Berlin schlägt Dachau, Weinheim gewinnt in Langenselbold

Von Stephan Roscher|Oktober 26, 2026|bundesliga

Ein auf dem Papier sehr deutliches 6:1 in der Hauptstadt zwischen berlin eastside und Dachau, jedoch waren einige Matches sehr umkämpft und die ohne Sabine Winter angetretenen Gäste hielten recht gut dagegen. Obwohl nicht in Bestbesetzung, ließen die Weinheimerinnen beim 6:2 in Langenselbold nichts anbrennen. Allerdings waren auch die Hessinnen nicht komplett, da die Schwedin Matilda Hansson erneut verletzungsbedingt fehlte.  

ttc berlin eastside – TSV Dachau 65  6:1

Bei der Neuauflage des letzten Meisterschaftsfinales konnte sich Serienmeister Berlin mit 6:1 gegen die Dachauerinnen behaupten. Allerdings spielte den Hauptstädterinnen auch das Fehlen von Sabine Winter bei den Gästen in die Karten. Es war aber – ungeachtet des deutlichen Ergebnisses – keine langweilige Partie und die fast 200 Zuschauer in der „Heyse25“ kamen voll auf ihre Kosten, da sich die Gäste aus Oberbayern teuer verkauften und einige Matches sehr eng gestalten konnten.

Der ttc eastside setzte auf Mixed-Europameisterin Nina Mittelham, Doppel-Europameisterin Natalia Bajor sowie Josi Neumann und Sabina Surjan – also eine wirklich hochkarätige Aufstellung. Dachau schickte Seoyoung Byun, Dora Cosic, Naomi Pranjkovic und die Niederländerin Emine Ernst ins Rennen – Pranjkovic und Ernst bilden derzeit das äußerst erfolgreiche vordere Paarkreuz im „B-Team“ der Oberbayern in der 3. Liga Süd.  

Und sie hielten, wie das gesamte Team gut mit, auch wenn man ohne Winter letztlich keine echte Chance auf Punkte hatte. Dora Cosic und Seoyoung Byun machten es Berlins Spitzenspielerin Nina Mittelham nicht leicht. Die junge Kroatin lag zweimal nach Sätzen vorne und unterlag am Ende mit 7:11 im Entscheidungsdurchgang, während die südkoreanische Abwehrspielerin sogar mit 2:0 Sätzen in Führung ging, am Ende aber ein 8:11 im fünften Durchgang quittieren musste. Und die starke Emine Ernst zog gegen Josi Neumann ebenfalls erst im Entscheidungssatz den Kürzeren – auch sie konnte eine zwischenzeitliche 2:0-Führung nicht ins Ziel bringen.

Wusste in Berlin zu gefallen: Dora Cosic (Archivfoto Roscher).

Für den Ehrenpunkt der Gäste sorgte das Doppel Byun/Pranjkovic, das sich gegen Neumann/Surjan in vier umkämpften Sätzen behaupten konnte. Auf Berliner Seite punktete das Doppel Mittelham/Bajor (3:0 gegen Cosic/Ernst) sowie in den Einzeln – neben Mittelham und Neumann – Bajor, die sich zum allerersten Mal gegen Defensivstrategin Byun durchsetzen konnte, und Surjan (3:0 gegen Pranjkovic).

„Es war heute ein Arbeitssieg gegen einen dezimierten Gegner, der gut gekämpft hat“, so das Fazit von Berlins Manager Andreas Hain. „Letztlich haben wir uns in den entscheidenden Phasen immer zusammengerissen und die Spiele noch für uns entschieden. Herausragend heute Natalia Bajor, die zum ersten Mal überhaupt gegen Byun gewonnen hat.“

Berlin ist am kommenden Sonntag erneut gefordert und geht in Weil an die Tische, für Dachau geht es dagegen erst am 08.11. mit einem Bayern-Derby weiter, man empfängt das Team aus Fürstenfeldbruck.

TG Langenselbold – TTC 1946 Weinheim 2:6

275 Tischtennisfans waren in die erneut gut gefüllte Langenselbolder Tischtennis-Arena gekommen und nicht wenige hofften auf einen Überraschungscoup des Liganeulings, umso mehr, als man registrierte, dass die Nordbadener ohne ihre etatmäßige Nummer eins angereist waren. Weder Orawan Paranang noch Kim Seongjin oder Chien Tung-Chuan standen zur Verfügung. Doch aus dem insgeheim vielleicht erhofften Punktgewinn für die Hessinnen, bei denen die Bundesligapremiere der Inderin Ayhika Mukherjee mit Spannung erwartet wurde, wurde nichts.

Dazu spielte auch das nach Hessen gereiste, leicht dezimierte TTC-Quartett zu stark und vor allem effektiv, das gnadenlos seine Chance nutzte, was den Langenselbolderinnen teilweise gerade nicht gelang.

Der unorthodoxen Materialspielerin Mukherjee, die erst am Donnerstag im Rhein-Main-Gebiet eingetroffen war, hatte bei der Mannschafts-WM 2024 für Furore gesorgt, als sie die Weltranglisten-Erste Sun Yingsha geschlagen hatte. Nun, um es vorwegzunehmen, ihr Debüt in der deutschen Topliga verlief ein wenig durchwachsen.

Der Inderin, zuletzt in der Weltrangliste etwas abgerutscht und derzeit nur noch als Nummer 107 geführt, standen Sophia Klee, Lorena Morsch und – wie in sämtlichen drei Partien zuvor – Spielertrainerin Sonja Roggenhofer zur Seite. Für einen Einsatz der an einer Rückenverletzung laborierenden Schwedin Matilda Hansson war es noch zu früh.   

