Berlin will in Weil nichts anbrennen lassen, Langenselbold hofft auf zweiten Saisonsieg
Zwei Partien stehen am Sonntag in der 1. Bundesliga Damen auf dem Programm. Die Vorzeichen sind recht unterschiedlich. Während Titelverteidiger ttc berlin eastside als klarer Favorit zum ESV Weil ins Dreiländereck reist, begegnen sich in Langenselbold zwei Teams, in deren Fokus der Klassenerhalt steht. Die TGL möchte gegen Bingen den zweiten Saisonsieg eintüten, der Gegner mit Herzblut dagegenhalten.
ESV Weil – ttc berlin eastside (Sonntag, 14 Uhr)
Die Ausgangslage ist eindeutig. Die Weilerinnen kämpfen um den Klassenerhalt, die Hauptstädterinnen sind in der Bundesliga trotz des „suboptimalen“ Saisonstarts mit dem 4:6 in Kolbermoor bis auf Weiteres das Maß der Dinge.
Schon die Partie gegen Vizemeister Dachau am letzten Sonntag hat gezeigt, dass Berlin die bevorstehenden Aufgaben hellwach und fokussiert angeht, wobei der hohe 6:1-Sieg natürlich auch durch den Umstand begünstigt wurde, dass der Gegner ohne Sabine Winter auskommen musste. Dennoch gab es einige spannende Matches, die nur knapp an die Berlinerinnen gingen, sodass Manager Andreas Hain von einem Arbeitssieg sprach. Vor 200 Fans in der „Heyse25“ wurde aber lediglich ein Doppel verloren – der Gastgeber mit seinen frischgebackenen Europameisterinnen Nina Mittelham (Mixed) und Natalia Bajor (Doppel) wusste zu gefallen und stellte Nervenstärke unter Beweis.
Vor acht Tagen hatte Hain die Marschroute für die restliche Vorrunde, in der sein Team immerhin noch fünfmal an die Tische gehen muss, vorgegeben: „In den nächsten Wochen gilt unser Fokus ganz den restlichen Spielen in der Bundesliga, wir wollen möglichst kein Spiel bis Weihnachten mehr verlieren und uns so eine gute Ausgangsposition für die Play-offs schon in der Vorrunde erarbeiten.“
Der ESV hat bisher zwei Partien bestritten und diese in fremden Hallen jeweils recht deutlich verloren. In Langenselbold musste man ein 2:6, in Weinheim ein 1:6 quittieren. Allerdings hätte die Auftaktpartie in Hessen auch knapper ausgehen können, da man in vielen Matches auf Augenhöhe war.
Doch es zählen eben nur die nackten Ergebnisse sowie natürlich die Punkte. Folglich steht man derzeit auf dem achten und letzten Tabellenplatz, auch wenn dessen Aussagekraft nach nur zwei Begegnungen fraglos begrenzt ist. Ganz unten fühlt sich indes keiner richtig wohl, folglich möchte man Rang acht so schnell wie möglich wieder verlassen möchte. Dass dies bereits am Sonntag gelingt, ist aber eher unwahrscheinlich. Zumal man erneut und bereits zum dritten Mal ohne die neue Spitzenspielerin aus Hongkong, Hoi Man Karen Lee, an die Tische gehen muss. Natürlich kann der ESV locker aufspielen und in der recht engen, „kuscheligen“ Halle in der Leopoldschule mag immer auch ein kleiner Heimvorteil gegeben sein, doch ob das reicht, um ein Team von der Qualität des ttc berlin eastside zu beeindrucken, muss als äußerst fraglich gelten.
Da Weil an Position vier mit der jungen Schweizerin Enya Hu auflaufen wird – das 13-jährige Toptalent ist auf internationalen Jugendturnieren bereits eine echte Hausnummer und mit 2.034 Q-TTR-Punkten gemessen an seinem Alter sensationell hoch bewertet -, muss neben Lee noch eine weitere Stammspielerin fehlen. Der ESV verfügt nämlich über fünf Stammkräfte. Aus dem Quartett Ievgeniia Sozoniuk, Andrea Pavlovic, Lea Lachenmayer, Kornelija Riliskyte stehen folglich nur drei Spielerinnen zur Verfügung.
