Buderus-Final Four: Berlin Favorit, doch die Konkurrenz lauert

Von Autor|Januar 2, 2019|Pokal|0 Kommentare

Das Jahr 2019 ist noch so jung und schon steht das erste große Saison-Highlight an. Es geht um die Frage, wer die Deutsche Pokalmeisterschaft 2018/19 gewinnt und sich den ersten Titel der Saison schnappt. Beim Buderus-Final Four am Sonntag im Sportforum Berlin ist „Platzhirsch“ ttc berlin eastside der Favorit, doch der amtierende Meister SV DJK Kolbermoor lauert darauf, den Serien-Cupsieger der letzten fünf Jahre vom Thron zu stoßen. Auch der TuS Bad Driburg und die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim reisen als aktueller Zweiter beziehungsweise Dritter der Bundesliga gewiss nicht vollkommen chancenlos in die Hauptstadt, zumal die Teams der deutschen Topliga leistungsmäßig dichter zusammengerückt sind.

Doch für einen Pokal-Coup müssten sie im Halbfinale jeweils einen Hochkaräter aus dem Weg räumen. Bingen trifft dort auf Kolbermoor und Bad Driburg auf eastside. Pikanterweise konnten beide in der Liga gegen diese Gegner punkten – Bingen siegte mit 6:4 gegen die Oberbayern, Bad Driburg ertrotzte ein 5:5 in Berlin. Doch in einer Finalsituation – und das Final Four ist vom ersten Ballwechsel an eine solche – sind die Vorzeichen nochmals andere. Auch wenn beide eine sehr gute Vorrunde gespielt haben und prächtig harmonierende Mannschaften nach Berlin entsenden, sind sie in der Außenseiterrolle.

Zweikampf Berlin vs. Kolbermoor erwartet

Dass Kolbermoor nach der Vorrunde nur Tabellenplatz fünf im Oberhaus einnimmt, will für das Final Four nichts heißen. Zudem hat die Truppe aus Oberbayern noch einen Trumpf im Ärmel. Und der hat sechs Buchstaben und heißt Liu Jia.

Während der Cup-Gewinner der Jahre 2014 bis 2018 auf die bewährten Kräfte Shan Xiaona, Georgina Pota, Matilda Ekholm und Nina Mittelham zurückgreifen wird, besitzt Kolbermoor noch jene personelle Option, die ausschlaggebend sein könnte. Man kann mit Liu Jia eine ehemalige Europameisterin aufbieten, die mit ihren 36 Jahren sportlich voll auf der Höhe ist. Bis auf die Pokalvorrunde in Seligenstadt war Liu in dieser Saison noch nicht für Kolbermoor im Einsatz. Eine Dreier-Mannschaft mit „Susi“, Kristin Lang und Sabine Winter, die zwar eine durchwachsene Vorrunde gespielt hat, an guten Tagen aber jeder Berlinerin gefährlich werden kann, ist definitiv ein Titelkandidat. eastside muss da schon auf der Hut sein, es könnte ein heißer Tanz werden.

Für das Final Four im Sportforum, bei dem man auf eine gute, stimmungsvolle Kulisse hofft, wäre ein Einsatz der in China geborenen Österreicherin auf jeden Fall ein großer Pluspunkt. Er würde die Spannung erheblich anheizen. Und Kolbermoor wird seinen Topstar aller Wahrscheinlichkeit nach bringen. Man weiß, dass man mit nur zwei Siegen – wesentlich einfacher als in der Meisterschaft – einen glanzvollen Titel erringen kann und fährt in die Bundeshauptstadt, um genau das zu schaffen.

Wie man hört, sollen alle vier Teams, die Anfang September beim Pokal-Qualifikationsturnier in Seligenstadt absolut überzeugend auftraten, in Bestbesetzung anreisen. Somit kommt am Samstag in Berlin die Crème de la Crème des europäischen Damentischtennis zusammen.

„Natürlich wollen wir versuchen, den Pokal nach Kolbermoor zu holen, auch wenn Berlin Favorit ist“, lässt Sabine Winter keinen Zweifel aufkommen. „Wir sind nicht unzufrieden, nicht Berlin im Halbfinale bekommen zu haben, da sie in Vollbesetzung ganz klar Favorit sind“, sagt Trainer Michael Fuchs. „Trotzdem muss man sowieso alle schlagen, um den Pokal zu gewinnen.“ Fuchs deutet an, worauf es personell hinausläuft: „Mal sehen, in welcher Aufstellung wir antreten können, und je nachdem ist es dann etwas ganz anderes als in der Vorrunde, wo wir gegen jeden der drei Pokalkonkurrenten verloren haben.“

Kolbermoors Trumpfkarte: Liu Jia.

eastside hält dagegen und will den sechsten Cup-Triumph in Folge. „Viel wird von der Tagesform abhängen und davon, wer schneller auf Betriebstemperatur kommt, auch schon in den Halbfinals“, so Berlins Manager Andreas Hain. „Wir sehen es als Herausforderung an, freuen uns auf ein tolles Pokalturnier und wollen am Ende des Tages oben auf dem Podest stehen.“ Irina Palina hält ihr Team zu höchster Wachsamkeit an. „Die Konkurrenz ist deutlich stärker als in den vergangenen Jahren. Die Titelverteidigung wird ungleich schwerer“, so die eastside-Trainerin. „Unser Ziel ist dennoch klar definiert: Wir wollen den Titel. Dazu muss jede meiner Spielerinnen vom ersten Moment mit 100 Prozent Konzentration zu Werke gehen und ihr bestes Tischtennis abliefern. Die Mannschaft ist fokussiert. Wenn uns noch das Publikum den Rücken stärkt, bin ich optimistisch.“

Bingen und Bad Driburg wollen sich teuer verkaufen

Natürlich hoffen die Halbfinal-Kontrahenten der beiden Giganten auf Sensationssiege und treten die lange Reise nicht an, um Opferlamm zu spielen. Doch sie wissen, dass schon etwas Außergewöhnliches passieren muss, um ins Endspiel einzuziehen. Im Normalfall kommt man nur schwer am Pokal-Titelverteidiger, der nach einigen schwächeren Auftritten in der Liga zuletzt auf guter Betriebstemperatur war, sowie an Kolbermoor mit Liu Jia vorbei.

Kajak-Doppel-Olympiasieger Marcus Groß hatte vor einigen Wochen „Glücksfee“ gespielt und den Fans die beiden Halbfinals beschert, die für Bingen und Bad Driburg eine immense Herausforderung bedeuten.

„Für unsere junge Mannschaft ist es ein Erfolg, am Final Four teilzunehmen“, ist Joachim Lautebach, Vorsitzender der TTG Bingen/Münster-Sarmsheim, nach wie vor stolz darauf, dass seine Mädels dabei sind. „Alle Mannschaften sind stark aufgestellt und wenn Kolbermoor komplett antritt, wird es sehr schwierig für uns. Berlin und Kolbermoor in Bestbesetzung sind kaum zu schlagen.“ Lautebach sieht lediglich einen kleinen Vorteil bei seinem Quartett: „Die Mannschaft hat nichts zu verlieren und kann befreit aufspielen.“

„Natürlich ist das nicht das beste Los“, gibt Bad Driburgs Manager Franz-Josef Lingens zu Protokoll, dessen Team ausgerechnet gegen den Seriensieger ran muss. „Wir freuen uns trotzdem auf dieses Event und werden nichts unversucht lassen, den Favoriten mit voller Mannschaft zu ärgern.“

Tolles Rahmenprogramm

Nicht ärgern sondern freuen sollen sich dagegen die Fans, die man nicht nur mit Weltklasse-Tischtennis begeistern möchte. Als Ausrichter hat der ttc berlin eastside für die Besucher des Buderus-Final Four nämlich ein interessantes, abwechslungsreiches Rahmenprogramm zusammengestellt. So wird es unter anderem einen tollen, schwungvollen Music-Act geben. Doch das ist längst nicht alles. „Wir sind besonders stolz darauf, dass es uns geglückt ist, einen inklusiven Tischtennis-Showkampf zwischen dem sechsfachen Paralympics-Teilnehmer und vielfachen Medaillengewinner Jan Gürtler (Berlin) und Christian Süß, Olympia-Silbermedaillen-Gewinner mit der Mannschaft 2008, vielfacher WM- und EM-Medaillengewinner und früherer Deutscher Meister im Einzel, Doppel und Mixed, präsentieren zu können“, so Alexander Teichmann. „Dank der Unterstützung durch das Sanitätshaus Seeger haben Rollstuhlfahrer mit einer Begleitperson freien Eintritt.“ Der ttc-Präsident ist überzeugt, dass „der Besuch des Buderus-Final Four 2019 eigentlich für alle Tischtennis-Fans ein Muss“ ist.

Deutsche Pokalmeisterschaften der Damen – Buderus-Final Four 2019
unter der Schirmherrschaft des Senators für Inneres und Sport Andreas Geisel

Sonntag, 6. Januar 2019

Sportforum Berlin
Weißenseer Weg 53
13053 Berlin

Programm

09.00 Uhr
Einlass

10.00 Uhr
Eröffnung

10.15 Uhr
Halbfinale
Tisch 1: TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – SV DJK Kolbermoor
Tisch 2: TuS Bad Driburg – ttc berlin eastside

ca. 13.30 / 14.00 Uhr
Finale um den Deutschen Pokal
anschließend Siegerehrung

 

Text & Foto Liu Jia: Dr. Stephan Roscher

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