Bingen steigt als letzter Bundesligist in die Punktrunde ein
TTG will trotz schwieriger Personalsituation gegen Aufsteiger Fürstenfeldbruck bestehen
TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – TuS Fürstenfeldbruck (Sonntag, 14 Uhr)
Endlich steigt auch die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim, Sechster der Abschlusstabelle in der Saison 2025/26, in die Saison ein – alle anderen Klubs haben bereits ein bis drei Begegnungen absolviert. Die Partie gegen Aufsteiger TuS Fürstenfeldbruck, der bei seiner Auftaktniederlage gegen Spitzenreiter Kolbermoor einen guten Eindruck hinterließ und unter Wert geschlagen wurde, könnte spannend werden. Allerdings muss der Gastgeber die gesamte Vorrunde mit einem gewaltigen personellen Handikap klarkommen.
Wenn die TTG den Aufsteiger aus Bayern zum ersten Spiel der neuen Saison in der Sporthalle der Grundschule „Am Mäuseturm“ in Bingerbrück begrüßt, stellt sich zugleich die Frage, ob der Gastgeber mit einem extrem engen Kader in der ersten Saisonhälfte zurechtkommen wird. Vollkommen unverschuldet ist man diesbezüglich nämlich in eine schwierige Situation geraten und kann erst zur Rückrunde personell nachlegen, sofern man dann auf dem Transfermarkt fündig wird.
Lassen wir Sportvorstand Joachim Lautebach berichten: „Nach den Wechseln von Lea Rakovac nach Frankreich und Shi Qi nach Weinheim ist es gelungen, mit der deutschen Jugendnationalspielerin Lisa Wang und der 20-jährigen belarussischen Nationalspielerin Ulyana Miashchanskaya zwei vielversprechende Talente für unser Team zu gewinnen. Unsere erfahrenen Stammspielerinnen Elena Kuzmina und Karolina Mynarova bleiben weiterhin Teil der Mannschaft und sorgen für Kontinuität.“
So weit, so gut. Doch nun kommt der springende Punkt: „Ursprünglich waren auch die beiden chinesischen Spielerinnen Liang Jiayi (22 Jahre) und Xu Jiayi (21 Jahre) fest eingeplant. Trotz aller Vorbereitungen und bereits erteilter Spielberechtigungen durch den DTTB beziehungsweise getroffener Vereinbarungen mit den Spielerinnen wurde uns im August mitgeteilt, dass der chinesische Verband keine Freigabe für die kommende Saison erteilt. Weitere intensive Bemühungen unsererseits blieben leider erfolglos. Dadurch ist unser Kader aktuell nicht so breit aufgestellt wie geplant.“
Man hatte sich das so schön vorgestellt: Auf der Spitzenposition eine starke, aufstrebende Chinesin mit Erfahrung in der Super League – Liang und Xu sollten sich abwechseln –, dahinter dann zwei solide Spielerinnen, die in den letzten Jahren bewiesen haben, dass sie in dieser starken Liga konkurrenzfähig sind. Besonders Kuzmina, die mit ihrer 12:6-Bilanz im hinteren Paarkreuz letzte Saison beste Bingenerin war und zudem als starke Doppelspielerin gilt. Hinter ihnen dann zwei Toptalente, die sich gewiss – so die Überlegung – im Lauf der Vorrunde hinten akklimatisieren und bald schon Akzente setzen würden.