ESV-Abteilungsleiterin Doris Spiess freut sich auf das Duell mit dem Serienmeister: „Unser erstes Heimspiel der Saison. Wir möchten unseren Fans gerne ein tolles Spiel zeigen. Leider ist unsere Asiatin immer noch nicht dabei. Dafür erhält unser Nachwuchstalent Enya Hu erstmals die Chance, Bundesligaluft zu schnuppern. Gegen Berlin können wir entspannt aufspielen und schauen, was daraus wird.“
Andreas Hain sagt im Vorfeld der Partie: „Wir wollen in Weil natürlich gerne gewinnen und werden uns auf das Match gut vorbereiten. Letztlich hängt auch viel davon ab, in welcher Aufstellung Weil antritt, in Bestbesetzung sind sie gegen jeden Bundesligisten gefährlich.“ Da der ESV, wie weiter oben vermeldet, nicht in Topbesetzung an die Tische gehen wird, ist die Favoritenrolle der Gäste natürlich noch eindeutiger und für die Weilerinnen wird es vorrangig um Schadensbegrenzung gehen.
TG Langenselbold – TTG Bingen/Münster Sarmsheim (Sonntag, 15 Uhr)
Weiter geht es mit dem nächsten Langenselbolder Heimspiel in der 1. Bundesliga Damen, allerdings auch bereits dem letzten im Jahr 2026. Danach stehen in der Vorrunde nur noch die Auswärtspartien in Fürstenfeldbruck (22.11.) und Berlin (13.12.) auf dem Spielplan. Die TGL empfängt Bingen zu einem Duell in den unteren Tabellenregionen.
Dass beide am Saisonende mit dem Klassenerhalt zufrieden wären, ist kein Geheimnis. Langenselbold möchte sich als Liganeuling und „Seitensteiger“ erst einmal im Oberhaus akklimatisieren und musste in den letzten drei Partien zur Kenntnis nehmen, wie stark die deutsche Eliteliga ist. Und Bingen hat zumindest während der kompletten Vorrunde mit Personalsorgen zu kämpfen, da man aufgrund unglücklicher Umstände keine potenzielle Nummer eins an Bord hat.
Man könnte auch von einem frühen Schlüsselspiel im Kampf um den Klassenerhalt auf dem Programm. Mit der TGL und der TTG treffen das Team mit den gegenwärtig meisten und das mit den wenigsten absolvierten Partien aufeinander. Klee und Co. haben bereits viermal gespielt, der Gegner aus Rheinhessen erst einmal – gegen Fürstenfeldbruck konnte die TTG mit nur drei ligatauglichen Spielerinnen nichts ausrichten (2:6).
Nun werden die Rheinhessen erstmals komplett antreten, wobei der Begriff ‚komplett‘ zu relativieren ist. Das Team muss nämlich die komplette Vorrunde ohne eine spielstarke Nummer eins auskommen. Man hatte zwei Chinesinnen der gehobenen Kategorie verpflichtet, die sich auf der Spitzenposition abwechseln sollten. Im letzten Moment legte der chinesische Verband sein Veto ein. Zu diesem Zeitpunkt war die Wechselfrist fast vorüber und der Markt gab nichts mehr her. Zur Rückrunde möchte sich der dreimalige Vizemeister entsprechend verstärken und hofft, bis dahin nicht den Anschluss ans rettende Ufer zu verlieren. Bingen verfügt aktuell nur über vier Spielerinnen – und die werden auch die mit 100 Kilometer relativ kurze Reise zum Beinahe-Derby antreten.
Elena Kuzmina ist fraglos die stärkste und erfahrenste Akteurin. Die erst 16-jährige Abwehrspielerin Lisa Wang stand letzte Saison bereits einige Male für Kolbermoor am Tisch – und das gar nicht so schlecht (Bilanz 5:9). Allerdings ausschließlich hinten, nun ist sie zwangsläufig die Nummer zwei. Karolina Mynarova fungiert als Spielertrainerin, zumal nach dem Tod des langjährigen Cheftrainers Peter Engel im September, der viele Tischtennisfans erschüttert hat. Das einzige neue Gesicht ist die 20-jährige Weißrussin Ulyana Miashchanskaya, die mit etwas über 2.000 Q-TTR-Punkten gelistet ist. Sie ist schwer einzuschätzen, dürfte aber kaum auf Anhieb die Liga aufmischen.
