Bayern-Derby in Dachau, Weinheim empfängt Berlin zum Topspiel in Wald-Michelbach

Von Stephan Roscher|November 6, 2026|bundesliga

Zwei besonders attraktive Punktspiele stehen am Sonntag, dem Finaltag des WTT Champions in Frankfurt, in der 1. Bundesliga Damen auf dem Programm. Ein ganz taufrisches Bayern-Derby steigt in Dachau, wo erstmals in der deutschen Topliga Aufsteiger Fürstenfeldbruck seine Visitenkarte abgibt. Dreimal bereits seit 2023 hieß es Weinheim gegen Berlin im Finale um die Deutsche Meisterschaft. Man darf sich auf ein vermutlich spannendes Duell und reichlich sportliche Qualität auf beiden Seiten freuen. Die Partie wird übrigens nicht in Weinheim selbst ausgetragen, sondern im nahen Wald-Michelbach.

TSV Dachau 65 – TuS Fürstenfeldbruck (Sonntag, 14 Uhr)

Die Derbygegner haben beide bisher jeweils erst zwei Partien bestritten, beide stehen mit 2:2 Punkten ausgeglichen da. Der TSV hat Langenselbold deutlich geschlagen (6:2), jedoch in Berlin, ohne Sabine Winter, eine klare 1:6-Niederlage bezogen. Der TuS musste in heimischer Halle dem dritten Bayern-Klub im Oberhaus aus Kolbermoor, dem aktuellen Spitzenreiter, zu einem 6:2-Erfolg gratulieren, hielt sich danach aber in Bingen mit demselben Ergebnis schadlos. Die Dachauerinnen, die letzte Saison bis ins Meisterschaftsfinale vorstießen, wollen auch diese Saison wieder die Play-offs erreichen, was durchaus realistisch erscheint. Die „Brucker“ dagegen möchten im ersten Jahr in der Beletage des deutschen Damen-Tischtennis einfach nur die Klasse halten – auch das traut man ihnen allgemein zu.

Bei beiden gibt es noch Fragezeichen bezüglich der Aufstellung. Dachaus Asse sind in diese Tagen stark auf dem Turniersektor eingespannt. Topspielerin Sabine Winter steht beim WTT Champions im Achtelfinale. Wenn es gut für die Antitop-Spezialistin läuft, könnte sie am Finaltag noch in der Mainmetropole gefordert sein, an dem die Halbfinals sowie die Endspiele ausgetragen werden. Dies würde man ihr im Verein von Herzen gönnen, auch wenn dann die Aufstellung in der Bundesliga nicht die allerbeste wäre. Im internationalen Turniereinsatz befindet sich ferner die junge Kroatin Dora Cosic, inzwischen bereits eine echte Stütze des Teams im hinteren Paarkreuz. Koharu Itagaki ist bei den Youth Olympic Games in Dakar im Viertelfinale ausgeschieden, kann also beim Derby auflaufen.

Dachaus Topspielerin Sabine Winter, aktuelle Nummer 13 der Welt, ist derzeit beim WTT Champions in Frankfurt im Einsatz (Foto: Dr. Stephan Roscher).

Fürstenfeldbruck hat ein anderes Problem. Trainerin Sandra Peter erklärt es: „Leider stehen die Vorzeichen für das Derby für uns unter keinem guten Stern. Vor zwei Wochen haben wir erfahren, dass uns unsere indische Spielerin, Yashaswini Ghorpade bis auf Weiteres doch nicht zur Verfügung steht. Wir vertrauten auf die Aussage Anfang der Saison, dass sie die nationalen Ranglistenturniere in Indien als Nationalspielerin nicht bestreiten muss. Leider hat nun der indische Verband noch die Regel hinterher geschoben, dass eine Spielerin unter den Top30 der Welt sein muss, um für ein indisches Nationalranking freigestellt zu werden.“ Ghorpade, an Position zwei gemeldet, fällt also aus, ebenso die Taiwanerin Huang Yu-Chiao („Stacy“), die in den bisherigen Partien mit gutem Erfolg als Nummer eins aufgelaufen war und drei Siege bei nur einer Niederlage verbuchen konnte. „Somit steht uns leider keine Nummer eins gegen Dachau zur Verfügung, da auch Stacy sich aktuell auf die Taiwanesischen Nationalen Meisterschaften in einer Woche vorbereitet und auf Weisung ihres Verbandes nicht ausreisen darf“, so Sandra Peter. Vielleicht könnte erstmals in dieser Saison Iryna Motsyk dabeisein: „Ob wir zumindest mit unserer Iryna spielen können, ist noch offen, das erfahren wir erst kurzfristig. Sie hat am Freitag nochmals einen großen Checkup beim Arzt.“

Die Vorfreude ist bei der TuS dennoch spürbar: „Nach der längeren Pause freuen wir uns natürlich wieder sehr auf die nächste Herausforderung in der 1. Bundesliga beziehungsweise das nächste bayerische Derby, auch wenn es dieses Derby die letzten Jahre schon öfters gegen das zweite Team von Dachau gab. Aber nun gegen den Deutschen Vizemeister mit vielen Nationalspielerinnen und der Weltklassespielerin Sabine Winter zu spielen, ist für uns eine tolle Aufgabe“, unterstreicht Peter. „Auch wenn wir leider nicht in Vollbesetzung gegen die sowieso schon favorisierten Dachauer spielen können, bin ich mir sicher, das Team wird sich gut verkaufen, kämpfen und alles versuchen, um gut mitzuhalten, damit den Zuschauern trotzdem schöne attraktive Spiele geboten werden.“

