1. Bundesliga am Sonntag: Berlin will Dachau schlagen, Langenselbold Weinheim Paroli bieten
Nach der EM-Pause geht es am Sonntag weiter in der 1. Bundesliga Damen. Titelverteidiger berlin eastside will nach dem aus seiner Perspektive wenig erbaulichen Auftaktspiel in Kolbermoor nun durchstarten. Dazu soll mit dem Rückenwind von zwei EM-Titeln Vizemeister Dachau unbedingt geschlagen werden. Langenselbold lädt ein zum zweiten Heimspiel der Bundesligageschichte und möchte den Fans wieder sehenswertes Tischtennis bieten, auch wenn man sich gegen den TTC 46 Weinheim zweifellos in der Außenseiterrolle befindet.
ttc berlin eastside – TSV Dachau 65 (Sonntag, 13 Uhr)
Spektakulärer geht es kaum: Die Neuauflage des Meisterschaftsfinales 2025/26 – und das noch früh in der Saison. Damals war es eine recht klare Angelegenheit für die Berlinerinnen, die Ende Mai das Hinspiel in Oberbayern mit 6:3 gewannen, um zwei Tage später zu Hause souverän nachzulegen und sich mit einem fulminanten 6:1-Erfolg den Titel zu sichern. Doch damals hieß die Nummer eins des ttc eastside noch Yuka Kaneyoshi, gegen die die sonst so starke Seoyoung Byun im Abwehrduell immer komplett chancenlos war – ein Faktor für den letztlich deutlichen Ausgang beider Endspiele, da das vordere Paarkreuz als Trumpfkarte des TSV die volle Ausbeute benötigt, um gegen die ganz Großen etwas zu reißen. Dies war im Mai nicht möglich, doch nun ist Kaneyoshi nicht mehr dabei, was die Chancen der Bayern erhöhen dürfte, die vor vier Wochen ihr Auftaktspiel gegen Liganeuling Langenselbold mit 6:2 ungefährdet gewannen.
Auch ohne Kaneyoshi will Berlin mit seinem eingespielten Kader erneut den Titel in die Hauptstadt holen und dazu muss nach dem unbefriedigenden 4:6 in Kolbermoor, wo Manager Andreas Hain mit der Leistung seiner Spielerinnen sehr unzufrieden war, gewonnen werden, auch wenn eine Sabine Winter beim Gegner auf der Spitzenposition aufschlägt. Byun ist die Nummer zwei, gefolgt von der 16-jährigen Koharu Itagaki, die im Doppel sehr gut mit der Südkoreanerin harmoniert. Als Nummer vier dürfte die junge Kroatin Dora Cosic gesetzt sein, die Entdeckung der letzten Saison, die auch gegen Langenselbold zu gefallen wusste. Bei Bedarf kann natürlich auch Naomi Pranjkovic einspringen, die momentan sehr erfolgreich im Spitzenpaarkreuz des Drittligateams aufschlägt. Also keine Mannschaft, die man mal eben so aus der Halle schießen kann, selbst wenn man Berlin heißt und zu allem entschlossen ist.
In Ljubljana wusste Nina Mittelham zu überzeugen. Im Einzel-Halbfinale gegen Annett Kaufmann, die später nur knapp Gold verpasste, sah es lange gut aus für die 29-jährige Berlinerin, die einen 0:2-Satzrückstand in eine 3:2-Führung ummünzte, dann jedoch ein wenig den Faden verlor und den Kürzeren zog. Dafür konnte sie sich den Titel im Mixed an der Seite von Benedikt Duda sichern. Im Doppel glänzte Berlins Nummer drei Natalia Bajor, die sich zusammen mit der Slowakin Tatiana Kukulkova die Goldmedaille im Damendoppel schnappte.
eastside hat angekündigt, gegen Dachau auf personelle Experimente zu verzichten und in Bestbesetzung aufzulaufen, folglich also mit Nina Mittelham, Xiaona Shan, Natalia Bajor, Josi Neumann und/oder Sabina Surjan. Die Zuschauer dürfen sich auf hochkarätige Matches freuen, unter anderem auf das absolute Topduell Mittelham vs. Winter.
Andreas Hain erwartet von seinem Team einen starken Auftritt und zwei Punkte. „Wir wollen am Sonntag unbedingt den ersten Saisonsieg erringen und werden deshalb auch mit unserer derzeit besten Mannschaft antreten, also auch mit unseren beiden Europameisterinnen Nina Mittelham und Natalia Bajor. Leider hat Nina im Einzel-Halbfinale knapp mit 3:4 verloren, sonst hätten unsere Spielerinnen gleich alle drei möglichen EM-Titel mit nach Berlin bringen können“, so Hain. „Doch in den nächsten Wochen gilt unser Fokus ganz den restlichen Spielen in der Bundesliga, wir wollen möglichst kein Spiel bis Weihnachten mehr verlieren und uns so eine gute Ausgangsposition für die Play-offs schon in der Vorrunde erarbeiten.“
In Dachau freut man sich auf die Berlin-Reise und möchte dem Serienmeister Paroli bieten. „Ja, das wird ein super Spiel, wenn der amtierende Deutsche Meister gegen den Vizemeister antritt“, unterstreicht Dachaus Cheftrainer Alexander Yahmed. „Wir freuen uns extrem darauf gegen Berlin zu spielen und werden gut vorbereitet sein.“
TG Langenselbold – TTC 1946 Weinheim (Sonntag, 15 Uhr)
Das Team von der Bergstraße, das in der Vorsaison am letzten Spieltag noch den Sprung in die Play-offs schaffte, dort aber im Halbfinale am späteren Titelgewinner Berlin scheiterte, wurde signifikant verstärkt und hat Ambitionen, ganz oben mitzuspielen. Allzu weit haben es die Nordbadenerinnen ins hessische Langenselbold nicht, circa 100 Kilometer sind zurückzulegen. Nach dem gelungenen Ligadebüt am 20.09. gegen Weil (6:2) und den beiden recht deutlichen Niederlagen in Kolbermoor und Dachau, wo man jeweils mit 2:6 den Kürzeren zog und durchaus etwas Lehrgeld zahlen musste, möchte der Gastgeber eine Energieleistung abliefern und mit den Fans im Rücken die Weinheimerinnen ernsthaft fordern. Man will zeigen, dass man gegen die Topteams – gerade in heimischer Halle – auch bessere Ergebnisse als 2:6 erzielen kann.