Die schwierige Situation habe indes die Bingener Spielerinnen dem Vernehmen nach stark zusammengeschweißt, wie der Verein betont. Man werde am Sonntag alles hineinwerfen und mit Herzblut kämpfen.
Nach dem 6:2-Auftaktsieg gegen Weil und den drei 2:6-Niederlagen in Kolbermoor, Dachau und gegen Weinheim scheint schon jetzt klar zu sein, dass sich der „Seiteneinsteiger“ aus Hessen im Kampf um den Ligaverbleib vornehmlich an Weil und Bingen orientieren muss.
Man wird in der Aufstellung vom Weinheim-Spiel an die Tische gehen, also mit Ayhika Mukherjee, Sophia Klee, Lorena Morsch und Spielertrainerin Sonja Roggenhofer – die Schwedin Matilda Hansson steht aufgrund ihrer Rückenverletzung weiterhin nicht zur Verfügung.
Zweimal schon durfte man sich über fast 300 Zuschauer in der Selbolder Tischtennis-Arena freuen. Man hofft erneut auf eine gute Kulisse, die die Spielerinnen zu Höchstleistungen puschen soll, wie Vorstandschef Matthias Leißner unterstreicht, der auch betont: „Das ist in der Tat schon ein sehr wichtiges Spiel für uns.“

Sonja Roggenhofer (TG Langenselbold) – Foto Roscher.
Seniorenweltmeisterin Sonja Roggenhofer, die noch auf den ersten Sieg in der Liga wartet, erklärt: „Für uns ist seit Saisonbeginn jedes Spiel eine neue Herausforderung, der wir uns mit Ehrgeiz stellen.“ Das letzte Spiel sei abgehakt: „Sicherlich hatten wir uns den Spielverlauf gegen Weinheim anders vorgestellt, aber Sieg und Niederlage liegen oft näher aneinander, als es die Endergebnisse ausdrücken. Nun bereiten wir uns optimistisch auf das letzte Heimspiel der Hinserie vor.“ Man wolle „in jedem Fall zeigen, dass der Neuling der Liga im wahrsten Sinne des Wortes am Ball bleibt.“
„Die vier übrig gebliebenen Spielerinnen sind Stand heute dabei“, vermeldet TTG-Sportvorstand Joachim Lautebach. „Sie werden am Samstag gemeinsam trainieren, die Moral ist gut und unsere schwierige Situation schweißt das Team zusammen. Jede wird versuchen das Beste zu geben, was letztlich dabei herauskommt, ist offen. Eine solch schwierige Situation habe ich in der langen Zugehörigkeit zur 1. Bundesliga, wir sind nun in der 18. Saison, noch nicht erlebt.“ Für Ulyana Miashchanskaya „ist die 1. Liga Neuland und man muss ihr Zeit geben, sich zu akklimatisieren. Sie macht im Training auf jeden Fall einen guten Eindruck.“ Lautebach fügt hinzu: „Genau wie die anderen Spielerinnen, trotzdem sehen wir uns nicht als Favorit. Wir werden alles versuchen, uns gut zu präsentieren und Langenselbold Paroli zu bieten. Unser Ziel für die Vorrunde muss sein, keinen zu großen Abstand auf einen Nichtabstiegsplatz zu haben, um in der Rückrunde vielleicht noch einen Abstieg vermeiden zu können. Klar hatten wir vor der Saison andere Ziele, doch jetzt müssen wir mit der gegebenen Situation entsprechend umgehen.“
Beitragsbild oben: Ievgeniia Sozoniuk schlägt seit Jahren für den ESV Weil auf und möchte sich am Sonntag gegen den Topfavoriten Berlin so teuer wie möglich verkaufen (Foto: Dr. Stephan Roscher).
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