Berlin klarer 6:1-Sieger im Topspiel – Böblingen geht erneut leer aus

Von Autor|Dezember 9, 2018|bundesliga|0 Kommentare

Das Spitzenspiel der 1. Bundesliga Damen verlief einseitiger als gedacht. Mit 6:1 gewann der ttc berlin eastside gegen den amtierenden Deutschen Meister SV DJK Kolbermoor und sicherte sich mit 12:2 Punkten die inoffizielle Herbstmeisterschaft. Allerdings war der Verlierer personell gehandikapt. Auch in Anröchte durfte der Gastgeber jubeln. Mit einem 6:3 gegen Böblingen verschaffte sich der TTK zum Vorrunden-Ende ein ausgeglichenes Punktekonto, während die Schwäbinnen die erste Halbserie abgeschlagen mit 1:13 Zählern abschlossen – trotz einer seit Monaten genial aufspielenden „Hongi“ Gotsch, deren makellose 14:0-Bilanz allergrößten Respekt verdient.

 

ttc berlin eastside – SV DJK Kolbermoor 6:1

Vor rund 150 Fans dauerte das Spektakel nur 100 Minuten. Allerdings war das überdeutliche Ergebnis auch dem Umstand geschuldet, dass Sabine Winter beide Einzel sowie das Doppel mit Kristin Lang wegen Nackenschmerzen abschenken musste. Im Spiel punkteten Matilda Ekholm (3:0 gegen Katharina Michajlova), Nina Mittelham (3:0 gegen Svetlana Ganina) sowie das Doppel Shan/Mittelham (3:0 gegen Ganina/Michajlova). Der Ehrenpunkt für das Team aus Oberbayern ging auf das Konto von Kristin Lang, die Shan Xiaona – trotz eines zwischenzeitlichen 0:2-Satzrückstands – noch mit 3:2 besiegen konnte. Überhaupt avancierte Lang mit einer 10:3-Bilanz zur erfolgreichsten SV DJK-Spielerin der ersten Halbserie. Beim Herbstmeister weisen sämtliche Stammspielerinnen klar positive Bilanzen auf. Hervorheben kann man aber Doppel-Europameisterin Nina Mittelham, die mit acht Siegen bei zwei Niederlagen – auch vorne gelang der 22-Jährigen eine positive Bilanz – besonders zu überzeugen wusste.

Andreas Hain hätte den Gegner lieber mit „voller Kapelle“ gesehen. „Leider war der Deutsche Meister aus Kolbenmoor ohne seine Nummer eins Liu Jia angereist. Zudem konnte Sabine Winter nicht spielen, so war von Anfang klar, dass es nicht mehr als ein leichtes Training für unser Team werden würde“, so der eastside-Manager. „Es waren über 150 Zuschauer in der Halle, um ein echtes Spitzenspiel zu sehen. Leider spielte Kolbermoor da nicht mit. Es ist einfach schade, dass kaum eine Mannschaft in Berlin komplett antritt und so fast immer nahezu kampflos die Punkte abgegeben werden.“ Doch Hain unterstrich auch das Positive aus Sicht seines Klubs: „Herzlichen Glückwunsch an unsere Mannschaft zur Herbstmeisterschaft! Letztlich war es ein weiterer Schritt, um einen der ersten beiden Plätze in der Hauptrunde zu belegen und sich so direkt für das Halbfinale zu qualifizieren.“ Hains Gedanken kreisen bereits um den großen Pokal-Showdown am 6. Januar: „Ich bin mir sicher, in vier Wochen beim Final Four um den DTTB-Pokal wird Kolbermoor mit einem ganz anderen Team antreten und dann alles geben, um nach der Meisterschaft auch den Pokal zu gewinnen.“

„Berlin hat heute klar und verdient gewonnen. Wenn sie so aufgestellt sind, wird es auch ohne Verletzte beziehungsweise in Bestaufstellung schwer, zu punkten“, so Kolbermoors Trainer Michael Fuchs. „Kristin hat gegen Shan Xiaona nach dem 0:2-Rückstand eine starke, kämpferische Leistung gezeigt. Svetlana hat gegen Nina Mittelham eigentlich auch nicht schlecht gespielt und konnte die ersten zwei Sätze sehr ausgeglichen gestalten.“ Fuchs informierte auch, was mit Sabine Winter los ist: „Sabine hat Probleme mit ihrem Nacken. Eine genauere Untersuchung beziehungsweise Behandlung durch Dr. Kass wird es nächste Woche geben. Da sie vor dem Spiel nicht schmerzfrei war, konnte sie leider nicht antreten.“ Generell war es natürlich zu wenig, was der Meister in der Hauptstadt – und nicht nur dort – zeigte. „Insgesamt natürlich ein gebrauchter Tag beziehungsweise eine schwache Vorrunde von uns, jedoch bin ich mir sicher, dass wir uns zur Rückrunde steigern werden“, sagte Fuchs. „Ziel bleibt für uns trotzdem noch, einen weiteren Titel dieses Jahr nach Kolbermoor zu holen, und der Pokal ist hier die erste Chance für uns.“

Kristin Lang sorgte dafür, dass Kolbermoor in Berlin nicht die „Höchststrafe“ erdulden musste.