Über die Aufstellung der TGL bewahren Management und Trainerteam, wie schon vor der Saison angekündigt, grundsätzlich Stillschweigen und setzen auf den Überraschungseffekt. Folglich wissen wir nicht, wer auf der Spitzenposition antritt – die US-Amerikanerin Sally Moyland, die die ersten drei Partien mit einer Einzelbilanz von 3:3 bestritt, dürfte es diesmal kaum sein, da sie gerade bei den Panamerika-Meisterschaften in Lima gefordert ist. Sollte erstmals die Inderin Ayhika Mukherjee zum Einsatz kommen, bekämen die Zuschauer eine hochkarätige Materialspielerin zu sehen, die bei der Team-WM vor zwei Jahren sogar die Weltranglisten-Erste Sun Yingsha (China) geschlagen hat. Wir können ferner nicht sagen, ob die in den ersten drei Partien verletzungsbedingt fehlende Schwedin Matilda Hansson nun zur Verfügung steht.
Man wird natürlich das bestmögliche Quartett aufbieten, zu dem gewiss wieder die beiden deutschen Asse Sophia Klee und Lorena Morsch gehören werden. Und hofft, dass es erneut gelingt, die Fans mitzunehmen, die gegen Weil ihre neuen Idole regelrecht nach vorne peitschten.
Doch Weinheim ist ein Team mit dem Potenzial für ganz oben, während die Weilerinnen, ohne ihre Qualität zu schmälern, bereits mit dem Klassenerhalt zufrieden wären. Beim 6:1 gegen Weil vor vier Wochen, dem einzigen Spiel der Nordbadenerinnen bisher, waren Yuan Wan und Kolleginnen nicht ernstlich gefordert. Dies lag gewiss aber auch daran, dass der Gegner nur auf drei Stammspielerinnen zurückgreifen konnte.
Auf der Spitzenposition können sich die Thailänderin Orawan Paranang, in den letzten beiden Jahren Publikumsliebling in Langstadt, die Südkoreanerin Kim Seongjin und die Taiwanerin Chien Tung-Chuan abwechseln. Auch auf den weiteren Positionen ist mit der auch im Doppel sehr starken Olympiakaderspielerin Yuan Wan, der Ukrainerin Veronika Matiunina und der Ex-Bingenerin Qi Shi hochkarätiges Personal gemeldet.

Lorena Morsch hofft darauf, mit der TG Langenselbold den Weinheimerinnen Paroli bieten zu können (Foto: Dr. Stephan Roscher).
„Wir freuen uns natürlich alle sehr auf unser Heimspiel gegen Weinheim“, sagt Spielertrainerin Sonja Roggenhofer. „Wir hoffen, dass uns der Hexenkessel wieder beflügelt und es spannende Spiele zu sehen gibt.“ Ganz ähnlich äußert sich die 18-jährige Lorena Morsch: „Wir freuen uns, wieder ein Heimspiel zu haben in unserer TGL-Arena und hoffen wieder auf die supertolle Unterstützung wie bei unserem ersten Heimspiel. Gegen Weinheim wissen wir, dass wir der Außenseiter sind, aber natürlich werden wir um jeden Punkt kämpfen. Vielleicht können wir uns am Ende ja auch belohnen.“ Vorstandschef Matthias Leißner glaubt zumindest an eine Außenseiterchance des Teams und betont: „Weinheim ist natürlich sehr stark und die Trauben hängen wieder hoch. Wir sind trotzdem zuversichtlich, dass, wie beim ersten Spiel, mit den vielen Fans im Rücken wieder etwas möglich ist. Auf jeden Fall sind wir hochmotiviert.“
Christian Säger, Weinheims Macher und Manager, äußert sich im Vorfeld zurückhaltend und gibt ebenfalls keine Details zur Aufstellung preis: „Wie immer ist entscheidend, welche Spielerinnen die Teams am Sonntag zur Verfügung haben. Wir freuen uns auf jeden Fall, zum ersten Mal in Langenselbold am Start zu sein. Unser Trainer wird mit dem Team versuchen, die Punkte mit an die Bergstraße zu nehmen. Allerdings wissen wir, dass Langenselbold als Aufsteiger gerade auswärts keine einfache Aufgabe werden wird.“
Beitragsbild oben: Fährt als Favorit nach Langenselbold: TTC 46 Weinheim, v.l. Chien Tung-Chuan, Yuan Wan, Shi Qi, Veronika Matiunina, Elisa Nguyen, Trainer Rainer Schmidt (Foto: Armin Schimkat).
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