Keine Chance gegen starken Aufsteiger: Dezimiertes Bingen verkauft sich aber teuer
TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – TuS Fürstenfeldbruck 2:6
Erst hatten sie kein Glück, dann kam auch noch Pech hinzu – auf den Bingener Kader gemünzt. Dass die beiden Super-League-Chinesinnen keine Freigabe von ihrem Verband erhielten, hatten wir ja berichtet. Doch leider fiel im ersten Saisonspiel der TTG auch noch die neuverpflichtete Weißrussin Ulyana Miashchanskaya aus, die wegen der bevorstehenden EM zu Trainingszwecken in ihrem Heimatland bleiben musste. Somit duellierte sich am Sonntagnachmittag sozusagen das letzte Bingener Aufgebot mit Aufsteiger TuS Fürstenfeldbruck und zog, trotz guter Moral, mit 2:6 erwartungsgemäß recht deutlich den Kürzeren.
Obwohl im Vorfeld bekannt geworden war, dass Bingen die Vorrunde mit erheblichen Personalproblemen bestreiten muss, waren mehr als 100 Zuschauer in dieSporthalle der Grundschule „Am Mäuseturm“ in Bingerbrück gekommen, um ihrem Team den Rücken zu stärken. Der Gastgeber wehrte sich nach Kräften und konnte in den Einzeln zwei Ausrufungszeichen setzen, hatte jedoch ohne echte Nummer eins und ohne die 20-jährige Nummer vier Miashchanskaya keine echte Chance gegen den Liganeuling aus Bayern, der – zu fünft angereist – das deutlich bessere Team stellte und verdient zu seinem ersten Sieg der Vereinsgeschichte in der 1. Bundesliga kam. Ein historischer Erfolg somit, wenn auch durch die Begleitumstände begünstigt, für die die „Brucker“, der TTG seit Jahrzehnten freundschaftlich verbunden, jedoch nichts konnten.
Die Gäste brachten die schon gegen Kolbermoor starke Taiwanerin Huang Yu-Chiao – „Stacy“, so ihr „Künstlername“ –, Franziska Schreiner, Chantal Mantz, Janine Hanslick sowie die erst 15-jährige, in der zweiten Mannschaft (3. Liga) gemeldete Anna Walter mit nach Rheinhessen, von denen Hanslick diesmal nur im Doppel zum Einsatz kam.
Die TTG stellte Elena Kuzmina, DTTB-Nachwuchs-Ass Lisa Wang und Karolina Mynarova dagegen. Aus der zweiten Mannschaft, die in der Bezirksklasse, der untersten Liga der Region, aufschlägt, hatte sich zudem Monika Lyga zur Verfügung gestellt, damit den Zuschauern wenigstens beide Doppel geboten werden konnten. Natürlich hatte das Duo Kuzmina/Lyga keine Chance gegen Huang/Schreiner. Am Nachbartisch konnten Wang/Mynarova immerhin den ersten Satz gegen Mantz/Hanslick gewinnen, unterlagen dann aber mit 1:3.
Dann stellte Elena Kuzmina mit ihrem 3:1-Sieg über „Franzi“ Schreiner unter Beweis, dass auch im vorderen Paarkreuz mit ihr zu rechnen ist. Huang Yu-Chiao hatte gegen die junge Lisa Wang wenig Mühe, den alten Abstand wiederherzustellen. „Lisa sollte bei uns natürlich im hinteren Paarkreuz aufgebaut werden, doch leider ist das angesichts unserer personellen Situation derzeit nicht möglich“, sagte Bingens Sportvorstand Joachim Lautebach. „Ich bin aber überzeugt, dass sie diese Spiele gegen die Besten in der Bundesliga weiterbringen werden, solche Niederlagen werfen sie nicht zurück, sie kann trotz ihres jugendlichen Alters damit umgehen.“
Karolina Mynarova gewann anschließend das umkämpfte Fünf-Satz-Match gegen Anna Walter zum zwischenzeitlichen 2:3. Mehr ging jedoch nicht aus Sicht des Gastgebers. Monika Lyga schenkte ihr Match gegen Chantal Mantz ab, die Vorzeichen wären zu ungleich gewesen – unterste gegen höchste Spielklasse, es wäre witzlos gewesen. Huang Yu-Chiao besiegte Elena Kuzmina in drei Sätzen und ebenso Franziska Schreiner Lisa Wang – beide Matches verliefen aber nicht zu einseitig und die Fans konnten sich an einigen guten Ballwechseln erfreuen.
