Von Langstadt nach Langenselbold: Neuer Bundesliga-Schauplatz in Hessen
Eine richtig gute Nachricht für die Fans und Freunde der 1. Bundesliga Damen: Nach dem Rückzug des TSV Langstadt aus dem Toptischtennis, der zum Saisonende erfolgen wird, muss die höchste deutschen Damen-Spielklasse keine weitere „Schrumpfung“ befürchten. Die TG Langenselbold – mit den Herren zwar in der Regionalliga vertreten, bei den Damen aktuell aber nur in der Bezirksklasse unterwegs – übernimmt von den Langstädtern die Spielklassenzugehörigkeit zur 1. Bundesliga Damen.
Nach dem HTTV stimmt auch der DTTB zu
Nachdem der Hessische Tischtennis-Verband (HTTV) die Bewerbung befürwortet hatte, stand noch die Zustimmung des Deutschen Tischtennis-Bundes aus, die dem Verein am Mittwoch übermittelt wurde. Die Übernahme der Spielklassenrechte für die Saison 2026/27 ist somit offiziell vollzogen.
Erwähnt werden soll an dieser Stelle ferner, dass auch das Langstädter „B-Team“ einen würdigen „Erben“ gefunden hat. Der bisherige Drittligist TTC Salmünster, nur 30 Kilometer von Langenselbold entfernt beheimatet, übernimmt die Startberechtigung für die 2. Liga, wie ebenfalls von HTTV und DTTB bestätigt wurde.
Spitzentischtennis nicht weit von Langstadt entfernt
Keine 40 Kilometer liegt „Selbold“, wie es der Volksmund nennt, von Langstadt entfernt. Auch wenn eine Kreisgrenze dazwischen liegt, bleibt es somit doch in der Region.
In dem 14.000-Einwohner-Städtchen im hessischen Main-Kinzig-Kreis möchte man nicht für kurze Zeit auch einmal ganz oben mit dabei sein, sondern dauerhaft und hat bereits sehr konkrete Vorstellungen entwickelt. Man will das „Projekt Bundesliga“ mit Leben erfüllen und nachhaltig gestalten. Ziel ist es, Damen-Spitzentischtennis in besonders ansprechender Form zu präsentieren, Begeisterung zu entfachen und die gesamte Region, in der es viele Tischtennisvereine und Aktive gibt, mitzunehmen. Dem Langstädter Tischtennis-Märchen dürfte nun also das Selbolder Tischtennis-Märchen folgen – das Hessische Tischtennis-Märchen findet jedenfalls seine Fortsetzung (siehe: https://tt-damen-bundesliga.de/hessisches-tischtennis-maerchen-geht-zu-ende-tsv-langstadt-zieht-sich-aus-dem-profi-tischtennis-zurueck).
Sophia Klee und Lorena Morsch sind dabei
Die TG Langenselbold kann bereits die Verpflichtung von zwei ambitionierten Spielerinnen vermelden. Mit der 17-jährigen Lorena Morsch, einem der absoluten Toptalente Deutschlands, sowie der 22-jährigen Sophia Klee gelang es, die beiden jüngsten Spielerinnen aus dem aktuellen Langstädter Bundesligateam unter Vertrag zu nehmen. Weitere Verpflichtungen sollen im Lauf der kommenden Wochen bekannt gegeben werden. Natürlich muss sich der Liganeuling zunächst einmal im Oberhaus akklimatisieren, Ziel ist es aber, ein in dieser starken Liga konkurrenzfähiges Team zu formen. Derzeit werde der Markt nach Spielerinnen für das vordere Paarkreuz sondiert.
Jugendnationalspielerin Lorena Morsch, amtierende deutsche U19-Meisterin im Einzel und Doppel, erklärt: „Ich freue mich sehr, dass ich auch künftig in Hessen in der 1. Bundesliga spielen kann, ich komme aus Gießen, da habe ich es nicht sehr weit. Besonders schön finde ich, dass Sophia mit mir in Langenselbold spielen wird, wir verstehen uns gut – mal sehen ob vielleicht noch ein bekanntes Gesicht dazukommen wird.“
„Hohe Motivation im Verein“
Der Vorstandsvorsitzende der TG Langenselbold, Matthias Leißner, erklärt, dass sich der Vorstand nach intensiven Diskussionen bewusst für diesen Schritt entschieden habe. Viele Mitglieder des Vereins seien bereit, sich aktiv zu engagieren, verbunden mit dem gemeinsamen Ziel, etwas für das Damentischtennis in der Region zu bewegen. Die Herausforderungen seien dabei vielfältig und beträfen insbesondere die finanzielle Absicherung sowie die sportliche Zusammenstellung der Mannschaft. Wichtig sei dem Verein, die 1. Damen-Bundesliga finanziell klar vom übrigen Vereinsbetrieb zu trennen, um das weitere Vereinsleben nicht zu belasten. Gleichzeitig wolle man in der eigenen Halle eine besondere Atmosphäre schaffen und hoffe auf die Unterstützung vieler Tischtennisbegeisterter aus der Region, um mit einer eigenen Handschrift Akzente in der Damen-Bundesliga zu setzen.