Doch das ist durch die Ablehnung des chinesischen Verbandes nun hinfällig und man muss schauen, wie man in den kommenden Wochen über die Runden kommt. Ganz klar: „Die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim steht vor einer herausfordernden Saison“, so Lautebach. „Da die Liga nach längerer Zeit wieder mit acht Mannschaften voll besetzt ist, wird es voraussichtlich einen Absteiger geben, was den Druck auf unser Team erhöht. Wir setzen jedoch alles daran, zur Rückrunde mindestens eine weitere Spielerin für das vordere Paarkreuz zu verpflichten, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.“
Angesichts der schwierigen Situation setze man nun ganz besonders auf die Fans sowie die Sponsoren: „Wir danken unseren Sponsoren und Förderern herzlich für ihre langjährige und fortwährende Unterstützung – gerade in dieser schwierigen Phase – und wünschen uns, dass unser Team, trotz aller Widrigkeiten, auf die Unterstützung unserer treuen Zuschauer zählen kann.“ Möglichst viele Fans sollen bereits am Sonntag ihrem Team den Rücken stärken und es zu einer Energieleistung gegen den starken Aufsteiger puschen.
Einen weiteren Stich in der Magengegend hat den Bingenern natürlich der Tod des langjährigen Cheftrainers Peter Engel vor 14 Tagen versetzt, der mit großer Fachkompetenz, Einfühlsamkeit und menschlicher Wärme die TTG-Asse in den vergangenen Jahren zu manch bemerkenswertem Sieg gecoacht und noch letzte Saison die Geschicke „am Rande der Bande“ gelenkt hat.
Siehe auch: Ein Leben für den Tischtennisport: Peter Engel ist gestorben.

An Bord geblieben in Bingen: Elena Kuzmina (Archivfoto Roscher).
Mit weniger Druck im Nacken wird der TuS zu seinem zweiten Erstligaspiel der Vereinsgeschichte anreisen. Circa 420 Kilometer muss man hinter sich bringen, um dann frisch und fit sowie topmotiviert an den Tischen zu stehen und zu zeigen, was man kann. So jedenfalls die Hoffnung des Liganeulings. Mit Franziska Schreiner und Chantal Mantz kann man auf zwei spiel- und kampfstarke Ex-Langstädterinnen zurückgreifen und die Spitzenspielerin aus Taiwan, Huang Yu-Chiao, letzte Saison noch in Kolbermoor unter Vertrag, ist vorne auf jeden Fall gut konkurrenzfähig. Man wird sehen, ob auf der Position vier diesmal die Ukrainerin Iryna Motsyk, seit sechs Jahren in Fürstenfeldbruck erfolgreich am Ball, zur Verfügung steht, die beim Premierenspiel noch fehlte.
Trainerin Sandra Peter zeigt Vorfreude: „Wir freuen uns auf die nächste Herausforderung in Bingen. Zumal hier auch schon langjährige Freundschaften mit dem sympathischen Verein aus Rheinland-Pfalz bestehen. So spielte Chantal Mantz selbst drei Jahre für Bingen in der 1. Bundesliga und die Wege von Joachim Lautebach, Petra Steyer und mir haben sich schon vor 30 Jahren während meiner aktiven Zeit als Spielerin oft gekreuzt.“ Natürlich will man am Binger Mäuseturm keine Geschenke verteilen: „Wir hoffen, den Schwung aus dem letzten Punktspiel gegen Kolbermoor mitnehmen zu können. Vor allem die Einzel haben sehr überzeugt. Aber im Doppel müssen wir uns noch steigern“, so die Tischtennislehrerin aus Bayern. „Vielleicht ist es auch ein kleiner Vorteil, dass wir bereits ein Punktspiel bestritten haben, für Bingen ist es ja das erste Spiel in der Saison. Letztendlich muss man auch ein bisschen auf das Quäntchen Glück hoffen, um vielleicht die ersten Punkte holen zu können. Grundsätzlich schätze ich das Spiel 50:50 ein.“
Es könnte eine ungemein spannende Partie werden, sofern es den Rheinhessen gelingt, die schwierige personelle Situation mit viel Herzblut und den Fans im Rücken zu kompensieren.
Beitragsbild oben: Dieses Fürstenfeldbrucker Quartett hinterließ gegen Kolbermoor einen guten Eindruck, v.l. Huang Yu-Chiao, Chantal Mantz, Franziska Schreiner, Janine Hanslick (Foto: Theo Neidek).
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