Bei Weinheim musste Yuan Wan auf die Spitzenposition vorrücken – und dass sie auch das drauf hat, stellte die 29-jährige deutsche Nationalspielerin eindrucksvoll unter Beweis. Ihr standen Veronika Matiunina, Shi Qi und die 17-jährige Elisa Nguyen zur Seite.  

Bereits in den Doppeln deutete sich an, wo die Reise hingehen würde. Trotz der laustarken Unterstützung durch die Fans konnten nämlich Roggenhofer/Morsch (gegen Wan/Nguyen) und Mukherjee/Klee (gegen Matiunina/Shi) nur jeweils einen Satz gewinnen. Ayhika Mukherjees 3:0-Erfolg über Veronika Matiunina, die mit dem Materialspiel der Inderin erkennbare Probleme hatte, auch wenn der dritte Satz erst in der Verlängerung entschieden wurde, nährte die Hoffnung beim Gastgeber, dass vielleicht doch etwas gehen könnte.

Der Dämpfer folgte jedoch auf den Fuß, als die phasenweise wirklich stark spielende Sophia Klee gegen Yuan Wan teilweise hohe Führungen sowie im zweiten Durchgang eine ganze Serie von Satzbällen zum 2:0 nicht ins Ziel bringen konnte und am Ende mit 1:3 unterlag. Natürlich muss man auch Wan hoch anrechnen, dass sie so stabil blieb und im entscheidenden Moment hoch konzentriert agierte und fast gnadenlos zuschlug. „Wir kennen unser Spiel halt gegenseitig in- und auswendig“, so die Siegerin nach dem Match. „Daher sind das immer ganz spezielle und für beide schwierige Spiele, bei denen man in jeder Phase sehr fokussiert sein muss. Es sind 50:50-Matches, auch wenn ich in letzter Zeit vielleicht etwas öfter gewonnen habe als Sophia, die mich aber auch schon oft geschlagen hat.“

Wer weiß, wie das Match ausgegangen wäre, wenn Klee mit 2:0 Sätzen in Führung gegangen wäre, doch Konjunktive sind im Sport bekanntlich nichts wert. So aber hieß es 1:3, kurz darauf 1:4, da Sonja Roggenhofer gegen Shi Qi zwar aufopferungsvoll kämpfte, jedoch ohne echte Chance blieb.

Lorena Morsch brachte durch ein 3:1 im Youngster-Duell gegen Elisa Nguyen ihr Team nochmals heran. Danach jedoch die Ernüchterung beim Gastgeber: Ayhika Mukherjee sah gegen Yuan Wan, die auch taktisch äußerst clever spielte, kein Land und unterlag mit 9:11, 3:11 und 8:11. Vor allem fiel auf, dass die Inderin große Probleme bei der Aufschlagannahme hatte und viele direkte Fehler auf Wans Service produzierte.

Ayhika Mukherjee gewann zwar ein Match bei ihrem Bundesligadebüt, musste aber auch eine glatte Niederlage gegen Yuan Wan hinnehmen (Foto: Dr. Stephan Roscher).

Veronika Matiunina machte den Deckel drauf. Auch gegen die Ukrainerin gewann Sophia Klee und auch gegen sie verspielte die 23-jährige Nordhessin nachfolgend einige Führungen, am Ende jedoch hatte die im Lauf des Matchs immer sicherer werdende Weinheimerin in vier Durchgängen die Nase vorn.

„Weinheim war schon sehr stark und effektiv, sie haben ihre Chancen sehr konsequent genutzt und daher auch verdient gewonnen“, so Langenselbolds Vorstandschef Matthias Leißner. „Dennoch schade, ein besseres Ergebnis wäre schon möglich gewesen, wenn wir unsere Chancen besser genutzt hätten. Doch das kann passieren, auf jeden Fall haben die zahlreichen Zuschauer wieder gutes Tischtennis und spannende Matches gesehen. Wir denken weiter von Spiel zu Spiel und unser Ziel ist der Klassenerhalt. Und da bleibe ich optimistisch.“

„Ein starkes Spiel von uns bei einem keineswegs schwachen Gegner“, freute sich Weinheims Manager Christian Säger. „Und das ohne unsere Nummer eins. Orawan Paranang wird uns aber in den nächsten Spielen zur Verfügung stehen und dann schauen wir mal, was diese Saison möglich ist und was wir erreichen können.“ Ein Lob gab es auch für die „Selbolder“: „Ein sehr sympathischer Verein mit einem sehr fairen Publikum. So freundlich wird man als Gast selten aufgenommen. Und die Organisation war Spitzenklasse, alles hat gepasst.“ TTC-Trainer Rainer Schmidt zeigte sich ebenfalls sehr angetan vom Auftritt seines Teams: „Das hat mich schon beeindruckt, auch wie nervenstark wir in den entscheidenden Momenten gewesen sind. Unsere 2:0-Führung nach den Doppeln war natürlich sehr wichtig und hat das Selbstvertrauen erhöht. Sehr stark natürlich Yuan, wie sie zunächst das Match gegen Sophia umgebogen hat und später dann die Materialspielerin klar beherrscht hat.“ Yuan Wan bekräftigte: „Wir waren uns vor dem Spiel nicht so ganz sicher, wie es ohne unsere Nummer eins laufen würde. Unser 2:0 nach den Doppeln war wichtig und hat das Eis gebrochen, wir sind dann immer besser geworden.“

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Am kommenden Sonntag werden zwei weitere Partien in der 1. Bundesliga Damen ausgetragen. Der ESV Weil empfängt Titelverteidiger ttc berlin eastside, während die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim bei der TG Langenselbold in einer wichtige Partie im Kampf um den Klassenerhalt gastiert.

Beitragsbild oben: Yuan Wan zeigte sich in toller Form und stellte zudem Nervenstärke unter Beweis (Foto: Dr. Stephan Roscher).

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