 

TTK Anröchte – SV Böblingen 6:3

Auch in Anröchte hingen die Trauben für die SV Böblingen zu hoch nach einem „gebrauchten“ Jahr ohne einen einzigen Sieg. Welcher Kontrast dazu die großartige Bilanz von Qianhong Gotsch, mit 14:0 Siegen die mit Abstand erfolgreichste Spielerin der deutschen Eliteliga! Vor 100 Fans in Anröchte konnten auch Aimei Wang und Shi Qi die Tischtennis-Ikone der SVB nicht ernsthaft gefährden, wobei Wang im Defensiv-Duell wenigstens ein Satzgewinn gelang. „Die Klasseleistung von Hongi in der Vorrunde macht uns alle ein wenig stolz“, versicherte Trainer Andrzej Kaim.

Das Problem war nur, dass Gotschs vier Kolleginnen alle zusammen nur acht weitere Punkte beisteuern konnten. Allerdings muss man einräumen, dass sich unter den 30 von dem Quartett verlorenen Matches nicht wenige in Folge von Verletzungspech kampflos abgegebene Spiele befanden. Ob Böblingen bei 1:13 Punkten nochmals in die Nähe der Play-off-Ränge kommen kann, erscheint sehr fraglich, auch wenn man die Hoffnung nicht aufgeben will. „Wir werden auch in der Rückrunde alles versuchen und um jeden Punkt kämpfen, egal ob wir nochmal rankommen oder nicht“, so Kaim.

Böblingens Nummer eins Qianhong Gotsch beendete die Hinserie mit einer makellosen 14:0-Bilanz.

Ziemlich komfortabel ist dagegen die Situation der Ostwestfälinnen. Sie schlossen die Vorrunde mit 7:7 Punkten ab und könnten mit einem Vier-Punkte-Polster auf einen Nicht-Play-off-Platz in die Festtagspause gehen – doch das entscheidet sich erst am kommenden Samstag bei der Partie der Busenbacherinnen gegen Langstadt.

Gegen Böblingen punkteten Shi Qi (3:0 gegen Rosalia Stähr) und Aimei Wang (3:1 gegen Stähr). Jing Tian-Zörner ließ überhaupt nichts anbrennen (3:0 gegen Julia Kaim, 3:1 gegen Theresa Kraft), während Yang Henrich ihr Match gegen Kraft deutlich gewann. Zudem war das Doppel Shi/Henrich (3:1 gegen Gotsch/Stähr) erfolgreich, während das andere Duo Tian-Zörner/Wang gegen die stark aufspielenden Kraft/Kaim knapp den Kürzeren zog. Die 55-jährige Jing Tian-Zörner, U50-Senioren-Weltmeisterin von 2016, fuhr mit 6:1 Siegen das beste Hinrunden-Ergebnis beim TTK ein, während Shi Qi (8:6), Aimei Wang (6:6) und Yang Henrich (5:5) mit ausgeglichenen Leistungen zu gefallen wussten.

„Anröchte war vor eigenem Publikum hoch motiviert, sie haben verdient gewonnen“, räumte Andrzej Kaim ein. „Wir sind natürlich sehr zufrieden“, so Anröchtes Vorsitzender Manfred Vogel. „Es war ein hart umkämpftes Spiel. Die Doppelniederlage von Jing Tian-Zörner und Aimei Wang war für uns schon negativ überraschend, doch Qi Shi und Yang Henrich verhinderten mit ihrem Sieg einen Fehlstart. Unser Vorteil war das untere Paarkreuz mit  Jing Tian-Zörner und Yang Henrich.“ Die Richtung stimme jedenfalls, so Vogel: „Wir sind auf einem guten Weg und hoffen auf eine starke Rückrunde.“

Anröchtes Spitzenspielerin Shi Qi konnte Rosalia Stähr besiegen und schloss die Vorrunde mit einer respektablen 8:6-Bilanz ab.

Beitragsbild oben: Neuzugang Nina Mittelham spielte eine prima Vorrunde bei Ligaprimus ttc berlin eastside.

Text & Fotos: Dr. Stephan Roscher

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