Beim Favoriten sieht man es gelassen und nimmt es personell, wie es eben kommt. „Wir freuen uns aufs Derby, müssen aber erst mal schauen, wie unsere Spielerinnen ihre Turniere spielen – hoffentlich gut“, so Trainer Alexander Yahmed. „Und dann können wir uns auf Fürstenfeldbruck konzentrieren. Wenn alles gut geht, wird es ein heißer Tanz, auf den wir uns freuen.“

TTC 46 Weinheim – ttc berlin eastside (Sonntag, 14 Uhr)

Ein ganz besonderes Spiel, attraktiver geht es kaum von der Konstellation und der Qualität der Spielerinnen beider Teams. Berlin vs. Weinheim – so lauteten die Finalpaarungen um die Deutsche Meisterschaft in den Spielzeiten 2022/23, 2023/24 und 2024/25. Gut möglich, dass es diese Saison wieder so kommt, wenngleich die Teams aus Kolbermoor und Dachau, wie sich bereits jetzt abzeichnet, etwas dagegen haben dürften. Zweimal brachte der Serienmeister aus der Hauptstadt das Ding nach Hause, einmal der Herausforderer von der Bergstraße.

Und dann wird die Partie auch noch in der Fremde ausgetragen, allerdings in der für Weinheim nahen Fremde, nämlich in der nur 17 Kilometer entfernten Odenwald-Gemeinde Wald-Michelbach, wo die Großraumsporthalle in der Ringstraße Schauplatz des mit Spannung erwarteten Duells sein wird. 300 Zuschauer fasst die Halle, wenn sie voll würde, wäre es traumhaft. TTC-Manager Christian Säger hält den Ball aber flach: „Wir hoffen auf 200 plus.“

„Dass dieses Top-Ereignis in Wald-Michelbach stattfinden kann, ist den freundschaftlichen Verbindungen zwischen Christian Säger, dem Vorstand des TTC 1946 Weinheim, und der Familie Vogel von der Tischtennisabteilung der SG Wald-Michelbach zu verdanken“, wie wir auf der Facebookseite der SG nachlesen können. Der Autor, Rudi Vogel, schreibt ferner – und da kann man ihm nur beipflichten: „Mehr und besseres Tischtennis, als es diese beiden absoluten Spitzenmannschaften im deutschen Damen-Tischtennis bieten, ist kaum möglich. Die Zuschauer dürfen sich auf mehrere Nationalspielerinnen aus verschiedenen Ländern freuen.“

„Wir freuen uns sehr auf die Aufgabe gegen Berlin“, unterstreicht Christian Säger. „Wir werden mit unserem kompletten Kader vor Ort sein und sind alle voll motiviert für das schwere Spiel. Wir gehen selbstbewusst in das Match und können vor hoffentlich großer Kulisse frei aufspielen. Wald-Michelbach wird ein toller Gastgeber sein und alle hoffen auf ein tolles Tischtennis-Event.“

Zuletzt zeigten sich die Nordbadenerinnen (4:0 Punkte) beim 6:2 in Langenselbold auch ohne asiatische Nummer eins in starker Verfassung. Und nun könnte erstmals die aus Langstadt gekommene Orawan Paranang im TTC-Dress zum Einsatz kommen. In einer, natürlich noch rein hypothetischen, Aufstellung Paranang, Yuan Wan, Veronika Matiunina und Shi Qi wird der Gastgeber gewiss nicht leicht zu schlagen sein.

Selbst die Berlinerinnen müssten da schon absolute Topform abrufen. Sie sind derzeit mit 4:2 Punkten notiert und wollen mit Siebenmeilenstiefeln weiter nach oben. Nach dem durchwachsenen Auftritt zum Saisonauftakt in Kolbermoor (4:6), konnte man gegen Dachau (6:1) sowie in Weil (6:2) überzeugen. Nina Mittelham, zuletzt in sehr guter Form und auch international wieder richtig im Vorwärtsgang, ist noch beim WTT Champions dabei. Im Achtelfinale trifft die Weltranglisten-28. am Freitag auf die Chinesin Kuai Man – eine knifflige Aufgabe.

Nina Mittelham hat in Frankfurt das Achtelfinale erreicht, man darf gespannt sein, wie weit sie kommt und ob sie im Topspiel gegen Weinheim am Sonntag am Tisch stehen kann (Foto: Ronny Pabst).

Man darf zunächst einmal damit rechnen, dass der Hauptstadtklub mit Mittelham, Natalia Bajor, Josi Neumann, Sabina Surjan und Mia Griesel nach Wald-Michelbach reist. Sollte Mittelham indes in Frankfurt bis zum Schluss vertreten sein, was ein gigantischer Erfolg in ihrer Karriere wäre, den ihr natürlich jeder gönnen würde, bliebe immer noch ein spielstarkes Quartett, auch wenn sich das Team dann nahezu von selbst aufstellen würde. „Weinheim wird kein einfaches Spiel werden, da beide Teams auf allen Positionen sehr gut besetzt sind“, unterstreicht eastside-Manager Andreas Hain. „Letztlich wird es auch von der Tagesform der einzelnen Spielerinnen abhängen, wer am Ende das Spiel gewinnt. Wir werden sicherlich mit einer Mannschaft antreten, die eine Siegchance hat. Bei einem Erfolg gegen Weinheim kann man eigentlich schon jetzt recht sicher von einer guten Platzierung für die Play-offs ausgehen – und das ist unser Ziel.“ 

Beitragsbild oben: Veronika Matiunina möchte mit dem Weinheimer Team am Sonntag gegen Titelverteidiger Berlin Akzente setzen (Foto: Dr. Stephan Roscher).

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