„Wir wollen mithelfen, Damen-Tischtennis in Hessen auf höchstem Niveau zu behalten“, so Leißner. „Wir haben eine hohe Motivation im Verein, dies perfekt zu präsentieren und Werbung für Tischtennis im Allgemeinen und Tischtennis für Damen und Mädchen im Besonderen zu betreiben.“ Natürlich möchte man nicht das „Opferlamm“ geben, sondern auch sportlich etwas reißen: „Wir sind dabei, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen. Wichtig ist uns aber auch, ein Team zu formen, mit dem die Zuschauer und wir uns identifizieren können. Wir freuen wir uns sehr, dass mit Lorena Morsch und Sophia Klee zwei echte Hessinnen bereits unterschrieben haben.“
HTTV begründet seine Entscheidung
Auf der Webseite des Hessischen Tischtennisverbandes (www.httv.de) lesen wir unter anderem: „Die Zustimmung des HTTV zur Übertragung des Spielklassenrechts der 1. Damen-Bundesliga auf die TG Langenselbold basiert auf einem in sich schlüssigen und tragfähigen Gesamtkonzept, das der Verein vorgelegt hat. Dieses Konzept deckt sowohl die sportlichen als auch die organisatorischen Anforderungen der 1. Bundesliga überzeugend ab. Darüber hinaus verfügt die TG Langenselbold über hervorragende infrastrukturelle Voraussetzungen. Insbesondere die sehr guten Hallenbedingungen mit einem ITTF-zugelassenen Wettkampfboden erfüllen die Anforderungen der Bundesspielklassen uneingeschränkt. Ein weiterer wesentlicher Entscheidungsgrund ist die nachgewiesene Veranstaltungserfahrung des Vereins. In den vergangenen Jahren hat die TG Langenselbold mehrfach hochklassige Veranstaltungen ausgerichtet, die durchweg professionell organisiert waren und sowohl von Spielerinnen und Spielern als auch von Zuschauerinnen und Zuschauern äußerst positiv bewertet wurden. Die dafür notwendige personelle Struktur und Manpower ist im Verein vorhanden. Zudem liegt seitens der TG Langenselbold eine klare und glaubhafte Zusage vor, den Damensport nachhaltig zu fördern und die 1. Damen-Bundesliga aktiv weiterzuentwickeln.“
Andreas Hain mit Dankesworten
Andreas Hain, Leiter des Ressorts Bundesliga Damen im DTTB, freut sich sehr, dass es gelungen ist, einen geeigneten Nachfolger des TSV Langstadt im Spitzen-Mannschaftstischtennis zu finden. Als HTTV-Präsident erfreut ihn natürlich auch, dass man die beiden hohen Spielklassen – 1. und 2. Bundesliga – in Hessen behalten konnte. „Ich möchte mich ganz besonders bei allen Beteiligten für die schnelle und gute Zusammenarbeit bei diesem komplexen Thema bedanken“, unterstreicht Hain. „Dem TSV Langstadt für seine Bereitschaft, die Spielklassen weiterzugeben, und natürlich der TG Langenselbold und dem TTC Salmünster, dass sie diesen Schritt gegangen sind, der sicherlich noch viel Arbeit nach sich ziehen wird. Aber auch dem Ausschuss für Mannschaftssport des HTTV und dem DTTB, die schnell und reibungslos alle erforderlichen Beschlüsse umgesetzt haben.“
Manfred Kämmerer drückt die Daumen
Auch von Manfred Kämmerer, dem Sportlichen Leiter des TSV Langstadt, liegt uns ein Statement zur Spielklassenübernahme durch die TG Langenselbold vor: „Wir freuen uns, dass ein hessischer Verein bereit ist, in der 1. Bundesliga zu spielen. Erfreulich ist zudem, dass es ein Verein ganz in der Nähe ist. Somit können sicher auch einige unserer Tischtennis-Fans wieder das eine oder andere Spiel vor Ort besuchen. Wir werden natürlich den Weg von Langenselbold in der neuen Saison aufmerksam verfolgen und drücken die Daumen, dass sie die Ziele, die sie mit der Spielklassenübernahme verfolgen, auch erreichen werden.“
Bald wieder in voller Sollstärke?
Vielleicht erlangt die Liga in der Saison 2026/27 ja sogar wieder die Sollstärke von acht Teams, was eine weitere gute Nachricht wäre. Wie man hört, soll es potenzielle Interessenten aus dem Kreis der Zweitligisten geben, die sich die Erstklassigkeit durchaus vorstellen könnten. Eine Liga mit acht Klubs wäre fraglos besser für die Außendarstellung und Vermartktung als eine, in der nur sieben Teams um Titel und Punkte kämpfen. Auch wenn das Niveau im Damen-Oberhaus aktuell schon sehr hoch ist – es ist die Bühne für deutsche Topstars wie Sabine Winter, Annett Kaufmann, Nina Mittelham oder Shan Xiaona, ferner reihenweise europäische Nationalspielerinnen und ambitionierte Toptalente, zu denen sich mehrere extrem starke Asiatinnen, teilweise mit Weltklasseniveau, gesellen. Man braucht den Vergleich mit keiner anderen europäischen Liga zu scheuen – viele sprechen von der stärksten Spielklasse des Kontinents, was uns durchaus realistisch erscheint.
WILLKOMMEN IM KLUB, TG LANGENSELBOLD!
Beitragsbild oben: Lorena Morsch wird kommende Saison im Dress der TG Langenselbold aufschlagen (Foto: Dr. Stephan Roscher).
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Nach dem Rückzug von Langstadt übernehmen Langenselbold und Salmünster die Bundesliga-Startplätze