Siege für Langstadt, Bingen und Kolbermoor – Bad Driburg überrascht an der Spree

Von Autor|September 17, 2018|bundesliga|0 Kommentare

Erster Spitzenreiter der jungen Saison ist der SV DJK Kolbermoor, der beim TTK Anröchte nichts anbrennen ließ. Erfolgreich startete auch Vizemeister TTG Bingen/Münster-Sarmsheim in die Runde, der sich knapp in Busenbach durchsetzte. Eine erfolgreiche Erstliga-Premiere durfte Aufsteiger TSV Langstadt bejubeln, der die SV Böblingen auf Distanz hielt. Für die größte Überraschung des ersten Spieltags sorgte der TuS Bad Driburg, der dem hohen Favoriten ttc berlin eastside eine Punkteteilung abtrotzte.

 

TSV 1909 Langstadt – SV Böblingen 6:3

Aufsteiger TSV Langstadt – in starker Besetzung mit den Neuzugängen Petrissa Solja und Cheng Hsien-Tzu – konnte vor fast 300 Fans einen keinesfalls schwachen SV Böblingen mit 6:3 in die Schranken weisen. Qianhong Gotsch (Foto oben), letzte Saison beste Spielerin der Liga, überragte bei den Gästen und konnte beide Einzel gewinnen. Ihr Sieg gegen Solja mit 13:11 im fünften Satz in einem Match der Extraklasse hing allerdings am seidenen Faden. Die Unterlegene trug es mit Fassung. „Das war das beste Spiel gegen Hongi, das ich je gemacht habe“, so die 24-Jährige. „Ich habe immer gegen sie verloren, aber so knapp wie heute noch nie. [Augenzwinkernd] Das nächste Mal erwische ich sie!“

Theresa Kraft konnte einen Punkt gegen Janina Kämmerer beisteuern. Für Langstadt waren Solja und Cheng – jeweils gegen Rosalia Stähr – und die sich in Topform präsentierende Alena Lemmer mit Siegen über Julia Kaim und Theresa Kraft erfolgreich. „Mein erstes Spiel war sehr schwierig, ich musste mich so konzentrieren und die Gegnerin war sehr sicher“, so Langstadts neue Nummer zwei Cheng Hsien-Tzu. „Im zweiten Spiel war ich vom Kopf her besser und unser Doppel war auch recht gut. Ich freue mich, etwas zum Sieg meiner Mannschaft beigetragen zu haben.“

Mit zwei gewonnenen Doppeln hatten die Hessinnen früh den Grundstein zur gelungenen Erstliga-Premiere gelegt. Besonders der Sieg des frisch zusammengewürftelten Duos Solja/Cheng, das nicht ein einziges Mal im Training getestet worden war, über Böblingens bewährte Formation Gotsch/Stähr überraschte – immerhin waren die Defensivkünstlerinnen 2017/18 das erfolgreichste Doppel der Liga. „Wenn wir die Doppel besser treffen, also Gotsch/Stähr gegen das schwächere Langstadter Doppel, wäre ein Unentschieden drin gewesen“, so Böblingens Trainer Andrzej Kaim. „Hongi war megastark, Alena Lemmer hat einen guten Tag erwischt.“

Langstadts neue Nummer zwei Cheng Hsien-Tzu war mit ihrem Bundesliga-Debüt recht zufrieden, immerhin konnte sie einen Sieg im Einzel und einen Erfolg im Doppel zum 6:3 beisteuern.

 

TV Busenbach – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim 4:6

195 Minuten in Langstadt, doch das konnte Busenbach noch toppen, wo 225 Minuten gekämpft wurde, bis der Sieger feststand. Der 6:4-Erfolg des Vizemeisters TTG Bingen/Münster-Sarmsheim wurde erst im Entscheidungssatz des letzten Einzels festgezurrt. Die italienische Meisterin Giorgia Piccolin besiegte die 16-jährige Franziska Schreiner ganz knapp und ließ die Gäste aus Rheinhessen jubeln. Nach den Doppeln hatte es 1:1 gestanden, wobei überraschend die beiden jugendlichen Neuzugänge Lisa Lung und Franziska Schreiner für Busenbach erfolgreich waren, während die routinierten Tanja Krämer/Jessica Göbel gegen das Bingener Duo Chantal Mantz/Yuan Wan den Kürzeren zogen.

