Startschuss am Sonntag: Kolbermoor empfängt den Titelverteidiger

Von Stephan Roscher|September 18, 2026|bundesliga

SV DJK Kolbermoor – ttc berlin eastside (Sonntag, 14 Uhr)

Am kommenden Sonntag startet auch die 1. Bundesliga Damen in die Saison 2026/27. Und die Vorfreude ist bei sämtlichen Beteiligten riesengroß. Nicht nur, weil wieder ein ungemein spannendes Rennen um Titel und Erfolge zu erwarten steht, sondern auch, weil man endlich wieder in der vollen Sollstärke mit acht hoch motivierten Teams spielen wird.

Den Auftakt macht ein Tischtennis-Klassiker der Superlative, der den Fans im Lauf der Jahre schon viele prickelnde Momente und immer wieder tollen Sport beschert hat. Kolbermoor empfängt Berlin. Eigentlich müsste man gar nicht viel mehr dazu schreiben – dieses Aufeinandertreffen ist beinahe selbsterklärend.

Der Serienmeister aus der Hauptstadt hat somit gleich eine kleine Weltreise vor sich und muss schlappe 650 Kilometer zurücklegen, um zur schmucken B2X-Arena im oberbayrischen Kolbermoor zu gelangen.

Wir erinnern uns gerne zurück an eines der besten Spiele zwischen den beiden Rivalen in den letzten Jahren. Und es ist noch gar nicht so lange her: Im Pokalhalbfinale trafen beide Teams am 11. Januar 2026 in Kolbermoor aufeinander. Zweimal ging der Gastgeber vor ausverkauftem Haus in Führung, doch das Hauptstadtteam konnte jedes Mal ausgleichen und am Ende im Doppel den knappen Sieg einfahren. Die Fans waren trotz des Endergebnisses begeistert und hatten Tischtennis der Extraklasse gesehen. Der ttc eastside sicherte sich wenige Stunden später zum elften Mal seit 2014 die Deutsche Pokalmeisterschaft. Ende Mai wurde man ebenfalls zum elften Mal – früher, in der DDR-Zeit, hatten die Vorgängerklubs bereits zahlreiche Meistertitel verbucht – Deutscher Meister und reist somit als Titelverteidiger nach Kolbermoor.

Nicht ganz so gut lief es letzte Saison für die Bayern, die am Ende der Punktrunde wirklich vom Pech verfolgt waren. Der Deutsche Meister von 2018 – der Pokalsieg glückte im Jahr darauf – war gewiss mit keiner schwachen Truppe am Start. Knapper am Einzug in die Play-offs, 2025/26 erstmals als klassische Endrunde mit den besten Vier der Tabelle ausgetragen, als der SV DJK kann man nicht scheitern. Lange schien das erarbeitete Punktepolster zu reichen, doch am Ende kam der damalige Titelverteidiger Weinheim nach bescheidener Vorrunde mächtig auf und fing Annett Kaufmann und Kolleginnen noch im Zielfinish ab – beide am Ende punktgleich mit dem minimal besseren Spielverhältnis zu Gunsten der Nordbadenerinnen, sodass Kolbermoor schließlich ein brutal undankbarer fünfter Platz blieb.

berlin eastside setzt in dieser Saison auf personelle Kontinuität, hat allerdings die starke junge japanische Abwehrspielerin Yuka Kaneyoshi, die es nach Le Mans zog, nicht halten können. Doch mit Spielerinnen wie der zuletzt auch international wieder sehr erfolgreichen Nina Mittelham, Penholder-Ass Xiaona Shan, der routinierten Polin Natalia Bajor, der aufgrund einer klaren Leistungssteigerung in der letzten Spielzeit auf Position vier vorgerückten Josi Neumann sowie der gerade in wichtigen Partien besonders wertvollen Serbin Sabina Surjan und natürlich Mia Griesel, der Entdeckung der Saison 2024/25, ist man auf allen Positionen sehr gut besetzt. Saisonziel ist natürlich die Titelverteidigung.  

