräsentation mit den Sponsoren, v.l. Chien Tung-Chuan, Yuan Wan, Shi Qi, Veronika Matiunina, Elisa Nguyen, Trainer Rainer Schmidt (Foto: Armin Schimkat).

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