Gruppenauslosung Pokal-Qualifikation: Kein Spaziergang für Berlin und Kolbermoor

Von Autor|Juli 9, 2020|Pokal|0 Kommentare

Am 6. September 2020 startet die Damen Bundesliga mit dem Porta Pokalqualifier für das Final 4 in die neue Saison. Schauplatz ist – wie schon in der zurückliegenden Saisondie ASP.5 Sporthalle am Anton-Saefkow-Platz in Berlin-Lichtenberg. Unter welchen Bedingungen und Vorgaben wegen Covid-19 das hochkarätige Turnier ausgetragen wird, steht noch in den Sternen.

Die Auslosung fand im Rahmen der (virtuellen) Jahrestagung der 1. Bundesliga Damen am 6. Juni in Frankfurt am Main beim Deutschen Tischtennis-Bund vor laufender Kamera statt, sodass alle Vereinsvertreter live dabei waren. Der anwesende Abteilungsleiter des TSV Schwabhausen, Helmut Pfeil, spielte die „Glücksfee“ und zog die Lose.

Gespielt wird, wie üblich, in vier Dreier-Gruppen. Nur die Gruppensieger qualifizieren sich für das Final 4 am 10. Januar in Hannover. Natürlich sind alle sieben Erstligisten dabei, ferner die Zweitligisten TTC Weinheim und Füchse Berlin – letztere als Lokalmatador, natürlich neben Platzhirsch Nummer eins und Titelverteidiger ttc berlin eastside. Mit dem TV Hofstetten, TuS Fürstenfeldbruck und Hannover 96 runden drei Drittligisten das Teilnehmerfeld ab und werden versuchen, die Favoriten zu ärgern. Zu verlieren haben sie nichts und können ebenso unbeschwert aufspielen wie die Kolleginnen aus der 2. Liga.

Gruppe A: Kolbermoor Topfavorit, Böblingen mit Außenseiterchance

In Gruppe A heißt der Favorit SV DJK Kolbermoor. Die Oberbayern haben ihr Team – trotz des Weggangs von Liu Jia – weiter verstärkt. Fu Yu und Yuan Wan stießen unter anderem dazu. Kolbermoor ist einer der beiden Topfavoriten auf Pokalsieg und Meistertitel. Mit der SV Böblingen haben sie aber einen hochkarätigen Gruppenkonkurrenten, dessen Defensiv-Ikone Qianhong Gotsch an einem guten Tag auch Kolbermoors Asse schlagen kann. Hannover 96 dürfte dagegen – trotz der starken Spitzenspielerin Shiho Ono – auf diesem Niveau wenig ausrichten können.

„Wir sind mit der Auslosung durchaus zufrieden, da wir in der Qualifikation ungern schon gegen Berlin gespielt hätten. Trotzdem ist unsere Gruppe nicht zu unterschätzen“, sagt Kolbermoors Trainer Michael Fuchs. „Gegen Böblingen haben wir immer enge Spiele und gerade im Pokalmodus ist es sehr gefährlich, da Qianhong Gotsch immer für zwei Punkte gut ist. Wir werden aber entsprechend vorbereitet sein.“

„Berlin oder Kolbermoor, das sind immer zwei für uns (fast) unschlagbare Teams. Wir müssen schauen, mit welchen Spielerinnen wir antreten und ob sich eine Chance gegen Kolbermoor ergibt“, so Böblingens Präsident Frank Tartsch. „Immerhin haben wir ja eine Qianhong „Hongi“ Gotsch in unseren Reihen. Wie Hongi allerdings aus der Corona-Pause kommt, müssen wir noch sehen. Für sie ist regelmäßiges Training wichtig, sie hat das Training wieder aufgenommen und wir sind guter Dinge, dass sie in der anstehenden Saison wieder eine herausragende Bilanz spielt und uns auch im Pokal eventuell zu einer Überraschung führt.“

Gruppe B: Nur Langstadt könnte den Titelverteidiger in Gefahr bringen

In Gruppe B wollen die Fans aus der Hauptstadt natürlich den ttc berlin eastside siegen sehen, der zweifellos in der Favoritenrolle ist. Doch der TSV Langstadt könnte ein unbequemer Gegner werden, der immerhin Spielerinnen wie Petrissa Solja, Cheng Hsien-Tzu, Dina Meshref, Tanja Krämer und Yunli Schreiner im Kader hat.

eastside muss auf Fu Yu (nach Kolbermoor), Matilda Ekholm (Karriereende) und Georgina Pota (Babypause) verzichten, dafür sind Bad Driburgs vormalige Spitzenspielerin Britt Eerland sowie die erfahrene Jessica Göbel (vom TV Busenbach) dazu gestoßen. Hofstetten, das überdies mit Franziska Schreiner, die nach Langstadt wechselte, die namhafteste Spielerin verloren hat, kann im Konzert der Topstars eigentlich nur Erfahrung sammeln.