Zur Pause führte die Truppe aus Rheinhessen mit 3:1, da vorne beide Punkte eigefahren wurden. In engen Matches bezwangen Yuan Wan Tanja Krämer und Chantal Mantz Jessica Göbel. Die 19-jährige Belgierin Lisa Lung brachte anschließend den Gastgeber heran durch ein 3:1 über Giorgia Piccolin, doch die junge Französin Marie Migot stellte gegen Franziska Schreiner den alten Abstand wieder her. Busenbach gab sich noch nicht geschlagen und konnte im zweiten Durchgang des vorderen Paarkreuzes ausgleichen – Krämer schlug Mantz, Göbel konnte Wan niederringen. Doch wieder war es Migot, die ihr Team dem Sieg einen Schritt näher brachte (3:0 gegen Lung). Piccolin nutzte die Steilvorlage und sicherte der TTG die ersten beiden Zähler der neuen Saison.

„Immer schwierig so kurz nach dem Spiel etwas zu sagen, so richtig hatte das Spiel aber keinen Sieger verdient“, meinte Busenbachs Mannschaftsführerin Jessica Göbel nach der nervenaufreibenden Partie. „Alle Spiele waren offen und am Ende war Bingen etwas glücklicher.“ Richtig los gehe es für ihr Team eigentlich erst ab dem vierten Spieltag. „Wir haben jetzt mit Kolbermoor und Berlin zwei Gegner, gegen die wir weiter an unserer Form feilen können, ehe es für uns in den entscheidenden Herbst geht.“

„Weit über drei Stunden Spielzeit belegen, dass es eine umkämpfte und spannende Begegnung mit vielen Fünf-Satz-Spielen war“, so Bingens Vorsitzender Joachim Lautebach. „Besonders erwähnenswert ist der Sieg von Mantz und Wan gegen das Spitzendoppel von Busenbach. Weiterhin positiv zu bewerten ist die Tatsache, dass alle Spielerinnen am Erfolg beteiligt waren.“ Die Weichen sind erst einmal gestellt: „Ein gelungener Einstand, der der jungen Mannschaft für die nächsten schweren Spiele weiteren Auftrieb geben wird.“

Jessica Göbel konnte zwar Yuan Wan bezwingen, am Ende reichte es aber für den TV Busenbach nicht zum Remis.

 

TTK Anröchte – SV DJK Kolbermoor 2:6

Durch das ungefährdete 6:2 beim TTK Anröchte hat der amtierende Deutsche Meister SV DJK Kolbermoor nach dem ersten Spieltag die Tabellenführung übernommen. Sabine Winter (3:1 gegen Wang Aimei, 3:0 gegen Shi Qi), Kristin Lang (3:0 gegen Wang Aimei) und Defensivkünstlerin Svetlana Ganina (3:0 gegen Marta Golota) sowie die Doppel Winter/Lang (3:1 gegen Shi/Henrich) und Ganina/Michajlova (3:0 gegen Wang/Golota) sorgten für die Punkte der Oberbayern. Für Anröchte konnten sich vor 105 Zuschauern nur Shi Qi (3:2 gegen Kristin Lang) und Yang Henrich (3:1 gegen Katharina Michajlova) in die Siegerliste eintragen. Nach zwei Stunden und 25 Minuten hatte der SV DJK die ersten beiden Punkte eingetütet.