Der Kolbermoorer Kader wurde dagegen auf einigen Positionen verändert. Mit elf gemeldeten Spielerinnen ist er sehr breit, jedoch auch überaus hochwertig besetzt. Geblieben sind die unbestrittene Nummer eins Annett Kaufmann, die Japanerin Manami Imaeda, die Südkoreanerin Yunji Lee, die Russin Alina Zavarykina, die Serbin Tijana Jokic sowie mit Kristin Lang und Laura Tiefenbrunner zwei erfahrene deutsche Spielerinnen. Nicht mehr dabei sind die Inderin Swastika Ghosh und die junge Lisa Wang. Neu hinzugestoßen sind die aus Österreichs erster Liga gekommene Taiwanerin Chen Chi-Shiuan, die Südkoreanerin Kim Haneul, die zurückgekehrte Top-Ägypterin Dina Meshref und schließlich die junge Luxemburgerin Enisa Sadikovic, die letzte Saison mehrfach im Dress des TTC 46 Weinheim eindrucksvolle Kostproben ihres Talents gegeben hat. Man möchte so weit wie möglich kommen in Meisterschaft und Pokal und nicht nochmal auf der Ziellinie im Kampf um die Play-offs scheitern.

Dr. Michael Fuchs, Cheftrainer und Abteilungsleiter des Gastgebers, freut sich auf die Partie und gibt zu Protokoll: „Ein Kracher zu Beginn, mit dem wir die Saison eröffnen werden. Wir werden mit fünf Spielerinnen vor Ort sein, darunter natürlich Annett und auch unsere Neuzugänge aus Taiwan und Luxemburg. Wir hoffen auf ein volles Haus und dass wir unseren Zuschauern ein tolles Spiel bieten können.“ Man sieht sich selbst in der Außenseiterrolle: „Berlin, ganz unabhängig in welcher Aufstellung sie kommen werden, wird der Favorit sein. Sie haben einen starken und breiten Kader, der von Position eins bis vier mit top Spielerinnen besetzt sein wird. Ich hoffe, wir können uns wie beim letzten Pokal-Halbfinale auf Augenhöhe präsentieren und dass meine Spielerinnen ihre Form abrufen können.“ Fuchs ruft die Tischtennis-Fans, nicht nur aus der näheren Umgebung, auf, die Halle richtig voll zu machen, schließlich werde man eine Menge geboten bekommen: „Hiermit auch nochmal ein Aufruf, dass wir uns sehr über jeden bekannten aber auch neuen Zuschauer und deren Unterstützung sehr freuen würden. Für das leibliche Wohl, wie man so schön sagt, wird sehr gut gesorgt sein. Wir hoffen auf ein tolles Event mit hochklassigen und spannenden Spielen, mit dem wir positiv in die Saison starten.“

Andreas Hain, Manager des ttc eastside, unterstreicht: „Wir werden selbstverständlich mit einer starken Mannschaft in Kolbermoor antreten und wollen dort den ersten Sieg einfahren. Aber Kolbermoor ist sicherlich nicht so leicht zu spielen, sie haben in dieser Saison einen breiten Kader und insbesondere im vorderen Paarkreuz sind sie stark, während wir wohl im hinteren Paarkreuz etwas stärker sind. Am Ende ist es wie fast immer, es kommt viel auf die Aufstellung und die Tagesform einzelner Spielerinnen an.“ 

Nina Mittelham will mit dem ttc eastside von Anfang an Akzente setzen und natürlich um die Titel spielen (Foto: Ronny Pabst).

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450 Kilometer weiter nordwestlich wird erstmals die TG Langenselbold, prominent bisher „nur“ bei den Herren/Erwachsenen und bis zur Regionalliga vertreten, die ganz große Tischtennisbühne betreten. Eine Stunde später nämlich empfangen die für den TSV Langstadt ins Oberhaus vorgerückten Hessen aus dem Main-Kinzig-Kreis den ESV Weil – mit Sicherheit auch eine reizvolle Partie, die sozusagen ein historisches Ereignis darstellt, wobei beide Teams zunächst einmal als sportliche „Wundertüten“ gelten können. Wir werden einen separaten Vorbericht dazu veröffentlichen.

Beitragsbild ganz oben: Breiter, hochwertig besetzter Kader: Der „neue“ SV DJK Kolbermoor (Foto Verein).

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