„Dieses Mal geht es vom ersten Moment an in die Vollen. Im Pokal wird ja mit einer Dreier-Aufstellung gespielt – da ist Langstadt auf jeden Fall ein sehr ernst zu nehmender Gegner“, so ttc-Manager Andreas Hain kurz nach der Auslosung. „Wir freuen uns auf das Turnier und werden alles daransetzen, um als Gruppensieger zum Final 4 im Januar 2021 nach Hannover zu fahren. Schließlich ist es unser Ziel, den Pokal zu verteidigen.“

In Langstadt, das das Erreichen des Play-off-Halbfinales als Saisonziel ausgegeben hat, vorausgesetzt, die beiden Nicht-Europäerinnen dürfen einreisen, um ihre Spiele zu absolvieren, ist man nicht allzu glücklich über die Auslosung. „Das Lospech bleibt uns auch im vierten Jahr nacheinander treu“, stellt der Sportliche Leiter Manfred Kämmerer fest. „Nachdem wir die letzten drei Jahre gegen Kolbermoor spielen mussten, hat es uns mit dem Double-Sieger der letzten Saison noch härter getroffen. Aber wir nehmen das sportlich und werden versuchen, es eastside so schwer wie möglich zu machen.“ Kämmerer fügt hinzu: „Sportlich steht gerade bei uns der Einsatz unserer ausländischen Spielerinnen im Fokus. Die Frage wird sein, ob sie unter den gegebenen Richtlinien überhaupt einreisen dürfen. Davon wird natürlich auch die weitere Aufstellung abhängen. Mit Peti, Cheng und Tanja wären wir sicher nicht chancenlos, aber Stand heute dürfen Cheng und Dina noch nicht einreisen.“

Gruppe C: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Weil und Bingen möglich

Der gut aufgestellte Aufsteiger ESV Weil sowie die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim dürften in Gruppe C den „Platz an der Sonne“ untereinander ausmachen. Weil ist mit drei spielstarken Osteuropäerinnen – Ievgeniia Sozoniuk, Polina Trifonova und Izabela Lupulesku -, Vivien Scholz sowie dem aus Bad Driburg gekommenen Toptalent Sophia Klee sehr ausgeglichen besetzt. Die 17-jährige Nordhessin war letzte Saison richtig in der Bundesliga angekommen und dürfte auch den durchaus ambitionierten ESV angemessen verstärken.

Ähnliches in Bezug auf die Ausgeglichenheit des Teams gilt aber auch für die Rheinhessinnen, die als Vierter des Bundesligaklassements eine sehr starke Saison 2019/20 gespielt haben. Zwar musste man den Weggang von DTTB-Nationalspielerin Yuan Wan hinnehmen, die künftig in Kolbermoor aufschlägt, doch ist man durch die Zugänge Nadezhda Bogdanova und Mallika Bhandarkar in der Breite noch besser aufgestellt als zuletzt. Mit Chantal Mantz, Giorgia Piccolin und Katerina Tomanovska kann man auf bewährte Kräfte zurückgreifen. An Position eins steht weiterhin die junge US-Amerikanerin Amy Wang, die aber auch in der neuen Saison nicht regelmäßig zur Verfügung stehen wird.

Trotz der Unterstützung der Fans – vorausgesetzt, diese dürfen im September wieder dabei sein – werden die Füchse da nur ganz schwer mithalten können, die froh sind, im schweren ersten Jahr in der 2. Liga den Klassenerhalt geschafft zu haben.

Gruppe D: Schwabhausen Favorit, doch Weinheim in Lauerstellung

In Gruppe D schließlich geht der TSV Schwabhausen als Favorit an den Start, auch wenn mit dem TTC Weinheim ein Topteam aus dem Unterhaus versuchen wird, der Truppe aus Oberbayern ein Bein zu stellen. In Schwabhausen, das letzte Saison als Aufsteiger einen hervorragenden fünften Platz verbuchte, sind die Leistungsträgerinnen um Führungsspielerin Sabine Winter an Bord geblieben – ein eingespieltes Team.

Der amtierende Zweitligameister Weinheim ist schwer einzuschätzen, da sich personell einiges verändert hat. Mit dem 16-jährigen US-Teenager Rachel Sung und der Belgierin Lisa Lung, die zuletzt für den TV Busenbach aufgeschlagen hat, ist man aber für Zweitliga-Verhältnisse richtig gut aufgestellt. Läuft das Team in der Liga komplett auf, können so starke Spielerinnen wie Luisa Säger und Jennie Wolf sogar hinten spielen. Man muss abwarten, wen der TTC beim Pokalqualifier aufbieten kann. Schwabhausen muss jedenfalls auf der Hut sein, das wird kein Selbstläufer.

„Wir freuen uns schon alle auf die neue Saison und sind gespannt wie alles so funktioniert mit Corona“, sagt TSV-Trainer Alexander Yahmed. „Die Pokalauslosung ist interessant und wir werden versuchen, bestmöglich anzutreten.“ 

Drittligist Fürstenfeldbruck dürfte wohl nur der dritte Platz in der Gruppe bleiben, dennoch wird man versuchen, sich so teuer wie möglich zu verkaufen. Der auf einigen Positionen verstärkte Siebte der letzten Saison ist kein „Fallobst“ und hat einige international erfahrene Spielerinnen im Kader.

Gruppenauslosung

Gruppe A:
SV Böblingen
SV DJK Kolbermoor
Hannover 96

Gruppe B:
ttc berlin eastside
TSV 1909 Langstadt
TV 1921 Hofstetten

Gruppe C:
ESV Weil
TTG Bingen/Münster-Sarmsheim
Füchse Berlin

Gruppe D:
TSV Schwabhausen
TuS Fürstenfeldbruck
TTC 1946 Weinheim

Beitragsbild: Der ttc berlin eastside möchte auch in der kommenden Saison im Pokalwettbewerb ganz oben auf dem Treppchen stehen, doch dazu muss man zunächst einmal das Qualifikationsturnier meistern.

Text & Foto: Dr. Stephan Roscher

Diesen Beitrag teilen: