Schwabhausen und Kolbermoor setzen sich oben fest

Von Stephan Roscher|Dezember 6, 2021|bundesliga

Eine Überraschung gab es nicht beim Wiedereinstieg in die 1. Bundesliga Damen nach der vierwöchigen Bundesligapause infolge hochkarätiger internationaler Events. In den beiden Sonntagspartien am 2. Advent setzten sich jeweils die favorisierten Gastgeberinnen aus Oberbayern durch. Der SV DJK Kolbermoor besiegte den ESV Weil mit 6:2, wobei die Gäste keineswegs Kanonenfutter waren und zeitweise gut mithielten. Der TSV Schwabhausen ließ einer an diesem Nachmittag chancenlosen TTG Bingen/Münster-Sarmsheim beim 6:1 allerdings nicht den Hauch einer Chance. Schwabhausen schob sich mit nun 7:3 Punkten auf die erste Verfolgerposition direkt hinter Berlin, Kolbermoor ist punktgleich und steht jetzt auf Platz 3.

SV DJK Kolbermoor – ESV Weil 6:2

In den Doppeln ging es eng zu, der Außenseiter aus dem Dreiländereck führte in beiden Matches mit 2:0 Sätzen, konnte am Ende aber nur durch Polina Trifonova/Ievgeniia Sozoniuk punkten, die überraschend Kristin Lang und Yuan Wan mit 3:0 auf Distanz hielten. Svetlana Ganina und Laura Tiefenbrunner konnten indes noch ihr Spiel drehen, sodass Izabela Lupulesku und Vivien Scholz am Ende doch das Nachsehen hatten.

Dann zog Kolbermoor durch drei Einzelsiege in Folge auf 4:1 davon. Kristin Lang schlug eine starke Izabela Lupulesku ebenso mit 3:1 wie Yuan Wan ihre Gegnerin Polina Trifonova. Svetlana Ganina ließ einer Vivien Scholz keinen Satzgewinn, die schwer ins Match hineinfand und erst im dritten Durchgang (11:13) auf Augenhöhe war. Ievgeniia Sozoniuk gelang im Gegenzug der einzige Einzelpunkt der Weilerinnen. Gegen die junge Laura Tiefenbrunner kam die Ukrainerin mit ihrem gefährlichen Kurznoppenspiel durch und siegte mit 3:1 (11:9, 9:11, 11:5, 11:7).

Kristin Lang sorgte gegen Polina Trifonova, deren Einzelbilanz (1:11) nicht zufriedenstellen kann, fast mühelos für das 5:2. Yuan Wan machte gegen Izabela Lupulesku den sprichwörtlichen Sack zu, wobei die serbische Nummer eins allerdings vier Sätze auf Augenhöhe agierte, im fünften Durchgang dann aber kein Land mehr sah.

„Anfänglich war es schon eine etwas eigenartige Atmosphäre in der Halle, so ganz ohne Zuschauer, doch nach einer gewissen Zeit hatten wir uns daran gewöhnt“, sagte die frühere ungarische Weltklassespielerin Krisztina Toth, die in Abwesenheit von Trainer Michael Fuchs das Team des Gastgebers coachte. „Es war sehr wichtig, dass wir nicht mit 0:2 aus den Doppeln raus sind. Kristin und auch Yuan haben eine starke Leistung gezeigt, Swetlana hat auch gut gespielt, nicht nur im Einzel, auch im Doppel. Bei Weil hat besonders Lupulesku überzeugt, die sowohl gegen Kristin als auch gegen Yuan nicht ohne Chance war. Hätte sie eins dieser beiden Matches gewonnen, hätte es mit etwas Pech noch 5:5 ausgehen können.“ „Kriszti“ Toth ergänzte: „Das Ergebnis hätte auch knapper ausfallen können, aber die Mädels haben das toll gemacht und wir freuen uns, dass wir zwei wichtige Punkte geholt haben.“  

„Kolbermoor hat sich souverän gezeigt und wurde insgesamt seiner Favoritenrolle gerecht“, konstatierte Weils Abteilungsleiterin Doris Spiess. „Für uns war nur der Beginn vielversprechend, als beide Doppel mit 2:0 in Führung lagen. Leider konnten dann nur Trifonova/Sozoniuk ihr Spiel heimbringen. Wenn wir beide Doppel gewonnen hätten, wer weiß.“  Doris Spiess bewertete auch die Leistungen in den Einzeln: „Gegen das Tempospiel von Kristin Lang und Yuan Wan kamen unsere Spielerinnen diesmal nicht an, genauso wenig wie Vivien Scholz gegen die Abwehr von Ganina. Nur Ievgeniia Sozoniuk hielt die Partie offen mit ihrem Sieg gegen Laura Tiefenbrunner.“

Ievgeniia Sozoniuk sorgte für den einzigen Punkt der Weilerinnen in den Einzeln (Bild: Dr. Stephan Roscher).

Der ESV Weil hat die Hinserie als erstes Team bereits abgeschlossen und steht mit 6:8 Punkten auf Rang 4, könnte aber noch ein Stück abrutschen, da die Konkurrenz noch Gelegenheit zum Punkten hat, teilweise sogar mehrfach. Der angepeilte Klassenerhalt ist noch nicht in trockenen Tüchern.

Der SV DJK Kolbermoor hat noch zwei schwere Spiele zu bestreiten, nämlich am kommenden Sonntag in Langstadt und am 19.12. das Oberbayern-Derby in Schwabhausen. Gewinnt er beide, ist er – wie vor der Saison auch erwartet –, Berlin-Verfolger Nummer eins.  

TSV Schwabhausen – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim 6:1

Manche hatten schon mit einem engeren Verlauf gerechnet, auch wenn die Favoritenrolle beim Gastgeber lag, zumal dieser zum zweiten Mal in dieser Saison mit seiner Asiatin Liu Yangzi auflaufen konnte. Und die demonstrierte mit zwei souverän gewonnenen Einzeln erneut, weswegen man sie als Nummer eins verpflichtet und noch vor Sabine Winter gelistet hat. Ein unglaublich starkes Spitzenpaarkreuz, gegen das jeder Bundesligarivale Höchstleistungen bringen muss, um nicht unterzugehen.

Doch zunächst schienen die Rheinhessinnen das Heft des Handelns in ihre Hand nehmen zu wollen. Das erste Doppel des Tages ging glatt an Archana Girish Kamath und Karolina Mynarova, die Liu Yangzi und Mercedesz Nagyvaradi, die nur schwer ins Spiel fanden, keinen Satzgewinn gönnten. Die Tschechin Mynarova war übrigens nur ins Team gerückt, weil ihre Landsfrau Katerina Tomanovska kurzfristig erkrankt war und unverrichteter Dinge aus Schwabhauen zurückfahren musste. Sie fehlte dann auch dem Team als Führungsspielerin, die die anderen mitreißt. Bingen führte jedenfalls schnell mit 1:0, doch das war es bereits mit der Herrlichkeit der Rheinpfälzerinnen an diesem aus ihrer Sicht gebrauchten Tag.

Liu Yangzi erwies sich erneut als guter Griff des TSV auf der Spitzenposition (Bild: Helmut Hörnschemeyer).

Es folgten sechs Schwabhäuser Siege in Serie, vier davon glasklar. Insgesamt gingen ganze fünf Sätze an die Gäste, bei denen wenig zusammenlief, also nur noch zwei nach dem siegreichen Doppel – das spricht eine deutliche Sprache. Liu Yangzi blieb gegen Giorgia Piccolin und Mie Skov ebenso ohne Satzverlust wie Sabine Winter gegen die routinierte Skov. Die Kroatin Mateja Jeger hielt sich an Karolina Mynarova schadlos und die wie immer überaus effektiv spielende Ungarin Mercedesz Nagyvaradi zog den Gästen endgültig den Zahn, indem sie die etwas höher eingeschätzte Inderin Archana Girish Kamath mit 3:1 (9:11, 11:4, 11:9, 11:4) letztlich sogar recht klar distanzierte.

„Heute ist bei uns alles zusammen gelaufen, bin sehr froh über die tolle Leistung meines Teams“, sagte ein hoch zufriedener TSV-Trainer Alexander Yahmed nach der Partie. „Am Anfang, als ich sah, mit wem Bingen kommt, war ich schon etwas nervös.“ Lob von Yahmed gab es auch für die neue Spitzenspielerin: „Yangzi war am Anfang der Saison nicht eingeplant, es war einfach Glück, dass wir sie bis jetzt schon zweimal einsetzen konnten. Sie passt sehr gut in unser junges Team – sie verstehen sich alle gut und es wird Leistung gebracht von allen.“

„Es war, auch in dieser Höhe, ein verdienter Sieg der Heimmannschaft“, räumte Bingens Teamcoach Frank Liesenfeld ein. „Wir haben heute „Lehrgeld“ gezahlt. Meine These vor der Saison sehe ich klar bestätigt, dass Schwabhausen, besonders wenn sie wie heute in Bestbesetzung spielen können, zu den Top Vier der Liga zählen.“

Die Oberbayern müssen kurz vor Weihnachten noch zweimal ran, am 18.12. in der Favoritenrolle gegen die SV Böblingen sowie eben tags darauf gegen Kolbermoor. Steht Liu Yangzi auch dann zur Verfügung, scheint alles möglich. Und selbst ohne sie könnten Winter und Co. vier Punkte gelingen.

Die so furios in die Saison gestartete TTG Bingen/Münster-Sarmsheim (4:6 Punkte) hat nun dreimal in Folge deutlich verloren und muss auf der Hut sein, den Anschluss nicht zu verlieren. Die beiden letzten Vorrundengegner sind aber heftig: Langstadt (11.12.) und berlin eastside (12.12.), beide Partien vor heimischer Kulisse.

Auch Bingens Inderin Archana Girish Kamath konnte dem Spiel keine Wende geben (Bild: Rainer Oppenheimer).

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Am kommenden Wochenende geht es mit gleich fünf Partien in den Vorrunden-Endspurt im Damen-Oberhaus. So steigt unter anderem die SV Böblingen nach neunwöchiger Spielpause wieder in den Ligabetrieb ein mit Heimspielen gegen den ttc berlin eastside und den TTC 1946 Weinheim. Der TTC Langstadt muss in Bingen, das auch noch Triple-Sieger Berlin empfängt, und gegen Angstgegner Kolbermoor ran. Es bleibt weiter spannend in Europas stärkster Damen-Liga, sowohl oben als auch unten.

Beitragsbild oben: Kristin Lang steuerte einmal mehr zwei Siege zum Erfolg ihres Teams bei (Foto: Petra Steyer).

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