„Wir haben uns im Rahmen unserer personellen Möglichkeiten recht passabel präsentiert, mehr war heute nicht drin“ unterstrich Lautebach. „Immerhin haben Elena und Karolina je ein Einzel gewonnen und wir haben uns nicht wehrlos ergeben. Dass der Sieg der Fürstenfeldbrucker verdient war, steht außer Frage.“ Lautebachs Wunsch: „Wir hoffen und sind auch überzeugt davon, dass die Zuschauer Verständnis für unsere derzeitige schwierige Situation haben, an der wir keine Schuld tragen, und uns auch in den nächsten Heimspielen den Rücken stärken.“ Immerhin kann er vermelden: „In den nächsten Spielen wird uns dann auch Ulyana Miashchanskaya zur Verfügung stehen, sodass die komplette Vorrunden-Stammbesetzung an die Tische gehen kann.“

Karolina Mynarova steuerte einen der beiden Bingener Punkte bei (Archivfoto: Dr. Stephan Roscher).
Vor der Partie stand eine kurze, aber sehr emotionale, bewegende Würdigung des unlängst verstorbenen Peter Engel, jahrelang Cheftrainer der TTG, samt Schweigeminute auf dem Programm. „Peter war sehr beliebt in Bingen, viele Zuschauer haben unser kleines Gedenken an ihn mit echter Trauer und großer Betroffenheit aufgenommen“, so Joachim Lautebach.
„Letztlich haben wir bei unserem ersten Sieg in der 1. Bundesliga schon sehr vom Unglück der Gegner profitiert, die sowohl auf ihre Nummer eins als auch auf ihre Nummer vier verzichten mussten“, räumte Fürstenfeldbrucks Trainerin Sandra Peter ein. „Nichtsdestotrotz war aus unserer Sicht erfreulich, dass wir mit unseren fünf angereisten Spielerinnen die Leistung des letzten Spieltags fortsetzen konnten.“ Peter ließ die Partie Revue passieren: „Überragend mit klaren Siegen unsere Taiwanesin Stacy, und auch Franzi Schreiner konnte nach wiederum unglücklich verlorenem ersten Spiel – nach 1:0 und 10:8-Führung – dann gegen Lisa Wang einen ersten überzeugenden Sieg feiern. Sehr erfreulich auch der Einstand unserer erst 15-jährigen Jugendnationalspielerin Anna Walter, die Karolina Mynarova schon am Rande einer Niederlage hatte, nachdem sie bereits 2:0 und 10:7 führte. Leider konnte sie ihre tolle Leistung nicht mit einem Sieg krönen und verlor im fünften Satz 9:11. Froh sind wir auch, dass das Doppel Chantal Mantz/Janine Hanslick sich stark verbessert zeigte und zusehends besser harmoniert.“ Am Ende zählt indes nur der Sieg: „Schließlich sind wir einfach glücklich über unsere ersten Punkte.“
In der Liga geht es aufgrund der EM-Pause erst am 25.10. weiter mit der überaus interessanten Partie Berlin gegen Dachau, der Neuauflage des letzten Meisterschaftsfinales, sowie dem Duell des Liganeulings Langenselbold mit den ambitionierten Weinheimerinnen. Eine Woche später, am 01.11., geht Bingen wieder an die Tische und muss versuchen, in Langenselbold zu bestehen, während Fürstenfeldbruck erst am 08.11. mit dem Bayern-Derby in Dachau wieder ins Geschehen eingreift.
Beitragsbild oben: Das siegreiche Fürstenfeldbrucker Team nach verrichteter Arbeit in Bingen, v.l. Huang Yu-Chiao, Chantal Mantz, Janine Hanslick, Anna Walter, Franziska Schreiner (Foto: TuS Fürstenfeldbruck).
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