In Anröchte erkannte man neidlos die Überlegenheit und spielerische Klasse des Gegners an. „Der Endstand entspricht dem Spielverlauf. Kolbermoor war von Beginn an sehr konzentriert und hat uns keine Chance gelassen“, sagte TTK-Vorsitzender Manfred Vogel. Allerdings hatte man auf mehr Fans gehofft. „Leider haben wir auf Grund von zwei weiteren größeren Veranstaltungen nicht die erhoffte Zuschauerzahl erreicht.“

„Generell sind wir aber natürlich froh, dass wir mit einem Sieg in die Saison gestartet sind“, so Kolbermoors Trainer Michael Fuchs. „Gegen Anröchte ist es, wie wir in den letzten Play-offs gesehen haben, nicht ganz so leicht zu spielen, wie man es rein nach Rangliste denken mag.“ Aber seine Damen hätten vor allem mit den zwei Siegen in den Doppeln von Beginn an gezeigt, dass sie hochkonzentriert in das Spiel gegangen sind und keinen Zweifel aufkommen lassen wollten. „Die Doppel scheinen wie im Play-off-Finale weiterhin gut zu funktionieren, was natürlich immer ein Vorteil ist, wenn man vor den Einzeln mit  2:0 führt“, konstatiert Fuchs. „Danach konnten alle etwas entspannter in die Einzel gehen und vor allem Sabine bestätigte dort ihre starke Form.“

Kristin Lang steuerte je einen Sieg im Einzel und im Doppel zum ungefährdeten Sieg des amtierenden Deutschen Meisters bei.

 

ttc berlin eastside – TuS Bad Driburg 5:5

Überraschend verlief die Auftaktpartie des Meisterschaftsfavoriten Nummer eins, ttc berlin eastside, der sich gegen starke Bad Driburgerinnen mit einem Remis begnügen musste. Nach spannenden 198 Minuten durfte der TuS vor 100 Fans den Punktgewinn bejubeln. eastside hatte auf Matilda Ekholm und Shan Xiaona verzichtet, mit Georgina Pota, Nina Mittelham und Kathrin Mühlbach standen dennoch drei starke Spielerinnen an den Tischen, während das 15-jährige Toptalent Diya Chitale erstmals Bundesligaluft schnuppern sollte. Dennoch hatte man auch ihr etwas Zählbares zugetraut, immerhin steht sie in der U15-Weltrangliste acht Plätze besser als Sophia Klee. Das Debüt der jungen Inderin verlief aber durchwachsen, die Nervosität war spürbar. „Ein schwaches Debüt von Diya“ so ein unzufriedener eastside-Manager Andreas Hain. „Da haben wir mehr erwartet.“

Die Gäste blieben immer dran und ließen sich nicht abschütteln. Die Holländerin Britt Eerland brillierte bei Bad Driburg mit Siegen über Nina Mittelham (3:2) und Georgina Pota (3:1). Außerdem punkteten Nadine Bollmeier (3:0 gegen Diya Chitale) und Sophia Klee (3:1 gegen Chitale) sowie das Doppel Eerland/de Nutte (3:0 gegen Mühlbach/Chitale) für den TuS. Im Team der Hauptstädterinnen wusste Kathrin Mühlbach zu gefallen, die gegen Sophia Klee und Nadine Bollmeier keinen Satz abgab. „Ein überragendes Comeback nach ihrer Babypause von Kathrin Mühlbach“, stellte Andreas Hain fest. Georgina Pota und Nina Mittelham schlugen Sarah de Nutte jeweils mit 3:0, zudem punktete das Duo Pota/Mittelham (3:1 gegen Bollmeier/Klee). „Eigentlich sollte eine unserer Spitzenspielerinnen gegen Eerland gewinnen“, so Hain. „Letztlich müssen wir so mit dem einen Punkt zufrieden sein.“

Hoch erfreut zeigte sich dagegen Franz-Josef Lingens. „Ein überragendes Spiel meines Teams und vor allem meiner neuen Nummer eins Britt Eerland“, so Lingens. „Wir sind super happy mit diesem Punktgewinn.“ Sehr zufrieden war Bad Driburgs Manager auch mit Routinier Nadine Bollmeier und „Nesthäkchen“ Sophia Klee. „Die Formkurve von Nadine geht auch nach oben mit dem klaren Sieg gegen die junge Inderin. Toll, dass Sophia am Ende den wichtigen fünften Punkt holte, was für Ihr Selbstbewusstsein extrem wichtig war.“

Britt Eerland präsentierte sich in Berlin in bestechender Form und besiegte Nina Mittelham und Georgina Pota.

 

Text & Fotos: Dr. Stephan Roscher

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